Von Auftrag zurück treten???

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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freemont
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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von freemont » 24.10.18, 07:30

ktown hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:Der AN stellt Mehrforderungen und will den bereits geschossenen Vertrag nicht einhalten.
1. Seit wann ist ein Angebot eine Forderung?
2. Wo hat der TE beschrieben, dass der AN seinen Vertrag nicht erfüllen will?

Der AN hat max. Bedenken angemeldet und dieser fehlende Hinweis, vor Vertragsschluss muss er sich zuschreiben lassen.
Sie können Ihre roten Heringe behalten.

Sperren Sie mich doch endlich.

Evariste
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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von Evariste » 24.10.18, 09:01

ktown hat geschrieben:
Evariste hat geschrieben:Dass der AG sich ein paar Monate später dann doch entschließt, das Hindernis zu beseitigen, ändert auch nichts mehr, der Vertrag ist zu dem Zeitpunkt bereits rückabgewickelt.
Wie gesagt. Ich trage nur die offensichtliche Sicht des AN vor. Ob die durchsetzbar ist oder nicht, dass muss letztlich ein Richter entscheiden. Aber wenn zwischen dem Wunsch nach Vertragsauflösung durch den AG (weil er alles zusammen nicht stemmen kann) und nach wenigen Monaten ein neues Dach (was man ja auch nicht von heut auf morgen bekommt), da kann man sich als ehemaliger AN doch etwas verschaukelt vorkommen. Oder?
Ja, man kann sich verschaukelt vorkommen, wenn man die Sach- und Rechtslage nicht versteht. Ich lese hier "Wunsch nach Vertragsauflösung durch den AG", aber der AN ist es doch, der den Vertrag nicht einhält bzw. einhalten kann. Und das nicht aufgrund höherer Gewalt, sondern die ganze Situation ist dadurch entstanden, dass der AN bzw. dessen Vertreter im Vorfeld nicht sauber gearbeitet hat.
ktown hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:Der AN stellt Mehrforderungen und will den bereits geschossenen Vertrag nicht einhalten.
1. Seit wann ist ein Angebot eine Forderung?
2. Wo hat der TE beschrieben, dass der AN seinen Vertrag nicht erfüllen will?
Um mal auf der Sachebene zu bleiben - aus der Schilderung geht für mich recht deutlich hervor, dass der AN die Ausführung des Auftrags unter den Vorbehalt der Dachsanierung (oder was auch immer der Dachdecker machen sollte) gestellt hat.

Wenn dem nicht so wäre, warum dann überhaupt die Notwendigkeit der Rückabwicklung? Dann hätte der AG einfach sagen können "wir bleiben bei dem, was wir besprochen haben" und der AN hätte die Anlage installiert. Bzw. spätestens wenn es um die Rückabwicklung ging, hätte der AN jederzeit sagen können "es geht auch so". Und warum dann dieses Gezetere Monate später, wenn es gar nicht auf die Dachsanierung ankam? Nein, das ist alles ziemlich eindeutig. Dass es nicht ausdrücklich im Sachverhalt steht, liegt vielleicht einfach daran, dass es nie deutlich ausgesprochen wurde - der AN hat auf den Dachdecker gezeigt, der hat ein Angebot gemacht und allen Beteiligten war klar, dass es ohne den Dachdecker nicht geht.

Der AG ist in solchen Fällen nicht verpflichtet, Schreiben per Einschreiben zu versenden, Fristen zu setzen etc. - jedenfalls dann nicht, wenn der AN bereitwillig den Vertrag rückabwickelt.

ktown
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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von ktown » 24.10.18, 12:43

Evariste hat geschrieben:Ich lese hier "Wunsch nach Vertragsauflösung durch den AG", aber der AN ist es doch, der den Vertrag nicht einhält bzw. einhalten kann. Und das nicht aufgrund höherer Gewalt, sondern die ganze Situation ist dadurch entstanden, dass der AN bzw. dessen Vertreter im Vorfeld nicht sauber gearbeitet hat.
Sehen sie! Schon wieder ein Argument, dass dem AG hilft. Natürlich muss der AN sich zuschreiben lassen, dass sein Verkäufer den Zustand des Daches außer acht gelassen hat.

