Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Balazs
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Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von Balazs » 07.07.16, 20:53

Hallo,

folgende Sachverhalt:

Verkäufer V biete auf einem Internetportal eine trächtige Lamastute zum Verkauf an. Der Preis beträgt 1500€, was weit unter Wert ist, da die Stute trächtig ist und man noch mit Ihr unter normalen Umständen mindestens 10 Jahre züchten könnte.

Käufer K vereinbart am Telefon, dass er die Stute kaufen möchte. Zudem wird über Messenger nochmal schriftlich vereinbart, dass die Stute bei Abholung bar bezahlt wird, weiterhin bekommt K die Abholadresse mitgeteilt.
Einen Tag nach der Vereinbarung und damit 2 Tage vor Abholung teilt V per Messenger mit, dass er die Stute gerade andweitig verkauft hat.

Steht nun K Schadenseratz wegen Nichterfüllung zu? Kann er auch Schadensersatz über dem Kaufpreis verlangen, da er wie bereits geschrieben mit den weiteren Nachkommen der Stute Geld verdient hätte?

Vielen Dank und Grüße

PS: Der Wert dieser Stute beträgt unter normalen Umständen ca. 3500€, sie wird von V nur so günstig abgegeben, weil er keinen Platz hat und sie deshalb "schnell" weg muss.
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Tastenspitz
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Re: Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von Tastenspitz » 08.07.16, 05:27

Mal abgesehen vom Problem des Nachweises:
Balazs hat geschrieben:Käufer K vereinbart am Telefon, dass er die Stute kaufen möchte.
Ein "Ich möchte die Stute kaufen" ist noch kein Vertrag oder eine Vereinbarung. Hier muss man auf den genauen Wortlaut abstellen. Wie gesagt - nachweislich.
Balazs hat geschrieben:schriftlich vereinbart, dass die Stute bei Abholung bar bezahlt wird, weiterhin bekommt K die Abholadresse mitgeteilt.
Auch das ist noch kein Vertragsschluss sondern lediglich eine Mitteilung, wie die Bezahlung zu erfolgen hat und wo die dicke Speichelschleuder steht.
Balazs hat geschrieben:Kann er auch Schadensersatz über dem Kaufpreis verlangen, da er wie bereits geschrieben mit den weiteren Nachkommen der Stute Geld verdient hätte?
Dürfte nmE. ausgeschlossen sein. Wie soll man da ermitteln, wieviele Nachkommen zu welchem Preis da wohl gekommen wären. Und deren Nachkommen. Eine ganze Zucht wird verhindert. Ein Schaden in 6 stelliger Höhe. :shock: :ironie:
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Baden-57
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Re: Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von Baden-57 » 08.07.16, 11:30

Stimme mit Tastenspitz überein, es liegt kein rechtlicher Kaufvertrag vor,da die Grundsätze eines Kaufvertrages nicht vorliegen; zudem müsste der mündliche Vertrag bewiesen werden können.

Balazs
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Re: Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von Balazs » 08.07.16, 18:06

Hallo,

was fehlt Eurer Meinung nach zu einem rechtsgültigen Vertrag?

Es ist doch klar, dass wenn man eine Abholung mit Kaufpreiszahlung vereinbart, dass vorher zu 100% besprochen wurde dass das Angebot von V angenommen wird.

SusanneBerlin
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Re: Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von SusanneBerlin » 08.07.16, 18:12

Balazs hat geschrieben:Hallo,

was fehlt Eurer Meinung nach zu einem rechtsgültigen Vertrag?

Es ist doch klar, dass wenn man eine Abholung mit Kaufpreiszahlung vereinbart, dass vorher zu 100% besprochen wurde dass das Angebot von V angenommen wird.
Das ist gar nicht so klar.
Wurde denn besprochen, dass K die Stute 100%ig am Tag X abholen kann?

