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Kaufvertrag: Mangelfolgeschäden nach über 6 Monaten

Verfasst: 25.01.15, 01:42
von schnueffel
Hallo zusammen,

wenn man einen Gegenstand kauft und dieser nach z. B. 8 Monaten defekt ist, der Verkäufer diesen dann repariert oder austauscht, ist dies doch ein Anerkenntnis? Somit hat der Verkäufer doch auch für die Folgeschäden aufzukommen?

Beispiel 1:
Fritzchen kauft beim Verkäufer eine neue Waschmaschine inkl. Anschluss (z. B. Wasserschlauch etc.). Waschmaschine funktioniert einwandfrei. Nach 9 Monaten platzt der Wasserschlauch zur Waschmaschine beim Waschen, es werden Möbel durchnässt und auch Teppich, Estrich etc.

Fritzchen ruft gleich den Verkäufer an - dieser kommt sofort und tauscht den Wasserschlauch gegen einen neuen. Bezüglich der Folgeschäden meint der Verkäufer, Gewährleistung gäbe es nur auf die bei ihm gekaufte Ware - die nassen Möbel müsse Fritzchen der Hausratversicherung und den nassen Teppich, Estrich etc. der Gebäudehaftpflicht des Hauseigentümers melden.

Fritzchen meldet alles brav der Versicherung, diese macht aber z. B. "Abzug alt für neu" etc. geltend.

Beispiel 2:
Oma kauft beim xy einen nagelneuen Fernseher inkl. aller Kabel und Montage. Alles funktioniert einwandfrei. Nach 11 Monaten schaut Oma wieder fern, aus dem Fernseher kommt plötzlich Rauch. Oma ruft Feuerwehr - Kabelbrand.
Oma ruft Xy an - dieser nimmt gekauften Fernseher mit und stellt neuen hin. Die Rechnung für Feuerwehr, Malerarbeiten etc. will er nicht übernehmen. XY sieht so, dass Oma den Fernseher falsch bedient hat - dennoch hat er Oma auf Kulanz einen neuen Fernseher hingestellt. Oma hat aber keine Versicherung.

Was meint ihr, wie ist die Rechtslage?
Wie sollten sich Oma und Fritzchen am besten verhalten?
Ich hab schon mal nachgelesen, daß nach 6 Monaten die Beweislastumkehr eintritt. Wenn der Verkäufer nach dieser Zeit dennoch repariert bzw. erneuert, wäre dies aber als Anerkenntnis zu werten. Wenn der Verkäufer sich aber für Folgeschäden quer legt, liegt wieder der Käufer in der Beweislast - aber wenn der gekaufte Gegenstand repariert oder erneuert wurde, wird es mit dem "Beweis" aber schwer. Hab ich das so richtig verstanden? Ohne Gutachter bzw. Gericht scheint das echt schwierig zu sein.
Wie seht ihr das ganze?

Re: Kaufvertrag: Mangelfolgeschäden nach über 6 Monaten

Verfasst: 25.01.15, 02:10
von Froggel
Ich denke, dass man hier trennen muss. Das defekte Gerät ist ein Sachmangel, der Schaden aber, wenn ein Anwenderfehler ausgeschlossen werden kann, gehört in die Rubrik Produkthaftung. Für Letzteres ist aber nicht der Verkäufer zuständig, sondern der Hersteller.

Mal abgesehen davon: Wenn der Fernseher durch einen Fachmann aufgestellt und angeschlossen worden ist, wie soll Oma durch falsche Bedienung des Fernsehgerätes einen Kabelbrand auslösen? Hier wäre zu klären, welcher Fehler genau den Kabelbrand verursacht hat. Wenn der z.B. durch falsche Kabel verursacht wurde, weil falsche in der Verpackung waren, ist das der Hersteller, der haften muss (Produkthaftung), wenn er durch fehlerhafte Montage verursacht wurde, dann ist der aufstellende Fachmann der Ansprechpartner für den Schaden (Sachmangel). Liegt der Fehler im Inneren des Fernsehers, kann Oma nicht Schuld sein, da ein Fernseher, der so falsch bedient werden kann, dass es einen Kabelbrand gibt, eindeutig einen Produktionsmangel hat. Damit ist dann wieder der Hersteller in der Haftung. Anders wäre es, wenn Oma den Tisch mit dem Fernseher drauf mehrfach über das Kabel rollt und es deswegen beschädigt wird - dann ist das natürlich Omas Schuld und sie muss ihren Schaden selber tragen.

Re: Kaufvertrag: Mangelfolgeschäden nach über 6 Monaten

Verfasst: 25.01.15, 20:30
von schnueffel
Zuerst mal vielen Dank an Froggel für Antwort.

Ich verstehe § 433ff BGB so, dass sich der Käufer zwei Jahre für das mangelhafte Gerät in jedem Fall an den Verkäufer wenden kann und dieser sich auch nicht rausreden kann. Das der Verkäufer wieder den Hersteller in Rückgriff nehmen wird, ist klar.


Wenn ich das nun richtig verstehe, ist nur für den Fernseher bzw. Waschmaschine der Verkäufer zuständig. Für Mängelfolgeschäden kann sich der Käufer IMMER nur an den Hersteller wenden? Ich dachte, das Produkthaftungsgesetz ist nur eine ZUSÄTZLICHE Möglichkeit für Käufer - somit kann der Käufer den evtl. nicht so solventen Verkäufer übergehen und direkt auf den Hersteller greifen.

Sehe ich vielleicht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr?

Re: Kaufvertrag: Mangelfolgeschäden nach über 6 Monaten

Verfasst: 26.01.15, 00:04
von Froggel
Der Händler bietet die Gewährleistung, dass die Sache bei Übergabe frei von Mängeln ist und hält sich natürlich an den Hersteller, wenn dieses nicht so sein sollte. Das hat aber nichts mit Schadensersatz zu tun, wenn der Schaden aufgrund eines fehlerhaften Gerätes eingetreten ist. Der Händler ist lediglich in der Pflicht, bei einem fehlerhaften Gerät nachzubessern, d.h. es entweder zu tauschen oder aber reparieren zu lassen (je nachdem, was der Kunde im Rahmen der Gewährleistung verlangt und was möglich ist). Er haftet nicht für Schäden, dessen Ursache er nicht zu vertreten hat. War er allerdings derjenige, der den Fernseher nicht fachgerecht angeschlossen hat, haftet er sehr wohl - aber auch nur dann, weil der Schaden eine Folge seines fehlerhaften Handelns war.

Das Produkthaftungsgesetz ist keine zusätzliche Möglichkeit für den Kunden, sondern eines, dass den Hersteller in die Pflicht nimmt. Damit hat der Händler aber nichts zu tun. In der Sache mit dem Kabelbrand wäre es dann sinnvoll, Zeugen zu haben, die den Vorfall und die Ursache bestätigen, da der Händler das defekte Gerät und damit den Beweis mitgenommen hat.