Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

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Geruchsneutral
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Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von Geruchsneutral »

Nehmen wir an, die Parksensoren eines Neuwagens machen ständig Fehler, muss der Hersteller alle Fehler abstellen, oder kann er argumentieren, dass das Thema zu komplex ist und ihm das nicht möglich ist?

Und wie ist es mit lautem Klappern des Fahrwerks bei Bodenunebenheiten (also fast immer auf deutschen Straßen), muss der Kunde damit leben? Es ist nur linksseitig, wonach bewiesen wäre, dass es kein Normalverhalten ist.

Ich versuche das mit der Herstellung von Fernsehern, Monitoren und Handys zu vergleichen. Dort hat es sich durchgesetzt, dass die Displays einige sogenannte "Pixelfehler" enthalten (dürfen), also bereits fehlerhaft bei der Auslieferung sind. Kann man das auch auf Autos übertragen?
Zuletzt geändert von Geruchsneutral am 24.05.19, 19:44, insgesamt 1-mal geändert.

FM
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Re: Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von FM »

Wenn ein einzelnes Teil (Parksensoren) mangelhaft ist, dürfte die Reparatur zumindest durch Austausch des Teiles möglich sein. Es sei denn, es gibt überhaupt kein fehlerfreies Teil, d.h. das Ding kann eben gar nicht so perfekt sein wie der einzelne Kunde es möchte.

Eine gewisse Fehlertoleranz kann marktüblich sein. Man wird z.B. nicht ernsthaft eine Rolle Clopapier zurückgeben wollen, wenn an einer Stelle die Lochung nicht ganz exakt ist. Ähnlich mag es bei den Pixeln sein.

Bei Autos versucht übrigens in den meisten Fällen gar nicht der Hersteller selbst die Nachbesserung. Ob er - oder der verkäufer - überhaupt dafür zuständig ist, hängt vom Einzelfall ab. Aber wenn es z.B. um ein Auto der Marke XY geht, wird der Versuch kaum in Wolfsburg erfolgt sein.

Geruchsneutral
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Re: Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von Geruchsneutral »

FM hat geschrieben:
24.05.19, 19:38
Wenn ein einzelnes Teil (Parksensoren) mangelhaft ist, dürfte die Reparatur zumindest durch Austausch des Teiles möglich sein. Es sei denn, es gibt überhaupt kein fehlerfreies Teil, d.h. das Ding kann eben gar nicht so perfekt sein wie der einzelne Kunde es möchte.
Die Hardware wurde geprüft und arbeitet einwandfrei. Die Software wurde auf den neuesten Stand gebracht und arbeitet weiterhin fehlerhaft. Man sollte doch verlangen können, dass so ein Assistenzsystem einen zumindest vor Schäden bewahrt und nicht welche verursacht.
FM hat geschrieben:
24.05.19, 19:38
Eine gewisse Fehlertoleranz kann marktüblich sein. Man wird z.B. nicht ernsthaft eine Rolle Clopapier zurückgeben wollen, wenn an einer Stelle die Lochung nicht ganz exakt ist. Ähnlich mag es bei den Pixeln sein.
Natürlich, durch nicht exakte Lochung des Klopapiers ist die Hauptfunktion weiterhin gegeben. Aber durch Pixelfehler kann für einen Grafiker ein Bildschirm bereits Nachteile bedeuten. Und ein Parkassistenzsystem, das teure Schäden verursacht, kann erst Recht nicht marktüblich sein.
FM hat geschrieben:
24.05.19, 19:38
Bei Autos versucht übrigens in den meisten Fällen gar nicht der Hersteller selbst die Nachbesserung. Ob er - oder der verkäufer - überhaupt dafür zuständig ist, hängt vom Einzelfall ab. Aber wenn es z.B. um ein Auto der Marke XY geht, wird der Versuch kaum in Wolfsburg erfolgt sein.
Richtig, wobei Wolfsburg dann sogar gerne mal eigene Techniker zum Vertragshändler schickt, wenn die nicht weiter wissen.

