Werkvertragerfüllung

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marl.116
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Werkvertragerfüllung

Beitrag von marl.116 » 07.06.19, 23:53

Hallo Ihr Lieben,

eine Dame beauftragt für einen großen Garten eine Gartenfirma, die das hochgewachsene Gras mähen soll. Die Damen haben sich nur telefonisch über einen Preis geeinigt. Die eine ist der Meinung, dass sie einen Pauschalpreis ausgemacht haben, den die Dame auch schon bezahlt hat, die Gärtnerin das sie einen Stundenlohn ausgemacht haben. Beide geben einen Zeugen für das Mithören des Gesprächs an, sodass Aussage gegen Aussage steht. Zudem ist die Gärtnerin, während sie Musik gehört hat und eine Sonnenbrille trug über etwas auf dem Rasen gefahren. Anschließend ist sie mit dem Traktor weitergefahren und behauptet im Nachhinein, dass der Traktor durch das Überfahren kaputt sei. Die Gärtnerfirma möchte nun noch ausstehendes Geld aus dem Werkvertrag (Stundenlohn liegt über Pauschalpreis), Reparaturkosten des Mähers sowie Geld für den Nutzungsausfall also Miete für einen anderen Rasenmäher.

Wie ist die Rechtslage? Wer ist für den Schaden des Mähers verantwortlich bzw. für das "Sauberhalten des Rasens" und welcher Preis aus dem Werkvertrag muss gezahlt werden?

Dankeschön im Voraus!
Liebe Grüße
marl.116

Tastenspitz
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Re: Werkvertragerfüllung

Beitrag von Tastenspitz » 08.06.19, 06:56

marl.116 hat geschrieben:
07.06.19, 23:53
Die eine ist der Meinung, dass sie einen Pauschalpreis ausgemacht haben, den die Dame auch schon bezahlt hat, die Gärtnerin das sie einen Stundenlohn ausgemacht haben.
Schon bezahlt? Vor dem Einsatz?
marl.116 hat geschrieben:
07.06.19, 23:53
Reparaturkosten des Mähers sowie Geld für den Nutzungsausfall also Miete für einen anderen Rasenmäher.
Das braucht den Auftraggeber (eine Dame) nicht zu interessieren.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
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SusanneBerlin
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Re: Werkvertragerfüllung

Beitrag von SusanneBerlin » 08.06.19, 10:09

Wer ist für den Schaden des Mähers verantwortlich
Wenn ich den Sachverhalt richtig verstehe, hat die Dame Gärtnerin den Rasen zu Ende gemäht und sie hat vor Ort, im Garten bei der Dame Auftraggeberin, auch keinen Schaden am Rasenmäher angezeigt. Erst später, nachdem sich die Dame Gärtnerin mit ihrem Rasenmäher entfernt hat, werden bei der Auftraggeberin Reparaturkosten gefordert, weil der Rasenmäher angeblich im Garten der Auftraggeberin über "etwas" gefahren sein und den Rasenmäher angeblich beschädigt hätte. Die Auftraggeberin kann hier die Reparaturkosten und Nutzungsausfall zurückweisen.
welcher Preis aus dem Werkvertrag muss gezahlt werden?
Der vereinbarte Preis. Wobei es bei einer mündlichen Vereinbarung naturgemäß schwierig ist, nachzuweisen welcher Preis vereinbart war.
Grüße, Susanne

marl.116
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Re: Werkvertragerfüllung

Beitrag von marl.116 » 08.06.19, 11:28

Danke für eure Antworten.
An Tastenspitz: Das Geld wurde nach dem Einsatz bezahlt, allerdings der Pauschalpreis, denn die Gegenseite nun nicht akzeptiert.

An SusanneBerlin: Genau, das hast du vollkommen richtig verstanden. Das heißt die Gärtnerin hätte noch vor Ort etwas sagen müssen bzw. hätte die Mäharbeiten direkt beenden müssen? Der Preis ist ein großes Problem, da Aussage gegen Aussage steht..
Gibt es überhaupt so etwas wie Nutzungsausfallentschädigung bei einem Rasenmäher?

