Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Backgammon
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Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von Backgammon » 29.03.19, 13:56

Guten Tag.

Der Kunde bestellt bei einem Online-Shop eine angeblich vorrätige Jacke.
Der Bestellvorgang wird abgeschlossen, der Kaufpreis wird eingezogen.
Einige Stunden später teilt man dem Kunden mit, dass doch keine Jacke mehr vorhanden ist und überweist ihm das Geld zurück.

Aber: es handelte sich um eine extrem seltene Jacke, die zu dem angebotenen Preis nirgendwo mehr erhältlich ist.

Es fand doch ein Angebot und eine Annahme statt.

Hat der Kunde irgendwelche Schadensersatzansprüche?

SusanneBerlin
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von SusanneBerlin » 29.03.19, 14:04

Es fand doch ein Angebot und eine Annahme statt.
1. Kann man aus Ihrer Schilderung nicht entnehmen, ob eine Annahme stattfand.

2. Hat der Verkäufer den Vertrag unverzüglich angefochten (§ 199 BGB)
Grüße, Susanne

Celestro
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von Celestro » 29.03.19, 14:31

Backgammon hat geschrieben:Hat der Kunde irgendwelche Schadensersatzansprüche?
Welchen Schaden sollte der vermeintliche Kunde denn haben? Bei mir bekannten und allseits beliebten Onlineshops erhält man nach dem Kauf eine Bestätigungsmail. Dort wird normalerweise darauf hingewiesen, daß es lediglich eine Information ist und noch kein Kaufvertrag zustande kam.

Backgammon
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von Backgammon » 29.03.19, 15:04

SusanneBerlin hat geschrieben:
Es fand doch ein Angebot und eine Annahme statt.
1. Kann man aus Ihrer Schilderung nicht entnehmen, ob eine Annahme stattfand.

2. Hat der Verkäufer den Vertrag unverzüglich angefochten (§ 199 BGB)
Der Verkäufer schrieb:
Vielen Dank für die Bestellung. Sie Bestellung ist in Bearbeitung und die Ware wird bald versandt.

Für mich ist damit der Kauf vollzogen.

Paragraph 199 BGB stellt den Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist dar.

Backgammon
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von Backgammon » 29.03.19, 15:06

Celestro hat geschrieben:
Backgammon hat geschrieben:Hat der Kunde irgendwelche Schadensersatzansprüche?
Welchen Schaden sollte der vermeintliche Kunde denn haben? Bei mir bekannten und allseits beliebten Onlineshops erhält man nach dem Kauf eine Bestätigungsmail. Dort wird normalerweise darauf hingewiesen, daß es lediglich eine Information ist und noch kein Kaufvertrag zustande kam.
Der Schaden wäre der, dass die Ware zu einem weit höheren Preis woanders bestellt werden müsste. Zur angeblich normalen Bestätigungsmail siehe meinen Kommentar zum Zustandekommen des Kaufvertrages oben drüber.

SusanneBerlin
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von SusanneBerlin » 29.03.19, 15:15

Der Verkäufer schrieb:
Vielen Dank für die Bestellung. Sie Bestellung ist in Bearbeitung und die Ware wird bald versandt.

Für mich ist damit der Kauf vollzogen
Für mich nicht.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von winterspaziergang » 29.03.19, 15:48

Backgammon hat geschrieben: Der Schaden wäre der, dass die Ware zu einem weit höheren Preis woanders bestellt werden müsste.
Muss man ja nicht.
Es handelt sich nicht um ein Gut, dessen stornierte Bestellung dem Käufer irgendwie schadet.
Zumal:
Einige Stunden später
storniert wurde.

Der Schaden geht gen Null, wenn der Kunde sich eine andere Jacke kauft. Das Geld hat er ja wiederbekommen.

webmaster76
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von webmaster76 » 29.03.19, 15:51

Wäre der Wortlaut der E-Mail des Händlers gewesen "Vielen Dank für die Bestellung. Diese ist nun in Bearbeitung." wäre aus meiner Sicht noch kein Vertrag zustande gekommen. Der Zusatz "die Ware wird bald versandt" kombiniert mit dem Einzug des Kaufpreises (hier verstehe ich eine Lastschrift) ändert meiner Meinung jedoch den Sachverhalt und damit dürfte ein Kaufvertrag zustande gekommen sein, siehe

https://www.it-recht-kanzlei.de/elektro ... nhalt.html

§119 BGB (war wohl ein Zahlendreher von SusanneBerlin) zieht aus meiner Sicht auch nicht. Wenn der Verkäufer sein Warenwirtschaftssystem nicht im Griff hat ist das fahrlässig aber nicht irrtümlich...

