Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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AndreasHL
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Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von AndreasHL »

Hallo,

bei xxxx bietet jemand ein Mainboard zum Verkauf an, und zwar gleich fünf mal ein Board der selben Marke. Nun ja, kann ja sein, dass er günstig an einen Restposten gekommen ist.

Das Board wurde als defekt beworben, "kein Bild". Auch das ist nicht so ungewöhnlich. Daher habe ich an der Seriosität des Angebotes nicht gezweifelt.

Nach Bezahlung die Rückmeldung: "oh Schreck, gar nicht bemerkt, wohl versehentlich falsch eingestellt, Geld wird erstattet".

Ich möchte das Geld aber nicht haben, sondern das relativ hochwertige Board.

Was kann ich tun?

Viele Grüße

Andreas

BäckerHD
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von BäckerHD »

Was hat die Situation mit dem Titel
AndreasHL hat geschrieben:Artikel versehentlich fünf mal versteigert
mit der Sachverhaltsbeschreibung
AndreasHL hat geschrieben:Nach Bezahlung die Rückmeldung: "oh Schreck, gar nicht bemerkt, wohl versehentlich falsch eingestellt, Geld wird erstattet". Ich möchte das Geld aber nicht haben, sondern das relativ hochwertige Board.
zu tun...?

SusanneBerlin
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von SusanneBerlin »

AndreasHL hat geschrieben:Ich möchte das Geld aber nicht haben, sondern das relativ hochwertige Board.
Hochwertig, aber defekt nicht zu vergessen.
Grüße, Susanne

AndreasHL
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von AndreasHL »

SusanneBerlin hat geschrieben:
AndreasHL hat geschrieben:Ich möchte das Geld aber nicht haben, sondern das relativ hochwertige Board.
Hochwertig, aber defekt nicht zu vergessen.
Ja und ? Das Board ist hochwertig. Und viele Verkäufer bei xxxx deklarieren einen Artikel nur deshalb als defekt, weil sie keinen Stress haben wollen wegen Rückgabe usw. Nicht zu vergessen die Menschen, die technisch einfach überfordert sind oder die Bedienungsanleitung nicht lesen können.

Außerdem nerven mich langsam die Leute, die zur Sache nicht wirklich etwas beitragen können oder wollen, sondern sich nur über Dritte lustig machen.

Andreas

BäckerHD
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von BäckerHD »

Was hat denn nun die Tatsache, dass ein ersteigerter Artikel vom Verkäufer als irrtümlich angeboten deklariert wurde, mit der Aussage zu tun, dass Sie diesen Artikel auch noch versehentlich gleich fünfmal ersteigert haben? Ich kann hier immer noch keinen Zusammenhang erkennen.

Zwei typische Situationen sind vorstellbar:

1.) A ersteigert bei B einen Artikel. Dann schreibt B, dass der Artikel nicht mehr zur Verfügung stehe. Dewegen ensteht Streit zwischen A und B.

2.) A ersteigert bei B einen Artikel. Durch Fehlbedienung der Auktionsseite ersteigert er den Artikel aber gleich fünf- anstatt einmal, will aber nur einen und auch nur einmal zahlen. Weil B auf der Fünffachbestellung besteht, entsteht Streit zwischen den beiden.

So, und was ist nun Ihr Problem?

Sie haben einen Artikel laut Überschrift "versehentlich fünf mal versteigert", von dem Sie annehmen, dass er trotz Benennung als defekt gar nicht defekt ist, sondern dass der Verkäufer nur zu doof ist, den Artikel richtig zu benutzen, und danach schrieb Ihnen der Verkäufer, dass das Angebot ein Irrtum war.

Was wollen Sie nun?

- Einen der fünf nicht verfügbaren Artikel?
- Alle fünf nicht verfügbaren Artikel?
- Ihr Geld zurück?
- Entschädigung für entgangene Lebensfreude bei Benutzung der möglicherweise gar nicht defekten Artikel?
- Entschädigung für den geplanten späteren aber nun entgangenen Weiterverkauf der möglicherweise gar nicht defekten Artikel?
- ...?


Sorry, aber man wird nicht so recht schlau aus Ihren Worten.

windalf
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von windalf »

Ja und ? Das Board ist hochwertig. Und viele Verkäufer bei xxxx deklarieren einen Artikel nur deshalb als defekt, weil sie keinen Stress haben wollen wegen Rückgabe usw. Nicht zu vergessen die Menschen, die technisch einfach überfordert sind oder die Bedienungsanleitung nicht lesen können.
Das hilft einem dann bei einer Schadensersatzfoderung bei "Nicht-Lieferung" vergleichsweise wenig, wenn laut Artikelbeschreibung ein defekter Artikel mit Schrottwert geschuldet wird.
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

ExDevil67
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von ExDevil67 »

windalf hat geschrieben:Das hilft einem dann bei einer Schadensersatzfoderung bei "Nicht-Lieferung" vergleichsweise wenig, wenn laut Artikelbeschreibung ein defekter Artikel mit Schrottwert geschuldet wird.
Stimmt. Auch wenn der TE auf Erfüllung des Kaufvertrages bestehen könnte, wobei ich grade nicht einschätzen kann wie weit der Verkäufer sich auf die irrtümliche Mehrfacheinstellung berufen kann, mehr als ein defektes Board wird man nicht verlangen können.
Aus der reinen Vermutung das das Board doch funktioniert wird man keinen Anspruch auf ein funktionsfähiges Board ableiten können.

AndreasHL
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von AndreasHL »

Hallo,

der Verkäufer (!) hat einen Artikel (Mainboard) versehentlich fünf mal eingestellt und dies angeblich erst nach Ende der Auktion bemerkt.

