Schlichten statt richten - an wen wenden?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

Moderator: FDR-Team

Antworten
Anselm
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 02.01.19, 09:17

Schlichten statt richten - an wen wenden?

Beitrag von Anselm » 02.01.19, 09:49

Hallo,

ich bin zum ersten Mal in diesem Forum, freue mich, dass es existiert, und hoffe auf hilfreichen Rat. Darum geht's:

Ein Elektroinstallationsbetrieb hat für einen kleineren Auftrag von Privat aufeinanderfolgende zwei Tage (und einen beträchtlichen Preis) veranschlagt; über die korrekte Ausführung an bisher vier Arbeitstagen, die letzten beiden wesentlich später, besteht teilweise Uneinigkeit mit dem Auftraggeber, und inzwischen sind sechs Wochen vergangen. Einer Besichtigung vor Ort hat der Auftragnehmer ohne konkreten Termin zugestimmt, aber es ist zu befürchten, dass dabei keine Einigkeit erzielt wird. Der Gerichtsweg soll vermieden werden. Gesucht wird - vorausgesetzt, dass der Auftragnehmer einverstanden ist - eine für den Landkreis München zuständige Schlichtungsstelle. Aus dem Internetauftritt des Elektroinstallationsbetriebs geht keine Innungsmitgliedschaft hervor. Der Auftraggeber ist rechtsschutzversichert. Andere Empfehlungen als eine Schlichtung sind auch von Interesse. Wegen Nutzungseinschränkungen im Raum, in dem installiert wurde, sind kurzfristig umsetzbare Lösungen natürlich bevorzugt.

Danke im Voraus und Gruß, Anselm

Etienne777
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1528
Registriert: 03.03.18, 22:34

Re: Schlichten statt richten - an wen wenden?

Beitrag von Etienne777 » 02.01.19, 12:27

Auch wenn der Handwerker das nicht explizit auf seiner Website erwähnt, MUSS er in der entsprechenden Handwerkskammer sein, das ist Zwang. Von daher einfach mal an die Handwerkskammer der Region wenden, die dann auch Auskunft dazu geben kann, welche Schlichtungsmöglichkeiten sie anbietet. Teils läuft das über Schlichtungsstellen, teils auch über Ombudsleute.

Da hier offenbar Uneinigkeit über die Art der Ausführung der Arbeiten besteht, die sich nicht ausräumen ließ, wüßte ich ersteinmal nicht, was man da kurzfristig umsetzen könnte, da das Problem nur subsidiär ein zeitliches ist. Eventuell könnte man sich mit dem Handwerker darauf einigen, daß der Auftrag damit erledigt und abzurechnen ist und die verbleibenden Arbeiten durch eine vom Auftraggeber beauftragte andere Firma ausgeführt werden. Besondere Kurzfristigkeit verspreche ich mir angesichts der aktuell hohen Auslastung vieler Firmen da aber auch nicht, aber fragen kann man ja mal.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

Baden-57
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1602
Registriert: 13.08.15, 16:49

Re: Schlichten statt richten - an wen wenden?

Beitrag von Baden-57 » 02.01.19, 16:31

Hallo,
eie Mitgliedschaft in einer Innung ist immer freiwillig, denn die Innung ist "nur" eine Interessensvertretung der in der Innung eingetragenen Handwerker.
Pflicht ist die Mitgliedschaft in der Handwerkskammer!
Die Handwerkskammern unterhalten Schlichtungsstellen, welche gerichtliche Verfahren zu vermeiden versuchen. (Güteverfahren)
Die Schlichtungsstelle erteilt teilweise auch Auskünfte, ohne dass der Handwerker hierüber informiert wird, allerdings erteilt die Schlichtungsstelle keine Rechtsauskunft, denn diese sind zur Neutralität verpflichtet.
Ein Anruf bei der Handwerkskammer wäre daher sinnvoll.
Gutes Neues,....

Anselm
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 02.01.19, 09:17

Re: Schlichten statt richten - an wen wenden?

Beitrag von Anselm » 02.01.19, 19:14

Hallo und danke für die Antworten. Das Senden hat bei mir nicht richtig funktioniert, deshalb chronologisch nicht ganz logisch.

Hinsichtlich Handwerkskammer und Innung hatte ich mich schon in der Wikipedia informiert: Eine Handwerkskammer ist eine Selbstverwaltungseinrichtung und die Mitgliedschaft Pflicht, eine Innung (von der ich schrieb) ist die fachliche Interessenvertretung von Personen, die in einer Berufsgruppe des Handwerks tätig sind und die Mitgliedschaft freiwillig. Innungen vermitteln bei Streitigkeiten zwischen Mitgliedern und ihren Auftraggebern, aber das ist Fehlanzeige, Handwerkskammern - ha, das hatte ich überlesen - haben u. a. die Aufgabe, Schlichtungs­stellen einzurichten. Manchmal genügt es ja, ein Problem mit jemandem, konkret hier im Forum, zu erörtern: Per Internetsuche nach "Handwerkskammer Bayern Schlichtung" habe ich einiges gefunden, u. a. die Broschüre "Schlichten statt Prozessieren" (PDF) des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz.

Vielleicht genügt es, die Installationsfirma darauf hinzuweisen, dass man nicht bereit ist, die Mängel zu akzeptieren, und erwägt, zunächst den Schlichtungsweg zu beschreiten.

Mein Forumsbeitritt hat sich schon gelohnt, danke.

Gruß, Anselm

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17130
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Schlichten statt richten - an wen wenden?

Beitrag von FM » 03.01.19, 11:11

Das entsprechende Angebot der HWK München ist hier zu finden:
https://www.hwk-muenchen.de/artikel/kon ... ,9084.html

Man sollte sich aber im Klaren sein: die Kammer ist die Interessensvertretung der Handwerksbetriebe, nicht der Kunden.

Für Bayern siehe auch: https://rak-muenchen.de/fileadmin/downl ... kblatt.pdf

Anselm
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 02.01.19, 09:17

Re: Schlichten statt richten - an wen wenden?

Beitrag von Anselm » 03.01.19, 11:45

Hallo,

vielen Dank für die Hinweise. Das Angebot der HWK habe ich inzwischen auch gefunden und heute gleich eine Anfrage gemailt. Die haben sofort zurückgerufen, bis nächste Woche haben sie aber nur eine Notbesertzung, können also erst nächste Woche antworten.

Der Interessenkonflikt ist mir auch schon klargeworden, deshalb denke ich auch über Alternativen nach. Verbraucherschutz wäre wohl noch eine Möglichkeit, dazu habe ich etwas von der Verbraucherzentrale Bayern gefunden. (Natürlich ist man hinterher immer schlauer, und beim heutigen Handwerkermangel kann man nur bedingt Forderungen stellen ohhe abgewiesen zu werden.)

Mein Ass im Ärmel ist die Rechtsschutzversicherung. Die möchte ich aber erst einschalten, wenn anderes nicht fruchtet.

Gruß, Anselm

Antworten