Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermerkt.

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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b.ingenieur
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Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermerkt.

Beitrag von b.ingenieur »

Hallo zusammen, ich bin neu hier und bin vom Forum sehr beeindruckt. Deswegen wende ich mich mit meinem Problem an euch...

Ich habe vor ca. 1 Jahr einen Xyz Carbio für ca. 9000€ verkauft. Ich selbst hab das Fahrzeug mit einem Unfallschaden gekauft und reparieren lassen.

Ein Interessent hat das Fahrzeug für seine Frau gekauft. Beim Verkaufsgespräch wurde er auf den Instandgesetzen Unfall von mir hingewiesen. Das Fahrzeug wurde von Ihm auch probe gefahren und auf Herz und Nieren geprüft.

Im Kaufvertrag habe ich folgenden Satz vermerkt "Bastlerfahrzeug, ohne jegliche Garantie und Gewährleistung".
Mit dem Begriff " Bastlerfahrzeug " war ich damals der Meinung das dies auch den Bergriff "Unfallschaden" abgdeckt.

Nach Rund 6 Monaten krieg ich ein Schreiben von seinem Anwalt.
Nachdem der Käufer das Fahrzeug in seiner beheitzen und trockenen Garage hat überwintern lassen, hat er im Frühjahr gemerkt, dass das Fahrzeug nicht in dem von mir angebotenen Zustand sich befindet. Das Verdeck ist beschädigt (angeblich bereits beim kauf) und funktioniert nicht mehr. Des weiteren musste das Getriebe neu abgedichtet werden und und und...
Im Nachhinein hat man bemerkt das es sich um ein Unfallfahrzeug handelt und ich es jedoch als Unfallfrei verkauft habe.

Mir wird arglistische Täuschung virgeworfen. Für mich ist dies jetz eine ganz blöde Situation.
Wie stehen meine Chancen und wie stehen seine mit dieser Lüge durchzukommen???
Er gibt als Zeugen seine Frau an die behaupten möchte ich habe die Aussage von mir gebracht " Das Fahrzeug ist Unfallfrei".
Zu meinen Gunsten habe ich meinen Vater und meinen Bruder die bei dem Verkaufsgespräch anwesend waren.
Zudem bestreitet die Gegenpartei das meine Zeugen anwesend gewesen seien.

Leider sind Recht haben und Recht bekommen zwei unterschiedliche Dinge vor Gericht...
Einen Anwalt habe ich bereits, der sagt jedoch nicht viel dazu.

Ich bitte euch um eure Meinung/Rat/Erfahrung hierzu.

Vielen Dank im Vorraus

Tastenspitz
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von Tastenspitz »

b.ingenieur hat geschrieben:vor Gericht...
und auf hoher See ist man in Gottes Hand :wink:
Wie das ausgeht kann man wohl kaum abschätzen.
Alllgemein kann man aber sagen, dass

- nicht die Anzahl der Zeugen entscheidend ist, sondern deren Glaubwürdigkeit
- das Fahrzeug nicht als "unfallfrei" verkauft wurde
- und hier im Vertrag von einem "Bastlerfahrzeug" die Rede war.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Kormoran
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von Kormoran »

Man wird sich hier doch die Frage stellen müssen, was mit dem Begriff "Bastlerfahrzeug" ausgesagt werden sollte.

Wäre der Verkäufer ein gewerblicher, hätte er m.E. schlechte Karten. Denn in diesem Bereich wird nicht selten ein Fahrzeug als "Bastlerfahrzeug" bezeichnet, um den nicht möglichen Gewährleistungsausschluss zu umgehen bzw. auszuhebeln. In so einem Fall stehen dann in aller Regel die Art, wie das Fahrzeug beworben wurde und vor allem der Kaufpreis auch im Widerspruch zu dieser Bezeichnung.

Hier scheint der Verkäufer aber kein gewerblicher zu sein, denn die Gewährleistung, die beim Privatverkauf ausgeschlossen werden kann, wurde ja ausdrücklich ausgeschlossen. Dazu bedarf es auch keiner weiteren Bezeichnungen.
In diesem Fall wurde der Begriff "Bastlerfahrzeug" also doch anscheinend zusätzlich verwendet, um tatsächlich festzuhalten, dass das Fahrzeug stark mängelbehaftet war. Das spräche hier m.E. zumindest auf den ersten Blick für den Verkäufer.

