Unfallschaden bei PKW durch Vor-Vor-besitzer

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Dilbert
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Unfallschaden bei PKW durch Vor-Vor-besitzer

Beitrag von Dilbert »

Hallo Mitglieder des FDR,

als rechtlich Unerfahrener möchte ich gerne mal Eure Meinung zu einer möglichen Situation erfahren:

Folgende Personen sind involviert:

Vorbesitzer 1 (V1)
Reparaturwerkstatt (R)
Vorbesitzer 2 (V2)
Käufer (K)

Die Personen sind in der Reihenfolge des Besitzüberganges genannt.

Jetzt stelle man sich folgende Situation vor:
V1 besitzt seit 2 Jahren einen PKW und verursacht einen Frontschaden durch Auffahrunfall. Vollkaskoversicherung zahlt den Unfallschaden und das Fahrzeug wird mit vorhandenem Schaden an R verkauft. R repariert den Schaden und verkauft das Fahrzeug an V2 (Privatperson). V2 fährt das Fahrzeug ca. 1 Jahr bis km 96000 und verkauft es als "Unfallfrei - soweit bekannt" an K (Privatperson). K fährt das Fahrzeug ca. 3,5 Jahre bis km 220000 und wird durch eine Werkstatt auf den Unfallschaden in nicht unerheblicher Höhe hingewiesen.
Jetzt gibt es zwei Szenarien:

1) V2 hat den PKW als "unfallfrei" gekauft und ist getäuscht worden. Hat den PKW guten Gewissens an K weiterverkauft.

2) V2 hat von dem Schaden gewußt und hat K getäuscht.

Meine Frage:
Wie ist hier die Rechtslage? Kann K gegen V2 rechtliche Maßnahmen bei 1) und 2) einleiten, z. B. in der Form der Wandelung des Kaufvertrages. Oder muß K sich an R wenden wenn Fall 1) eintritt?
Welche Nutzungsabschläge bzw. Wertminderungen sind vorzunehmen, da K das Fahrzeug ja schon seit einiger Zeit nutzt.

Für Eure Antworten im voraus vielen Dank.

Mit freundlichem Gruß

Dilbert

hws
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Re: Unfallschaden bei PKW durch Vor-Vor-besitzer

Beitrag von hws »

Dilbert hat geschrieben:Kann K gegen V2 rechtliche Maßnahmen bei 1) und 2) einleiten, z. B. in der Form der Wandelung des Kaufvertrages. Oder muß K sich an R wenden wenn Fall 1) eintritt?
K kann von R garnix verlangen, da die beiden keinen Vertrag miteinander haben. Egal ob Fall1 oder Fall2.

Im Fall2 kann K gegen V2 vorgehen, da eine zugesicherte Eigenschaft nicht vorhanden ist (Unfallfreiheit) - jedenfalls wenn ich die spärlichen Informationen recht deute.

Fall1: V2 MUSS sich doch nicht über die Unfallfreiheit des Fahrzeuges versichern. Er kaufts einfach ohne Nachfrage. Dann weiss er nichts von Unfällen und die Bemerkung ist korrekt:"Unfallfrei - soweit bekannt" .

hws

ktown
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Beitrag von ktown »

Also es steht und fällt mit der Beweißbarkeit, ob V2 von Vorschäden bescheid wußte.

Die Möglichkeiten tendieren da bei 3,5 Jahren Nutzung des Wagens gegen Null. Hinzu kommt noch, dass der Wagen 3,5 Jahre genutzt wurde und nichts auf Mängel hinzudeuten schien.
Wieso also jetzt, da der Wagen ja immer noch ohne Probleme läuft, ein Fass aufmachen?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Dilbert
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Beitrag von Dilbert »

Hallo zusammen,

danke für Eure Antworten.

@ktown:
Ganz einfach. Weil K den Wagen verkaufen möchte und ihn als unfallfrei gekauft hat. Und ihn nun nicht als unfallfrei verkaufen kann. Folge: Übermäßiger Wertverlust.
Zudem könnte die Reparatur nicht fachgerecht durchgeführt worden sein und das Fahrzeug weist erhebliche Mängel auf, dei bei einem erneuten Unfall ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen können (Rep.-Teile geschraubt anstelle geschweißt).

@hws:
Das stimmt, wenn V2 nicht nachgefragt hat. Aber da R eine gewerbliche Einrichtung ist, wird wahrscheinlich sowas wie ein Vertrag existieren.

Frage:
Wie sollte sich K nun verhalten?
Erst bei R nach dem Vertrag (zwischen R und V2) fragen oder direkt bei V2 die unfallfreiheit reklamieren?

