Provision auf Versandkosten?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Niklina
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Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Niklina » 05.05.15, 06:00

Hallo Alle,

kann mir bitte jemand sagen, ob es rechtens ist, dass eine Verkaufsprovision auch auf die Versand- und Verpackungskosten erhoben wird? Das tut gerade das bekannte große Online-Auktionshaus.

Ich freue mich auf Antworten. Viele Grüße von Niklina

Tastenspitz
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Tastenspitz » 05.05.15, 06:13

Niklina hat geschrieben:ob es rechtens ist, dass eine Verkaufsprovision auch auf die Versand- und Verpackungskosten erhoben wird?
Sicher kann man das so vereinbaren. Provision/Gebühr auf den kompletten Umsatz.
Vermutlich auch um Mißbrauch vorzubeugen, weil sonst einer auf die Idee kommt - "Da verkauf ich mein Summsumm-Handy für 5 Euro + 600 € Versand".
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Niklina
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Niklina » 10.05.15, 12:11

Tastenspitz hat geschrieben:
Niklina hat geschrieben:ob es rechtens ist, dass eine Verkaufsprovision auch auf die Versand- und Verpackungskosten erhoben wird?
Sicher kann man das so vereinbaren. Provision/Gebühr auf den kompletten Umsatz.
Vermutlich auch um Mißbrauch vorzubeugen, weil sonst einer auf die Idee kommt - "Da verkauf ich mein Summsumm-Handy für 5 Euro + 600 € Versand".
Das ist doch gerade der Punkt! Die Provision wird nicht auf den Umsatz erhoben. Sondern auf eine Leistung des Transportunternehmens, das gar nichts mit dem Auktionshaus zu tun hat.
Ich denke auch nicht, dass es was mit einem Missbrauch zu tun hat, denn dem hatte man schon lange dadurch vorgebeugt, dass man die Versandkosten begrenzt hat. (Würde mich nicht wundern, wenn diese Höchstgrenzen nun wieder fallen, denn mehr Versandkostne = mehr Provision.)
Also: Es wird eine Provision berechnet auf eine nicht erbrachte Leistung. Darf man das einfach so?

Vielleicht weiß es ja noch jemand genauer? Danke jedenfalls. Und schönen Sonntag und Grüße von
Niklina

questionable content
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von questionable content » 10.05.15, 13:31

Ihre persönlich Meinung, was unter dem Wort Umsatz zu verstehen sein soll, ist in der gesellschaftlichen und rechtlichen Realität irrelevant.

Auch Ihre Auffassung davon, was vom Posten der Versandkosten alles umfasst sein kann, ist soweit ersichtlich grundlegend falsch bzw. lückenhaft.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.

Tastenspitz
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Tastenspitz » 10.05.15, 14:12

Niklina hat geschrieben:Also: Es wird eine Provision berechnet auf eine nicht erbrachte Leistung. Darf man das einfach so?
Ja.
Man darf die Basis der Provisionsberechnung frei vereinbaren.
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CDS
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von CDS » 11.05.15, 08:34

Hallo
Niklina hat geschrieben: Das ist doch gerade der Punkt! Die Provision wird nicht auf den Umsatz erhoben. Sondern auf eine Leistung des Transportunternehmens, das gar nichts mit dem Auktionshaus zu tun hat.
Hm - Ihnen ist schon klar das Sie sich mit dieser Aussage schon selber wiederlegen.
Klar, das Auktionshaus hat nix mit dem Transportunternehmen zu tun. Es hat aber auch nicht mit dem Hersteller der verkauften Ware zu tun, darf dann also auch auf den Kaufpreis keine Provision erheben?
Oder nur auf den Teil, der die reinen Herstellkosten übersteigt, denn auch der Verkäufer hat in der Regel das Produkt ja nicht selber hergestellt .....

