Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

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eljogi
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von eljogi »

Es handelt sich nicht um eine Kanalprüfung oder Reinigung im Auftrag von Stadt oder Gemeinde, sondern um einen privaten Auftrag durch Herrn Montag. Dieser beauftragte die Firma mit der Beseitigung seiner Kanalverstopfung. Die Kanalarbeiten sind mit keinem Gemeininteresse verbunden.
Es ist daher nicht definiert, was denn hier überhaupt “notwendig“ bedeutet. Herr Sonntag hatte ja keine Probleme mit seinem Kanlalabschnitt.
Mit der Durchsetzung irgendwelcher Kanalbaulichen Vorschriften und Maßnahmen war das Unternehmen nicht beauftragt.

Außerdem wäre zur Beurteilung einer Notwendigkeit der Kanal des Herrn Sonntag zu überprüfen. Auch hierzu gab es keinen Auftrag. Nicht einmal eine Berechtigung. Warum prüfen die ohne Auftrag einen Kanal?
Eine Prüfung des Kanals ist, prinzipiell genauso aufwendig wie ihn gleich zu reinigen.
Es wäre interessant zu wissen, ob die Rechnungspositionen für Herrn Sonntag eine Prüfung beinhalten, oder nur die Reinigung.
Bei der Verstopfung bei Herrn Montag ist die Notwendigkeit offensichtlich. Aber bei Herrn Sonntag wäre eine Notwendigkeit ohne Prüfung nicht zu belegen und würde diese Positionen auch für Herrn Montag angreifbar machen.
Vermutlich wurde einfach ohne Prüfung gereinigt.

Ich bin nicht sicher, ob das Unternehmen bei den Kanalabschnitten einen Auftrag von dritten überhaupt hätten akzeptieren dürfen.
Und warum ein Auftrag für zwei Parteien?
Ein seriöses Unternehmen hätte beim Bemerken einer tatsächlichen Notwendigkeit den Eigentümer verständigt und einen neuen Auftrag gemacht. Oder den Kanal gereinigt und selbst eine Rechnung an Herrn Sonntag gestellt und versucht ohne Auftrag an das Geld zu kommen.

Herrn Montag die Positionen mit falscher Rechtsberatung aufs Auge zu drücken, ist unseriös. Er sollte den Vertrag anfechten.

Talinwynn
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Talinwynn »

Zum Kanalabschnitt der Sonntags Kanal sein soll: laut Rechnung wurde einmal in Fließrichtung gereinigt und einmal gegen Fließrichtung. Daher doppelt abgerechnet. Die lfm passen aber bisweilen nicht zu Sonntags Kanallänge, dessen Kanal (laut Tiefbauamt) erheblich kürzer ist. Von einer Prüfung ist nicht die Rede.

Beide Känäle von Sonntag und Montag enden im Revisionsschacht, relativ nah beeinander, sowie die von zwei weiteren Häusern. Möglicherweise waren die Kanalarbeiter zuerst im falschen Loch. Es ändert nichts an der Tatsache, dass die Känale autark voneinander sind. Ist Sonntags Kanal irgendwann verstopft kommt bei Sonntag das Regenwasser hoch - sein Problem am Ende. Aber von einer möglichen Verstopfung gab es keinerlei Anzeichen.

Es ist unwahrscheinlich, dass Montag das Unternehmen anfechten wird, er unterhält kein gutes Verhältnis zu Sonntag über mehrere Jahrzehnte. Meistens friedliche Koexistenz durch gegenseitiges Ignorieren. Daher möglicherweise auch keine persönliche Ansprache von Montag, sondern nur das Schicken der Rechnung per Einschreiben.

Pünktchen
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Pünktchen »

Froggel hat geschrieben:Wenn Gefahr im Verzug ist vielleicht.
Wo hast du das her? BTW: Ich dachte bei GiV geht es um das Eingreifen von Behören o.ä.
Froggel hat geschrieben: Ansonsten geht ihn das schlicht nichts an.
Das ist wohl eine ziemlich egomane Einstellung. Zum Glück sieht das der Gesetzgeber nicht so.

- Bei der GoA geht es ja gerade darum, ein Geschäft für einen Fremden auszuführen.

s. Bsp.:
Wiki hat geschrieben: Beispiele für eine Geschäftsführung ohne Auftrag sind:

- Jemand lässt das Auto des Nachbarn ohne dessen Kenntnis abschleppen, um es vor Hochwasser zu schützen.
- Eine Spaziergängerin bemerkt nachts ein offenes Tor an einer Garage, in der sich wertvolle Fahrräder befinden, und schließt es.
- Jemand sieht im Geschäft eine sehr seltene alte Langspielplatte, von der er weiß, dass ein Freund diese seit langem sucht und erwerben möchte, und kauft sie für ihn.
- Nach einem Verkehrsunfall leistet ein Autofahrer Erste Hilfe an einem bewusstlosen Unfallopfer.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gesch%C3%A ... schland%29

Froggel
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Froggel »

Pünktchen hat geschrieben:Froggel hat geschrieben:
Wenn Gefahr im Verzug ist vielleicht.

