Abgebrochene Oldtimer-Restauration

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smsch
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Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von smsch » 18.06.19, 21:18

Hallo zusammen,

mich würde interessieren, welche Rechte und Möglichkeiten der Kunde in folgendem Beispiel hätte. Weitere Fragen werde ich zum Ende des Beispiels noch aufführen.

Der Besitzer eines Oldtimers möchte das Fahrzeug restaurieren. Für Karosserie- und Lackierarbeiten findet die Besichtigung der fast nackten Karosserie in der heimische Werkstatt statt. Es wird besprochen, dass an mindestens 10 genannten stellen Karosserie- bzw. Schweißarbeiten erforderlich sind. Außerdem soll das Fahrzeug anschließend lackiert werden. Vorerst spricht man nur über eine Außenlackierung.
Der Kunde ist an einem ungefähren Auftragswert interessiert, um die Rechnung später auch bezahlen zu können. Dafür trifft man sich in dem Karosseriebau- und Lackierbetrieb. Der Kunde sagt, dass alle Karosseriearbeiten sowie eine komplette Lackierung (außen, Motorraum, Innenraum und Unterboden) gemacht werden sollen. Der Inhaber des Betriebes nennt einen Auftragswert von 3500 Euro. Für beide Gesprächspartner ist klar, dass es bei einem alten Fahrzeug auch zu unvorhersehbaren "Komplikationen" kommen kann, man ist sich aber einig. Der Kunde hat sicherheitshalber mehrmals nachgefragt, ob alles Besprochene in dem Preis enthalten ist. Schriftlich wird nichts vereinbart, da sich kein Betrieb zu einem solchen Angebot bei einem Oldtimer hinreißen lässt. Der Kunde einem Mitarbeiter des Betriebes an seine private Mailadresse zur Sicherheit nochmal eine Auflistung aller besprochenen ToDos.

Die fast nackte Karosserie wird von der heimischen Werkstatt in den Betrieb gebracht, und es werden drei bis vier Monate vereinbart. Dann soll die Karosserie fertig sein. Nach drei Monaten ist noch nicht viel passiert. Dann beginnen die Arbeiten langsam. Nach fünf Monaten sind die folgenden Arbeiten erfolgt:
  • Das Fahrwerk, die Lenkung und die Hinterachse werden demontiert, damit die Karosserie vollständig nackt ist. (Hierfür müssen insgesamt ca. 12 Schraubane gelöst werden, was kein Hexenwerk ist.)
  • Es wird das alte Windleitblech demontiert und das neue eingeschweißt.
  • Es wird das alte Frontblech demontiert, festgestellt, dass das neue Frontblech, welches der Kunde gekauft hat, nicht passt. Der Betrieb kümmert sich selber um ein weiteres neues Frontblech, welches dann passt, allerdings mit 250 Euro auch doppelt so teuer ist. Hie sind nur noch wenige Anpassungen erforderlich. Eingeschweißt ist das neue Blech noch nicht. Des Weiteren hat der Mitarbeiter des Betriebes vor dem Entfernen des alten Frontbleches nicht die Maße genommen, um das neue Frontblech im richtigen Winkel zu montieren. Der Kunde hilft hier aus und besorgt die Maße. Es hätte nicht zwnagsläufig das komplette Frontblech getausch werden müssen, worauf der Mitarbeiter des Betriebes in dem o.g. Mailverkehr hingewiesen wurde.
  • Auf Kundenwunsch wird ein Transportgestell mit dem Material des Kunden geschweißt.
Bei diesem Arbeitsstand schaut der Kunde in dem Betrieb vorbei und fragt nach dem Zeitplan. Der Inhaber fragt nach einer ersten Zahlung. Daraufhin entwickelt sich folgendes Gespräch:
Kunde: Wo liegen wir denn aktuell preislich?
Inhabe: 5400 Euro
Kunde: Vereinbart waren 3500 Euro
Inhaber: Nur für die Lackierung. Schweißen wollten sie doch selber.
Kunde: Nein, wir haben zuletzt hier im Büro gestanden und ich habe gefragt "3500 für Karosseriearbeiten und komplette Lackierung?". Dem haben sie zugestimmt. Ich hatte extra nochmals nachgefragt.
Inhaber: Aber da war keine Rede von der Lackierung des Innenraums. Das wollten sie selber machen.
Kunde: Ich hatte ursprünglich mal drüber nachgedacht. Aber das war zu dem Zeitpunkt dann längst vom Tisch und in unserem Gespräch hier im Büro eindeutig geklärt. Und 2000 Euro mehr dafür, dass er auch innen lackiert wird?

