Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

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drei
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Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von drei »

Guten Tag zusammen!

Folgenden Fall angenommen:

A ist Vertrags-Kunde bei einem Mobilfunkanbieter K.
A macht Urlaub im Nicht-EU-Ausland.
Um jegliche Kosten im Ausland zu vermeiden, kauft sich A eine SIM-Karte im Ausland und nutzt diese dort.
Die SIM-Karte von K ist zwar mal kurz eingebucht, wird aber kurz nach der Ankunft aus dem Handy genommen.

Jetzt bekommt A eine deutlich erhöhte Rechnung für den Zeitraum des Auslandsaufenthalts von K mit folgenden Positionen:

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Rechnungspositionen:
3 Abgehende Roaming Verbindungen (RA)	16.04.2019 - 16.04.2019	22,6134 €
3 Eingehende Roaming Verbindungen (RE)	16.04.2019 - 16.04.2019	13,5378 €

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EVN anonymisiert:
Produkt					Datum		Zeit		Zielrufnummer		Zielnetz	Menge-Zeit	Nettobetrag
Eingehende Roaming Verbindungen (RE)	16.04.2019	11:36:20	Fremde Rufnummer	Mobil		00:06:22	10,5294
Abgehende Roaming Verbindungen (RA)	16.04.2019	11:36:20	Eigene Mobilbox		Mobil		00:06:22	17,5882
Eingehende Roaming Verbindungen (RE)	16.04.2019	12:36:54	Fremde Rufnummer	Festnetz	00:00:08	1,5042
Abgehende Roaming Verbindungen (RA)	16.04.2019	12:36:54	Eigene Mobilbox		Mobil		00:00:08	2,5126
Eingehende Roaming Verbindungen (RE)	16.04.2019	13:30:16	Fremde Rufnummer	Festnetz	00:00:30	1,5042
Abgehende Roaming Verbindungen (RA)	16.04.2019	13:30:16	Eigene Mobilbox		Mobil		00:00:30	2,5126
Auf Nachfrage bei K und die Mitteilung, dass an dem besagten Tag keine Gespräche geführt, angenommen oder abgelehnt wurden (da ja die SIM-Karte gar nicht in Betrieb war), und nach Widerspruch gegen die Rechnungspositionen, kam von K folgende Antwort:
Sofern Sie Ihre Anrufe auf Ihre Mailbox umgeleitet haben, werden Ihnen die Verbindungen wie folgt berechnet:

1. Der eingehende Anruf wird auf Ihren ***K*** Anschluss umgeleitet und automatisch entgegengenommen.
=> Es handelt sich um ein eingehendes Roaminggespräch.

2. Der angenommene Anruf wird auf Ihre Mailbox umgeleitet, dessen Server sich in Deutschland befindet.
=> Es handelt sich um ein abgehendes Roaminggespräch.

Der Rechnungsbetrag wurde daher korrekt ausgewiesen.
Das ist jetzt keine rechtliche Frage, aber wie kann eine SIM-Karte, die sich nicht im Handy befindet Anrufe übers Ausland weiterleiten?
Die Weiterleitung, die Netzseitig erfolgt, sollte bereits innerhalb Deutschlands greifen. Dann darf hier kein Roaming berechnet werden, oder?

Auch ist eben bemerkenswert, dass die Kosten doppelt pro Minute anfallen, als ob zwei Gespräche gleichzeitig geführt worden wären. Ist das zulässig?
Die sich ergebenden Minutenpreise, sowohl netto als auch brutto, können von A nicht in Preislisten nachvollzogen werden:

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					Dauer		Betrag	Min/netto	Min/brutto
Abgehende Roaming Verbindungen (RA)	00:07:00	22,6134	3,2305		3,8443
Eingehende Roaming Verbindungen (RE)	00:07:00	13,5378	1,9340		2,3014
Wie kann hier vorgegangen werden?
Wie ist die Rechtslage?

MfG

SusanneBerlin
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von SusanneBerlin »

Die SIM-Karte von K ist zwar mal kurz eingebucht, wird aber kurz nach der Ankunft aus dem Handy genommen.
Vermutlich hat sich die SIM-Karte dabei angemeldet. Vor 1 oder 2 Jahren noch bekam man jedes Mal eine sms vom Provider, wenn man eine Landesgrenze überquerte oder auch nur in der Nähe war und wurde im ausländischen Netz "begrüßt". Somit "wußte" der Server, in welchem Land sich die SIM-Karte befindet. Und bevor auf die mailbox umgeleitet wird, wird ja erstmal versucht den Anruf zur SIM-Karte durchzustellen. Also ins Nicht-EU-Netz. Und von da aus zurück zur Mailbox auf dem Server in Deutschland.
Grüße, Susanne

drei
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von drei »

