Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

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edison99
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Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von edison99 » 20.10.16, 23:33

Hallo liebes Forum,

ich war mir nicht ganz sicher, welches die korrekte Rubrik für den folgenden Beitrag sei - sollte ich die falsche Rubrik gewählt haben, bitte ich vorab bereits um Entschuldigung.


Zum Fall:

A verfügt über ein privates Bankkonto.
A erhält regelmaessig Kontoauszuege mit der Post zu diesem Konto und loggt sich hin und wieder auch in das Onlinebanking ein, schenkt den Vorgängen auf diesem Konto über lange Zeit ansonsten aber keine grosse Aufmerksamkeit.

Eines Tages entdeckt der A, dass von diesem Konto regelmaessig Gelder abgebucht werden:

Jeden Monat zieht der Paymentdienstleister P EUR 59,90 von diesem Konto ein.
In den Abbuchungstexten finden sich eine URL, die den Grund der Zahlung beinhalten soll.
Als der A diese URLs im Browser ansieht, wird ihm auf der Website von P mitgeteilt, der Grund der Abbuchung sei eine angebliche Mitgliedschaft auf einer Sexkontaktwebsite, die mtl. mit EUR 59,90 zu vergüten sei.
Die Betreiberfirma der Sexkontaktwebsite sitzt in Österreich.

Erstaunlicherweise werden auf der Website von P sowohl der korrekte Name, die korrekte Anschrift sowie die korrekten Bankverbindungsdaten des A angezeigt.

Ferner wird angegeben, dass die Beauftragung dieser Leistungen von einer IP erfolgt sei, die nach Prüfung durch eine IP-Datenbank tatsächlich dem Provider und dem Wohnort zuzuordnen zu sein scheint, den der A nutzt.

A hat diese Leistungen nicht bestellt und nicht genutzt, er kennt zum einen diese Website gar nicht und hätte auch sicherlich keine fortgesetzten Abbuchungen in Höhe mtl. EUR 59,90 akzeptiert.

Nach weiterer Recherche stellt A fest, dass diese Abbuchungen bereits seit 3 Jahren regelmaessig erfolgen sowie dass diese Sexkontaktwebsite dem A vor 3 Jahren seine angebliche Bestellung per eMail-Mitteilung bestätigt hat.
Diese eMail hatte der A ignoriert und nicht zur Kenntnis genommen, weil er diese für Spam gehalten hatte.
Desweiteren scheint P bereits öfters mit entspr. Vorgängen aufgefallen zu sein ("Abofalle", etc.).

A stellt sich nun die Frage, inwieweit realistische Chancen bestehen, die unberechtigt abgebuchten Gelder zurückzuerhalten und inwieweit strafrechtlich dagegen vorgegangen werden kann.

Oder muss A realistischerweise davon ausgehen, dass die Angabe der korrekten Daten (Bankkonto, Name, Anschrift und womoeglich sogar eine plausible IP-Adresse aus Hamburg) sowie der Umstand, dass die Abbuchungen des P über so einen langen Zeitraum geduldet worden sind, als Beweis vor Gericht Bestand haben werden, dass der A diese Leistung auch beauftragt habe?

Vielen Dank im voraus!

Tastenspitz
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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von Tastenspitz » 21.10.16, 04:45

edison99 hat geschrieben:Nach weiterer Recherche stellt A fest, dass diese Abbuchungen bereits seit 3 Jahren regelmaessig erfolgen sowie dass diese Sexkontaktwebsite dem A vor 3 Jahren seine angebliche Bestellung per eMail-Mitteilung bestätigt hat.
:shock:
Drei Jahre und A merkt das nicht?
edison99 hat geschrieben:muss A realistischerweise davon ausgehen, dass die Angabe der korrekten Daten (Bankkonto, Name, Anschrift und womoeglich sogar eine plausible IP-Adresse aus Hamburg) sowie der Umstand, dass die Abbuchungen des P über so einen langen Zeitraum geduldet worden sind, als Beweis vor Gericht Bestand haben werden, dass der A diese Leistung auch beauftragt habe?
Ziemlich sicher ja.
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edison99
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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von edison99 » 21.10.16, 05:09

Tastenspitz hat geschrieben:Drei Jahre und A merkt das nicht?
Ja, es erscheint vermutlich schwer vorstellbar.