Tastenspitz
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Re: Werkvertragerfüllung

Beitrag von Tastenspitz » 08.06.19, 11:42

marl.116 hat geschrieben:
08.06.19, 11:28
Das Geld wurde nach dem Einsatz bezahlt, allerdings der Pauschalpreis, denn die Gegenseite nun nicht akzeptiert.
Nun. Da der Preis in einer gewissen Relation zur Arbeitsleistung steht, kann man wohl selber überschlägig ermitteln, ob das Pauschal oder pro Stunde vereinbart war. Stundenentgelt dürfte, wenn wie hier weder Gerät noch An- oder Abfahrt und Entsorgung des Grünschnitts sowie anderer Nebenkosten vereinbart waren, wohl deutlich über 40 € pro Stunde anzusetzen sein.
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SusanneBerlin
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Re: Werkvertragerfüllung

Beitrag von SusanneBerlin » 08.06.19, 11:52

Das heißt die Gärtnerin hätte noch vor Ort etwas sagen müssen bzw. hätte die Mäharbeiten direkt beenden müssen?
Naja finden Sie es nicht merkwürdig, dass trotz angeblichem Schaden am Rasenmäher, der Rasenmäher ohne Unterschied funktionierte? Es ist doch gar nicht bewiesen, dass der Schaden im Garten der Auftraggeberin entstanden ist. Vielleicht war der Rasenmäher schon vorher beschädigt oder vielleicht entstand der Schaden hinterher woanders.

Tja aber auch selbst wenn die Gärtnerin und die Auftraggeberin gemeinsam gesehen hätte, dass etwas im Gras lag und die Gärtnerin drübergefahren ist und der Rasenmäher beschädigt wurde, kann man darüber streiten, wer die Schuld trägt. Die Gärtnerin hätte den Schaden unter Umständen vermeiden können wenn sie sorgfältiger geschaut hätte wo sie hinfährt. Es ist nicht ungewöhnlich oder überraschend, dass auf einem Rasen Dinge liegen und als beruflich agierende Gärtnerin muss sie damit rechnen, dass im hohen Gras irgendetwas liegt.
Gibt es überhaupt so etwas wie Nutzungsausfallentschädigung bei einem Rasenmäher?
Bei jedem Gegenstand entsteht ein Nutzungsausfall, wenn man es wegen einem Defekt nicht benutzen kann und dadurch finanzielle Einbußen hat. Egal ob es sich um ein Auto, eine Wohnung oder einen Rasenmäher handelt. Man kann also grundsätzlich bei jedem Gerät das einen Nutzungsausfall hat, eine Nutzungsausfallentschädigung vom Verursacher verlangen.

Allerdings ist der Nutzungsausfall in diesem Beispiel mit dem Rasenmäher erst gegeben, wenn die Gärtnerfirma wegen dieses defekten Rasenmähers Aufträge absagen muss. Eine Gärtnerfirma besitzt sicherlich mehrere Rasenmäher und nicht nur einen. Sollten also alle vorhandenen Rasenmäher eingeplant gewesen sein und wegen des Ausfalls von einem Rasenmäher ein bereits zugesagter Auftrag abgesagt worden sein, und dieser Auftraggeber war auch nicht bereit 1-2 Tage zu warten bis der Rasenmäher repariert ist und hat den Auftrag endgültig abgesagt, wenn diese alle Voraussetzungen gegeben sind und der Gärtnerfirma damit tatsächlich eine Gewinneinbuße entsteht durch den Ausfall dieses einen Rasenmähers, DANN ist ein Nutzungsausfall gegeben.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Werkvertragerfüllung

Beitrag von matthias. » 10.06.19, 10:01

SusanneBerlin hat geschrieben:
08.06.19, 10:09
Der vereinbarte Preis. Wobei es bei einer mündlichen Vereinbarung naturgemäß schwierig ist, nachzuweisen welcher Preis vereinbart war.
Ist der vereinbarte Preis unklar, würde vom Gericht ein üblicher Preis angesetzt.

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