Der Verkäufer müsste zusehen, dass er eine Jacke besorgen kann oder dem Käufer die Differenz zu einer gleichen gekauften Jacke erstatten.

webmaster76
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von webmaster76 » 29.03.19, 15:54

winterspaziergang hat geschrieben:Der Schaden geht gen Null, wenn der Kunde sich eine andere Jacke kauft. Das Geld hat er ja wiederbekommen.
https://www.it-recht-kanzlei.de/bestell ... schnitt_14

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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von winterspaziergang » 29.03.19, 20:07

webmaster76 hat geschrieben:
winterspaziergang hat geschrieben:Der Schaden geht gen Null, wenn der Kunde sich eine andere Jacke kauft. Das Geld hat er ja wiederbekommen.
https://www.it-recht-kanzlei.de/bestell ... schnitt_14
wenn man auf der verlinkten Seite liest, stellt man fest, dass sich der Verkäufer in der Tat nicht einfach auf einen "Lieferengpass" allein berufen kann, andererseits das hier
webmaster76 hat geschrieben:Der Verkäufer müsste zusehen, dass er eine Jacke besorgen kann oder dem Käufer die Differenz zu einer gleichen gekauften Jacke erstatten.
mitnichten so eindeutig ist.

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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von ktown » 29.03.19, 21:33

Definieren sie bitte das
Backgammon hat geschrieben:der Kaufpreis wird eingezogen.
mal näher, weil ich nicht glaube, dass das
webmaster76 hat geschrieben:mit dem Einzug des Kaufpreises (hier verstehe ich eine Lastschrift)
mit gemeint war.
Ich bestelle regelmäßig und viel Online. Aber das Lastschriftverfahren gehört zu den am wenigsten genutzten Verfahren von Online Shops.
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von Backgammon » 30.03.19, 09:25

Guten Morgen, nehmen wir an, der Einzug des Kaufpreises erfolgte durch ein bekanntes Unternehmen wie Internet-Zahlungs-Methode/Portal [Name geändert]

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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von ktown » 30.03.19, 13:20

Backgammon hat geschrieben:Guten Morgen, nehmen wir an, der Einzug des Kaufpreises erfolgte durch ein bekanntes Unternehmen wie Internet-Zahlungs-Methode/Portal [Name geändert]
Somit hat aber der Verkäufer kein Geld eingezogen, wie sie es bezeichnen. Das Geld wurde durch den Käufer auf eine gemeinsame Plattform überwiesen und dort liegt es, bis der Verkauf vollzogen wäre.
Daher sehe ich derzeit auch noch kein Kaufvertrag vorliegen, da derzeit nur der Eingang der Bestellung bestätigt wurde.
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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von Backgammon » 30.03.19, 15:33

Das Internet-Zahlungs-Methode/Portal [Name geändert] -Konto wurde im Beispielsfall definitiv belastet.

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Re: Ware bestellt und jetzt angeblich nicht vorrätig

Beitrag von ktown » 30.03.19, 16:37

Backgammon hat geschrieben:Das Internet-Zahlungs-Methode/Portal [Name geändert] -Konto wurde im Beispielsfall definitiv belastet.
Das ist ein ganz normaler Vorgang, der nicht durch den Verkäufer ausgelöst wird. Es ist also kein Indiz für einen Vertrag. Oder bestehen sie auch darauf, dass ein Vertrag vorliegt, wenn sie der Verkäuferin in der Bäckerei sagen, dass sie eine Brezel möchten (weil die wurde ja auf dem Werbeständer vor der Bäckerei so lecker zum Angebot angepriesen) und ihr das Geld auf den Tresen legen?
Auch hier kann die Verkäuferin sagen: Sorry tut mir leid. Ist derzeit nicht mehr verfügbar.
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