SusanneBerlin hat geschrieben:
24.05.19, 15:05
Vermutlich hat sich die SIM-Karte dabei angemeldet. Vor 1 oder 2 Jahren noch bekam man jedes Mal eine sms vom Provider, wenn man eine Landesgrenze überquerte oder auch nur in der Nähe war und wurde im ausländischen Netz "begrüßt". Somit "wußte" der Server, in welchem Land sich die SIM-Karte befindet. Und bevor auf die mailbox umgeleitet wird, wird ja erstmal versucht den Anruf zur SIM-Karte durchzustellen. Also ins Nicht-EU-Netz. Und von da aus zurück zur Mailbox auf dem Server in Deutschland.
Ja, so hab ich mir das jetzt auch erklärt. Aber wenn die SIM-Karte versehentlich eingebucht wurde ins Nicht-EU-Netz, dann kann ich ja nicht anch Deutschland zurückfliegen, um sie da wieder kurz einzubuchen, um sie dann rauszunehmen, damit dann die Mailbox keine Kostenfalle darstellt.
Die SIM-Karte wird also aus dem Hany genommen oder beispielsweise würde man das Handy ausschalten, trotzdem können ohne jeglichen Einfluss darauf im Hintergrund Gebühren ohne Ende anfallen.

Da gibt es keinen Verbraucherschutz dagegen? In der überregulierten EU, kann ich mir das eigentlich nicht vorstellen...

SusanneBerlin
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von SusanneBerlin »

Die SIM-Karte wird also aus dem Hany genommen oder beispielsweise würde man das Handy ausschalten, trotzdem können ohne jeglichen Einfluss darauf im Hintergrund Gebühren ohne Ende anfallen.
Die Gebühren werden dann erzeugt, jedesmal wenn einer anruft und auf die Mailbox spricht.

Der Provider hat den Fall eben nicht berücksichtigt, dass jemand sein handy mit ins Nicht-EU-Ausland mitnimmt, kurz einschaltet um es dann die ganze Zeit ausgeschaltet zu lassen.

Der handybesitzer kann in diesem Fall seine Gebühren verringern, indem er sein handy eingeschaltet lässt, die Anrufe annimmt und den Gesprächsparter bittet sich kurzzufassen.
Grüße, Susanne

drei
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von drei »

Also keine Chance über Bundesnetzagentur oder Schlichtungsstelle?

Der Mitarbeiter an der Kundenhotline wollte schon gutschreiben, weil Problem verstanden wurde, aber da schriftlich seitens K mitgeteilt wurde, dass NICHT gutgeschrieben wird (da Problem nicht erkannt wurde), kann der Mitarbeiter der Telefonhotline sich darüber nicht hinwegsetzen. Ist quasi eine "Sperre für Gutschrift" drin... :roll:

Froggel
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von Froggel »

drei hat geschrieben:
24.05.19, 20:29
Also keine Chance über Bundesnetzagentur oder Schlichtungsstelle?
Das wird man herausfinden, wenn man die Bundesnetzagentur kontaktiert :wink:
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

drei
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von drei »

Froggel hat geschrieben:
24.05.19, 22:39
Das wird man herausfinden, wenn man die Bundesnetzagentur kontaktiert :wink:
Dafür wären ein paar §§ sicherlich hilfreich... Jemand eine Idee?

SusanneBerlin
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von SusanneBerlin »

Man braucht keine Paragrafen nennen um sich bei der Bundesnetzangentur über einen Anbieter zu beschweren. Die können das viel besser einordnen und beurteilen als man selber, die beschäftigen sich mit nix anderes.
Grüße, Susanne

CDS
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Re: Doppelte Roaming-Gebühren zu Mailbox, während SIM-Karte nicht verwendet

Beitrag von CDS »

Hallo!

Meiner Erfahrung nach sind jegliche Beschwerden bei der Bundesnetzagentur für Privatleute zwar möglich, aber völlig sinnfrei.
Ich habe das einmal gemacht, als ein großer deutscher Telekomanbieter sich geweigert hat einem lokalen Telefonanbieter die "letzte Meile" zu meinem Haus zu überlassen, da diese angeblich durch einen Auftrag von mir blockiert wäre. Mir gegenüber hat man natürlich erklärt es gäbe keinen Auftrag, der andere Anbieter sei offensichtlich zu blöd die Leitung zu bestellen - es kann gar nicht sein das da was blockiert ist.

Ergebniss der Netzagentur: Da können sie auch nix machen, der neue Anbieter könne ja gegen den Eigentümer der "letzen Meile" vorgehen wenn sie sich behindert fühlen ....

Ergo: Die Beschwerdemöglichkeit für Endkunden ist völlig sinnlos .....


Ach ja, nach drei Monaten mit etlichen schriftlichen Beschwerden an die "große" hat sich dann offensichtlich der eine Mitarbeiter gefunden der sich im Gewirr der verschiedenen System auskennt - und musste zugeben das es dort in der Tat einen Fehler gab und meine Leitung im Techniksystem als reserviert geführt wurde ....

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