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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Ronny1958 » 11.05.15, 09:11

Im Übrigen wird niemand gezwungen die durchaus fragwürdigen Bedingungen dieses Auktionshauses weiter zu akzeptieren.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von PurpleRain » 11.05.15, 11:12

Ronny1958 hat geschrieben:Im Übrigen wird niemand gezwungen die durchaus fragwürdigen Bedingungen dieses Auktionshauses weiter zu akzeptieren.
Diese "fragwürdige" Praxis wird auch vom Zoll verwendet: Die Abgabe berechnet sich aus dem Warenwert einschließlich Versandkosten.
Dort muss man dies wohl akzeptieren :(
Die Begründung der gesetzlichen Grundlage, die der Zoll nutzt, dürfte aber auch beim Auktionshaus zutreffen :)
"Das ganze Problem mit der Welt ist, dass Dummköpfe und Fanatiker der Richtigkeit ihrer Sicht immer so sicher, weise Menschen aber so voller Zweifel sind." Bertrand Russel

Niklina
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Niklina » 19.05.15, 07:41

Oh, noch so viele Beiträge. Vielen Dank dafür! Die freundlichen und sachlichen Antworten waren auch hilfreich. Grüße von Niklina

Bloedi
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Bloedi » 02.08.17, 20:22

Ich halte diese Vorgehensweise aus dem folgenden Grund für absolut rechtswidrig:

Eine Verkaufsprovision darf nur bei demjenigen erhoben werden, dem die aus dem Verkauf resultierenden Erlöse zustehen.
Bei den Versandkosten ist es aber so, dass diese von den Verkäufern nicht einbehalten werden können, sondern an den Logistikdienstleister für dessen Dienstleistung abzuführen sind. Dies hat zur Folge, dass eigentlich der Logistikdienstleister die von Internetauktionshaus [Name geändert] für den Versand erhoben Gebühren an das Unternehmen Internetauktionshaus [Name geändert] abzuführen hätte, was unter rechtlichen Gesichtspunkten natürlich allein schon deshalb ausgeschlossen ist, weil dieser in keiner geschäftlichen Beziehung zu Internetauktionshaus [Name geändert] steht.

Das aber hat zur Folge, dass Internetauktionshaus [Name geändert] nicht berechtigt ist, eine Verkaufsprovision auf die von seinen Verkäufern für den Versand erhobenen Gebühren geltend zu machen.

Das Unternehmen Internetauktionshaus [Name geändert] erhebt hier also eine "Verkaufsprovision" für die an die Logistikdienstleister für den Versand der verkauften Waren abzuführenden Einnahmen.

Diese Vorgehensweise ist rechtswidrig und würde vor einem Fachgericht eine rechtlichen Prüfung ganz sicher nicht standhalten, da die Verkäufer von Internetauktionshaus [Name geändert] nicht zur Abführung von auf Verandkosten ursächlich beruhenden Provisionsansprüchen genötigt werden dürfen.

Genau genommen ist diese Verfahrensweise nicht nur rechts-, sondern im Sinne des § 138 BGB auch sittenwidrig.


Hat denn mal jemand diesbezüglich eine Klage gegen Internetauktionshaus [Name geändert] erhoben? Meiner Auffassung nach verlöre Internetauktionshaus [Name geändert] einen solchen Prozess haushoch.

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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Bloedi » 02.08.17, 20:27

Ronny1958 hat geschrieben:Im Übrigen wird niemand gezwungen die durchaus fragwürdigen Bedingungen dieses Auktionshauses weiter zu akzeptieren.
Das ist immer leicht daher geschrieben, missachtet aber die tatsächlichen Verhältnisse.

Im vorliegenden Fall liegt eine faktische Monopolstellung vor, welche die Verkäufer zum Verbleib auf der Plattform und zur Nutzung der Selbigen tatsächlich zwingt, wenn sie keine, aus verminderten Einnahmen resultierenden geschäftlichen Nachteile in Kauf nehmen möchten.

SusanneBerlin
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von SusanneBerlin » 02.08.17, 20:31

Bloedi hat geschrieben:Diese Vorgehensweise ist rechtswidrig und würde vor einem Fachgericht eine rechtlichen Prüfung ganz sicher nicht standhalten,
Abgesehen davon, dass ich Ihre Auffassung über die Rechtswidrigkeit der Provision auf den Gesamtbetrag (Preis + Versandkosten) nicht teile:
Fachgericht? Was soll das sein?
Grüße, Susanne

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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Bloedi » 02.08.17, 20:35

SusanneBerlin hat geschrieben:
Bloedi hat geschrieben:Diese Vorgehensweise ist rechtswidrig und würde vor einem Fachgericht eine rechtlichen Prüfung ganz sicher nicht standhalten,
Fachgericht? Was soll das sein?
Das ist die korrekte Bezeichnung für ein gewöhnliches Gericht (Amtsgericht, Landgericht etc.).

