kein Bargeld in Restaurant/Kneipe

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Paddy82
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kein Bargeld in Restaurant/Kneipe

Beitrag von Paddy82 »

Hallo zusammen,

angenommen ein Kunde isst in einem Restaurant oder Imbiss etwas, in der Annahme, er hätte ausreichend Bargeld dabei.
Bezahlt wird erst nach dem Verzehr.
Nun stellt er fest, dass er kein ausreichendes Geld dabei hat und eine bargeldlose Zahlung nicht möglich ist.
Welche Rechte und Pflichten haben nun der Kunde und der Wirt?
Einen Personalausweis hat der Kunde dabei. Kann der Kunde verlangen, dass ihm die Rechnung geschickt (bzw. mitgegeben) wird und er den Betrag später überweist oder in bar vorbeibringt, oder darf der Wirt ihn festhalten, bis z.B. die Polizei zur (sicheren) Personalienfeststellung eintrifft?
Strafbar hätte sich der Kunde des (Eingehungs-)Betruges doch nur dann gemacht, wenn er vorher wusste, dass er nicht genug Geld dabei hat, oder?
Wie sieht die Rechtslage hier aus?
Das wichtigste ist, wenn ich sterbe:
Begrabt mich in Hamburger Erde.

maconaut
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Re: kein Bargeld in Restaurant/Kneipe

Beitrag von maconaut »

Paddy82 hat geschrieben: Welche Rechte und Pflichten haben nun der Kunde und der Wirt?
Einen Personalausweis hat der Kunde dabei. Kann der Kunde verlangen, dass ihm die Rechnung geschickt (bzw. mitgegeben) wird und er den Betrag später überweist oder in bar vorbeibringt, oder darf der Wirt ihn festhalten, bis z.B. die Polizei zur (sicheren) Personalienfeststellung eintrifft?
Bei Verdacht auf Zechprellerei kann der Wirt die Polizei rufen oder den Gast festhalten, notfalls auch mit Gewalt: Im Falle einer Straftat erlaubt das sein Jedermanns-Festnahmerecht aus § 127 Abs. 1, 3 StPO, ansonsten greift Selbsthilfe, § 229 BGB, zur Ermittlung der Identität ein.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zechprellerei

Imho darf der Wirt den Gast also in jedem Fall festhalten bis die Polizei eintrifft. Ob nun eine Straftat vorliegt oder nicht zeigt sich dann erst später, aber der Verdacht ist ja nunmal da...

Paddy82
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Beitrag von Paddy82 »

Naja der Kunde würde nach dem Verzehr ja nun nicht heimlich verschwinden wollen, sondern dem Wirt mitteilen, dass er leider kein Bargeld dabei hat.
Auch würde er seinen Personalausweis vorzeigen.
Den Verdacht der Zechprellerei sehe ich damit eigentlich nicht für begründet.
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Tastenspitz
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Beitrag von Tastenspitz »

Solche Probleme haben nur Leute, die keine Freunde haben und alleine essen gehen müssen. 8) :wink:
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Paddy82
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Beitrag von Paddy82 »

Oder Leute, die auf dem Rückweg von einer Feier z.B. noch schnell einen Snack einnehmen wollen..
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Tastenspitz
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Beitrag von Tastenspitz »

Paddy82 hat geschrieben:Oder Leute, die auf dem Rückweg von einer Feier z.B. noch schnell einen Snack einnehmen wollen..
:shock: Man(n) soll von einer Feier nicht alleine nach Hause gehen! So wird das nie was mit der Geburtenquote. :evil: Beckenbauer kann ja auch nicht überall sein.
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Kormoran
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Beitrag von Kormoran »

Was war das denn für eine Sch…feier, von der man mit Kohldampf weggeht, um noch einen Snack einzunehmen?

maconaut
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Beitrag von maconaut »

Paddy82 hat geschrieben:Naja der Kunde würde nach dem Verzehr ja nun nicht heimlich verschwinden wollen, sondern dem Wirt mitteilen, dass er leider kein Bargeld dabei hat.
Auch würde er seinen Personalausweis vorzeigen.
Den Verdacht der Zechprellerei sehe ich damit eigentlich nicht für begründet.
Naja, der Kunde hat gegessen und getrunken und kann anschließend nicht bezahlen. Das ist (für mich) Zechprellerei. Dieser Begriff ist ja auch umgangssprachlich, d.h. rechtlich nicht festgelegt. Ich stimme aber zu, dass ein Festhalten zwecks Personalienfeststellung hinfällig werden kann, wenn der säumige Kunde sich freiwillig ausweist. Die Frage war aber, was reich rechtlich der Wirt tun darf und so wie ich es sehe, dürfte er hierzu die Polizei antreten lassen. Das Recht dazu hat er, die Pflicht nicht.

Der Kunde hat das Recht, sich auszuweisen, die Pflicht (gegenüber dem Wirt) hat er nicht.

Michael A. Schaffrath
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Beitrag von Michael A. Schaffrath »

maconaut hat geschrieben:Die Frage war aber, was reich rechtlich der Wirt tun darf und so wie ich es sehe, dürfte er hierzu die Polizei antreten lassen. Das Recht dazu hat er, die Pflicht nicht.
Wobei er sich von der Polizei auch einen Rüffel holen dürfte, wenn er sie in der Situation holt. Weder ist sie zur Personalienfeststellung vonnöten, noch muß (oder will?) der Wirt unmittelbar vor Ort eine Anzeige erstatten, dafür kann er sich auch aufs Revier bemühen.
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Redfox

Beitrag von Redfox »

maconaut hat geschrieben: Die Frage war aber, was reich rechtlich der Wirt tun darf und so wie ich es sehe, dürfte er hierzu die Polizei antreten lassen. Das Recht dazu hat er, die Pflicht nicht.
Worauf beruht das Recht?