Der V könnte auch gesagt haben "Der erste, der mit 1500€ in bar auf der Matte steht, bekommt das Vieh."
Balazs hat geschrieben:Der Wert dieser Stute beträgt unter normalen Umständen ca. 3500€, sie wird von V nur so günstig abgegeben, weil er keinen Platz hat und sie deshalb "schnell" weg muss.
Grüße, Susanne

Balazs
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Re: Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von Balazs » 08.07.16, 18:19

Es wurde festgelegt(schriftlich) dass die Stute am 9.6.2016 am Nachmittag gegen 15Uhr von K geholt und dann bar gezahlt wird.
Es ist ja auch so, dass K 500km gefahren wäre und sich extra einen Bus für Samstag gemietet hatte.

Grown
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Re: Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von Grown » 11.07.16, 06:57

Balazs hat geschrieben:Es wurde festgelegt(schriftlich) dass die Stute am 9.6.2016 am Nachmittag gegen 15Uhr von K geholt und dann bar gezahlt wird. [...]
Textnachrichten per Messenger-Diensten sind nicht 'schriftlich' zumindest nicht nach juristischer Auslegung, sie entsprechen allenfalls der 'Textform'.

Ich gehe davon aus, dass ein Gericht prüfen würde, wie die Textnachrichten beider Parteien gemeinhin für eine verständigen Person zu verstehen wären.

Hat der Geschäftspartner denn mitgeteilt dass das Tier fest versprochen, reserviert oder ähnliches wird?
Hat der Interessent denn darauf hingewiesen dass es mit entsprechenden Vorbereitungen verbunden ist und er auf jeden Fall das Tier abholen wird?
"Ich habe Dir also die Wahrheit erzählt, von einem gewissen Standpunkt aus." - Obi Wan Kenobi

Waschbärin
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Re: Schadensersatz wegen Nichterfüllung Tierkauf

Beitrag von Waschbärin » 11.07.16, 15:07

Balazs hat geschrieben:Hallo,

was fehlt Eurer Meinung nach zu einem rechtsgültigen Vertrag?

Es ist doch klar, dass wenn man eine Abholung mit Kaufpreiszahlung vereinbart, dass vorher zu 100% besprochen wurde dass das Angebot von V angenommen wird.
Wenn das wirklich so klar wäre, dann würde ich nicht heute noch z.B. auf einen Welpenkäufer warten, der im Januar 2003 angeblich in Hamburg losgefahren ist (letztes Telefonat wenige Stunden vor der angeblichen Abfahrt) und bis heute noch nicht bei mir in Hessen eingetroffen ist.

Sorry, wer Tiere verkauft, der wird von seinen potentiellen Käufern weitaus häufiger versetzt als umgekehrt. Im übrigen entscheidet man doch als Käufer immer erst vor Ort ob man ein Tier wirklich kauft oder nicht doch lieber wieder alleine nach Hause fährt. Was, wenn zwischen der Lamadame und Ihnen eine extreme Abneigung bestanden hätte? Hätten sie das Tier wirklich mitgenommen wenn es z.B. massiv aggressiv auf Sie reagiert hätte?

Und zum "möglichen Verdienstausfall", für den der Verkäufer des Lamas haften soll: So ein Tier kann schon die ersten Stunden im neuen Zuhause nicht überleben. Auslauf oder Koppel nicht sicher eingezäunt, das Tier erschrickt in der neuen Umgebnung, bricht durch den Zaun und rennt vor ein Auto. Oder der Käufer füttert falsch und das Tier verendet deswegen. Oder der Lamahengst, dem der Käufer die neue Stute zuführt, ist taub auf den Nüssen und der Zuchterfolg bleibt aus. Zudem könnte auch die Lamastute unfruchtbar sein bzw. derart erkranken, dass sie zeitweise oder gar nicht mehr zur Zucht verwendet werden kann usw. Wie will man da den Verlust eines Zuchterfolges einklagen bei einem Tier, dessen Eigentümer man nicht werden konnte (aus welchem Grund auch immer)?

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