Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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revoman2006
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Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 10.10.18, 23:22

Guten abend,

angenommen A geht in den Laden und kauft sich ein Hängeschrank, diesen baut er selbst zusammen (nicht aufgehangen).
Nach dem Zusammenbau möchte A gerne noch eine Beleuchtung in dem Hängeschrank haben.
A fragt schriftlich einen Handwerker an, mit der Bitte, den Hängeschrank aufzuhängen, eine Beleuchtung im Schrank zu montieren und nennt einen Termin. Der Handwerker und A werden sich schriftlich über den Preis einig.
Der Handwerker kommt, baut die Beleuchtung ein und hängt den Hängeschrank an die Wand.

Handelt es sich bei dieser Handwerksleistung um einen Werkvertrag?
Wer wäre beweispflichtig, wenn zB an der Frontseite des Hängeschranks ein Schaden wäre? Muss der Handwerker beweisen, dass der Schaden schon vorher da war oder muss A beweisen, dass der Handwerker den Schden verursacht hast?

Vielen Dank und Grüße
revoman2006

freemont
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von freemont » 11.10.18, 05:15

revoman2006 hat geschrieben:Guten abend,

angenommen A geht in den Laden und kauft sich ein Hängeschrank, diesen baut er selbst zusammen (nicht aufgehangen).
Nach dem Zusammenbau möchte A gerne noch eine Beleuchtung in dem Hängeschrank haben.
A fragt schriftlich einen Handwerker an, mit der Bitte, den Hängeschrank aufzuhängen, eine Beleuchtung im Schrank zu montieren und nennt einen Termin. Der Handwerker und A werden sich schriftlich über den Preis einig.
Der Handwerker kommt, baut die Beleuchtung ein und hängt den Hängeschrank an die Wand.

Handelt es sich bei dieser Handwerksleistung um einen Werkvertrag?
Wer wäre beweispflichtig, wenn zB an der Frontseite des Hängeschranks ein Schaden wäre? Muss der Handwerker beweisen, dass der Schaden schon vorher da war oder muss A beweisen, dass der Handwerker den Schden verursacht hast?

Vielen Dank und Grüße
revoman2006
Hallo,

ja, ganz klar Werkvertrag.

Da ist die Abnahme i.S. Par. 640 BGB der Zeitpunkt, in dem die Beweislast über geht.

Aehnliches Problem, wenn das Auto mit Delle aus der Reparatur kommt oder nach dem Abschleppen Schäden aufweist.

revoman2006
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 11.10.18, 07:20

Hallo,

vielen Dank für die Antwort.

Ich verstehe es aus der Gesetzgebung für einen Werkvertrag so, dass bis zur Abnahme des Werks der Handwerker beweisen muss, dass der Schaden (die Tür) schon vorher vorhanden war. Ist der Schaden an der Tür vorhanden, A nimmt das Werk ab "ohne Mängel" und "rügt" den Schaden nicht, so geht die Beweislast (wer hat den Schaden verursacht) auf A über.

Richtig?

Gruß
revoman2006

freemont
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von freemont » 11.10.18, 07:27

revoman2006 hat geschrieben:Hallo,

vielen Dank für die Antwort.

Ich verstehe es aus der Gesetzgebung für einen Werkvertrag so, dass bis zur Abnahme des Werks der Handwerker beweisen muss, dass der Schaden (die Tür) schon vorher vorhanden war. Ist der Schaden an der Tür vorhanden, A nimmt das Werk ab "ohne Mängel" und "rügt" den Schaden nicht, so geht die Beweislast (wer hat den Schaden verursacht) auf A über.

Richtig?

Gruß
revoman2006
Ja, deshalb machen Abschlepper oder Werkstätten oft Fotos von Vorschäden, dann gibt es keinen Streit.

revoman2006
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 11.10.18, 07:31

freemont hat geschrieben:
revoman2006 hat geschrieben:Hallo,

vielen Dank für die Antwort.
....
Richtig?

