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Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 18.05.15, 21:35
von Ich__bins
Hallo,
hat jemand eine Erfahrung in diesem Fall:

Man hat im Laden die Möbel reserviert (Selbstabholung). Kaufvertrag unterschrieben, aber nicht bezahlt und nicht abgeholt.
Nach 2 Tagen wollte man von dem Kaufvertrag absagen. Der Verkäufer hat nicht benachrichtigt, dass man in diesem Fall bezahlen soll.
Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Auf der Rückseite des Kaufvertrags steht:
Abnahmeverzug, Schadensersatz
1. Wenn der Käufer gekaufte Ware nicht abnimmt so kann der Verkäufer nach fruchtlosem Ablauf einer dem Käufer in Textform zu setzenden angemessenen Nachfrist vom Vertrag zurücktreten und Schadensersatz statt der Leistung nach Maßgabe der Ziff 3. verlangen. Das Gleiche gilt, wenn der Käufer die Zahlung und/oder die Abnahme ausdrücklich verweigert.
2. Gerät der Käufer mit der Abnahme gekaufter Ware in Verzug, so hat er für die Dauer des Verzuges dem Verkäufer die Lagerkosten für die vom Verzug betroffene Ware zu ersetzen. Die zu erstattenden Lagerkosten betragen € 0,77 je Tag und qm beanspruchter Lagerfläche, sofern nicht der Käufer nachweist, dass Lagerkosten nicht oder nur in geringem Umfang entstanden sind. Die Geltendmachung eines weitergehenden konkreten Schadens, etwa durch Lagerung bei einer Spedition bleibt dem Verkäufer vorbehalten.
3. Als Schadensersatz statt der Leistung bei Verzug des Käufers gem. Ziff. 1 kann der Verkäufer 30 % des Kaufpreises fordern, sofern der Käufer nicht nachweist, dass ein Schaden überhaupt nicht oder nicht in Höhe der Pauschale entstanden ist. Die Geltendmachung eines nicht pauschalierten, konkreten Schadens bleibt dem Verkäufer vorbehalten.

Re: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 18.05.15, 22:00
von Gammaflyer
Der abgeschlossene Vertrag gilt, man kann ihn nicht einfach "absagen", wenn das nicht explizit vorgesehen ist.

Re: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 18.05.15, 22:02
von Flowjob
Natürlich soll man und man wird auch dafür bezahlen. Wieso sollte der VK gesondert darauf hinweisen müssen, dass man einen gschlossenen Kaufvertrag auch einhalten muss?

Re: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 18.05.15, 22:33
von Ich__bins
Gammaflyer hat geschrieben:Der abgeschlossene Vertrag gilt, man kann ihn nicht einfach "absagen", wenn das nicht explizit vorgesehen ist.
Spielt eine Rolle, wenn im Kaufvertrag ein Fehler ist?
z.B.:
Abholung : ca. 13.10.14 - 19.10.14
Kaufvertrag : 17.10.14
also die Abholung 4 Tage vor und 2 Tage (zweite Tag ist Sonntag) nach die Unterschreibung den Kaufvertrag. Oder ist es kein Fehler?
Und die Waren verließ den Laden nicht. Hat überhaupt der Kunde einen Schutz bei diesem Fall?

Re: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 18.05.15, 23:25
von Vitalier
Ich__bins hat geschrieben:Oder ist es kein Fehler?
Ob das ein Fehler ist, kommt auf den Inhalt des Kaufvertrages an. Es ist aber sicher kein Fehler, der den Vertrag nichtig machen würde.
Und die Waren verließ den Laden nicht. Hat überhaupt der Kunde einen Schutz bei diesem Fall?
Schutz wovor? Der Kunde hat natürlich bei Zahlung auch einen Anspruch auf Übereignung der Möbel.

Re: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 18.05.15, 23:48
von nordlicht02
Ich__bins hat geschrieben: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?
Nö, sagt doch keiner.
Es gibt einen Kaufvertrag, den beide Seiten erfüllen müssen. Heißt: Der Verkäufer liefert die Möbel, Sie müssen sie abnehmen und natürlich auch bezahlen.
Und falls Sie auf das 14-tägige Widerrufsrecht anspielen - das gibt es beim Kauf im stationären Handel nicht, es sei denn, es wurde explizit vereinbart.

Re: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 19.05.15, 06:57
von ktown
Ich__bins hat geschrieben:Man hat im Laden die Möbel reserviert (Selbstabholung). Kaufvertrag unterschrieben
Wenn man einen Kaufvertrag unterschrieben hat, dann hat man nicht reserviert sondern maximal einen späteren Annahmetermin vereinbart.

Re: Soll man für nicht abgenommene Ware bezahlen?

Verfasst: 19.05.15, 08:32
von winterspaziergang
Ich__bins hat geschrieben:Hat überhaupt der Kunde einen Schutz bei diesem Fall?
Doch- indem der Kunde nichts kauft, was er nicht sicher erwerben möchte.
Verständlich, dass der Kunde "Schutz" sucht, aber eigentlich meint er, seine Meinungsänderung zum Möbelstück ohne Konsequenzen ausüben zu können.

Der Verkäufer hat aber auch einen Anspruch auf "Schutz": nämlich davor, dass Kunden erst etwas reservieren bzw. kaufen, das dadurch für andere Kunden nicht käuflich ist und dann zurücktreten.
Er hat hierdurch einen wirtschaftlichen Verlust.
Dass er das Teil an einem anderen Tag verkaufen könnte, zählt nicht, da die Kalkulation eines Gewerbetreibenden durchaus einen Tagesumsatz vorsehen kann und den hält er durch die Rückgabe des Kunden nicht ein. Dies können speziell Einzelhändler nicht auffangen, daher gibt es vor allem hier nicht die Kulanz, vom Vertrag zurücktreten zu können.