Ich wiederhole es nun letztmalig: Ich vertrete nicht den Standpunkt des AN. Ich versuche nur seine Sicht der Dinge zu erklären.
Evariste hat geschrieben:Um mal auf der Sachebene zu bleiben - aus der Schilderung geht für mich recht deutlich hervor, dass der AN die Ausführung des Auftrags unter den Vorbehalt der Dachsanierung (oder was auch immer der Dachdecker machen sollte) gestellt hat.
Dies sehe ich auch so. Nur kann ich derzeit nicht erkennen, dass er den AG dazu genötigt hat das Angebot seines Dachdeckers anzunehmen.
Evariste hat geschrieben:Und warum dann dieses Gezetere Monate später, wenn es gar nicht auf die Dachsanierung ankam?
Könnte es nicht sein, dass das Gezetere nicht aus dem Umstand entstanden ist, das im eine Dachsanierung durch die Lappen ging, sondern daraus, dass der AG im Monate vorher sagte, er könne sich keine Dachsanierung leisten und deswegen um die Rückabwicklung des PV-Auftrages bat und nun doch plötzlich eine Dachsanierung möglich war und sogar noch Geld für eine PV vorhanden ist?
EsKiYa84 hat geschrieben:Im september hab ich mir Dacheindeckung besorgt und mein Dach neu eingedeckt. Später wollte ich pv Anlage selber drauf machen.
Evariste hat geschrieben: liegt vielleicht einfach daran, dass es nie deutlich ausgesprochen wurde
Das ist vermutlich die Grundproblematik an dem ganzen Sachverhalt. Es wurde zu wenig miteinander und darüber geredet.
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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von Biggi0001 » 24.10.18, 14:22

Vielleicht war es auch ganz anders... Der TE hat geschrieben, dass er die Finanzierung für die PV-Anlage angestoßen hat und im nächsten Halbsatz kommt einen Tag vor Beginn der Arbeiten der Dachdecker vorbei. Ich vermute einfach mal, dass die Finanzierung zu diesem Zeitpunkt schon stand. Wer würde schon ein so teures Projekt tatsächlich zur Ausführung bringen wollen, wenn die Finanzierung noch nicht gesichert ist?

Der Auftragnehmer hat die PV-Anlage + Dacheindeckung mit einem Mehrpreis von 9000 € angesetzt. Das konnte sich der Auftraggeber nach eigener Aussage nicht leisten. Was er sich aber mit der schon laufenden Finanzierung möglicherweise leisten konnte, war das Dach in Eigenregie zu decken und die PV-Anlage selbst zu kaufen und auch selbst zu installieren.

Könnte das nicht sein?

Aber ich sehe es auch so, dass der Auftragnehmer vom ursprünglichen Vertrag zurück trat und ein neues Angebot vorgelegt hat, welches der Auftraggeber nicht annahm. Der Vertrag ist also nicht zustande gekommen. Im Grunde hat der Auftragnehmer noch Glück gehabt, er hätte sich die Aussagen seines Angestellten zurechnen lassen müssen.
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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von ktown » 24.10.18, 15:07

Biggi0001 hat geschrieben:Könnte das nicht sein?
Könnte auch sein.
Wir werden es vermutlich nie erfahren. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von Evariste » 24.10.18, 22:18

ktown hat geschrieben:
Evariste hat geschrieben: liegt vielleicht einfach daran, dass es nie deutlich ausgesprochen wurde
Das ist vermutlich die Grundproblematik an dem ganzen Sachverhalt. Es wurde zu wenig miteinander und darüber geredet.
Sehe ich nicht so. Die Grundproblematik ist, dass der AN entweder keine Ahnung vom Vertragsrecht hat oder aber die Rechtslage sehr wohl kennt, aber die Unkenntnis des AG auszunutzen versucht. Um eventuelle Schadenersatzansprüche das AG wegen der NIchtleistung ist man schon geschickt herumgekommen, jetzt versucht man, noch mehr herauszuholen. Nun ja.

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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von Evariste » 24.10.18, 22:47

Noch dazu:
Biggi0001 hat geschrieben: Aber ich sehe es auch so, dass der Auftragnehmer vom ursprünglichen Vertrag zurück trat
Nach der Diskussion mit ktown gehe ich jetzt tatsächlich eher davon aus, dass der Auftraggeber zurückgetreten ist, was aber nichts am Ergebnis ändert.

