Bei Privatverkauf irrtümlich falsche Mengenangabe gemacht

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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runningrolf
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Bei Privatverkauf irrtümlich falsche Mengenangabe gemacht

Beitrag von runningrolf »

Folgendes Problem:
Es wurde von Privat ein Artikel in einer Onlineauktion eingestellt. Bei der Mengenangabe der einzelnen Bestandteile der Ware trat ein Fehler auf. Statt der vorhandenen 2x wurde irrtümlich 22x eingetragen. Nachdem der Käufer darüber informiert hat wurde das überwiesene Geld zurücküberwiesen zusammen mit einer Entschuldigung und dem Hinweis auf ein Versehen. Die Artikel sind noch beim Käufer. Die fehlenden 20 können nicht nachbeschafft werden. Kann vom Privatverkäufer weiterer Schadensersatz verlangt werden?
Baden-57
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Re: Bei Privatverkauf irrtümlich falsche Mengenangabe gemach

Beitrag von Baden-57 »

Wenn ein rechtsgültiger Kaufvertrag abgeschlossen ist, hat der Käufer grundsätzlich Anspruch auf Schadensersatz.
Zwar muß der Käufer aufgrund der fehlenden Teile eine Nachfrist setzen, doch wenn der Händler bereits mitteilt, dass die Artikel nicht nachgeliefert werden können, ist die Fristsetzung nicht erforderlich.
ktown
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Re: Bei Privatverkauf irrtümlich falsche Mengenangabe gemach

Beitrag von ktown »

Baden-57 hat geschrieben:doch wenn der Händler bereits mitteilt
Welcher Händler?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
freemont
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Re: Bei Privatverkauf irrtümlich falsche Mengenangabe gemach

Beitrag von freemont »

runningrolf hat geschrieben:Folgendes Problem:
Es wurde von Privat ein Artikel in einer Onlineauktion eingestellt. Bei der Mengenangabe der einzelnen Bestandteile der Ware trat ein Fehler auf. Statt der vorhandenen 2x wurde irrtümlich 22x eingetragen. Nachdem der Käufer darüber informiert hat wurde das überwiesene Geld zurücküberwiesen zusammen mit einer Entschuldigung und dem Hinweis auf ein Versehen. Die Artikel sind noch beim Käufer. Die fehlenden 20 können nicht nachbeschafft werden. Kann vom Privatverkäufer weiterer Schadensersatz verlangt werden?
Hallo,

das "Vertippen" ist grundsätzlich ein Fall der Anfechtung. Die Anfechtung ist hier mit der Mitteilung an den Käufer auch erfolgt. Wenn alle Voraussetzungwn vorliegen ist der Vertrag dann nichtig.

Allerdings hat der Käufer einen Schadensersatzanspruch, siehe § 122 BGB. Er muss aber nur so gestellt werden, als ob er nie etwas vom Vertrag gehört hätte, nicht so, als ob der Vertrag ordnungsgemäß erfüllt würde.

D.h. er kann sein Geld zurückfordern und die Kosten der Rücksendung der Ware. Die Versanddienstleister holen für relativ wenig Geld auch am Wohnort des Käufers ab.

Die Lieferung aller 22 Teile, bzw. die Mehr-Kosten einer Ersatzbeschaffung kann er dagegen nicht fordern. Wenn die Anfechtung wirksam ist.
I-user
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Re: Bei Privatverkauf irrtümlich falsche Mengenangabe gemach

Beitrag von I-user »

freemont hat geschrieben:Die Lieferung aller 22 Teile, bzw. die Mehr-Kosten einer Ersatzbeschaffung kann er dagegen nicht fordern. Wenn die Anfechtung wirksam ist.
Ausnahme: Er bestellte 22 Teile und versäumte dadurch eine andere günstige Gelegenheit.
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freemont
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Re: Bei Privatverkauf irrtümlich falsche Mengenangabe gemach

Beitrag von freemont »

I-user hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:Die Lieferung aller 22 Teile, bzw. die Mehr-Kosten einer Ersatzbeschaffung kann er dagegen nicht fordern. Wenn die Anfechtung wirksam ist.
Ausnahme: Er bestellte 22 Teile und versäumte dadurch eine andere günstige Gelegenheit.
Stimmt, aber das will erst mal nachgewiesen sein.

Wenn z.B. eine andere Auktion verpasst wurde, die in der Zwischenzeit gelaufen ist. Aber wie wäre die ausgegangen, wenn "unser" Käufer auch mitgeboten hätte? Mindestens 1 EUR höher? Oder wie weit wäre der, der den Zuschlag erhalten hat noch mitgegangen? Als Käufer hätte ich bei der Argumentation kein gutes Gefühl.
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