§ 127 StPO verlangt eine "frische Tat". --> http://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__127.html

Nicht jede Nichterfüllung eines Vertrages ist eine "frische Tat".

Im übrigen ist die Polizei m.W. auch nicht zur Sicherung privater Ansprüche da.

ktown
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Beitrag von ktown »

Die Erklärung bei Wikipedia finde ich ganz hilfreich.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

cmd.dea
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Beitrag von cmd.dea »

Hallo,
Redfox hat geschrieben:

§ 127 StPO verlangt eine "frische Tat". --> http://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__127.html

Nicht jede Nichterfüllung eines Vertrages ist eine "frische Tat".

Im übrigen ist die Polizei m.W. auch nicht zur Sicherung privater Ansprüche da.
Das sehe ich auch so. Hier kommt entsprechend § 127 StPO nur eine Straftat in Betracht. Wie die genannten Wikiquelle ja ebenfalls wiedergibt, kann strafrechtliche hierunter nur ein Betrug fallen. Der aber setzt voraus, dass der Gast von Anfang an vorhatte, nicht zu bezahlen. Ist es so, dass er tatsächlich nur das Geld vergessen hatte, haben wir keinen Betrug und kein Recht aus § 127 StPO.

Nun kann der Wirt andererseits auch nicht Gedanken lesen und weiß nicht, wass der Gast dachte, bzw. denkt. Hier wird man als wohl auf die objektiven Anhaltspunkte und das Gesamtgeschenen abstellen müssen, um festzustellen, dass eine Straftat vorliegt. Schnappt der Wirt also den Gast, der sich heimlich aus dem Toilettenfenster hangelt, wird es ein Betrug sein, übergibt der offensichtlich peinlich berührte Gast gleich seinen Ausweis, lässt vielleicht noch etwas Wertvolles als Pfand und verpricht, kurz zum Geldautomaten zu fahren, ist es wohl nicht so. Dazwischen ist alles eine Frage des Einzelfalles.

Irrt sich der Wirt übrigens nachvollziehbar und hält den Gast fest, obwohl dieser keinen Betrug begehen wollte, ist er selbst durch den Erlaubnbistatbestandsirrtum strafrechtlich geschützt.

Gruß
Dea

Paddy82
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Beitrag von Paddy82 »

Tastenspitz hat geschrieben:
Paddy82 hat geschrieben:Oder Leute, die auf dem Rückweg von einer Feier z.B. noch schnell einen Snack einnehmen wollen..
:shock: Man(n) soll von einer Feier nicht alleine nach Hause gehen! So wird das nie was mit der Geburtenquote. :evil:
Hmm, ja, nur blöd, wenn dann die Freundin zu Hause wartet :twisted:

Aber vielen Dank für die zahlreichen Antworten!
Kommt also doch meist auf den Einzelfall an.
Das wichtigste ist, wenn ich sterbe:
Begrabt mich in Hamburger Erde.

Asterix&Obelix
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Re: kein Bargeld in Restaurant/Kneipe

Beitrag von Asterix&Obelix »

Paddy82 hat geschrieben:Hallo zusammen,

angenommen ein Kunde isst in einem Restaurant oder Imbiss etwas, in der Annahme, er hätte ausreichend Bargeld dabei.
Bezahlt wird erst nach dem Verzehr.
Nun stellt er fest, dass er kein ausreichendes Geld dabei hat und eine bargeldlose Zahlung nicht möglich ist.
Welche Rechte und Pflichten haben nun der Kunde und der Wirt?
Keine Rechtsberatung! Nur Lebenserfahrung!

Bei mir darf man auch mit Sachgegenständen bezahlen. Ich nehme Milch, Mehl, Konservendosen, Goldschmuck oder auch andere Dinge an.
Erst wenn jemand alle Anstandsregeln verletzt und dreist wird, würde ich die Polizei rufen. Aber soetwas habe ich noch nie erlebt. Meist ist es den Leuten unheimlich peinlich. Aus Scham haben mir Gäste schon ihre Handys oder komplette Geldbörse zurück gelassen, bis sie mit der Geldsumme für ihr Essen zurück kamen.

Nur weil man sein Essen nicht bezahlen kann wird man nicht automatisch zu einem Kriminellen und bei so einer Lage muss auch nicht sofort die Polizei gerufen werden.

Gruss

derblacky
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Re: kein Bargeld in Restaurant/Kneipe

Beitrag von derblacky »

Asterix&Obelix hat geschrieben:
Keine Rechtsberatung! Nur Lebenserfahrung!

Bei mir darf man auch mit Sachgegenständen bezahlen. Ich nehme Milch, Mehl, Konservendosen, Goldschmuck oder auch andere Dinge an.
Ich weiss gar nicht,wann ich das letzte Mal vom Einkauf mit selbigen direkt in die Kneipe bin ...oder ist das heute en vouge, mit ner Dose Mais und Mehl in der Tasche durch die Gegend (in die Kneipe) zu ziehen?
:lol:

Tschau
Majo

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