Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Schweijo
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Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von Schweijo »

Mich würde interessieren wie die Rechtslage in folgendem theoretischen Fall ausschaut.#
Eine Warenkorb wurde in einem Geschäft per Karte bezahlt. Bei der nachträglichen Kontrolle der Belege wird festgestellt, dass die falsche Menge der Artikel (nämlich jeweils nur 1Stck) abgerechnet und bezahlt wurde. Jetzt stellt der Einzelhandel eine Nachtragsforderung an den Käufer auch die restlichen (nicht erfassten) Artikel zu bezahlen. Ein Abgleich der exakten Anzahl, war über ein online Vergleichsangebot möglich.
Ist der Kunde nun im Nachhinein (sagen wir ca 1/2 Jahr) rechtlich verpflichtet die Zahlung zu leisten? Vielen Dank für Ihre Antwort!!!
VG Schweijo

SusanneBerlin
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von SusanneBerlin »

Schweijo hat geschrieben:Einzelhandel ... Warenkorb ... Geschäft ... online
Ich verstehe zwar nicht, ob jetzt im Geschäft vor Ort oder online gekauft wurde, aber die verjährungsfrist beträgt 3 Jahre. Deshalb kann auch 6 Monate nach dem Kaufvorgang noch der ausstehende Betrag für die erhaltenen Artikel rechtmäßig gefordert werden.

Grüße, Susanne


P.S. und nächstes Mal bitte im passenden Unterforum posten! (in diesem Fall wäre es Verbraucherrecht gewesen).
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 20.08.14, 17:17, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

Schweijo
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von Schweijo »

Vielen Dank für die Antwort. Die Frage bezog sich auf den Kauf in einem Geschäft. Wer trägt in diesem Fall die Nachweispflicht, Kunde oder Geschäftsinhaber?

SusanneBerlin
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von SusanneBerlin »

Wer etwas haben will, muss es beweisen.

Wobei der Verkäufer als Zeuge, die Artikel übergeben zu haben, ausreichen würde.
Grüße, Susanne

taxalus
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von taxalus »

Schweijo hat geschrieben: Ein Abgleich der exakten Anzahl, war über ein online Vergleichsangebot möglich.
Schweijo hat geschrieben:Die Frage bezog sich auf den Kauf in einem Geschäft.
Wurde online bestellt und dann abgeholt oder woher weiß der Verkäufer die Anzahl der Artikel aus dem online Vergleichsangebot ?

SusanneBerlin hat geschrieben:Wobei der Verkäufer als Zeuge, die Artikel übergeben zu haben, ausreichen würde.

Wenn ich im Supermarkt zwei Dosen Bier kaufe und bezahle, kann der Supermarkt später behaupten, ich hätte 4 Dosen gekauft sowie den Restbetrag fordern und dafür würde die Aussage des Kassierers reichen ?
Schöne Grüße
taxalus

Schweijo
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von Schweijo »

Der Verkäufer bietet Kunden die allgemein geläufige Methode an, auf einen günstigeren Kaufpreis einzugehen, sofern es ein vergleichbares Angebot eines Wettbewerbers (auch solche aus dem Internet) an. Dabei notiert er Name des Kunden, Artikel, Menge und die Preise des Wettbewerbs und die DIfferenz zu seinen eigenen Preisen. Dies alles lässt ersich von dem Käufer unterschreiben, quais als tagesaktuelles Angebot. Eine Kaufverpflichtung ersteht dabei nicht. Wird die gewünschte Ware an besagtem Tag nicht ggekauft, verfällt der Anspruch auf Bestpreisgarantie und der prozess müsste zu einem späteren zeitpunkt wiederholt werden.
Es geht also darum: Der Verkäufer gibt ein Bestpreisangebot an den Kunden ab. Dieser geht zur Kasse und bezahlt die ihm vorgelegte Rechnung.
6 Monate später meldet sich der Verkäüfer mit einer Nachforderung beim Kunden, da beim Abgleich der Daten aufgefallen ist, dass nicht alle Artikel mit der richtigen Menge an der Kasse erfasst wurden.
Würde mich mal interessieren, wie der Verbraucherschutz hierüber denkt. Bin da bei der Meinung von Taxalus, dass damit komerziellem Unsinn Tür und Tor geöffnet werden.

Cuby
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von Cuby »

Bin da bei der Meinung von Taxalus, dass damit komerziellem Unsinn Tür und Tor geöffnet werden.
Welchen? Das Kunden den angemessen Preis zahlen müssen?
Das wird die Verbraucherzentrale selbstverständlich nicht zulassen.
Ironie lauert hinter jeder Ecke

Tastenspitz
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von Tastenspitz »

Schweijo hat geschrieben:Der Verkäufer gibt ein Bestpreisangebot an den Kunden ab. Dieser geht zur Kasse und bezahlt die ihm vorgelegte Rechnung.
Da es sich hier wohl um ein individuell ausgehandeltes Angebot (Paketpreis für mehrere Artikel) handelt, welches wohl auch
Schweijo hat geschrieben:von dem Käufer unterschreiben
wurde, sehe ich hier schon die Möglichkeit der Nachforderung wenn das nicht richtig berechnet wurde.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

CDS
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von CDS »

Nun, ganz so eindeutig ist es für mich nicht - zumindest nicht aus der Beschreibung der Vorgänge.

Mir erschließt sich noch nicht, warum man aus das Tatsache das der VK ein Angebot über 4 Stck abgegeben hat zwingend darauf schließen kann das es nicht daneben noch ein Angebot über 1 Stck zum selben Preis - vielleicht weil sich noch ein Mitbewerber gefunden hat der diesen Preis auch für 1 Stck bietet - gegeben hat.

