Abmahnung Internet (P2P) - Schiefe Rechtslage

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febus
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Re: Abmahnung Internet (P2P) - Schiefe Rechtslage

Beitrag von febus » 15.09.18, 23:14

SusanneBerlin hat geschrieben:
febus hat geschrieben:Wenn keine Gerichtsentscheidung vorliegt(und es liegt definitiv keine), so wäre auch die Datenweitergabe durch Internet-Provider (IP Adressen und ihre Besitzer) an Dritte(gegnerische Anwalt) auch rechtswidrig.
D.h. der Internet-Provider würde die Datenweitergabe an den gegnerischen Anwalt nicht bestätigen, weil das eine eindeutige Datenschützverletzung seinerseits wäre, oder?
Selbstverständlich darf der Gegner seinem eigenen Anwalt die Daten desjenigen geben, gegen den er einen Anspruch hat, und die Beweise mitteilen. Das ist kein Datenschutzverstoß.
Ich glaube, dass Sie mich mißverstanden haben. Der Gegner konnte natürlich mit Hilfe spezieller Software die IP Adresse und den Hashwert der Datei speichern.
Was ich meinte: ohne Hilfe von Internet Provider kann man die IP Adresse nicht an eine postalische Adresse zuordnen.
Wie konnte diese Weitergabe erfolgen? Bedeutet das, dass der Internet-Provider den Datenschutz verletzt hat? Wie konnte sonst jemand den Schritt von IP zu einer echten Person schaffen, wenn das der Internet Provider nicht verraten hätte?
Wäre solche Datenweitergabe durch das Internet-Provider überhaupt rechtmäßig?

nordlicht02
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Re: Abmahnung Internet (P2P) - Schiefe Rechtslage

Beitrag von nordlicht02 » 16.09.18, 06:57

febus hat geschrieben: Wie konnte diese Weitergabe erfolgen?
Was meinen Sie, weshalb Urheberrechtsverstöße oft angezeigt werden, obwohl eigentlich bekannt ist, dass die Strafverfahren meist eingestellt werden? Richtig: Um über die Ermittlungsbehörden an die Daten des Rechteverletzers zu kommen, damit man seine zivilrechtlichen Ansprüche gegenüber diesem durchsetzen kann.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

Michael A. Schaffrath
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Re: Abmahnung Internet (P2P) - Schiefe Rechtslage

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 18.09.18, 13:33

Wok hat geschrieben:3) Der Hashcode ist interessant um nachzuweisen, ob eine heruntergeladene Datei mit einer urheberrechtlich geschützten identisch ist. Ich rede aber ausschließlich davon, daß überhaupt kein Herunterladen stattgefunden hat.

[...]

Beim herunterladen einer Datei werde ich sofort auch zum Anbieter, weil das Netzwerk automatisch das herunterladen von meinem Computer für Andere möglich macht, auch wenn ich nur einen Teil dieser Datei heruntergeladen habe. Ich habe aber nichts heruntergeladen.
Nun, nach Ansicht aller Gerichte bis hoch zum BGH reicht aber eben dieser Nachweis (Datei mit Hash abcde... angeboten) für den Kläger aus. Das nennt man Beweis des ersten Anscheins. Wenn Sie dann als Beklagter argumentieren wollen, Sie hätten eine spezielle Version der Software verwendet, die nur so tut als böte sie die Datei zum Download an, dann wären Sie dafür darlegungs- und ggfs. beweispflichtig. Das dürfte dann im Einzelfall durchaus schwierig werden.
Abgesehen davon gehe ich davon aus, es wird auch protokolliert, ob Daten heruntergeladen wurden, nur um ganz sicher zu gehen.
Und solche Prüfungen erfolgen auch mehrfach zu mehreren Zeiten, um dem Argument "nur versehentlich für 3 Sekunden online gewesen" vorzubeugen.

(Um da mal eine passende Analogie zu nennen: Wenn der A beim B ein Päckchen Kokain bestellt und B dem A unstrittig eine Tüte weißes Pulver übergeben hat, kann B nicht einfach behaupten, es habe sich um Milchpulver gehandelt und der A lüge, wenn er behaupte, er habe Kokain erhalten. Also er kann das schon, das wird ihm nur kein Richter glauben. ;))
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

MarcoW75
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Re: Abmahnung Internet (P2P) - Schiefe Rechtslage