Der Inhaber fragt seinen Lackierer, der kleinlaut bestätigt, dass auch vom Inneraum die Rede war. Man kann sich aber nicht einigen und das Gespräch läuft darauf hinaus, dass man das Vorhaben in diesem Betrieb abbricht. Der Inhaber sagt, dass für die bisherigen Arbeiten 40 Stunden angefallen sind. Eigentlich würde der Stundensatz bei 70 Euro liegen. Die 40 Stunden sind offensichtlich und nach Rücksprache mit einem anderen Karosseriebauer zu viel. Für Front- und Windleitblech könnte man jeweils acht Stunden ansetzen, wenn man großzügig kalkuliert. Für das Transportgestell um die fünf Stunden. Auf Nachfrage bei dem Mitarbeiter, der das Transportgestell geschweiß hat, sagt dieser, dass er etwa einen halbe Tag gebraucht hätte. Der Kunde äußert Zweifel an den angeblich angefallenen 40 Arbeitsstunden, der Inhaber besteht aber auf diese 40 Stunden. Zumal 40 Stunden à 70 Euro = 2800 Euro unverhältnismäßig viel ist, wenn man die bisherigen Arbeiten im vergleich zum Gesamtpaket betrachtet.

Auf Nachfrage des Kunden, was er nun für die angefallenen Arbeiten zu bezahlen hätte, nennt der Inhaber trotz mehrmaliger Nachfrage keine Summe, sondern fordert einen Vorschlag des Kunden. Da bisher nur 1,5 Arbeitspositionen der Karosseriearbeiten durchgeführt wurde und noch keine Lackierung erfolgt ist, scheinen dem Kunden 500 Euro im Vergleich zum Gesamtauftragswert als angemessen. Dem Inhaber genügt das nicht, macht aber auch keinen Gegenvorschlag. Er weiß aber darauf hin, dass die Karosserie den Betrieb nicht verlässt, bevor die bisherigen Arbeiten bezahlt wurden.
  • Kann der Kunde einen Nachweis verlangen, was das Frontblech, welches der Betrieb kaufte, tatsächlich gekostet hat?
  • Kann oder muss der Betrieb die angefallenen 40 Stunden nachweisen? Oder muss der Kunde nachweisen, dass diese 40 Stunden unverhältnismäßig viel sind?
  • Kann der Kunde eine Aussage zu dem zu zahlenden Betrag verlangen, ohne dass sich der Inhaber auf 40 Stunden à 70 Euro = 2800 Euro beruft?
  • Inwieweit hat der Betrieb das Recht die Karosserie nicht herauszugeben?
  • Kann der Kunde Messenger Verläufe mit Freunden dafür verwenden, um zu deutlich zu machen, dass er von 3500 Euro für das Gesamtpaket ausgehen konnte? ("3500 Euro...ich frage sicherheitshalber ein drittes mal nach, ob das der Gesamtpreis ist)
  • Kann der Mailverkehr an den Mitarbeiter des Betriebes in irgendeiner Art und Weise genutzt werden? Ein Preis geht hieraus nicht hervor, wohl aber die vollständige Lackierung und Karosseriearbeiten.
  • Kann der Kunde möglicher Weise sogar auf Schadenersatz bestehen, wenn sich herausstellt, dass der Betrieb sich als Karosseriebauer-Meister betitelt, dort aber kein Karosseriebau-Meister angestellt ist?
Wie ist hier die Rechtslage?
Zuletzt geändert von ktown am 19.06.19, 07:27, insgesamt 1-mal geändert.
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SusanneBerlin
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von SusanneBerlin » 18.06.19, 21:47

Hallo,

ich picke mir mal zwei Frage raus:
[quote] Inwieweit hat der Betrieb das Recht die Karosserie nicht herauszugeben?[/quote]
Das ist Werksvertragsrecht. Der Auftragnehmer darf die Karosserie als Pfand behalten bis die Rechnung bezahlt ist.
[quote="BGB"]§ 647 Unternehmerpfandrecht

Der Unternehmer hat für seine Forderungen aus dem Vertrag ein Pfandrecht an den von ihm hergestellten oder ausgebesserten beweglichen Sachen des Bestellers, wenn sie bei der Herstellung oder zum Zwecke der Ausbesserung in seinen Besitz gelangt sind.[/quote] http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__647.html

[quote]Kann der Kunde Messenger Verläufe mit Freunden dafür verwenden, um zu deutlich zu machen, dass er von 3500 Euro für das Gesamtpaket ausgehen konnte? ("3500 Euro...ich frage sicherheitshalber ein drittes mal nach, ob das der Gesamtpreis ist)[/quote]

Der Chatverlauf mit den Freunden ist kein Beweis dafür, was tatsächlich zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber vereinbart wurde. Der Auftragnehmer kann seinen Freunden ja sonstwas schreiben, die Freunde waren bei den Absprachen nicht dabei.