Der Händler ist hier in der Beweispflicht das wirklich 4 Stck der Ware geliefert wurden. Ob ein Kassierer sich da nach 6 Monaten noch dran erinnern kann, bzw. ob ein Richter das glaubt bleibt fraglich.
Zumindest wird sich besagter Kassierer dann die Frage gefallen lassen müssen warum er den Kunden mit 4 Artikeln gehen lässt, wenn er doch sieht das nur einer Bezahlt wird.

khmlev
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von khmlev »

Schweijo hat geschrieben:Es geht also darum: Der Verkäufer gibt ein Bestpreisangebot an den Kunden ab. Dieser geht zur Kasse und bezahlt die ihm vorgelegte Rechnung.
6 Monate später meldet sich der Verkäüfer mit einer Nachforderung beim Kunden, da beim Abgleich der Daten aufgefallen ist, dass nicht alle Artikel mit der richtigen Menge an der Kasse erfasst wurden.
Würde mich mal interessieren, wie der Verbraucherschutz hierüber denkt. Bin da bei der Meinung von Taxalus, dass damit komerziellem Unsinn Tür und Tor geöffnet werden.
Ich habe das folgendermaßen verstanden:
  1. Das Bestpreisangebot wird an einem anderen Terminal des Verkäufers erfasst und ausgedruckt.
  2. Mit diesem Beleg geht der Kunde irgendwann im Laufe des Tages zur Kasse.
  3. Dort wird das Bestpreisangebot in das Kassen-Terminal übernommen,
  4. und der Kunde bezahlt den durch das Kassen-Terminal ermittelten Rechnungsbetrag.
Wann erhält der Kunde die Ware?
  1. Bereits bei Abgabe des Bestpreisangebotes
  2. oder bei Annahme des Angebotes durch Bezahlung der Rechnung an der Kasse?
  3. Gibt es eine extra Warenausgabe
  4. oder sammelt der Kunde die Ware im Geschäft selbst ein, geht damit zur Kasse und präsentiert die Ware nebst seinem Bestpreisangebot dem Kassierer?
Grundsätzlich dürfte das Bestpreisangebot zumindest als Anscheinsbeweis gelten, da das Bestpreisangebot nur für die auf dem Angebot angegebenen Anzahl an Artikeln in der dort genannten Stückzahl je Artikel Gültigkeit haben dürfte.
Gruß
khmlev
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ktown
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von ktown »

Schweijo hat geschrieben:Es geht also darum: Der Verkäufer gibt ein Bestpreisangebot an den Kunden ab. Dieser geht zur Kasse und bezahlt die ihm vorgelegte Rechnung.
Heißt also die Rechnung die der Verkäufer ausgestellt hat war falsch.
Ich denke bei Gericht wird es sicherlich darauf ankommen, ob dem Kunden hätte bewusst sein müssen, dass die gekaufte Ware eigentlich den 4-fachen Preis kosten müsste. Wenn ich mich recht erinnere, gab es diesbezüglich schon Urteile bei Verkäufen über die Bucht mit falsch angesetztem Verkaufspreis.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

gargamel111
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von gargamel111 »

Schweijo hat geschrieben:6 Monate später meldet sich der Verkäüfer mit einer Nachforderung beim Kunden, da beim Abgleich der Daten aufgefallen ist, dass nicht alle Artikel mit der richtigen Menge an der Kasse erfasst wurden.
Heißt das: Der Kunde hat 10 Stück bekommen, aber nur 5 bezahlt. Aber die zu dem günstigen Preis, den er haben wollte. Wenn es um den Stückpreis geht, den er verglichen hat und den der Verkäufer dann soweit reduziert hat, dann wird er nicht umhin kommen, die richtige Menge zu bezahlen.
Wenn es um einen Gesamtpreis geht, dann kann der Verkäufer nicht nachträglich korrigieren.
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CDS
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von CDS »

Nun,

die unklare Frage ist ja ob beweisbar ist das der Kunde 10 Stck bekommen hat.
Das halte ich für sehr fraglich, denn der Kassierer der sich jetzt angeblich genau erinnert das genau DIESER Kunde weniger Ware bezahlt hat als er bekommen hat dürfte die Frage aufwerfen warum das nicht direkt an der Kasse aufgefallen ist, sondern erst jetzt 6 Monate später.

Besagtes Bestpreis Angebot halte ich für einen Anscheinsbeweis als untauglich. Bestenfalls könne man darauf hinaus gehen das der Kunde versehentlich einen zu niedrigen Preis für die 5 Teile bezahlt hat, da der Kassierer übersehen hat das er nur für 10 Teile gilt.

khmlev
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Re: Nachträglichen Zahlungsaufforderung aus dem Einzelhandel

Beitrag von khmlev »

CDS hat geschrieben:... Das halte ich für sehr fraglich, denn der Kassierer der sich jetzt angeblich genau erinnert das genau DIESER Kunde weniger Ware bezahlt hat als er bekommen hat dürfte die Frage aufwerfen warum das nicht direkt an der Kasse aufgefallen ist, sondern erst jetzt 6 Monate später.
Das der Kassierer sich jetzt erinnern könnte geht aus dem Sachverhalt des Themenerstellers nicht hervor. Diesen Gedanken hat SusanneBerlin ins Spiel gebracht.

Der Themenersteller hat sich zur Frage Wann und durch Wen er die Ware erhalten hat, bisher nicht geäußert. Wir wissen nur, dass bei der Übernahme des Beleges "Bestpreisangebot" in das Kassen-Terminel offenbar ein Erfassungsfehler durch den Kassierer passiert ist.
Es könnte daher auch auf dem Bestpreisangebot der Erhalt der Ware vermerkt worden sein.
Gruß
khmlev
- out of order -

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