Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Dirki
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Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von Dirki »

Hallo zusammen!

Folgender fiktiver Fall:
Verkäufer V schaltet Kleinanzeige über z.B. einen Toaster mit Preisangabe.
Käufer K will kaufen, fährt hin, besichtigt und prüft die Ware und will in Kleinanzeige genannten Preis bezahlen.
Verkäufer V fällt nun auf, dass die Preisangabe angeblich irrtümlich (z.B. wegen Tippfehler) zu niedrig angesetzt war, da der eigentliche Zeitwert ja im Grunde viel höher sei.
Hier in unserem Fall sagen wir mal eigentlicher Zeitwert 50,- Euro, in der Anzeige angegeben 20,- Euro. Er hätte die 5 auf dem Ziffernblock der Computertastatur treffen wollen, aber offensichtlich die 2 getroffen und den Irrtum nicht bemerkt.

Kann K Schadenersatz für die entstandenen Fahrtkosten nach §122 (1) BGB (Schadensersatzpflicht des Anfechtenden) geltend machen?
Oder musste K damit rechnen, so dass V sich geirrt haben muss und sich nun auf §122 (2) BGB beruft?

Was sagt die Praxis?
Big Guro
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Re: Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von Big Guro »

Zwischen den Partein wurde noch kein Kaufvertrag geschlossen, demnach gibt es auch nichts anzufechten.
Ich habe keine Ahnung, was ich hier tue...

...aber Inkompetenz hat mich auch
noch nie von etwas abgehalten.
Dirki
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Re: Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von Dirki »

Danke für die Einschätzung Big Guro!

Abwandlung des Falls:

Verkäufer V schaltet über den gleichen Kaufgegenstand an verschiedenen Tagen auf verschiedenen Internetportalen mit leicht abgewandelten Text aber gleichem angegebenen Kaufpreis Kleinanzeigen.

Der Kaufvertrag wird per Mail geschlossen, in dem Käufer K dem V per Mail erklärt auf Basis einer o.g. Kleinanzeige den Toaster zum angegeben Preis kaufen zu wollen und V erklärt die Annahme per Mail.

Kann V sich bei geplanter Übergabe der Ware und Bezahlung durch den vereinbarten Kaufpreis in bar immer noch auf § 119 (Anfechtbarkeit wegen Irrtums) berufen?
nordlicht02
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Re: Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von nordlicht02 »

Dirki hat geschrieben:immer noch auf § 119 (Anfechtbarkeit wegen Irrtums) berufen?
Im ersten Fall bräuchte er doch gar nicht wegen Irrtums anzufechten.
Einerseits weil noch kein Kaufvertrag geschlossen wurde der anfechtbar wäre, wie Big Guro schon schrieb, andererseits: ein in einer Anzeige genannter Preis ist, wie Preise in Katalogen, Prospekten, Schaufensterauslagen oder am Supermarktregal, kein Angebot sondern eine invitatio ad offerendum, eine Einladung zur Abgabe eines Angebots. Bedeutet: der Käufer macht dem Verkäufer das Angebot, die Ware zum in der Anzeige genannten Preis zu kaufen. Dieses Angebot kann der Verkäufer entweder annehmen oder eben ablehnen.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)
Hafish
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Re: Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von Hafish »

Dirki hat geschrieben: Der Kaufvertrag wird per Mail geschlossen, in dem Käufer K dem V per Mail erklärt auf Basis einer o.g. Kleinanzeige den Toaster zum angegeben Preis kaufen zu wollen und V erklärt die Annahme per Mail.
Kann V sich bei geplanter Übergabe der Ware und Bezahlung durch den vereinbarten Kaufpreis in bar [...] auf § 119 (Anfechtbarkeit wegen Irrtums) berufen?
Ja. Und diesmal wäre er mE. zum Ersatz der Fahrkosten verpflichtet.
Kritik kann subjektiv als verletzend empfunden werden und ist daher generell zu unterlassen. - jaeckel
;)
hws
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Re: Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von hws »

Hafish hat geschrieben:Ja. Und diesmal wäre er mE. zum Ersatz der Fahrkosten verpflichtet.
Mal weitergesponnen: Ich finde einen Toaster im Wert für 20Euro für (fäschlicherweise) 10Euro. Vertrag kommt durch Email von Käufer UND Verkäufer zustande. Jetzt reise ich aus China an. (dass ich wegen Urlaub sowieso geflogen wäre, lassen wir mal unter den Tisch fallen :evil: )

OK, wenn der Verkäufer die Befürchtung von 1000Euro Flugkosten hätte, bekäme ich den Toaster vermutlich für 10Euro.

Eigentliche Frage hinter dem krummen Beispiel:
Bis zu welchen Reisekosten / Schadensersatz wäre denn ein Verkäufer verpflichtet, wenn er sich auf Anfechtbarkeit wegen Irrtums beruft? Abhängig / unabhängig vom Warenwert?

hws
J_Denver
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Re: Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von J_Denver »

hws hat geschrieben:[
Eigentliche Frage hinter dem krummen Beispiel:
Bis zu welchen Reisekosten / Schadensersatz wäre denn ein Verkäufer verpflichtet, wenn er sich auf Anfechtbarkeit wegen Irrtums beruft? Abhängig / unabhängig vom Warenwert?

hws
Mach das doch nicht so kompliziert...........Schadenersatz bis maximal höhe der Versandkosten :wink:
Mitglied im Zentralrat der Luden
spraadhans
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Re: Irrtümliche Preisangabe in Kleinanzeige- Rechtsfolgen?

Beitrag von spraadhans »

Big Guro hat geschrieben:Zwischen den Partein wurde noch kein Kaufvertrag geschlossen, demnach gibt es auch nichts anzufechten.
Der ist auch grds. nciht erforderlich, denn angefochten wird ja nur die eigene (Willens-)Erklärung. Mangels einer solchen im ersten Beispiel aber im Ergebnis (natürlich) zutreffend.
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