Aber dieses Bankkonto wurde in den Jahren von A nur selten aktiv genutzt.

A füllt das Bankkonto in der Regel nur ein- bis zweimal jährlich mit Geld auf, und dann gehen in den Folgemonaten eben verschiedene Ausgaben davon runter, ohne dass A sich weiter gross darum kümmern würde.
Da A noch einige kostenpflichtige Dienste im Internet in Anspruch nimmt (z.B. Immobilienanzeigen etc.), ist ihm beim flüchtigen Durchsehen auch nicht aufgefallen, dass dort Abbuchungen stattfinden, zu denen es gar keine Zustimmung gegeben hat.

Aufgefallen sind diese Vorgänge dem A auch nur deshalb, weil er seit kurzem das Bankkonto intensiver nutzt.

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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von BäckerHD » 21.10.16, 06:24

Sorry, aber wer drei Jahre lang nicht mitbekommt, dass unberechtigterweise Geld von seinem Konto abgebucht wird, obwohl er Auszüge geschickt bekommt und ab und zu ins Onlinebanking schaut, der muss schon mit Doofheit geschlagen sein. Wie soll so jemandem nun in einem Rechtsforum geholfen werden?

edison99
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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von edison99 » 21.10.16, 07:01

@Tastenspitz:

Vielen Dank für Deine Einschätzung.


@Bäcker:

Ich hatte bereits erläutert, wie es dazu gekommen ist, dass diese Abbuchungen nicht aufgefallen sind.
A hat sein Konto schlichtweg nicht regelmässig kontrolliert.
Einmal bis zweimal im Jahr hat der A einfach Geld auf das Konto überwiesen und sich ansonsten um das Konto keine weiteren Gedanken mehr gemacht - und A ist auch gar nicht auf den Gedanken gekommen, dass sich da jmd. in der Zwischenzeit womöglich unberechtigt einfach hat bedienen können.

Denn - mal abgesehen von der Tatsache, dass es offenbar naiv und auch dumm von A war anzunehmen, dass er die Kontobewegungen nicht kontrollieren bräuchte - das ändert ja nichts an dem Umstand, dass es sich um rechtswidrige Abbuchungen unter Berufung auf eine vom A nicht erteilte Lastschriftgenehmigung handelt.

Gibt es also realistische Chancen, die unberechtigterweise abgebuchten Beträge zurückzuerlangen - oder wird man bei einem Gerichtsverfahren dem Abbucher glauben, weil dieser den Namen, die Bankverbindung, die Anschrift, eine plausible IP-Adresse vorlegen kann und sich vermutlich zudem darauf berufen wird, dass der A ja über so lange Zeit keinen Anstoss an den Abbuchungen genommen hat?

Ich persönlich vermute ja, dass man dem A bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung wohl nicht glauben würde, dass er diesen Abovertrag nicht geschlossen haben will - aber ich bin ja nicht rechtskundig, weshalb ich diese Frage nun etwaigen Rechtskundigen in diesem Forum stelle.

Dass es offenkundig von A dumm war, das Konto nicht zu kontrollieren, ist ja nun im übrigen eine triviale Erkenntnis - das hat der A längst auch erkannt. :)

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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von Tastenspitz » 21.10.16, 07:26

Die Frage ist hier, woher hat der Anbieter die Daten (Bankverbindung, Mail, Name usw.).
Letztlich ist das Abo sofort fristgerecht zu kündigen. Man kann auch fristlos kündigen, wird dann aber im Streitfall nachzuweisen haben, wie es dazu überhaupt kam und warum man das 3 Jahre bezahlt und dann behauptet, man hat es gar nicht abonniert.
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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von edison99 » 21.10.16, 07:44

Die Frage ist hier, woher hat der Anbieter die Daten (Bankverbindung, Mail, Name usw.).
Ja, das ist eben der Punkt, der den A auch sehr irritiert: Wie kommt der Anbieter an diese Daten?
Dafür hat der A auch keine wirkliche Erklärung - jedenfalls keine, die der A beweisen kann.

