Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
waterchill
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 11
Registriert: 27.03.18, 18:33

Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Beitrag von waterchill »

Hallo zusammen,

Folgender Fall:

Firma A die Objektive für Spiegelreflex Kameras repariert. Vor ca genau einem Jahr hat Kunde sich ein Objektiv bei Firma A reparieren lassen für 129€. Jetzt nach knapp einem Jahr kommt vom Kunden eine Email, das Objektiv machte wohl manchmal unscharfe Aufnahmen, von daher hat er das Objektiv zu Firma B geschickt. Dort wurden einige Teile getauscht und eine Rechnung von knapp 400€ ist Zustande gekommen. Firma A solle diese Rechnung jetzt bezahlen.

Ist diese Forderung rechtmässig?

Vielen Dank

ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 22567
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Beitrag von ktown »

1. Der Kunde hat den vom BGB vorgegebenen Weg verlassen und somit der Firma A die Nacherfüllungsmöglichkeit verweigert.
2. Wir sind über die 6 Monate hinaus und somit ist der Kunde in der Beweispflicht.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16199
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Beitrag von SusanneBerlin »

Nein. Der Kunde hätte Firma A auffordern müssen, die Reperatur nachzubessern und nicht eigenmächtig eine andere Firma beauftragen.
Grüße, Susanne

freemont
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8317
Registriert: 21.08.14, 15:57

Re: Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Beitrag von freemont »

waterchill hat geschrieben:Hallo zusammen,

Folgender Fall:

Firma A die Objektive für Spiegelreflex Kameras repariert. Vor ca genau einem Jahr hat Kunde sich ein Objektiv bei Firma A reparieren lassen für 129€. Jetzt nach knapp einem Jahr kommt vom Kunden eine Email, das Objektiv machte wohl manchmal unscharfe Aufnahmen, von daher hat er das Objektiv zu Firma B geschickt. Dort wurden einige Teile getauscht und eine Rechnung von knapp 400€ ist Zustande gekommen. Firma A solle diese Rechnung jetzt bezahlen.

Ist diese Forderung rechtmässig?

Vielen Dank

Da es sich um einen Werk-, keinen Kaufvertrag handelt, ist der Unternehmer nach der Abnahme i.S. des § 640 BGB in der komfortablen Position, dass der Kunde beweisen muss, dass die Reparatur mangelhaft war.

Nach menschlichem Ermessen ist dieser Beweis nach 1 Jahr nicht zu führen, wer weiss, was der Kunde mit dem Objeltiv alles angestellt hat.

waterchill
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 11
Registriert: 27.03.18, 18:33

Re: Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Beitrag von waterchill »

Die Frage ist auch, handelt es sich um das gleiche Objektiv? Kann keiner nachweisen. Und es stimmt, in einem Jahr kann vieles passieren. Dass Fotos keine perfekte Schärfe haben, kann auch vorher schon da gewesen sein, denn zum Zeitpunkt der Reparatur war das Objektiv nicht testbar.

Das Objektiv wurde nicht eingeliefert wegen Unschärfe, sondern wegen einer Fehlermeldung (Blende defekt). Also hier wird auch was völlig anderes reklamiert als überhaupt gemacht wurde.
Zuletzt geändert von waterchill am 24.04.18, 08:40, insgesamt 2-mal geändert.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16199
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Beitrag von SusanneBerlin »

waterchill hat geschrieben:Die Frage ist auch, handelt es sich um das gleiche Objektiv? Kann keiner nachweisen. Und es stimmt, in einem Jahr kann vieles passieren. Dass Fotos keine perfekte Schärfe haben, kann auch vorher schon da gewesen sein, denn zum Zeitpunkt der Reparatur war das Objektiv nicht testbar.

Das Objektiv wurde nicht eingeliefert wegen Unschärfe, sondern wegen einer Fehlermeldung (Blende defekt). Also hier wird auch was völlig anderes reklamiert als überhaupt gemacht wurde.
Das spielt in diesem Fall alles keine Rolle. Der Anspruch des Kunden scheitert schon daran, dass er dem ursprünglichen Auftragnehmer die Möglichkeit geben muss, zu prüfen ob ein Gewährleistungsfall vorliegt und die Gewährleistung zu erfüllen. Das hat der Kunde nicht getan. Der Kunde hat keinen Anspruch darauf, dass wenn er nicht vor Beauftragung der zweiten Reparatur die Gewährleistung vom ersten Auftragnehmer gefordert hat, der erste Auftragnehmer die Rechnung des zweiten Auftragnehmers bezahlt.
Grüße, Susanne

waterchill
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 11
Registriert: 27.03.18, 18:33

Re: Rechnung einer anderen Werkstatt zahlen lassen

Beitrag von waterchill »

Hätte noch eine weitere Verständnisfrage für folgenden fiktiven Fall:

Kunde bringt einen All in One PC zum Festplattentausch. Dazu muss das Display ausgebaut werden um die Festplatte zu tauschen. Das Gerät ist 5 Jahre alt. Die Leistung wird erbracht, der Kunde prüft bei der Abholung das Gerät, alles funktioniert. Nun passiert folgendes:

Das Display fällt nach

- einem Tag aus
- einer Woche
- einem Monat
- einem Jahr

Oder wird ab dem Zeitpunkt der Abholung, die Verantwortung in die Hände des Kunden gelegt? Der PC könnte beim transport z.B. einen Schaden genommen haben.

Gibt es hier eine festgelegte Grenze? Bzw. kann sowas überhaupt reklamiert werden? Wie verhält es sich bei z.B. bei einem Laptop wo das Display nicht ausgebaut werden muss, ansonsten gleicher Fall.

Antworten