Reparatur anmahnen

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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ktown
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Re: Reparatur anmahnen

Beitrag von ktown » 05.04.16, 11:02

Zafilutsche hat geschrieben:Hätte sich der Garantiegeber an den § 477 bgb gehalten,
und woher wissen sie, dass er das nicht getan hat?
Zafilutsche hat geschrieben:Im übrigen darf die "Garantie" bekanntlich das Gewährleistungsrecht nicht beschneiden!
und woher wissen sie, dass der Hersteller dies hier tut?
Zafilutsche hat geschrieben:Daher wäre die Forderung nach Gewährleistung grundsätzlich eine art von "Mindestforderung".
Nö. Der Endverbraucher muss schon klar und deutlich seinen Willen kund tun. Es ist nicht die Pflicht des Verkäufers zu erraten, welche Leistung der Endverbraucher in Anspruch nehmen will. Sollte der Verkäufer dies tun, dann ist das Kundenservice. Nicht mehr und nicht weniger.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Zafilutsche
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Re: Reparatur anmahnen

Beitrag von Zafilutsche » 05.04.16, 12:28

ktown hat geschrieben:
Zafilutsche hat geschrieben:Hätte sich der Garantiegeber an den § 477 bgb gehalten,
und woher wissen sie, dass er das nicht getan hat?
(1) Eine Garantieerklärung (§ 443) muss einfach und verständlich abgefasst sein. Sie muss enthalten
1. den Hinweis auf die gesetzlichen Rechte des Verbrauchers sowie darauf, dass sie durch die Garantie nicht eingeschränkt werden und
2. den Inhalt der Garantie und alle wesentlichen Angaben, die für die Geltendmachung der Garantie erforderlich sind, insbesondere die Dauer und den räumlichen Geltungsbereich des Garantieschutzes sowie Namen und Anschrift des Garantiegebers
Damit wäre alles klar: Eine Rückfrage an wen auch immer wäre hinfällig. So aber scheint es offenbar nicht einfach und verständlich gewesen zu sein.

ktown hat geschrieben:
Zafilutsche hat geschrieben:Im übrigen darf die "Garantie" bekanntlich das Gewährleistungsrecht nicht beschneiden!
und woher wissen sie, dass der Hersteller dies hier tut?
weil nicht zwingend der Hersteller eine Garantie abgeben muß. Eine Garantie hätte genauso der Installateur oder ein Vertriebspartner vom Hersteller erklären können. Weil derjenige das aber nicht "einfach und verständlich" gemacht hat, wäre dieses Ratespiel was wir hier führen nicht von nöten.
ktown hat geschrieben:
Zafilutsche hat geschrieben:Daher wäre die Forderung nach Gewährleistung grundsätzlich eine art von "Mindestforderung".
Nö. Der Endverbraucher muss schon klar und deutlich seinen Willen kund tun. Es ist nicht die Pflicht des Verkäufers zu erraten, welche Leistung der Endverbraucher in Anspruch nehmen will. Sollte der Verkäufer dies tun, dann ist das Kundenservice. Nicht mehr und nicht weniger.
.
Das sehe ich anders. Denn wenn es so wäre, bräuchte demzufolge kein Vertragspartner überhaupt prüfen ob eine vom Vertragspartner angeführte Beanstandung eine berechtigte Beanstandung ist oder nicht. Daher wäre es nicht relevant, ob der Verbraucher sich juristisch korrekt mit dem Wörtchen "Garantie" oder "Gewährleistung" beschwert. Ohne rechtlich notwendige Überprüfung des Sachverhaltes würde jegliche Nachbesserung/Nacherfüllung oder mögliche Schadenersatzforderung entfallen. Das würde jeden Interessenausgleich zuwider laufen.

ktown
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Re: Reparatur anmahnen

Beitrag von ktown » 05.04.16, 13:16

Zafilutsche hat geschrieben:Denn wenn es so wäre, bräuchte demzufolge kein Vertragspartner überhaupt prüfen ob eine vom Vertragspartner angeführte Beanstandung eine berechtigte Beanstandung ist oder nicht.
Der Verkäufer prüft (oder sollte prüfen) gemäß den Vorgaben des Endverbrauchers.
Beruft er sich auf das Gewährleistungsrecht, erfolgt die Prüfung auf Basis dieser Grundlage.
Beruft sich der Endverbraucher jedoch auf die Garantiebestimmungen (egal ob seitens des Herstellers oder des Verkäufers, so er denn eine hat), dann sind diese Basis der Prüfung der Beanstandungen.

Ein Hinweis des Kunden, dass er die Garantie in Anspruch nehmen will schließt nicht automatisch die Überprüfung gemäß des Gewährleistungsrechts mit ein. Eine Garantie zielt nicht auf die Mangelhaftigkeit eines Produktes bei Gefahrübergang ab. Sie erweitert nur das Leistungssprektrum über den Zeitraum X durch den Hersteller/Händler ohne den Zeitpunkt des Gefahrübergangs zu werten. Dieser dient nur als Startpunkt der Garantieleistung.
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Re: Reparatur anmahnen

Beitrag von Zafilutsche » 06.04.16, 07:58

ktown hat geschrieben: Der Verkäufer prüft (oder sollte prüfen) gemäß den Vorgaben des Endverbrauchers.

Ich finde die Wortwahl "nach den Vorgaben des Endverbrauchers" nicht richtig. Im Eigeninteresse des Verkäufers sollte dieser prüfen, ob das was vertraglich vereinbart worden ist auch tatsächlich geliefert wurde. (Das schliesst neben den einzelvertraglichen Zusicherung; die Haupt- und Nebenpflichten auch die gesetzlichen Forderungen ein. Das wäre -wenn eine Garantie abgegeben wird, auch die im Gesetz geforderten Forderungen und Bestimmungen. Daher wäre es schlau für den Verkäufer, die möglichen potentiellen Mängel die vom Kunden angemahnt werden auch aufzugreifen und zumindest auf ihrer Berechtigung/nicht Berechtigung zu prüfen.

freemont
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Re: Reparatur anmahnen

Beitrag von freemont » 06.04.16, 08:15

Zafilutsche hat geschrieben:... Daher wäre es schlau für den Verkäufer, die möglichen potentiellen Mängel die vom Kunden angemahnt werden auch aufzugreifen und zumindest auf ihrer Berechtigung/nicht Berechtigung zu prüfen.

Ist das denn nicht ein Schein-Problem?

In der Begründung zu § 443 BGB, Garantie, findet sich folgendes:

http://www.sadaba.de/Mot/GSBM_BGB_0443.html
Schwierigkeiten können sich ferner daraus ergeben, dass der Käufer inhaltlich übereinstimmende Ansprüche gegen den Verkäufer und den Hersteller hat, aber evtl. zunächst nur einen von beiden in Anspruch nimmt. Verhandlungen über den Anspruch, die Durchführung eines Nachbesserungsversuchs und auch das Fehlschlagen der Nachbesserung haben rechtliche Wirkungen gemäß § 425 nur gegenüber dem jeweils in Anspruch genommenen Teil. Daraus können sich für den Käufer nicht vorhergesehene und kaum verständliche Nachteile ergeben.
So weit Garantie und Sachmängelhaftung sich decken, besteht also ein Gesamtschuldverhältnis.

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