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Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 03.09.18, 09:11
von tjurai
Schönen guten Morgen,
angenommen ein Designer erhält von seinem Auftraggeber einen Klappentext, der für eine Buchcovergestaltung verwendet werden soll. Der Designer baut diesen ein und zeigt das Ergebnis aus Werbegründen im Internet (Erlaubnis des Auftraggebers liegt vor). Dort sieht es eine dritte Person, die erklärt, dass sie der Urheber des Textes sei und fordert vom Designer einen Schadensersatz aufgrund einer Urheberrechtsverletzung.
Inwiefern kann der Designer den entstandenen Schaden (Kosten für Anwalt und Schadenersatz) bei seinem Auftraggeber einfordern, der ihm ja diesen Klappentext zugeschickt hatte? Welche Kosten kann er bei dem Auftraggeber geltend machen? Auf Grundlage welches Paragraphen kann er dies tun?
Vielen Dank für Info.
Viele Grüße
Thorsten J.

Re: Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 03.09.18, 09:19
von webelch
Das kommt darauf an welche vertraglichen Regelungen der Designer mit seinem Auftraggeber für solche Fälle vereinbart hat. Wenn der vermeintliche Urheber des Textes auf die selbstständige Veröffentlichung im Internet abstellt, verletzt hier zunächst der Designer das Urheberrecht. Generell dürfte doch aber, ich vermute hier einen gewerblichen Hintergrund, das Geld für einen Fachanwalt gut angelegt sein.

Re: Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 03.09.18, 09:28
von tjurai
Der Designer hat mit dem Auftraggeber bezüglich diesen Sachverhalts nichts vereinbart.
Sicherlich hat der Designer die Urheberrechtsverletzung begangen aber nur aufgrund des "gestohlenen" Klappentextes des Auftraggebers.

Re: Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 03.09.18, 09:38
von SusanneBerlin
Wenn ich es richtig verstanden habe, war die Veröffentlichung des gestalteren Covers kein Teil des Auftrags, sondern der Designer veröffentlichte das aus dem Auftrag hervorgegangene Cover zur Eigenwerbung auf seiner eigenen Website mit Erlaubnis des Auftraggebers.

Dann wäre es m.E. in der Verantwortung des Designers gewesen, nicht nur die Erlaubnis einzuholen sondern sich auch zusichern zu lassen, dass der Auftraggeber das Urheberrecht für den Text besitzt.

Re: Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 03.09.18, 09:41
von tjurai
Richtig, der Auftrag bestand in der Gestaltung und nicht in der Veröffentlichung.
Allerdings hat der Auftraggeber den Text ja im Zuge einer geplanten Veröffentlichung des Buchs zur Verfügung gestellt und dem Designer auch erlaubt, das Buchcover im Internet zu zeigen. Daher muss der Designer ja davon ausgehen können, dass der Auftraggeber die Urheberrechte des Textes besitzt.

Re: Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 03.09.18, 09:55
von SusanneBerlin
Der veröffentlichende Designer hat also nicht nachgefragt, wer das Urheberrecht über den Text hat und sich auf seine Annahme verlassen, dass es beim Auftraggeber liegen würde. Damit liegt mAn. das Risiko der Veröffentlichung beim Veröffentlicher. Wie ein Rechtsstreit zwischen Designer und Auftraggeber ausgehen würde, kann nicht vorhergesagt werden.

Der Designer hätte den Text ja auch "verschwommen" unlesbar darstellen können, wenn es ihm nur um das Veröffentlichen seiner eigenen Arbeitsprobe, der grafischen Gestaltung ging.

Re: Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 03.09.18, 09:55
von ExDevil67
tjurai hat geschrieben:Daher muss der Designer ja davon ausgehen können, dass der Auftraggeber die Urheberrechte des Textes besitzt.
Nein, die Urheberrechte verbleiben afaik immer zwingend beim Urheber. Ein Dritter kann afaik immer nur Nutzungsrechte vom Urheber erwerben. Wobei der Umfang der Rechte die ein Dritter erwirbt Verhandlungssache ist.
Es wäre also möglich das der Auftraggeber zwar die Rechte erworben hat den Text für das Buch zu nutzen, ihn aber nicht im Internet veröffentlichen darf.

Re: Schaden durch Verwendung eines bereits geschützen Textes

Verfasst: 05.09.18, 10:33
von Michael A. Schaffrath
tjurai hat geschrieben:und dem Designer auch erlaubt, das Buchcover im Internet zu zeigen
Dann läge seitens des Auftraggebers eine falsche Rechtsberühmung vor (weil er damit konkludent erklärt, zur Veröffentlichung des Textes berechtigt zu sein). Das würde in der Tat einen Regreßanspruch des Veröffentlichenden gegen den Auftraggeber nach sich ziehen.