Beitrag von MarcoW75 » 27.09.18, 09:36

gmmg hat geschrieben:Aus technischer Sicht reicht der angegebe Hash ais Meiner Sicht nicht aus, denn es ist denkbar, dass die Software des Beschuldigten nur vorgibt, die Datei zum Download bereitzustellen, es aber gar nicht tut. Bspw. wird der Ermittelnde ja auch mit einer modifizeirten Software arbeiten und keine Datei zum Download bereithalten, denn das wäre eine legitimierte Verbreitung derselben, und jeder dürfte sich Privatkopien ziehen. Ich meine es müssen schon Inhalte der Datei übertragen werden, welche es zulassen, selbige zu identifizieren.
Leider hat es die meisten Gerichte in der Vergangenheit nicht wo wirklich interessiert,ob ein User einen solchen Leechermod genutzt hat. Meist reichte schon die Vorgabe, es zu tun zu können, für die Annahme,man habe es auch wirklich getan.

Leider arbeiten manche "Ermittlungsfirmen" da nicht mit sauberen Mitteln. Wer die Szene ein wenig verfolgt, dem wird der Fall "Guardaley vs. ipoque" noch etwas sagen. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ipoque einen Testdownload eines geschützten Werkes gemacht. Das wird gemacht,um die Echtheit eines via P2P verbreiteten Werkes zu prüfen,bevor massenhafft geloggt wird. Dumm nur,dass dieser Testdownload von einem Server von Guardaley erfolgte. Sprich: Guardaley hatte geloggt, wie ipoque eines Testdownload machte und der dahinterstehende Anwalt mahnte ipoque deswegen ab.
Das eigentlich Interessante an diesem Fall ist aber,dass dies genau 2 Details belegte, die Ermittlungsfirmen nur zu gerne bestreiten: a) es wird behauptet, Leechermods würden technisch bedingt nicht funktionieren, gleichzeitig behauptete ipoque aber, dass IHR Client tatsächlich keinen Upload fabrizieren könnte und sie damit auch nicht abmahnbar seien. Und b) es wird behauptet, das Ermittlungsfirmen die Werke NICHT selbst online stellen, um dann quasi die Uploadlogs auzuwerten und aus einem erfolgten Upload einen Download mit gleichzeitigem Weiterverteilen des Werkes zu schlussfolgern. Wenn aber die eine Firma angeblich technisch bedingt nichts zum Upload bereitstellen kann und die andere das Werk angeblich auch nicht bereitstellt, wie kann es dann sein, dass die eine Firma die andere Firma geloggt hat ? Will sagen: eine von beiden Seiten lügt offenbar.

Diese Nummer, aus einem Upload ein weiterverteilen zu schlußfolgern, hat mich vor einigen Jahren selbst erwischt. In den meisten Filesharingprogrammen kann man sehen, wieviele Leute gerade eine bestimmte Datei anbieten und wieviele sie gerade runterladen. Am betreffenden Tag sollte ein neues Musikalbum veröffentlicht werden, es tauchte nachts um 01:08 auf. Zu diesem Zeitpunkt gab es laut Anzeige nur einen einzigen Anbieter und nur einen einzigen Downloader (mich). Einige Zeit später dann die Abmahnung...gerade mal 3 Minuten nach dem Auftauchen. Das hieße denklogisch, dass der Anbieter, von dem ich es runtergeladen habe, die Logggingfirma gewesen sein muss. Das ändert zwar nichts an der Tatsache, dass ich das Werk nicht weiterbreiten durfte, aber zeigt doch offensichtlich, dass einige Rechteinhaber der Einnahmenvermehrung ihrer Werke selbst auf die Sprünge helfen. Auch die Anzahl der Abmahnungen von sogenannten Rechtetrollen spricht dafür. Rechtlich gesehen dürfen diese zwar auch abmahnen, aber wenn einer ein Vertriebsrecht kauft, ohne die Absicht zu haben, es auf normalem Wege zu nutzen, dann darf man wohl fragen, ob der nicht auch dem Umsatz auf anderem Wege auf die Sprünge hilft.

Übrigens sind auch die Auskunftsbeschlüsse bzw die Beauskunftung selbst schonmal mit Vorsicht zu genießen. In den Auskunftsanträgen, die zu Gericht gehen, stehen meist die abzufragenden IPs drin. Nur für die gilt dieser Auskunftsbeschluß. Was die Abmahner nicht dran hindert, frech IPs mit zur Beauskunftung an den Provider zu geben, die erst nach dem Erwirken des Auskunftsbeschlusses geloggt wurden und folglich gar nicht von diesem abgedeckt sind. Was einen gewissen Bonner Konzern nicht dran hindert, fröhlich die Klarnamen zu den IPs rauszurücken.

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