FelixSt
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Re: Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von FelixSt »

Ist es nicht eher so, dass der Fahrer die teuren Schäden verursacht, indem er irgendwo gegenfährt, weil er einem System vertraut, das bei realistischer Betrachtung niemals perfekt arbeiten kann? Ich finde es schon ziemlich dreist, es jetzt einfach so zu formulieren, als sei das Auto ganz allein gegen Hindernisse gefahren und habe das alles ganz ohne Zutun des Fahrers gemacht, ohne dass dieser Einfluss darauf gehabt hätte.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

FM
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Re: Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von FM »

FelixSt hat geschrieben:
24.05.19, 20:20
Ist es nicht eher so, dass der Fahrer die teuren Schäden verursacht, indem er irgendwo gegenfährt, weil er einem System vertraut, das bei realistischer Betrachtung niemals perfekt arbeiten kann?
Das ist eben die Frage, wie perfekt kann so ein System sein? Ich hab es noch nie verwendet, deshalb weiß ich es nicht. Sagt das cm-genau wieviel Platz noch ist, oder warnt es jedenfalls so rechtzeitig, dass man noch anhalten kann?

Wenn das System allerdings mitteilt "fahr ruhig weiter, kein Problem" obwohl nur noch 1 cm Abstand ist, könnte sogar der Verkäufer oder der Hersteller verpflichtet sein, dem Benutzer die die Beträge zu ersetzen, die der andere Kfz-Eigentümer von ihm als Schadensersatz verlangt.

FelixSt
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Re: Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von FelixSt »

Eine Perfektion ist technisch völlig unmöglich. Sogar bei Rückfahrkameras (und eben auch bei Einparkhilfen) gibt es immer wortreiche Warnhinweise in den Bedienungsanleitungen, mit denen die Autohersteller darauf hinweisen, dass der Fahrer sich nie komplett darauf verlassen darf und die Verantwortung nicht abgeben kann.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

Evariste
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Re: Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von Evariste »

FelixSt hat geschrieben:
24.05.19, 21:55
Sogar bei Rückfahrkameras (und eben auch bei Einparkhilfen) gibt es immer wortreiche Warnhinweise in den Bedienungsanleitungen, mit denen die Autohersteller darauf hinweisen, dass der Fahrer sich nie komplett darauf verlassen darf und die Verantwortung nicht abgeben kann.
Da geht es wohl eher darum, dass der Fahrer sich nicht allein auf die Anzeigen im Auto konzentrieren soll, sondern auch mal rausschauen muss, was sonst noch passiert. Die Anzeigen im Fahrzeug sollten aber trotzdem halbwegs korrekt sein. Bei einem Tacho akzeptiert man ja auch nicht, dass er zuwenig anzeigt.

Besonders brisant ist das Thema im Zusammenhang mit den diversen Assistenten, da kann die fehlerhafte Auswertung von Fehlerdaten dazu führen, dass der Wagen mal eben auf der Autobahn eine Vollbremsung hinlegt. Ist das dann auch allein das Problem des Fahrers?

Froggel
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Re: Muss der Hersteller alle Mängel bei einem Neuwagen beseitigen?

Beitrag von Froggel »

FM hat geschrieben:
24.05.19, 20:51
Ich hab es noch nie verwendet, deshalb weiß ich es nicht.
Bei mir ist es im Auto und ich verwende es auch. Wenn der Wagen noch ca. 15 cm Platz zum Hindernis hat, warnt das System bereits vor der Weiterfahrt. Das funktioniert, wenn man langsam fährt und darauf achtet, eigentlich gut. Trotzdem hat mein Töchterlein es geschafft, meinen Wagen rückwärts gegen eine 5m hohe und 20m lange Mauer zu fahren. Nicht immer ist das System schuld - manchmal sollte man sich zuvor auch damit vertraut machen.
Nichtsdestotrotz muss das System natürlich funktionieren, damit man es nutzen kann. Wenn der Wagen gerade erst neu ist und dann ein Schaden beim Rückwärtsfahren entsteht, weil das System nicht korrekt gearbeitet hat, ist das natürlich ein Schaden, der auf einen Sachmangel zurückzuführen ist. Inwiefern der Kunde da dann allerdings Anspruch auf Schadensersatz hat, weiß ich nicht. Wohl hat er aber einen Anspruch auf Behebung des Sachmangels, d.h. korrekt arbeitende Rückfahrsensoren. Wenn man so etwas nicht nutzen wollte, bräuchte man ja auch keinen Aufpreis für die Dinger zu zahlen, um sie zu haben ;)
Ich bin kein Jurist.
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