Gruß
revoman2006
Ja, deshalb machen Abschlepper oder Werkstätten oft Fotos von Vorschäden, dann gibt es keinen Streit.
Super, vielen Dank für die Antwort.

Muss leider noch eine zusätzliche Frage stellen :wink:
Gehen wir mal etwas weiter, wenn zB der Einbau einer Küche gefragt wäre (Zeitumfang 1 Woche).
Wie lange hätte der Handwerker denn Zeit den schon vorhandenen Mangel "anzuzeigen"?

revoman2006

freemont
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von freemont » 11.10.18, 07:55

revoman2006 hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:
revoman2006 hat geschrieben:Hallo,

vielen Dank für die Antwort.
....
Richtig?

Gruß
revoman2006
Ja, deshalb machen Abschlepper oder Werkstätten oft Fotos von Vorschäden, dann gibt es keinen Streit.
Super, vielen Dank für die Antwort.

Muss leider noch eine zusätzliche Frage stellen :wink:
Gehen wir mal etwas weiter, wenn zB der Einbau einer Küche gefragt wäre (Zeitumfang 1 Woche).
Wie lange hätte der Handwerker denn Zeit den schon vorhandenen Mangel "anzuzeigen"?

revoman2006
?

Das ergibt sich doch ganz automatisch, der AG stellt einen Schaden fest, der vorher nicht da war. Ab da gibt es verschiedene Varianten wie es weitergeht. Je nachdem, wie der Handwerker sich dazu stellt.

revoman2006
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 11.10.18, 07:58

freemont hat geschrieben: ?

Das ergibt sich doch ganz automatisch, der AG stellt einen Schaden fest, der vorher nicht da war. Ab da gibt es verschiedene Varianten wie es weitergeht. Je nachdem, wie der Handwerker sich dazu stellt.
Der Handwerker stellt sich zB quer und macht gar nichts mehr.

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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von freemont » 11.10.18, 08:26

revoman2006 hat geschrieben:
freemont hat geschrieben: ?

Das ergibt sich doch ganz automatisch, der AG stellt einen Schaden fest, der vorher nicht da war. Ab da gibt es verschiedene Varianten wie es weitergeht. Je nachdem, wie der Handwerker sich dazu stellt.
Der Handwerker stellt sich zB quer und macht gar nichts mehr.
Dann hat der AG alle Rechte, die die Par. 631 ff. BGB hergeben, ggf. Ersatzvornahme durch anderen Handwerker Schadensersatz usf.

Das mit der Beweislast ist ein wichtiger, oft der entscheidende Baustein um letztendlich sein Recht durchzusetzen, aber eben nur ein Bestandteil..

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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 11.10.18, 11:08

freemont hat geschrieben:
revoman2006 hat geschrieben:
freemont hat geschrieben: ?

Das ergibt sich doch ganz automatisch, der AG stellt einen Schaden fest, der vorher nicht da war. Ab da gibt es verschiedene Varianten wie es weitergeht. Je nachdem, wie der Handwerker sich dazu stellt.
Der Handwerker stellt sich zB quer und macht gar nichts mehr.
Dann hat der AG alle Rechte, die die Par. 631 ff. BGB hergeben, ggf. Ersatzvornahme durch anderen Handwerker Schadensersatz usf.

Das mit der Beweislast ist ein wichtiger, oft der entscheidende Baustein um letztendlich sein Recht durchzusetzen, aber eben nur ein Bestandteil..
Ich gehe davon aus, dass der AG die Mängel vom Handwerker rügen sollte.
Allerdings stellt sich jetzt auch die Frage, ob der AG dem Handwerker den Auftrag entziehen kann (ohne Nachbesserung), weil keine Fertigstellung erfolgt ist und durch den Handwerker Schäden entstanden sind.

revoman2006

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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von freemont » 11.10.18, 12:13

revoman2006 hat geschrieben:...