Gruß
Dilbert

hws
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Beitrag von hws »

Dilbert hat geschrieben:Das stimmt, wenn V2 nicht nachgefragt hat. Aber da R eine gewerbliche Einrichtung ist, wird wahrscheinlich sowas wie ein Vertrag existieren.
Können sie's nachweisen?
V2 wird sich sicher nicht freiwillig ne Laus in den Pelz setzen.
"weiss ich nicht mehr, den Vertrag nicht gelesen, Auto sah gut aus daher gekauft..., ich weiss nix von Unfallschaden"
Und ob R sich noch erinnert bzw noch eine Vertragskopie besitzt? Und ihnen die auch zeigt?
Problem ist nicht "war das so" sondern "können sie's nachweisen".
Dilbert hat geschrieben:Wie sollte sich K nun verhalten?
Erst bei R nach dem Vertrag (zwischen R und V2) fragen oder direkt bei V2 die unfallfreiheit reklamieren?
Wie alt ist der Wagen jetzt und wie hoch ist der merkantile Minderwert beim Verkauf? (für den Käufer sicherlich mindestens 90% - aber jetzt mal übliche Werte?)

Ich würde da garnix machen...

hws

Dilbert
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Beitrag von Dilbert »

Das Fahrzeug ist mittlerweile 9 Jahre alt (Mittelklasse). Ist mir auch klar, dass es hier nicht um zig tausende von Euros geht. Aber es ist nicht einzusehen, das K auf einem Schaden von, geschätzt, 1500€ sitzen bleiben soll.

Es ist natürlich richtig, dass sich V2 rausreden kann. Wenn es aber ein Dokument gibt wie einen Vertrag zwischen R und V2 dann kann "... den Vertrag nicht gelesen" nicht das Problem von K sein. Und als Gewerbetreibender (R) ist man sicherlich verpflichtet solche Dokumente für einige Zeit aufzubewahren (soweit ich informiert bin, 10 Jahre).

MfG
Dilbert

spraadhans
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Beitrag von spraadhans »

Ja, ein Vertragsformular mit dem Verweis auf einen evtl. vorliegenden Vorschaden wäre schon ein starkes Indiz.

Dilbert
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Re: Unfallschaden bei PKW durch Vor-Vor-besitzer

Beitrag von Dilbert »

Es kommt noch besser:
Der Wagen wurde gar nicht repariert. R ist ein Händler, der mit Unfallfahrzeugen handelt. Das heisst, so wie es sich nun darstellt hat V2 den Wagen mit dem Frontschaden gekauft und selbst instand gesetzt. Das erklärt auch die nicht fachgerechten Reparaturen.
Und über den Verkauf gibt es auch einen Vertrag.

Ist schon ganz schön dreist.

Gruß
Dilbert

hws
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Re: Unfallschaden bei PKW durch Vor-Vor-besitzer

Beitrag von hws »

Dilbert hat geschrieben:Es kommt noch besser:
Der Wagen wurde gar nicht repariert. R ist ein Händler, der mit Unfallfahrzeugen handelt.
Was aber nicht heisst, dass er ausschließlich mit Unfallfahrzeugen handelt.
Dilbert hat geschrieben: Das heisst, so wie es sich nun darstellt hat V2 den Wagen mit dem Frontschaden gekauft und selbst instand gesetzt.
Und welchen Beweis haben sie für das "so wie es sich nun darstellt "?
Dilbert hat geschrieben:Das erklärt auch die nicht fachgerechten Reparaturen.
Das könnte die nicht fachgerechte Reparatur erklären, aber könnte diese Reparatur nicht schon bei Händler R stattgefunden haben oder können sie beweisen, dass es V2 war?
Dilbert hat geschrieben:Und über den Verkauf gibt es auch einen Vertrag.
Und den haben sie? Und da steht was von Unfallschaden drin? - In dem Fall haben sie gute Karten, nur in Euros wird da nicht viel bei rauskommen.

Selbst wenn ein Betrüger in den Knast geht, haben seine Gläubiger davon keinen Cent. Eher umgekehrt: Was der Betrüger an den Staat zahlt, hat er nicht mehr für die von ihm Geschädigten.

hws

ktown
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Beitrag von ktown »

Was für mich immer noch etwas unverständlich ist, dass man den Wagen 3,5 Jahre fährt und einem nichts aber auch garnichts auffällt. In 3,5 Jahren und mit dieser Kilometerlaufleistung gibt es zahlreiche Situationen bei denen man mehrfahc den Wagen von unten bzw. im Motorraum sieht.
Sowas muß doch schon viel früher auffallen......oder irre ich mich da? :wink:
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