Handwerker-Rechnung angezweifelt

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Roter Bruder
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Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von Roter Bruder »

Hallo,

folgende Frage:

Jemand beauftragt einen Elektroinstallateur, eine über einem Spiegel angebrachte Wandlampe im Badezimmer zu prüfen, da eine der drei Birnen flackert.

Der Auftrag wurde in knapp 10 Minuten erledigt, der Text in der Rechnung lautet: "Wandlampe geprüft. Kontakte nachgebogen und gereinigt. Leichtmittel wieder eingesetzt und Kuppel geschlossen. Funktionsprobe. OK"

Als Arbeitsdauer wurden dafür 0,75 Stunden angegeben. Der Auftraggeber hat die Rechnung beanstandet, aber nicht wegen der viel zu hoch ausgewiesenen Arbeitszeit, sondern weil in der Rechnung zusätzlich die Kosten für einen Auszubildenden (der nur zugesehen hat) mit knapp zwanzig Euro angesetzt wurden.

Der Auftraggeber hat den Installateur umgehend per e-mail informiert, sich über die Richtigkeit der Zusammensetzung der Rechnung zu informierenen und sich kurzfristig dazu zu melden. Nach diesen Informationen aus unterschiedlichen Quellen wurde dem Installateur drei Tage später ebenfalls per e-mail mitgeteilt, dass die Rechtmäßigkeit der Berechnung von Kosten für den Azubi angezweifelt wird und darum gebeten, seine Rechnung zu überprüfen.

Ein paar Tage später mahnt der Installateur - ohne auf die e-mails zu reagieren - die Zahlung der Rechnung in unveränderter Höhe an.

Muss der Auftraggeber die Rechnung akzeptieren?
khmlev
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von khmlev »

Roter Bruder hat geschrieben:Muss der Auftraggeber die Rechnung akzeptieren?
Nein.
Der Auftraggeber sollte aber den unstrittigen Teil überweisen.

Grundsätzlich kann ein Handwerker die Arbeitsleistung seiner Auszubildenden dem Auftraggeber in Rechnung zu stellen, jedenfalls dann wenn der Auszubildende selbstständig arbeitet oder einen erfahrenen Kollegen aktiv unterstützt.
Gruß
khmlev
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ktown
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von ktown »

khmlev hat geschrieben:Grundsätzlich kann ein Handwerker die Arbeitsleistung seiner Auszubildenden dem Auftraggeber in Rechnung zu stellen, jedenfalls dann wenn der Auszubildende selbstständig arbeitet oder einen erfahrenen Kollegen aktiv unterstützt.
Oder wenn es gesetzliche oder technische Vorgaben gibt, dass man nicht allein arbeiten darf.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Roter Bruder
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von Roter Bruder »

Wie zu lesen, handelte es sich bei der Tätigkeit wohl um das so ziemlich Simpelste, was in diesem Beruf so anfallen kann. Hätte es sich beim Auftraggeber nicht um eine Dame in sehr reifem Alter gehandelt, so hätte diese "Reparatur" wohl so ziemlich Jeder selbst erledigt.

Eigentlich hätte man doch wohl erwarten dürfen, dass eine korrigierte Rechnung erstellt wird. Eigentlich ...
khmlev
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von khmlev »

ktown hat geschrieben:... Oder wenn es gesetzliche oder technische Vorgaben gibt, dass man nicht allein arbeiten darf.
Dann dürfte ein Azubi kaum die richtige zweite Person sein.
Roter Bruder hat geschrieben:Eigentlich hätte man doch wohl erwarten dürfen, dass eine korrigierte Rechnung erstellt wird. Eigentlich ...
Warum? Wenn der Handwerker der Ansicht ist, dass der Azubi zumindest "mitgearbeitet" hat, besteht für ihn keine Veranlassung auf eine Korrektur der Rechnung.

Die Innungen/Handwerkskammern bieten üblicherweise Schiedsstellen für solche Fälle an.
Gruß
khmlev
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Roter Bruder
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von Roter Bruder »

Wenn daneben stehen auch als "mitarbeiten" zählt ...

Es gibt Hinweise im Netz, dass "sogar" bei Anreichen von Werkzeug eine Berücksichtigung von Kosten für einen Azubi in einer Rechnung nichts zu suchen habe.

Wenn man sich außerdem die Leistungsbeschreibung in der Rechnung ansieht, muss man erstmal überlegen, welcher Teil der Arbeitsleistung wohl für den Azubi hätte übrig sein können.