Nun habe ich ein Board ersteigert. Daraufhin erhielt ich eine Mail, dass der Verkäufer nicht liefern kann, er hätte nur ein Board zum Versteigern gehabt. Es müsse wohl ein Fehler beim Einstellen des Artikels passiert sein.

Der Verkäufer will jetzt das Geld zurück überweisen, ich möchte aber das angebotene Board.

Wie ist die rechtliche Situation?

Gruß

Andreas

windalf
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von windalf »

Der Verkäufer will jetzt das Geld zurück überweisen, ich möchte aber das angebotene Board.

Wie ist die rechtliche Situation?
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Das es das Board nur einmal gibt besteht bei "Nicht-Lieferung" ein Schadensersatzanspruch. Da das gekaufte Produkt aber laut Artikelbeschreibung Schrottwert hat, geht diese Anspruch gegen Null EURO
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

freemont
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von freemont »

AndreasHL hat geschrieben:...
Wie ist die rechtliche Situation?

Gruß

Andreas

Das ist ganz banal ein Fall der Irrtumsanfechtung, § 119 BGB.

Wie er das geschafft hat die Auktion 5 x zu starten bleibt sein Geheimnis, dass das nicht gewollt war, ist offensichtlich.

"Wer ... eine Erklärung dieses Inhalts überhaupt nicht abgeben wollte, kann die Erklärung anfechten, ... "

Das bewirkt dann die Nichtigkeit des Vertrages, siehe § 142 BGB. Etwaige Vertrauensschäden müssten vom Anfechtenden ersetzt werden. Das sind hier aber bloß die kaum messbaren Stromkosten für das Gebot und die Mailkorrespondenz.

zimtrecht
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von zimtrecht »

windalf hat geschrieben:Da das gekaufte Produkt aber laut Artikelbeschreibung Schrottwert hat, geht diese Anspruch gegen Null EURO
Wenn der Artikel mehrfach für deutlich mehr als "gegen Null Euro" versteigert wurde, scheint der Schrottwert ja in der Tat höher zu liegen.

windalf
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von windalf »

zimtrecht hat geschrieben:
windalf hat geschrieben:Da das gekaufte Produkt aber laut Artikelbeschreibung Schrottwert hat, geht diese Anspruch gegen Null EURO
Wenn der Artikel mehrfach für deutlich mehr als "gegen Null Euro" versteigert wurde, scheint der Schrottwert ja in der Tat höher zu liegen.
Der Grund liegt aber darin, dass viele darauf wetten, dass der Artikel eben doch nicht kaputt ist (und die Artikelbeschreibung falsch ist). Geschuldet wird aber nur das in der Artikelbeschreibung versprochene. ALternativ könnte der Verkäufer ja auch ein defektes Mainboard beschaffen. Der Schadensersatz muss sich imho an dem Wert eines Artikels aus der Artikelbeschreibung messen und nicht daran, worauf viele Käufer wetten.

Aber selbst wenn man den "vermeintlich gebildeten Marktpreis" der auf einen anderen als den beschriebnen Artikel setzt ansetzten würde, hätte der Käufer nichts gewonnen. Er bekommt ja sein Geld zurück. Damit verbleibt trotzdem ein Schadensersatz in Resthöhe von Null hat er sein Geld zurück.
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

BäckerHD
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von BäckerHD »

Wenn ich nun also einen altersschwachen PKW ersteigere, dessen Lack der Verkäufer als "völlig im Eimer" beschreibt und der wegen der theoretischen Neulackierungskosten von 2500 € für 50 € weggeht, und wenn dieses 50-€-Auto nun, nachdem ich es ersteigert habe, vor der Übergabe an mich vom Verkäufer versehentlich zu einem Würfel gepresst wird, dann argumentiere ich, dass der Verkäufer ja - wie die meisten - ganz offensichtlich keine Ahnung hat und dass ich den Lack mit einer gründlichen Politur schon wieder auf Vordermann gebracht hätte, so dass mir eigentlich ein Auto vorenthalten bleibt, das viel mehr wert war als nur 50 €...? Genial.

zimtrecht
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von zimtrecht »

BäckerHD hat geschrieben:Wenn ich nun also einen altersschwachen PKW ersteigere, ....
Gerade zu diesen PKW-Käufen gab es doch sogar schon Urteile, oder nicht? z.B. BGH Az: VIII ZR 42/14

Fratzoo0
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Re: Artikel versehentlich fünf mal versteigert

Beitrag von Fratzoo0 »

AndreasHL hat geschrieben:Hallo,

bei xxxx bietet jemand ein Mainboard zum Verkauf an, und zwar gleich fünf mal ein Board der selben Marke. Nun ja, kann ja sein, dass er günstig an einen Restposten gekommen ist.

Das Board wurde als defekt beworben, "kein Bild". Auch das ist nicht so ungewöhnlich. Daher habe ich an der Seriosität des Angebotes nicht gezweifelt.

Nach Bezahlung die Rückmeldung: "oh Schreck, gar nicht bemerkt, wohl versehentlich falsch eingestellt, Geld wird erstattet".

Ich möchte das Geld aber nicht haben, sondern das relativ hochwertige Board.

Was kann ich tun?

Viele Grüße

Andreas

Hast normalerweise Anspruch auf Schadensersatz zu klagen. Ist ja gutgläubiger Erwerb. Du könntest ja auch mein Auto verkaufen ohne das ich es weiß :devil: und ich müsste dann das Auto auch abtreten, wenn der Käufer klagt. Allerdings würde ich dann dich auf Schadensersatz verklagen :mrgreen:

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