Verweis auf Online AGB

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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gargamel111
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von gargamel111 »

Flowjob hat geschrieben:Wenn Sie durch Vertragsschluss zustimmen, dass bestimmte AGB einbezogen sein sollen, dann ist es absolut egal, ob Sie sie auch tatsächlich gelesen haben. Und hier haben Sie eben den AGB des Ticketvermittlers, die ebenfalls zumindest im Verkaufsraum aushingen, zugestimmt, die wiederum beinhalten, dass auch die AGB des Veranstalters gelten sollen.
Das kann aber nicht im Sinne der Gesetzgebung sein.
Allgemeine Geschäftsbedingungen werden nur dann Bestandteil eines Vertrags, wenn der Verwender bei Vertragsschluss
1. die andere Vertragspartei ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Ort des Vertragsschlusses auf sie hinweist und
2. der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine für den Verwender erkennbare körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen, ...
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Zafilutsche
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von Zafilutsche »

ktown hat geschrieben:.....und jetzt kommen sie mir nicht mit: Ich habe garkein Internet :christmas sonst komm ich mit dem Weihnachtsmann.
Gut in meinem Fall, ich habe einen (wenn auch nicht mobilen Internetzugang), aber i.d.T. haben meine Eltern keinen Zugang. Die haben die Tickets auch in der genannten Vorverkaufsstelle gekauft und standen vor dem gleichen Problem.
Die Karten wurden nicht zurückgenommen (Bedingung 1) und der Einlass (unter Bedingung 2/keine faltbaren Sitzhocker und Bedingung 3 keine Getränke) verweigert. Bedingung 4 (Leibesvisitationen) wollte aber auch keiner.
Zafilutsche
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von Zafilutsche »

Allgemeine Geschäftsbedingungen werden nur dann Bestandteil eines Vertrags, wenn der Verwender bei Vertragsschluss
1. die andere Vertragspartei ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Ort des Vertragsschlusses auf sie hinweist und
2. der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine für den Verwender erkennbare körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen, ...
Jetzt stelle ich mir schon die Frage, wo der Vertrag geschlossen worden ist.
An der Vorverkaufsstelle mit Aushändigung der Tickets?
Mit betreten/Abriss der Tickets am Veranstaltungsort?
freemont
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von freemont »

Zafilutsche hat geschrieben:
Allgemeine Geschäftsbedingungen werden nur dann Bestandteil eines Vertrags, wenn der Verwender bei Vertragsschluss
1. die andere Vertragspartei ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Ort des Vertragsschlusses auf sie hinweist und
2. der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine für den Verwender erkennbare körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen, ...
Jetzt stelle ich mir schon die Frage, wo der Vertrag geschlossen worden ist.
An der Vorverkaufsstelle mit Aushändigung der Tickets?
Mit betreten/Abriss der Tickets am Veranstaltungsort?

An der Vorverkaufsstelle, das ist zu den Bundesligatickets ausdiskutiert, u.a. vom BGH.

Die Veranstalter AGB sind nicht Vertragsbestandteil geworden, der Hinweis auf die Homepage reicht ebensowenig, wie der Aufdruck auf der Rückseite der Karten. Sogar beim Online-Kauf muss man das Häkchen, AGB zur Kenntnis genommen, setzen bevor die Bestellung erfolgt.

Das wird hier aber nichts bringen, ein Rückgaberecht nach Kauf gibt es sowieso nicht, bei Veranstaltungstickets noch nicht einmal im Fernabsatz. Keine Getränke/Flüssigkeiten, Personenkontrollen, keine zu Schlagwerkzeugen umfunktionierbaren Gegenstände. Das ist alles (leider) bereits unter Sicherheitsaspekten usus und unverzichtbar, muss nicht besonders geregelt werden.

Wer sich dem nicht unterwirft, dem kann der Zutritt zur Veranstaltung verweigert werden, das muss nicht erst per AGB geregelt werden, das ist bei Großveranstaltungen bereits unausgesprochen Vertragsgrundlage.
Zafilutsche
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von Zafilutsche »