- AN erklärt (eventuell nur durch konkludentes Handeln), er könne die Leistung nicht so, wie vereinbart, erbringen. Das entspricht wohl auch den Tatsachen, damit wird der AN von der Leistungspflicht frei § 275 Abs. 1 BGB. Der Vertrag erlischt aber nicht, insbesondere hat der AG möglicherweise Schadenersatzansprüche gegen den AN.
- Rechtsfolge Nr. 1: Der AG muss für die Nichtleistung nichts bezahlen, eine eventuelle Anzahlung ist zu erstatten, § 326 Abs.1 BGB. Das hat ja auch geklappt.
(Hier wäre der Vollständigkeit halber zu prüfen, ob der AG die Unmöglichkeit der Leistung zu vertreten hat, § 326 Abs. 2 BGB. Es sind sich hoffentlich alle einig, dass dem nicht so ist, der AN hat vor Vertragsschluss alles geprüft, und wenn er dabei ein so wichtiges "Detail" übersehen hat, dann hat er das zu vertreten und nicht der AG.)
- Rechtsfolge Nr. 2: Der AN ist zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt, § 326 Abs. 5 BGB, und er hat diesen auch erklärt ("der Deal wird nichts"). Das scheint der AN nicht ganz kapiert zu haben, wenn er jetzt auf einmal Ansprüche stellt..

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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von ktown » 25.10.18, 06:11

Evariste hat geschrieben:Nach der Diskussion mit ktown gehe ich jetzt tatsächlich eher davon aus, dass der Auftraggeber zurückgetreten ist, was aber nichts am Ergebnis ändert.

- AN erklärt (eventuell nur durch konkludentes Handeln), er könne die Leistung nicht so, wie vereinbart, erbringen. Das entspricht wohl auch den Tatsachen, damit wird der AN von der Leistungspflicht frei § 275 Abs. 1 BGB. Der Vertrag erlischt aber nicht, insbesondere hat der AG möglicherweise Schadenersatzansprüche gegen den AN.
- Rechtsfolge Nr. 1: Der AG muss für die Nichtleistung nichts bezahlen, eine eventuelle Anzahlung ist zu erstatten, § 326 Abs.1 BGB. Das hat ja auch geklappt.
(Hier wäre der Vollständigkeit halber zu prüfen, ob der AG die Unmöglichkeit der Leistung zu vertreten hat, § 326 Abs. 2 BGB. Es sind sich hoffentlich alle einig, dass dem nicht so ist, der AN hat vor Vertragsschluss alles geprüft, und wenn er dabei ein so wichtiges "Detail" übersehen hat, dann hat er das zu vertreten und nicht der AG.)
- Rechtsfolge Nr. 2: Der AN ist zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt, § 326 Abs. 5 BGB, und er hat diesen auch erklärt ("der Deal wird nichts"). Das scheint der AN nicht ganz kapiert zu haben, wenn er jetzt auf einmal Ansprüche stellt..
Na dann sind wir uns ja einig. :wink:
Evariste hat geschrieben:Die Grundproblematik ist, dass der AN entweder keine Ahnung vom Vertragsrecht hat oder aber die Rechtslage sehr wohl kennt, aber die Unkenntnis des AG auszunutzen versucht. Um eventuelle Schadenersatzansprüche das AG wegen der Nichtleistung ist man schon geschickt herum gekommen, jetzt versucht man, noch mehr herauszuholen.
Sie werden es kaum glauben, wie viele Unternehmer dies versuchen. Schön groß aufblähen und eine Drohkulisse aufbauen. Viele Vertragspartner, insbesondere die Privaten, knicken ein.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Von Auftrag zurück treten???

Beitrag von gargamel111 » 27.10.18, 14:23

ktown hat geschrieben: Der AN hat max. Bedenken angemeldet und dieser fehlende Hinweis, vor Vertragsschluss muss er sich zuschreiben lassen.
De AN hat gar keine Bedenken angemeldet. Er hat sein Angebot nicht sauber ausgearbeitet und könnte den Auftrag nicht zu dem angebotenen Preis ausführen.

Also gibt es ein neues Angebot - und auf das muss sich der Kunde nicht einlassen, wenn er nicht will.

Was er sonst macht mit seinem Dach hat den schlecht kalkulierenden AN nicht zu interessieren.
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