Da die Abbuchungen über so einen langen Zeitraum erfolgreich durchgeführt werden konnten, ohne dass der A daran Anstoss genommen hat, würde man bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung dem A wohl entgegenhalten, er ja sei anscheinend mit diesen Abbuchungen einverstanden gewesen, zumal er ja die Möglichkeit gehabt hätte, seine Kontoauszüge etc. zu kontrollieren.

Und dass gegen den Anbieter lt. zahlreicher Fundstellen im Internet in den vergangenen Jahren wohl viele ähnliche Verfahren anhängig waren und auch Verbraucherschutzverbände gegen den Anbieter vorgegangen sind, ist ja letztlich wohl auch kein Beweis dafür, dass hier Geld unberechtigt abgebucht worden ist.

ktown
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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von ktown » 21.10.16, 08:22

Also die Story ist so hanebüchen, dass es mir schwer viel zu sagen wo es hingehört.
Einerseits ist der A Verbraucher im klassischen Sinne => Verbraucherrecht
Andererseits wird hier unterschwellig Cyberkriminalität in den Raum gestellt, dann wären wir wo angesiedelt?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von Grown » 26.10.16, 10:11

unberechtigte Abbuchungen über den Bezahldienstleister "P" gibt es recht oft.
gerade das dort mögliche Abo-Modell ist eine schnell geöffnete Tür.

oft die Variante:

Nutzer A hat ein "Konto" bei P.

Nutzer A errichtet eine Bezahlverbindung zwischen P und Websitenbetreiber W für eine einmalige Zahlung und bemerkt nicht, dass er ausversehen eine dauerhafte "Abo" Verbindung eingerichtet hat.
Diese werden oft beworben mit der komfortablen Lösung nicht jedes mal eine Zahlung authorisieren zu müßen.
Nun hat der Websitebetreiber W Zugriff auf das Geld von A über P, ohne dass der A nachfolgende Zahlungen erneut freigeben muss.

Auf der Seite von P können solche Abo-Verbindungen deaktiviert werden.
Das ändert nichts daran, dass W bestimmt seine Forderungen durchsetzen will und A sich durch das Ignorieren in eine nachteilige Situation gebracht hat, was nun das Abwehren der Forderung angeht.


Anhand der Geschichte würde ich wetten, dass A früher einmal versehentlich bei W ein Abo abgeschlossen hat oder dies einfach vergessen hat.
Dennoch wird sich der A vorwerfen lassen müssen, dass er seine Konten (auch das bei P) regelmäßig prüfen muss.

So seltsam ist das allerdings nicht, dass gerade bei jungen Menschen sehr sehr oft die Konten einfach nicht geprüft oder lange zeit ignoriert werden, weil der Kontostand oft zu deprimierend ist, bis sich dann die Rechnungen und Mahnungen auftürmen und man sich damit beschäftigen muss.

Dann tauchen solche Geschichten auf.

Gruß
Grown
"Ich habe Dir also die Wahrheit erzählt, von einem gewissen Standpunkt aus." - Obi Wan Kenobi

Rolf22
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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von Rolf22 » 26.10.16, 11:59

Die beste Waffe gegen unberechtigte Abbuchungen ist immer noch die Rückgabe der Lastschrift. Welche Fristen hierfür gelten, finden sich unter dem nachfolgenden Link http://www.zahlungsverkehrsfragen.de/la ... trueckgabe

Grown
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Re: Unberechtigte Abbuchungen durch eine Websiteanbieter

Beitrag von Grown » 26.10.16, 13:21

Rolf22 hat geschrieben:Die beste Waffe gegen unberechtigte Abbuchungen ist immer noch die Rückgabe der Lastschrift. Welche Fristen hierfür gelten, finden sich unter dem nachfolgenden Link http://www.zahlungsverkehrsfragen.de/la ... trueckgabe



die Lastschrift hat A, so er Kunde von P ist, hat er dem P allerdings dauerhaft gestattet als er dort online das Lastschriftverfahren für sein Konto eingerichtet hatte.
Zwar gab es soweit mir bekannt noch kein Verfahren wo die AGB von P zur Prüfung standen, jedoch wird P dann über kurz oder lang eine Kanzlei mit der Beitreibung beauftragen.
(Vorausgesetzt der Online-Bezahldiensleister P ist dieser sehr bekannte wovon ich ausgehe)


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