freemont hat geschrieben:...
Die Veranstalter AGB sind nicht Vertragsbestandteil geworden, der Hinweis auf die Homepage reicht ebensowenig, wie der Aufdruck auf der Rückseite der Karten. Sogar beim Online-Kauf muss man das Häkchen, AGB zur Kenntnis genommen, setzen bevor die Bestellung erfolgt.
So habe ich das bisher auch gesehen. Dass ein Zutritt verwehrt werden kann, wenn Sicherheitsbedenken sind, wäre das ja auch nicht zu beklagen. Auch wäre der Zugang über die Abendkasse kein Problem (Weil die AGB vor dem Kauf des Tickets dort einsehbar sind)
Mein Problem war, dass die notwendigen Informationen beim Kauf nicht vorlagen.
Wenn aus Sicherheitsbedenken z.B. Regenschirme nicht erlaubt sind und ich komme nichts ahnend (weil's den ganzen Tag regnet mit einem Schirm) zur Veranstaltung hin, werde abgewiesen mit dem Hinweis: Dann Schliessen Sie bitte ihren Regenschirm doch einfach bitte im 5 km entfernten Schliessfaches des Hauptbahnhofs ein und kommen anschließend ohne Schirm zurück.
Also wenn die AGB nicht Vertragsgegenstand geworden ist, müßte u.a die Klausel dass Karten grundsätzlich nicht zurückgenommen werden auch keine Wirkung entfalten können. Ich frage mich nur, warum fällt es den Verkäufern nur so schwer einen Ausdruck der AGB im Laden bereit zu halten, wenn diese schon die Tickets verkaufen. Das hätte wirklich viel Ärger und Frust erspart.
gargamel111
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von gargamel111 »

Zafilutsche hat geschrieben: Wenn aus Sicherheitsbedenken z.B. Regenschirme nicht erlaubt sind und ich komme nichts ahnend (weil's den ganzen Tag regnet mit einem Schirm) zur Veranstaltung hin, werde abgewiesen mit dem Hinweis: Dann Schliessen Sie bitte ihren Regenschirm doch einfach bitte im 5 km entfernten Schliessfaches des Hauptbahnhofs ein und kommen anschließend ohne Schirm zurück.
Na ja, ganz so weltfremd sind die Leute dann doch nicht, die machen solche Veranstaltungen schon ne Weile und bieten ein (kostenpflichtiges) Schließfach um die Ecke. Blöder ist das dann schon mit den Getränken oder so. Aber da geht es nun mal um Kohle.
Zafilutsche hat geschrieben:Ich frage mich nur, warum fällt es den Verkäufern nur so schwer einen Ausdruck der AGB im Laden bereit zu halten, wenn diese schon die Tickets verkaufen. Das hätte wirklich viel Ärger und Frust erspart.
Die haben natürlich einige hundert Veranstalter im Programm, das wäre schon ein Aufwand :mrgreen:
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Para-Graf
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von Para-Graf »

gargamel111 hat geschrieben:
ktown hat geschrieben: ... und das Internet heutzutage ein geläufiges Kommunikationsmittel ist, hätte der TE Kenntnis über die AGB erlangen können.
Beim Kauf am Kartenhäuschen? Dann könnte man im Umkehrschluss auch bei einem Internetlauf sagen: Die AGB können Sie in unserer Zentrale in Timbuktu einsehen. Ich denke, die AGB müssen auch dort erreichbar sein, wo die Ware zur Verfügung gestellt wird.
Oder auf Alpha Centauri ;-)

"Bewohner der Erde! Hier spricht Protestnik Vogon Jeltz vom galaktischen Hyperraum-Planungsrat. Wie Ihnen zweifellos bekannt sein wird, sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregion der Galaxis den Bau einer Hyperraum-Expressroute durch Ihr Sternensystem vor. Und Ihr Planet ist einer von denen, die gesprengt werden müssen. Es gibt keinen Grund, dermaßen überrascht zu tun. Alle Planungsentwürfe und Zerstörungsanweisungen haben 50 Ihrer Erdenjahre in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. Wenn Sie sich nicht um Ihre ureigensten Angelegenheiten kümmern, ist das wirklich Ihr Problem."
Zitat aus Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis.
Flowjob
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von Flowjob »

[quote][Die Veranstalter AGB sind nicht Vertragsbestandteil geworden, der Hinweis auf die Homepage reicht ebensowenig, wie der Aufdruck auf der Rückseite der Karten. Sogar beim Online-Kauf muss man das Häkchen, AGB zur Kenntnis genommen, setzen bevor die Bestellung erfolgt./quote]Wo ist dazu die Entscheidung zu finden?

Ein Aufdruck auf dem Ticket ist nur dann nicht bindend, wenn man keine Möglichkeit hatte die AGB vorher zur Kenntnis zu nehmen, die AGB also überraschend sind.

