Ist Gutschein für Hallenbad noch gültig?

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jonas82
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Ist Gutschein für Hallenbad noch gültig?

Beitrag von jonas82 »

Hallo,

ein in 10/2007 eröffnetes Hallenbad hat einen Gutschein mit Gültigkeit bis 03/2009 ausgestellt. Vermutlich erfolgte die Ausstellung 03/2008, Gültigkeit also 1 Jahr.

Wenn es 3 Jahre gewesen wären, dann müßte die Gültigkeit anhand der Eröffnung ja eigentlich bis 10/2010 reichen oder?

Wikipedia sagt dazu:
Gutscheine verjähren seit der Schuldrechtsreform aus dem Jahre 2002 innerhalb der regelmäßigen Frist von drei Jahren nach Ausstellung, gerechnet vom 31. Dezember des Ausstelljahres. Etwas anderes gilt nur, wenn der Gutschein befristet ist, sofern die Frist nach den Gepflogenheiten des jeweiligen Geschäftszweiges ihrerseits „angemessen“ ist; ist diese Frist jedoch zu kurz bemessen, richtet sich die Gültigkeit nach den allgemeinen Verjährungsregeln (3 Jahre).
Kann das Hallenbad den Gutschein nun ablehnen? Für ein Hallenbad spielt es doch eigentlich keine Rolle ob ein Gutschein nun 1 Jahr länger gilt oder nicht...

Danke,
Jonas

maconaut
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Re: Ist Gutschein für Hallenbad noch gültig?

Beitrag von maconaut »

jonas82 hat geschrieben: Für ein Hallenbad spielt es doch eigentlich keine Rolle ob ein Gutschein nun 1 Jahr länger gilt oder nicht...
Naja - das kommt darauf an, was der Gutschein darstellt. Stellt der Gutschein z.B. einen "Wert" von 10 Euro dar, ist er wie ein 10-Euro-Schein zu werten und damit entsteht niemandem ein Nachteil.

Stellt der Gutschein aber nun einen "Wert" von "1x Tageskarte komplett mit Sauna" dar und hat diese Tageskarte in 10/2007 z.B. 25 Euro gekostet und kostet heute 32 Euro, so ist die Weigerung durchaus zu verstehen.

Man stelle sich vor, man verschenkt an den Neffen, der gerade seinen Führerschein gemacht hat, einen Tank-Gutschein. Geht dieser über 20 Euro, sind's immer 20 Euro - heute und in drei Jahren. Geht der Gutschein aber über 20 Liter Superbenzin, würde sich in drei Jahren (erwartungsgemäß) eine deutliche Wertsteigerung des Gutscheins ergeben (in Euro ausgedrückt)....

cmd.dea
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Beitrag von cmd.dea »

Hallo,

grundsätzlich stellen Gutscheine sogenannte kleine Inhaberpapiere nach § 807 BGB dar. Für die Einlösbarkeit gilt daher die regelmäßige Verjährungsfrist von 3 Jahren gemäß § 195 BGB. Allerdings können die Parteien und insbesondere der Aussteller hierüber vertraglich disponieren und unter anderem die Verjährungsfristen verlängern, bzw. auf die Geltendmachung des Einwandes ganz oder teilweise verzichten.

Umgekehrt kann die Verjährungsfrist auch verkürzt werden, dabei handelt es sich jedoch, so dies aufgedruckt ist, um eine allgemeine Geschäftsbedigung. Hierbei wird davon ausgegangen, dass eine zu kurze Verjährungsfrist wohl ungültig ist, da sie den Empfänger unangemessen benachteilt. Teilweise wird von mindestens 2 Jahren ausgegangen (OLG Hamburg, Urteil vom 21.09.2000, Az. 10 U 11/00). Allerdings haben die Gerichte idR. nur solche Fälle entschieden, in denen die Gutscheine käuflich erworben werden oder einer anderen Gegenleistung gegenüberstehen. So es sich tatsächlich um reine Geschenke handelt, denen gegenüber seitens des Beschenkten keine Leistung erbracht wurde, könnte das natürlich anders aussehen.

Grundsätzlich braucht der Gutscheinauststeller aber nach Ablauf der Befristung den Gutschein nicht mehr zu akzeptieren, unabhängig davon, welches Recht sich in ihm verbrieft.

Gruß
Dea

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