Wo hast du das her? BTW: Ich dachte bei GiV geht es um das Eingreifen von Behören o.ä.
Ich habe lediglich auf Stinot geantwortet, der GiV ins Gespräch gebracht hat.
Pünktchen hat geschrieben:Froggel hat geschrieben:
Ansonsten geht ihn das schlicht nichts an.

Das ist wohl eine ziemlich egomane Einstellung. Zum Glück sieht das der Gesetzgeber nicht so.
Ich sehe da aber grundsätzlich schon einen Unterschied, ob sich der Nachbar nur auf die Aussage eines Kanalarbeiters verlässt (in dessen Interesse es ja liegt, mit so etwas Geld zu verdienen) und dann die Reinigung des nachbarlichen Kanals mitveranlasst, oder ob jemand wegen Hochwassergefahr das Auto des Nachbarn umsetzen lässt. Der Unterschied von diesem Fall zu den bei Wikipedia genannten Beispielen liegt darin, dass die veranlassende Person regelmäßig selbst Kenntnis der Ausgangssituation hatte. In allen Beispielen hat die veranlassende Person, die nach GoA gehandelt hat, sich vom Zustand überzeugen können, weil sie das selbst gesehen hat. Hier hat sich der Nachbar jedoch auf die Aussage einer fremden Person verlassen. Das wäre, als wenn ein Dachdecker zu mir sagt, dass bei meinem Nachbarn, der in Urlaub ist, das Dach undicht ist, und ich beauftrage dann den Dachdecker, den Schaden zu beheben.

Ich würde mich an Familie Sonntags Stelle auch nicht auf die Zahlung einlassen. Ebenso hätte ich an Herrn Montags Stelle auch nicht die Reinigung des nachbarschaftlichen Kanals veranlasst, ohne mich persönlich und per Augenschein davon zu überzeugen, dass dieser wirklich in Gefahr ist, überzulaufen und Schäden anzurichten.

Welche Schäden können denn überhaupt von einem überlaufenden Regenwasserkanal angerichtet werden? Weiß das hier jemand?
Ich bin kein Jurist.
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Talinwynn
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Talinwynn »

Montag erläutert nun, dass seine Kellerwand durch das Regfenwasser feucht war. Montag hat Anwalt eingeschaltet. Anwalt droht Sonntag mit Gericht. Montag gibt an die "ältere Verwandte die auf Montags Grundstück gefunden wurde" dem Kanalreiniger gegenüber (nicht Montag) ausgesagt hatte, dass die ebenfalls Regenwasserprobleme hätte, was diese Verwandte aber strikt verneint und dem wutentbrannt widerspricht.

Ändert aber noch nichts an der Tatsache, dass die Abläufe von Montag und Sonntag jeweils unabhängig voneinander in den Revisionsschacht laufen.

Froggel
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Froggel »

Läuft der Kanal des Herrn Sonntag überhaupt an Herrn Montags Kellerwand entlang, sodass bei einer Verstopfung dessen Kellerwand hätte nasswerden müssen und nicht die von Herrn Sonntag? Kann Herr Montag beweisen, dass das Wasser, das seine Kellerwand durchweicht haben soll, aus dem angeblich verstopften Kanal des Herrn Sonntag stammt und nicht von dem aus seinem eigenen (weshalb er ja ursprünglich auch den Handwerker beauftragt hatte)?
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

Talinwynn
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Talinwynn »

Zur Erläuterung eine Skizze

Haus 1-------Haus 2-----Revisionsschacht-----Haus 3------Haus 4

Jedes Haus verfügt über ein eigenes Rohr zum Revisionsschacht. Bitte nicht von Skizze irritieren lassen. Skizze soll nur Lage verdeutlichen.

Haus 3 = Sonntag
Haus 4 = Montag

Nein, Sonntags Abwasser läuft nicht an Montags Wand entlang, da Montag weiter weg vom Revisionsschacht ist. Dienstleister behauptet, dass Sonntags Kanal auch gereinigt werden musste und an der Verstopfung beteiligt war. Er begründet dies mit der angeblichen Aussage der Verwandten von Herrn Sonntag, dass es auch bei Sonntags Regenwasserabflussprobleme gäbe (einer älteren Dame um die 80, aber geistig noch fit). Diese wehrt sich aber behäbig dagegen, dass sie die verlautete Aussage aus dem Anwaltsschreiben wirklich getätigt hat. Desweiteren läuft der Kanal von Haus 4 zum Revisionsschacht über Grundstück 3. Deshalb soll Eigentümer von Grundstück 3 mitbezahlen.