Hier aber kaufen Sie im Laden und Stimmen den AGB des Händlers zu. Damit beauftragen Sie ihn, Ihnen Tickets in Ihrem Namen zu besorgen und den AGB des Veranstalters zuzustimmen. Dass die AGB des Veranstalters gelten sollen ist also nicht überraschend, Sie haben sich nur nicht darum gekümmert Sie auch zu lesen. Ganz einfach eigentlich und auch nicht unzulässig. Wenn Sie die AGB des Veranstalters lesen wollen, bevor Sie ihnen zustimmen, müssten Sie den Händler entsprechend beauftragen bevor Sie den tatsächlichen Kauf beauftragen. Da hilft auch Ihr Onlinevergleich nicht weiter, auch da zwingt Sie keiner die AGB zu lesen, bevor Sie das Häkchen setzen.
freemont
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von freemont »

Flowjob hat geschrieben:
[Die Veranstalter AGB sind nicht Vertragsbestandteil geworden, der Hinweis auf die Homepage reicht ebensowenig, wie der Aufdruck auf der Rückseite der Karten. Sogar beim Online-Kauf muss man das Häkchen, AGB zur Kenntnis genommen, setzen bevor die Bestellung erfolgt./quote]Wo ist dazu die Entscheidung zu finden?

Ein Aufdruck auf dem Ticket ist nur dann nicht bindend, wenn man keine Möglichkeit hatte die AGB vorher zur Kenntnis zu nehmen, die AGB also überraschend sind.

Hier aber kaufen Sie im Laden und Stimmen den AGB des Händlers zu. Damit beauftragen Sie ihn, Ihnen Tickets in Ihrem Namen zu besorgen und den AGB des Veranstalters zuzustimmen. Dass die AGB des Veranstalters gelten sollen ist also nicht überraschend, Sie haben sich nur nicht darum gekümmert Sie auch zu lesen. Ganz einfach eigentlich und auch nicht unzulässig. Wenn Sie die AGB des Veranstalters lesen wollen, bevor Sie ihnen zustimmen, müssten Sie den Händler entsprechend beauftragen bevor Sie den tatsächlichen Kauf beauftragen. Da hilft auch Ihr Onlinevergleich nicht weiter, auch da zwingt Sie keiner die AGB zu lesen, bevor Sie das Häkchen setzen.

Die AGB des Veranstalters, der von der Vorverkaufsstelle vertreten wird, sind nach § 305 II BGB nicht Vertragsbestandteil geworden, "nur dann ... wenn ...".

Das kann anders sein, wenn auf beiden Seiten Kaufleute stehen. Da gilt § 305 II nicht, (nur) in dem Fall kann der Verweis auf die AGB über die Homepage ausreichend sein.

Gegenüber Verbrauchern sicher nicht.
Flowjob
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von Flowjob »

Die AGB des Veranstalters, der von der Vorverkaufsstelle vertreten wird, sind nach § 305 II BGB nicht Vertragsbestandteil geworden, "nur dann ... wenn ...".
Anemone Güte, das kann doch nicht so schwierig sein... Die Verkaufsstelle vertritt Sie gegenüber dem Veranstalter und stimmt in Ihrem Namen dessen AGB zu, weil, Sie mit der Verkaufsstelle einen Vertrag geschlossen haben, genau das für Sie zu erledigen! Nicht andersrum.
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Re: Verweis auf Online AGB

Beitrag von freemont »

Flowjob hat geschrieben:
Die AGB des Veranstalters, der von der Vorverkaufsstelle vertreten wird, sind nach § 305 II BGB nicht Vertragsbestandteil geworden, "nur dann ... wenn ...".
Anemone Güte, das kann doch nicht so schwierig sein... Die Verkaufsstelle vertritt Sie gegenüber dem Veranstalter und stimmt in Ihrem Namen dessen AGB zu, weil, Sie mit der Verkaufsstelle einen Vertrag geschlossen haben, genau das für Sie zu erledigen! Nicht andersrum.

So weit es den Kartenverkauf betrifft, nicht die Durchführung des Konzerts, ist die Vorverkaufsstelle Erfüllungsgehilfe des Veranstalters, nicht Vertreter des Verbrauchers. Siehe § 807 BGB, eine Eintrittskarte ist ein "kleines" Inhaberpapier.

Aushebeln lassen sich die Verbraucherschutzvorschriften nicht, dem steht im Falle der AGB das gesetzliche Verbot des § 306a BGB entgegen.

Der Verbraucher hatte hier vor Vertragsschluss weder Kenntnis von den AGB, noch in zumutbarer Weise die Möglichkeit, sie zur Kenntnis zu nehmen.
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