Eine klare rechtliche Regelung gibt es aber ansxcheinend nicht.
ktown
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von ktown »

khmlev hat geschrieben:
ktown hat geschrieben:... Oder wenn es gesetzliche oder technische Vorgaben gibt, dass man nicht allein arbeiten darf.
Dann dürfte ein Azubi kaum die richtige zweite Person sein.
Warum? Meinen sie es fehlt im die Kenntnis, bei Gefahrensituationen dem Kollegen helfen zu können?
Ich kenne das bei Elektrikern nur so, dass diese in Zweierteams unterwegs sind. Oder soll der zweite Mann bei solchen Terminen um die Ecke auf der Parkbank platz nehmen um dann für den nächsten Termin wieder einzusteigen?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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freemont
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von freemont »

Roter Bruder hat geschrieben:Wenn daneben stehen auch als "mitarbeiten" zählt ...

Es gibt Hinweise im Netz, dass "sogar" bei Anreichen von Werkzeug eine Berücksichtigung von Kosten für einen Azubi in einer Rechnung nichts zu suchen habe.

Wenn man sich außerdem die Leistungsbeschreibung in der Rechnung ansieht, muss man erstmal überlegen, welcher Teil der Arbeitsleistung wohl für den Azubi hätte übrig sein können.

Eine klare rechtliche Regelung gibt es aber ansxcheinend nicht.
Wenn man lange genug sucht, finden sch bestimmt auch die entsprechenden Urteile.

Das hier ist sicher nicht gegen die Handwerker voreingenommen:

https://www.handwerk.com/so-rechnen-sie ... richtig-ab
Auf einen Blick:

- Für Ausbildung müssen Kunden nicht zahlen. Anders sieht die Sache aus, wenn der Azubi produktiv mitarbeitet und zum Erfolg beiträgt.
- Doch was bedeutet „produktiv“? Wenn ein Auszubildender zuschaut und nur gelegentlich Werkzeug reicht, hat er auf der Rechnung nichts zu suchen. Kann der Geselle oder Meister den Auftrag jedoch schneller erledigen, weil der Lehrling regelmäßig Material und Werkzeug anreicht, dann kann auch abgerechnet werden.
Wenn man das zugrunde legt, würde ich mich hier sehr schwer tun, den Lehrling auf die Rechnung zu setzen.
Roter Bruder
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von Roter Bruder »

@freemont:

Danke für den Link! Das ist mir inhaltlich auszugsweise auch schon mal untergekommen. Wie Du schon geschrieben hast, dürfte das Portal auch nicht im Verdacht stehen, "handwerkerfeindlich" zu sein.

Nach der Definition in dem Beitrag hat in beschriebenem Fall eine Kostenabrechnung für den Azubi eindeutig keine Berechtigung.


Vielen Dank für Eure Beiträge!
zimtrecht
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von zimtrecht »

ktown hat geschrieben: Ich kenne das bei Elektrikern nur so, dass diese in Zweierteams unterwegs sind. Oder soll der zweite Mann bei solchen Terminen um die Ecke auf der Parkbank platz nehmen um dann für den nächsten Termin wieder einzusteigen?
Nein, aber warum sollte der Auftraggeber diese zweite Person bezahlen, wenn sie nur "zufällig dabei" ist?
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von SusanneBerlin »

ktown hat geschrieben: Warum? Meinen sie es fehlt im die Kenntnis, bei Gefahrensituationen dem Kollegen helfen zu können?
Ich kenne das bei Elektrikern nur so, dass diese in Zweierteams unterwegs sind.
Es mag ja sein, dass Handwerker oft in Zweierteams auftreten. Eine gesetzliche Vorschrift besteht diesbezüglich nicht. (Es scheint ein unausrottbares Gerücht zu sein, dass niemand alleine arbeiten darf.)
Grüße, Susanne
Roter Bruder
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von Roter Bruder »

Welches Verhalten ist denn anzuraten, wenn man die Rechnung bzw. die Mahnung (der Betrieb ist ja auf die Einwände gar nicht eingegangen) nicht akzeptieren will?
SusanneBerlin
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von SusanneBerlin »

Man sollte den unstrittigen Betrag (den Betrag den man für rechtens hält) bezahlen.
Grüße, Susanne
ktown
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von ktown »

Bei Strom ist mit der BG diesbezüglich nicht zu spaßen. :wink:
Bin noch am suchen, wo es drin steht. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
SusanneBerlin
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Re: Handwerker-Rechnung angezweifelt

Beitrag von SusanneBerlin »

ktown hat geschrieben:Bei Strom ist mit der BG diesbezüglich nicht zu spaßen. :wink:
Bin noch am suchen, wo es drin steht. :wink:
Bei Arbeiten unter Spannung könnte es eventuell sein, deshalb arbeitet man ja auch tunlichst nicht unter Spannung weil man vorher die Sicherung ausschaltet.

Eine Vorschrift in dem Sinne, es müssen immer zwei sein damit wenigstens einer dran denkt, die Sicherung abzuschalten, werden Sie nicht finden. :wink:
Grüße, Susanne
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