Gewährleistung bei defekt?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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tony
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Gewährleistung bei defekt?

Beitrag von tony »

Hallo,

man stelle sich folgenden fall vor:

Ein kunde kauft in einer kleinen boutique eine halskette für seine frau.
Nach 2 monaten geht die kette kaputt: direkt am (sehr kniffligen) verschluss bricht das letzte segment der kette.
Der kunde reklamiert im geschäft - wo man sich jedoch weigert, ersatz zu leisten oder das stück einzuschicken. Der kunde habe das teil wohl zu grob gehandhabt und dabei kaputtgemacht.

Wie sieht in einem solchen fall die rechtslage aus?

Danke und gruß
tony
Big Guro
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Beitrag von Big Guro »

tony hat geschrieben:
Der kunde habe das teil wohl zu grob gehandhabt und dabei kaputtgemacht.
Wenn dies der Fall ist - was der Verkäufer beweisen muss - darf die Gewährleistung verweigert werden.
Ich habe keine Ahnung, was ich hier tue...

...aber Inkompetenz hat mich auch
noch nie von etwas abgehalten.
ktown
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Beitrag von ktown »

Wobei die Betonung auf: was zu beweißen ist....liegen muß. Da reicht keine lapidare Antwort, dass der Kunde sie wohl zu grob behandelt hat.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Zafilutsche
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Beitrag von Zafilutsche »

Worin soll der Sachmangel begründet sein? Läßt die Konstruktion bzw das Material keinen üblichen Gebrauch dieser Kette zu? Muß ein Hersteller seine Mangelfreiheit gegenüber einem Käufer beweisen? Oder muß der Kunde beweisen, dass ein Mangel vorliegt/vorgelegen hat? Fragen über Fragen. :?:
tony
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Beitrag von tony »

Zalifutsche spricht gute punke an: weder käufer noch verkäufer können etwas "beweisen".

Der kunde kann sagen: "beim simplen ineinanderhaken des (sehr engen) verschlusses ist das einfach passiert. Da muss wohl ein kettenglied porös/brüchig gewesen sein."

Der verkäufer kann entgegnen: "Kann ja jeder behaupten. Beweisen Sie dies. Und außerdem hatten wir mit diesen produkten noch nie ein problem."

Was dann?
Richard Gecko
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Beitrag von Richard Gecko »

Der VK muss beweisen, dass der Sachmangel nicht schon beim Kauf vorlag, also z.B. das Material beim Kauf nicht schon bruechig war.
nordlicht02
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Beitrag von nordlicht02 »

Zafilutsche hat geschrieben:Muß ein Hersteller seine Mangelfreiheit gegenüber einem Käufer beweisen? Oder muß der Kunde beweisen, dass ein Mangel vorliegt/vorgelegen hat?
:shock: Die Frage hätte ich von Ihnen nun nicht erwartet :wink:
Da die Kette vor zwei Monaten gekauft worden ist, muss wohl eindeutig der Vk im Rahmen der Gewährleistung beweisen, dass der Mangel bei Übergang nicht vorgelegen hat.
Ab dem siebten Monat müsste der Käufer beweisen, dass der Mangel bei Übergang bereits vorlag.
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Zafilutsche
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Beitrag von Zafilutsche »

nordlicht02 hat geschrieben: :shock: Die Frage hätte ich von Ihnen nun nicht erwartet :wink:
Schön das ich noch jemanden überraschen kann :lol:
Da die Kette vor zwei Monaten gekauft worden ist, würde sich die Beweislastumkehr nahezu aufdrängen. Was ich aber für für etwas bedenklich halte ist eine Beschädigung die offensichtlich nach dem Gefahrenübergang aufgetreten ist. Offenbar durch eine äussere Krafteinwirkung! Ich möchte nur anmerken, das die Möglichkeit tatsächlich bestehen kann, das überhaupt kein Sachmangel vorliegt. Ein hängenbleiben beim An- und Auskleiden, ein Kind was Kräftig an der Kette reisst. Das wären alles Möglichkeiten die zu einem Schaden führen, obwohl kein Sachmangel vorhanden ist/war. Aber solche Tatsachen wird auch kein Händler beweisen können. Daher würde ich als Händler es nicht auf einen teuren Rechtsstreit ankommen lassen, weil es sehr wahrscheinlich an der Beweisführung scheitern wird und nach somit davon ausgegangen wird, das bei Gefahrübergang ein verdeckter Mangel vorgelegen hat.
Gruß
Zafilutsche
ktown
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Beitrag von ktown »

Beweißbar ist alles....ob es für den Verkäufer wirtschaftlich rechnet die Bruchstelle mikroskopisch untersuchen zu lassen oder einfach dem Kunden eine neue kette gibt, dass muß der Verkäufer mit sich selbst ausmachen.

Was mich mehr verwirrt ist ihre These der Beweislastumkehr nach 2 Monaten. Mit welcher gesetzlichen Regelung begründen sie das?
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Beitrag von spraadhans »

Nun ja, die Beweislast hat der Gesetzgeber "umgekehrt".

Man muss aber immer auch 476 Halbsatz 2 im Hinterkopf behalten...
nordlicht02
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Beitrag von nordlicht02 »

Zafilutsche hat geschrieben:Was ich aber für für etwas bedenklich halte ist eine Beschädigung die offensichtlich nach dem Gefahrenübergang aufgetreten ist.
Und genau das muss der Händler in den ersten sechs Monate nach Übergang beweisen.
Zafilutsche hat geschrieben:..das überhaupt kein Sachmangel vorliegt.
Und genau das muss der Händler in den ersten sechs Monate nach Übergang beweisen.
Zafilutsche hat geschrieben:Aber solche Tatsachen wird auch kein Händler beweisen können.
Und genau das....ähh, ne Quatsch.
Da schließe ich mich ktown an: Beweisbar ist alles, ob es sich für den Verkäufer wirtschaftlich rechnet, ist die zweite Frage.
Zafilutsche hat geschrieben:Daher würde ich als Händler es nicht auf einen teuren Rechtsstreit ankommen lassen, ..
Ich auch nicht. Aber eben nicht wegen der Beweisbarkeit sondern aus Fragen der Wirtschaftlichkeit.
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tony
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Beitrag von tony »

Danke für die zahlreichen antworten.

Nun noch was anderes: kann der händler sagen, dass er die kette an den hersteller "einschickt"?

Oder kann der kunde sofortigen ersatz verlangen?
Wenn ja, wie ist es, wenn das stück nicht mehr vorrätig ist?

danke
und gruß
tony
spraadhans
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Beitrag von spraadhans »

Zafilutsche hat folgendes geschrieben::
..das überhaupt kein Sachmangel vorliegt.

Und genau das muss der Händler in den ersten sechs Monate nach Übergang beweisen.
Das Vorliegen eines Sachmangels muss immer der Käufer beweisen!
nordlicht02
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Beitrag von nordlicht02 »

spraadhans hat geschrieben:
Zafilutsche hat folgendes geschrieben::
..das überhaupt kein Sachmangel vorliegt.

Und genau das muss der Händler in den ersten sechs Monate nach Übergang beweisen.
Das Vorliegen eines Sachmangels muss immer der Käufer beweisen!
:oops: Richtig :wink:
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Beitrag von ktown »

spraadhans hat geschrieben:
Zafilutsche hat folgendes geschrieben::
..das überhaupt kein Sachmangel vorliegt.

Und genau das muss der Händler in den ersten sechs Monate nach Übergang beweisen.
Das Vorliegen eines Sachmangels muss immer der Käufer beweisen!
Dies zu beweisen ist doch wohl ein einfaches ....oder?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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