Anspruch auf Dateien

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Mark Herzog
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Anspruch auf Dateien

Beitrag von Mark Herzog »

Herr M hat bei einem Copyshop eine Grafik zur Bearbeitung in Auftrag gegeben. Die Grafik hat er selbst entworfen (sein Copyright). Der Auftrag war, diese Grafik zum Motiv eines Schneideplotts zu machen, um einen deutlich vergrösserten Aufkleber daraus zu schaffen. Technisch musste die Grafik dazu bearbeitet werden: Sie wurde "vektorisiert" und es mussten die Rundungen nach gearbeitet werden, weil eine so starke Vergrösserung dazu geführt hätte, dass man zu sehr gesehen hätte, dass die Rundungen eigentlich aus geraden Linien bestehen.

So hat Herr M den Auftrag also auch erteilt. Es wurde Ihm ausdrücklich auch diese Bearbeitung in Rechnung gestellt.

Leider hat Herr M versäumt VORAB zu klären, was mit den so entstehenden Vectorgrafik-Daten anschliessend geschehen soll. Da es sich um ein übliches Datenformat handelt,sind die Dateien recht universell verwendbar,- z.B. zur Steuerung eines Lackier-Computers. Der Copyshop weigert sich aber, die Dateien in dem von ihm im Rahmen der Auftragsbearbeitung erzeugten Format herauszugeben. Ist das rechtens?

zimtrecht
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Re: Anspruch auf Dateien

Beitrag von zimtrecht »

Mark Herzog hat geschrieben:Herr M hat bei einem Copyshop eine Grafik zur Bearbeitung in Auftrag gegeben. Die Grafik hat er selbst entworfen (sein Copyright). Der Auftrag war, diese Grafik zum Motiv eines Schneideplotts zu machen, um einen deutlich vergrösserten Aufkleber daraus zu schaffen. .... Der Copyshop weigert sich aber, die Dateien in dem von ihm im Rahmen der Auftragsbearbeitung erzeugten Format herauszugeben. Ist das rechtens?
Meiner Meinung nach - ja. Denn die Arbeitswerkzeuge und Schritte, die zur Auftragserledigung benutzt und angefertigt werden, sind eben weder Eigentum des M noch Bestandteil des Auftrags. Kleines Beispiel aus der Praxis - eine Computerfirma lässt die Kunststoffgehäuse ihrer Geräte in Asien fertigen. Als Auftragsgrundlage dienen technische Zeichnungen und Spezifikationen zum Material, welche die Firma dem Gehäusehersteller liefert. Dieser setzt die Zeichnungen nun im Werkzeugbau um und fertigt Kunststoffgehäuse. Das Gusswerkzeug gehört nun mitnichten der Computerfirma, obwohl es auf Basis der technischen Zeichnungen entstanden ist. Es ist eben ein Werkzeug, welches sich der Gehäusehersteller zur Auftragsbearbeitung angefertigt hat und dessen Kosten in die Angebotskalkulation eingeflossen sind. Alternative - die Computerfirma lässt sich im Werkzeugbau ein eigenes Gusswerkzeug erstellen (analog: Grafiker lässt sich eine Vektorgrafik erstellen) und stellt diese dem Gehäusebauer (dem Copyshop) zur Produktherstellung (Gehäuse bzw. Aufkleber) zur Verfügung.

webmaster76
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Re: Anspruch auf Dateien

Beitrag von webmaster76 »

Sehe ich genauso.
Unter Umständen hat der Copyshop mit dem einen Aufkleber ja auch erst einmal ein Verlustgeschäft gemacht in der Hoffnung auf Folgeaufträge auf dieser Basis (sprich: für den Aufkleber hat er 50€ bekommen, dafür aber 3 Stunden vectorisiert).

Celestro
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Re: Anspruch auf Dateien

Beitrag von Celestro »

Kommt wohl sehr auf die Vereinbarung an. Wenn die Grafik bearbeitet werden soll, würde man natürlich davon ausgehen, nachher die bearbeitete Datei auch zu erhalten. Wenn jedoch ein Aufkleber in Auftrag gegeben wurde, dann hat man am Ende Anspruch auf den Aufkleber.

Michael A. Schaffrath
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Re: Anspruch auf Dateien

Beitrag von Michael A. Schaffrath »

Wenn der Auftrag "1. Drucken" lautet (mit dem impliziten "und ggfs. bearbeiten, wenn es nicht direkt druckfähig ist" als branchenübliche Dienstleistung), dann sind Bearbeitungen, die dafür nötig werden, keineswegs Eigentum des Kunden.

Dazu hätte man eindeutig vereinbaren müssen "1. Erstellung einer überarbeiteten Version. 2. Drucken."
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

RGSilberer
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Re: Anspruch auf Dateien

Beitrag von RGSilberer »

Michael A. Schaffrath hat geschrieben:Wenn der Auftrag "1. Drucken" lautet (mit dem impliziten "und ggfs. bearbeiten, wenn es nicht direkt druckfähig ist" als branchenübliche Dienstleistung), dann sind Bearbeitungen, die dafür nötig werden, keineswegs Eigentum des Kunden.

Dazu hätte man eindeutig vereinbaren müssen "1. Erstellung einer überarbeiteten Version. 2. Drucken."
Das sehe ich ganz genau so, ich war früher lange Jahre in diesem Bereich gewerblich tätig.

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