Pirate
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Pirate »

Talinwynn hat geschrieben:Nein, Sonntags Abwasser läuft nicht an Montags Wand entlang, da Montag weiter weg vom Revisionsschacht ist. Dienstleister behauptet, dass Sonntags Kanal auch gereinigt werden musste und an der Verstopfung beteiligt war.
An der Verstopfung von Montag kann der andere Kanal bei zwei getrennten Leitungen nicht beteiligt gewesen sein. Wie soll das funktionieren? Von einer Kanal-Fistel habe ich noch nichts gehört. Und anders kann ich mir eine Beteiligung nicht vorstellen.
Talinwynn hat geschrieben:Zum Kanalabschnitt der Sonntags Kanal sein soll: laut Rechnung wurde einmal in Fließrichtung gereinigt und einmal gegen Fließrichtung.
Hat das denn die Verwandte nicht gesehen bzw. unterbunden? In Fließrichtung kann ja nur durch einen Revisionsschacht bzw. Zugang von Sonntags Grundstück aus passieren. Mal abgesehen davon, dass mir auch nicht klar ist, warum man da unbedingt von beiden Seiten aus die Hochdruckdüse durchschicken musste. Abgesehen von den damit verbundenen doppelten Metern.
Talinwynn hat geschrieben:dass es auch bei Sonntags Regenwasserabflussprobleme gäbe (einer älteren Dame um die 80, aber geistig noch fit).
Selbst wenn das so gewesen wäre: Das ist kein Auftrag.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sich der Kanalreiniger den Auftrag von Montag durch diese gezielte Falschaussage erschlichen hat.

Wenn schon jemand auf dem Grundstück von S anzutreffen war, dann hätte ein seriöser Handwerker, so denn dort jemand von Verstopfungen (bzw. Abflussproblemen) berichtet hätte, dort den Auftrag eingeholt. Gerade der Umstand, dass trotz Ansprechpartner auf dem Grundstück von S eben kein Auftrag erteilt wurde sondern M einen solchen erteilt hat, ist es doch naheliegend, dass S die Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen wollte.
Froggel hat geschrieben:Welche Schäden können denn überhaupt von einem überlaufenden Regenwasserkanal angerichtet werden? Weiß das hier jemand?
Das kommt darauf an, wo das rückgestaute Regenwasser raus kommt. An einem Regenwasserkanal kann neben den Fallrohren z.B. eine Ablaufrinne in einem Treppenabgang vor einer Kellertür angebunden sein. Bei einem heftigen Unwetter können 50 Liter und mehr pro Quadratmeter und Stunde runterkommen. Bei z.B. 200 qm Dachfläche sind das stündlich 10 Kubikmeter Wasser, die munter aus dem verstopften Regenwasserkanal vor der Kellertür stehen (und in den Keller fließen). Sagen wir 4 Stunden heftigen Starkregen und 120 qm Keller, dann sind wir bei 33 Zentimeter Wasserstand im Keller.

ktown
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von ktown »

Also ich bin mir ziemlich sicher, das geht aus wie das Hornberger Schießen :lachen:
Montag wird wohl auf seiner Rechnung sitzen bleiben.
:lachen:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Pünktchen
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von Pünktchen »

Froggel hat geschrieben: Ich sehe da aber grundsätzlich schon einen Unterschied, ob sich der Nachbar nur auf die Aussage eines Kanalarbeiters verlässt (in dessen Interesse es ja liegt, mit so etwas Geld zu verdienen) und dann die Reinigung des nachbarlichen Kanals mitveranlasst, oder ob jemand wegen Hochwassergefahr das Auto des Nachbarn umsetzen lässt. Der Unterschied von diesem Fall zu den bei Wikipedia genannten Beispielen liegt darin, dass die veranlassende Person regelmäßig selbst Kenntnis der Ausgangssituation hatte. In allen Beispielen hat die veranlassende Person, die nach GoA gehandelt hat, sich vom Zustand überzeugen können, weil sie das selbst gesehen hat. Hier hat sich der Nachbar jedoch auf die Aussage einer fremden Person verlassen.
Wenn das ein "Kanalarbeiter" mitteilt, hat man auch Kenntnis davon. Soll ein Nachbar mehr Ahnung davon haben, wie ein Experte? I. d. R. muss man sich auf solche Leute verlassen, was soll man sonst machen? Erst einen unabhängigen Gutachter beauftragen.

Und wenn es war? Soll der Anspruch tatsächlich davon abhängig sein, dass man sich selbst von der Notwendigkeit überzeugt hat (unabhängig davon, ob es tatsächlich eine Gefahr gab oder nicht)? Woraus soll sich das ergeben? Sollte das Unternehmen arglistig über die Notwendigkeit getäuscht haben, könnte man die Willenserklärung auch anfechten.

Was ist bei Hochwasser anders sein? Das sich da der Nachbar etwa selbst davon überzeugt, dass ein konkrete Hochwassergefahr besteht oder hat es vielleicht doch nur von Dritten (z. B. aus den Medien) erfahren.

ktown
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Re: Kostenbeteiligung bei Kanalreinigung möglich?

Beitrag von ktown »

Pünktchen hat geschrieben: I. d. R. muss man sich auf solche Leute verlassen, was soll man sonst machen?
"Einen Moment, ich hole den Nachbarn dazu!"
Wäre z.B. eine entsprechende Antwort. 8)
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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