Doppellieferung - Rückgabebeingungen vorgeschrieben ?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Me7z
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Doppellieferung - Rückgabebeingungen vorgeschrieben ?

Beitrag von Me7z » 26.04.18, 10:41

Hallo,

ein bekannter von mir hat ein Kleidungsstück (Wert ca 30 €) bei einem Onlinehändler gekauft.

Dieser hat das besagte Kleidungsstück doppelt geliefert und sich nach 3 Wochen gemeldet mit der Bitte den Artikel zu bezahlen oder zurück zu schicken.

Bekannter ist kooperativ und bietet dem Unternehmen an den Artikel für einen reduzierten Preis zu erwerben oder von einem beliebigen Paketdienstleister abholen zu lassen.

Die Antwort darauf ist ein Retourenschein mit der bitte das Paket bei der Post abzugeben, da die Arbeitszeiten von meinem bekannten jedoch stark variieren und er es nicht einsieht den Weg zur Post für einen Fehler der Firma zu machen bat dieser mich das Paket abzugeben.

Dies habe ich auch gemacht, jedoch stellt sich mir hierbei die Frage ob das Unternehmen dem Kunden vorschreiben kann auf welchem Weg der fälschlicherweise zugestellte Artikel zurückgesendet werden soll ?

Wäre mein bekannter in Schwierigkeiten gekommen wenn er darauf bestanden hätte, dass das Paket bei ihm abgeholt wird ?

SusanneBerlin
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Re: Doppellieferung - Rückgabebeingungen vorgeschrieben ?

Beitrag von SusanneBerlin » 28.04.18, 07:20

Wäre mein bekannter in Schwierigkeiten gekommen wenn er darauf bestanden hätte, dass das Paket bei ihm abgeholt wird ?
Und wie praktikabel wäre das gewesen bei den stark variierenden Arbeitszeiten des Bekannten? Erhätte dem Versandunternehmen seinen Dienstplan mitgeteilt und das Versandunternehmen gebeten, außerhalb seiner Dienstzeiten plus eine Stunde Fahrtweg bei ihm vorbeizukommen, oder wie stellt er sicher, dass er dann zuhause ist wenn jemand zum Abholen der Ware kommt?
Grüße, Susanne

freemont
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Re: Doppellieferung - Rückgabebeingungen vorgeschrieben ?

Beitrag von freemont » 28.04.18, 07:50

Me7z hat geschrieben:...
Wäre mein bekannter in Schwierigkeiten gekommen wenn er darauf bestanden hätte, dass das Paket bei ihm abgeholt wird ?

Nein,

klar, dass der Händler seine Ware wieder zurückfordern kann. Der Kunde darf sie auch nicht einfach wegwerfen oder sich zueignen, sonst muss er sie am Ende bezahlen.

Aber aktiv zurückschicken muss er sie nicht, er schuldet die Herausgabe an der Wohnugstür, der Händler muss streng genommen abholen.

Das ist auch gar nicht so teuer, kostet mit Zeitfenster 6 EUR zusätzlich, Paketdienstleister bieten das an. Bei einem Warenwert von 30 EUR tut das dem Händler aber sehr weh.

Andererseits, Fehler macht Jeder, irgendwie, Irgendwer kommt doch bei der Post vorbei und kann das Paket abgeben, viel Mühe macht das nicht. Vom Händler einklagbar wäre das aber nicht.

winterspaziergang
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Re: Doppellieferung - Rückgabebeingungen vorgeschrieben ?

Beitrag von winterspaziergang » 28.04.18, 09:21

Me7z hat geschrieben:Bekannter ist kooperativ und bietet dem Unternehmen an den Artikel für einen reduzierten Preis zu erwerben oder von einem beliebigen Paketdienstleister abholen zu lassen.
Die letztgenannte "Kooperation" des Bekannten ist ein Rechtsanspruch des Händlers nach § 812ff BGB, die zuerst genannte sollte man nicht weiter kommentieren.
Me7z hat geschrieben: Die Antwort darauf ist ein Retouranschein mit der bitte das Paket bei der Post abzugeben, da die Arbeitszeiten von meinem bekannten jedoch stark variieren und er es nicht einsieht den Weg zur Post für einen Fehler der Firma zu machen bat dieser mich das Paket abzugeben.
So lange die Arbeitszeiten nur variieren, stellt sich die Frage, was das mit der Rückgabe des Pakets zu tun hat.

Liegt die nächste Paketannahmestelle (muss ja keine Post sein, die Annahmestellen in Kiosken, Geschäften usw. sind weit verbreitet) derart weit weg, dass es für den Bekannten, der offenbar für sich 100 % ausschließen kann einen Fehler zu machen, unzumutbar wäre, diese aufzusuchen?
Dies habe ich auch gemacht, jedoch stellt sich mir hierbei die Frage ob das Unternehmen dem Kunden vorschreiben kann auf welchem Weg der fälschlicherweise zugestellte Artikel zurückgesendet werden soll ?
natürlich nicht- der Kunde kann auf die kostenlose Retouremarke verzichten und gegen zusätzliches Porto das Paket anderweitig versenden oder selbst vorbei bringen.
Wäre mein bekannter in Schwierigkeiten gekommen wenn er darauf bestanden hätte, dass das Paket bei ihm abgeholt wird ?
nicht auszuschließen. Es mag zwar sein, dass rechtlich der Kunde nicht verpflichtet ist, selbst tätig zu werden, man darf aber nicht ausschließen, dass im Streitfall gerichtlich festgestellt würde, dass es einem nicht gehbehinderten oder anders eingeschränkten Kunden bei einem Paket mit dem Gewicht eines Kleidungsstücks, zuzumuten ist, eine Marke aufzukleben und zur nächsten Annahmestelle zu gehen.

Man würde vielleicht feststellen, dass es dem Händler bei einem Warenwert von 30 € andererseits nicht zuzumuten ist eine kostenintensivere individuelle Vereinbarung der Abholung nach Wunsch des Kunden, angepasst an dessen Dienstplan (falls das mit "variierende Arbeitszeiten überhaupt gemeint ist) zu tätigen.

freemont
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Re: Doppellieferung - Rückgabebeingungen vorgeschrieben ?

Beitrag von freemont » 28.04.18, 09:32

winterspaziergang hat geschrieben:... Es mag zwar sein, dass rechtlich der Kunde nicht verpflichtet ist, selbst tätig zu werden, man darf aber nicht ausschließen, dass im Streitfall gerichtlich festgestellt würde, dass es einem nicht gehbehinderten oder anders eingeschränkten Kunden bei einem Paket mit dem Gewicht eines Kleidungsstücks, zuzumuten ist, eine Marke aufzukleben und zur nächsten Annahmestelle zu gehen.
...

?

Der Kunde ist also rechtlich nicht verpflichet aber das Gericht verurteilt ihn trotzdem?

Auf welcher Rechtsgrundlage? Ich dachte, Gerichte sind Recht und Gesetz unterworfen?

Liegt es i.Ü. nicht näher, den Herausgabeanspruch des Händlers auf die §§ 985 ff. BGB zu stützen?

Me7z
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Re: Doppellieferung - Rückgabebeingungen vorgeschrieben ?

Beitrag von Me7z » 30.04.18, 08:43

Mal die ganzen Kommentare ausgenommen in denen es nur darum geht was für ein Unmensch man sei wenn er das Paket nicht abgegeben hätte und auf sein Recht ? bestanden hätte, danke für die restlichen Einschätzungen.

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