Zafilutsche
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von Zafilutsche »

Wurde so ein fertiges Formblatt als Kaufvertrag verwendet? Und wenn ja, was ist im Feld zu "Unfallwagen" angegeben oder angekreuzt?
Wäre Unfallfrei angekreuzt und tatsächlich hatte der Wagen einen Unfall, hätte der Verkäufer schlechte Karten.
Ausgehend von einem Privatverkauf und einer fehlenden Zusicherung (Unfallfreiheit) vieleicht sogar auf Nachfrage des Käufers." Hatte der Wagen einen Unfall?" mit der Beantwortung oder Hinweis eines Unfallschadens, müßte der Drop gelutscht sein und man kann sich gemütlich zurücklehnen und der Dinge ausharren die da kommen könnten.

b.ingenieur
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von b.ingenieur »

Danke für die schnellen Antworten!

Also der Kaufvertrag war ein Vordruck den ich aus dem Internet hatte, dort fand sich der passus "Unfallfrei" nicht wieder.
Es gab nur ein Feld mit "Bastlerfahrzeug, ohne jegliche Garantie und Gewährleistung".

Leider ist es juristisch so, das jeder Unfallschaden von dem man Kenntniss hat auch in den Kaufvertrag gehört.
Das Thema Glaubwürdigkeit ist immer so eine Sache. Ob das Gericht mich als jungen Studenten als Glaubwürdig einschätz, oder einen älteren Herren mit einer Millionen schweren Firma.
Er hatte das Fahrzeug damals seiner Frau gekauft, jetz will seine Gattin wohl ein neueres Fahrzeug...

Der Hinweis auf einen Unfallschaden wurde von mir nur mündlich getätigt, da ich der Meinung war das ein Bastlerfahrzeug eben ein Unfallfahrzeug ist. Leider ist dem nach deutschen Recht nicht so!

Eine Rechtschutzversicherung habe ich nicht, die Gegenpartei jedoch schon. Hier gehts um eine hohe Summe die ich mit sicherheit nicht aufbringen kann.
Hab sogesehen alles auf Schwarz gesetzt!

Zafilutsche
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von Zafilutsche »

b.ingenieur hat geschrieben:Ob das Gericht mich als jungen Studenten als Glaubwürdig einschätz, oder einen älteren Herren mit einer Millionen schweren Firma.
Das zeichnet doch gerade ein Rechtssystem aus. Die Würdigung von Beweisen und aussagen.

Nochmal: Als Privatverkäufer können und dürfen Sie die Gewährleistung ausschliessen.
Wenn keine Zusagen/Aussagen bezüglich einer Unfallfreiheit getroffen worden sind, dürfte nichts passieren. (Bei gewerblichen Verkäufern sieht's etwas anders aus)
Man muß bedenken: Jeder Käufer hat die Möglichkeit das Fahrzeug genaustens zu überprüfen (Manche machen das mit Sachverständigen/Automobilclubs/Befreundete KFZ Fachleute oder ...)
Wenn im Kaufvertrag steht ...ohne jegliche Garantie und Gewährleistung, dann ist das so.
Ob der Gegner nun selbst anwalt ist oder eine Rechtschutzversicherung abgeschlossen hat ist völlig ..pip..
Auch m.E. ist es völlig egal ob das Gefährt nun als Bastlerfahrzeug oder als Gebrauchtwagen deklariert wird. Bastlerfahrzeuge wecken zumindet nicht so große Erwartungen als ein "Top gepflegter Sportwagen" der leichte Mängel aufweist. Meines wissens gibt es keine eindeutige definition zum "Bastlerfahrzeug".

b.ingenieur
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von b.ingenieur »

Deine Aussagen sind ja alle plausibel und selbstverständlich.
Jedoch wie kann ich dies vor Gericht rechtfertigen? Steht dazu irgendwas in den Büchern?
Im Raum steht noch die Frage "Ist ein Fahrzeug mit einem Wert von 9000€ noch ein Bastlerfahrzeug?"
Nochmals...Eine Unfallfreiheit wurde nicht garantiert!
Kann ich also aus den ganzen Aussagen schließen, dass ich mich entspannt zurück lehen kann/soll?



Kann mich nur nochmals für die Antworten bedanken...

Peace
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von Peace »

Wenn du dich zurücklehnen willst, geh einmal damit zum Anwalt und frag ihn! Würde bei 9k € nicht auf ein Onlineforum vertrauen.

Dieser wird anhand des Kaufvertrags dir eine "relativ" sichere Hausnummer geben, in welche sich das ganze entwickeln würde

Dementsprechend handeln. Vermutlich jedoch kein Schaden für dich. Bastlerfahrzeug ohne Garantie / Gewähr sollte save sein.

maltem
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von maltem »

Ich möchte da doch mal den § 444 BGB in den Ring werfen. Wenn ich richtig informiert bin (und ich lasse mich da gerne korrigieren), wird der Begriff der "Arglist" in der Rechtsprechung recht weit ausgelegt, sprich: Es muss keine direkte Betrugsabsicht vorhanden sein, allein das Wissen um einen nicht offensichtlichen Mangel, das man einem Käufer verschweigt, reicht, um einen Gewährleistungsausschluss unwirksam zu machen.