Die werden so bezeichnet, weil es auch noch die Verfassungsgerichte bzw. die Gericht gibt, denen Spezialaufgaben zugewiesen worden sind.


Die Sittenwidrigkeit ergibt sich übrigens aus der Tatsache, dass der Verkäufer von Internetauktionshaus [Name geändert] für Einnahmen "zur Rechenschaft" gezogen wird, die nicht ihm, sondern einem Dritten zustehen, bei dem der Verkäufer aber diese ihm rechtswidrig aufgebürdeten Gebühren nicht einfordern kann. Denn hierfür existiert tatsächlich keine rechtliche Grundlage. Das Unternehmen Internetauktionshaus [Name geändert] hingegen erfindet aber eine solche Grundlage für die hier in Rede stehenden Gebühren, indem diese einfach einbehalten werden, ohne das ein rechtlicher Anspruch auf die Erhebung solcher Gebühren besteht.


In Rede steht hier im Übrigen nicht der die Verkaufsprovision repräsentierende "Gesamtbetrag", sondern der Anteil, welcher tatsächlich durch Internetauktionshaus [Name geändert] dem Logistikunternehmen aufgebürdet werden müsste, nicht aber dem Verkäufer in Rechnung gestellt werden dürfte, denn dieser ist für den Transport der Waren nicht zuständig und deshalb auch nicht zum Einbehalt der erhobenen Versandgebühren berechtigt, soll aber dennoch an Internetauktionshaus [Name geändert] eine Verkaufsprovision abdrücken?!?!

Welches Rechtsverständnis liegt einer solchen rechtswidrigen Praxis denn bitteschön zugrunde?
Zuletzt geändert von Bloedi am 02.08.17, 20:51, insgesamt 1-mal geändert.

khmlev
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von khmlev » 02.08.17, 20:48

Bloedi hat geschrieben:Bei den Versandkosten ist es aber so, dass diese von den Verkäufern nicht einbehalten werden können, sondern an den Logistikdienstleister für dessen Dienstleistung abzuführen sind
Sie sollten sich einmal mit den entsprechenden Bedingungen der von Ihnen zitierten Plattform beschäftigen. Sie werden feststellen müssen, dass sie ihren Beitrag in die Tonne hauen können.

Unter Versandkosten versteht die Plattform:
Die tatsächliche Versandkosten, Kosten für Verpackung sowie Versicherung. Die Obergrenze für Versandkosten beträgt für Päckchen- und Paketversand EUR 9,50
Versandkosten können innerhalb der Obergrenze frei kalkuliert werden. Die Obergrenzen gelten nur in bestimmten Kategorien.
Gruß
khmlev
- out of order -

Bloedi
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Re: Provision auf Versandkosten?

Beitrag von Bloedi » 02.08.17, 20:57

khmlev hat geschrieben:
Bloedi hat geschrieben:Bei den Versandkosten ist es aber so, dass diese von den Verkäufern nicht einbehalten werden können, sondern an den Logistikdienstleister für dessen Dienstleistung abzuführen sind
Sie sollten sich einmal mit den entsprechenden Bedingungen der von Ihnen zitierten Plattform beschäftigen. Sie werden feststellen müssen, dass sie ihren Beitrag in die Tonne hauen können.

Unter Versandkosten versteht die Plattform:
Die tatsächliche Versandkosten, Kosten für Verpackung sowie Versicherung. Die Obergrenze für Versandkosten beträgt für Päckchen- und Paketversand EUR 9,50
Versandkosten können innerhalb der Obergrenze frei kalkuliert werden. Die Obergrenzen gelten nur in bestimmten Kategorien.

Wie ich bereits verdeutlicht habe, fallen die Versandkosten nicht in den Zuständigkeitsbereich des Verkäufers, sondern werden vom Logistikunternehmen erhoben, auch wenn die Berechnung dieser Gebühren dem Verkäufer obliegt.

Es spielt - unter rechtlichen Gesichtspunkten - letztlich auch keine Rolle, was das Unternehmen Internetauktionshaus [Name geändert] in seinen geschäftlichen Bedingungen regelt, wenn diese Regelungen rechts- und sittenwidrig sind.
Ein Unternehmen hat seine geschäftliche Tätigkeit an den rechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Staates auszurichten und ist nicht berechtigt, eigene Gesetzmäßigkeiten zu schaffen und diese durch "Gewohnheitsrecht" zu legitimieren und letztlich irreversibel zu "zementieren".

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