Ich gehe davon aus, dass der AG die Mängel vom Handwerker rügen sollte.
...

Ja, natürlich. Es gilt §§ 634 ff. BGB "abzuarbeiten", zuallererst muss der AN in Verzug mit der Nacherfüllung gesetzt werden. Auch wenn die Abnahme noch aussteht.
Der Besteller kann wegen eines Mangels des Werkes nach erfolglosem Ablauf einer von ihm zur Nacherfüllung bestimmten angemessenen Frist den Mangel selbst beseitigen und Ersatz der erforderlichen Aufwendungen verlangen, wenn nicht der Unternehmer die Nacherfüllung zu Recht verweigert.
Dabei darf man nicht vorschnell von einer endgültigen Erfüllungsverweigerung ausgehen. Das würde alle Fristen etc. entbehrlich machen, daran werden aber sehr hohe Anforderungen gestellt. Also besser Frist setzen, dann gibt es keinen Streit.

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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 15.10.18, 08:56

Hallo,
vielen Dank für die Antwort.

Wenn die Frist abgelaufen ist, ist der AG dann berechtigt einen Anwalt einzuschalten, in Verbindung, dass der AN die Kosten dann übernimmt vom Anwalt? Vorraussetzung ist natürlich, dass die Forderungen, Fristsetzung rechtens war/ist und dass der AN sich "tot" sellt.

Gruß
revoman2006

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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von freemont » 15.10.18, 15:02

revoman2006 hat geschrieben:Hallo,
vielen Dank für die Antwort.

Wenn die Frist abgelaufen ist, ist der AG dann berechtigt einen Anwalt einzuschalten, in Verbindung, dass der AN die Kosten dann übernimmt vom Anwalt? Vorraussetzung ist natürlich, dass die Forderungen, Fristsetzung rechtens war/ist und dass der AN sich "tot" sellt.

Gruß
revoman2006
"Berechtigt" ist man immer einen Anwalt einzuschalten, die Frage ist nur, ob der Gegner die Kosten übernehmen muss, genauer gesagt, ob es einen gesetzlichen Anspruch gibt auf den man diese Forderung stützen kann.

Verzug ist hier das Stichwort, wenn ein Vertragspartner in Verzug gerät, sei es mit einer Zahlung, sei es wie hier mit der Nacherfüllung, gibt § 288 BGB dem Gläubiger einen Anspruch auf Ersatz des Verzugsschadens. Und der umfasst ausser in ganz einfach gelagerten Fällen auch die aussergerichtlichen Anwaltskosten.

revoman2006
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 18.10.18, 20:08

Guten Abend,

wenn vor Auftragsbeginn ein Mangel festgestellt wird durch den AN, wie sollte er hier verfahren? Gibt es seitens der Gesetzgebung eine Vorgabe/Richtlinie?

Gruß
revoman2006

SusanneBerlin
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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von SusanneBerlin » 18.10.18, 21:20

Ebenfalls einen schönen guten Abend,
wenn vor Auftragsbeginn ein Mangel festgestellt wird durch den AN, wie sollte er hier verfahren? Gibt es seitens der Gesetzgebung eine Vorgabe/Richtlinie?
Nein, es gibt bedauerlicherweise keine gesetzliche Vorschrift, in welcher Form eine Mängelanzeige zu erfolgen hat. Eine mündliche Mängelanzeige würde der Form halber genügen, z.B. mit den Worten "die Macke da war aber schon vorher drin!".
Grüße, Susanne

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Re: Montage Hängeschrank = Werkvertrag?

Beitrag von revoman2006 » 18.10.18, 21:51

Okay, danke für die Antwort. Und was passiert, wenn der AG das dann bestreitet?

Oder anders gefragt, was ist, wenn der AG dem AN während des Werks Mängel per E-Mail zukommen lässt, muss dann der AN sich dagegen wehren? Sonst könnte ja jeder dem anderen den „schwarzen Peter“ zuschieben.

Gruß
revoman2006

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