Sofern der Unfallschaden nicht offensichtlich war, und der Verkäufer von dem Schaden wußte, hätte er meiner Ansicht nach die Pflicht gehabt, den Käufer darauf hinzuweisen, dass der Mangel vorhanden ist, um die Sachmangelhaftung wirksam ausschließen zu können.

b.ingenieur
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von b.ingenieur »

Also ich hab bereits einen Anwalt. Die Verhandlung ist auch schon in 2 Wochen.
Mein Anwalt sagte anfang "Der Fall ist bereits für uns gewonnen".
Klar, nachdem das Honorar begliechen wurde änderte sich die Meinung des Anwalts.

Zitat: "Sobald ein Fahrzeug einen Unfallschaden hatte, so muss dies auch im Kaufvertrag vermerkt werden".

Hier im Forum wollte ich nach Erfahrungsberichten und Tips suchen.

hoai
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von hoai »

M.E. ist es eine Frage des Glaubens. :engel:
Es ist doch niemand verpflichtet, überhaupt einen schriftlichen Kaufvertrag aufzusetzen. Genauso wenig ist etwas arglistig verschwiegen, wenn es nur mündlich mitgeteilt wurde. Der Käufer hat es ja dann gewusst... Das Problem ist nur die Beweislage. Man könnte z.B. sagen, wenn schon ein schriftlicher Kaufvertrag geschlossen wurde, dann sollte es dort vermerkt sein bzw. es wäre logisch. Dagegen könnte man einwenden, dass der Verkäufer der Meinung ist, dass der Vermerk "Bastlerfahrzeug" in Verbindung mit der mündlichen Auskunft, dass es sich um einen Unfallwagen handele, ausreicht.

Ein Indiz könnte natürlich auch der Kaufpreis sein. Wenn der Wagen für seinen sonstigen Zustand recht günstig war, dann ist es glaubwürdiger, dass auf den vorangegangenen Unfallschaden hingewiesen wurde, als wenn dieser im Preis schon nicht berücksichtigt wurde. (Einfach aus dem Grund, dass üblicherweise niemand bei Kenntnis, dass es sich um einen Unfallwagen handelt, den "Normalpreis" bezahlen würde.)

Letztlich wird aber nur der zuständige Richter sagen können, wem das Gericht glaubt.
Ich vertrete hier nur meine herrschende Mindermeinung!

Zafilutsche
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von Zafilutsche »

b.ingenieur hat geschrieben: Zitat: "Sobald ein Fahrzeug einen Unfallschaden hatte, so muss dies auch im Kaufvertrag vermerkt werden".
Das kenne ich nur bei gewerblichen Verkäufern, denn hier unterstellt man regelmäßig das diese über die geeignete Sachkompetenz verfügen. Bei Privatleuten kann man i.d.R. nicht von Sachkompetenten Personen ausgehen. Ändert aber nichts an der Tatsache, wenns dem Verkäufer ein Vorschaden durch Unfall bekannt wäre dieses bei Nachfrage auch korrekt anzugeben. Und hier ist die Unfallfreiheit definitiv nicht zugesichert worden so nach Aussage des b.ingenieur sondern der Hinweis auf Unfall-(schäden) ist so habe ich es verstanden im Verkaufsgespräch sogar dem Käufer mitgeteilt worden.
Ich persönlich würde mal checken, welchen Wert ein gleichartiges Fahrzeug hat, und welchen marktüblichen Wert hat ein vergleichbares verunfalltes aber instandgesetztes Fahrzeug.
Es könnte einem Richter Anhaltspunkte liefern, das der ausgehandelte Kaufpreis in keinen Mißverhältnis gestanden hat. Ich stehe auf dem Standpunkt: Wenn ich ein gebrauchtes Fahrzeug beim privaten Verkäufer erwerben möchte, muß ich selbst mich von der Qualität und Zustand des Wagens überzeugen. Und da kann ich auf Fachleute/Werkstätten zugreifen, die das noch besser bewerten können als ich das je könnte.

spraadhans
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Re: Unfallwagen verkauft, jedoch nicht im Kaufvertrag vermer

Beitrag von spraadhans »

Ist über die Unfallfreiheit nichts vereinbart, dann kann der Käufer von einem unfallfreien Fahrzeug ausgehen.

Insoweit kommt es tatsächlich auf die Beweisbarkeit der mündlichen Beschaffenheitsbeschreibung an.

Allerdings steht hier ein Gewährleistungsausschluss im Raum, den es für den Käufer zunächst zu überwinden gilt.

Für keine der beiden Parteien überragende Erfolgsaussichten...

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