P.S. keine Ahnung warum das Zitieren nicht funktioniert.
Grüße, Susanne

FelixSt
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von FelixSt » 19.06.19, 07:04

Es kann wohl kaum Aufgabe dieses Forums sein, einseitig wiedergegebene Gesprächs- und Mailverläufe auf Missverständnispotentiale hin zu analysieren und dem Fragesteller zu bescheinigen, wer dort was falsch ausgedrückt oder verstanden hat und wer nach all dem Hin und Her nun für den Schlamassel verantwortlich ist.

Die Frage nach der Verwendbarkeit von Messengerchats mit Unbeteiligten kann man beim besten Willen nicht ernstnehmen.

Und noch etwas an die Adresse des Fragestellers: Verlangen kann man viel, bestehen kann man auf allem möglichen.
Zuletzt geändert von FelixSt am 19.06.19, 08:08, insgesamt 1-mal geändert.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

SusanneBerlin
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.19, 07:29

Der Inhaber des Betriebes nennt einen Auftragswert von 3500 Euro. Für beide Gesprächspartner ist klar, dass es bei einem alten Fahrzeug auch zu unvorhersehbaren "Komplikationen" kommen kann, man ist sich aber einig. Der Kunde hat sicherheitshalber mehrmals nachgefragt, ob alles Besprochene in dem Preis enthalten ist. Schriftlich wird nichts vereinbart, da sich kein Betrieb zu einem solchen Angebot bei einem Oldtimer hinreißen lässt.
Will man als Kunde verbindlich vorher wissen, wieviel es kostet, dann verlangt man einen schriftlichen Kostenvoranschlag. Weigert sich der Auftragnehmer, irgendwas schriftlich zu geben, dann muss man den Auftrag nicht erteilen. Sie sind sich da ganz sicher, dass "Oldtimer" und "schriftlicher Kostenvoranschlag" sich gegenseitig ausschließt? Bei wievielen Werkstätten haben Sie angefragt?

Da unvorhergesehene Komlikationen, die nicht im Kostenvoranschlag enthalten sind, natürlich zusätzlich bezahlt werden müssen, geht eine Werkstatt doch kein unkalkulierbares Risiko ein, wenn Sie dem Kunden was schriftliches in die Hand gibt. Der Kunde muss trotzdem jede angefallene Arbeitsstunde bezahlen, auch wenn es am Ende doppelt und dreimal so viel kostet. Der Kunde muss lediglich bei Überschreiten des Kostenvoranschlags informiert werden, und hat dann die Wahl, ob er den Auftrag abbricht oder den Mehrpreis bezahlt. Ein Kostenvoranschlag ist kein Pauschalpreis.

Dem Kunden war also bewußt, dass die 3.500 € nur eine unverbindliche Schätzung sind.
Der Kunde einem Mitarbeiter des Betriebes an seine private Mailadresse zur Sicherheit nochmal eine Auflistung aller besprochenen ToDos.
Und wieso kommuniziert der Kunde an eine private Mailadresse eines Werkstattmitarbeiters und nicht an die Mailadresse der Werkstatt? Wurde ihm diese Kontaktadresse vom Inhaber genannt? Wenn der Inhaber keine Kenntnis von dem privaten Mail-Austausch zwischen Kunde und Mitarbeiter hat, können auf diesem Weg erfolgte Absprachen wohl kaum dem Inhaber zugerechnet werden.
Kann der Kunde einen Nachweis verlangen, was das Frontblech, welches der Betrieb kaufte, tatsächlich gekostet hat?
Solange das Teil nicht eingebaut ist, kann der Kunde es natürlich zur Bedingung machen, den Nachweis zu sehen. Das heißt aber nicht, dass der Auftragnehmer keinen Aufschlag auf den Einkaufspreis machen darf.
Kann der Kunde eine Aussage zu dem zu zahlenden Betrag verlangen, ohne dass sich der Inhaber auf 40 Stunden à 70 Euro = 2800 Euro beruft?
Wie ist das denn gemeint?
Gesetzlich ist das so vorgesehen: Der Kunde zahlt, sobald die Rechnung vorliegt (schriftlich). Ohne schriftliche Rechnung (mit Einberechnung der MWSt) muss der Kunde nicht zahlen.

Mündliche "Aussage über den zu zahlenden Betrag" hört sich irgendwie nach Schwarzarbeitabsprache an.
Kann oder muss der Betrieb die angefallenen 40 Stunden nachweisen? Oder muss der Kunde nachweisen, dass diese 40 Stunden unverhältnismäßig viel sind?
Solange es nicht vor Gericht geht, kann jeder irgendwas behaupten ohne Nachweis.
Der Kunde hat selber ausgerechnet, dass gut 20 Stunden angefallen sein könnten. Und 70€ sind ein üblicher Preis für eine Werkstattstunde. Da kann man schon irgendwie nachvollziehen, dass dem Inhaber 500€ zu wenig sind.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 19.06.19, 08:19, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von FM » 19.06.19, 08:01

Eine E-Mail an die Privatadresse eines Angestellten der Firma dürfte ziemlich belanglos sein. Da müsste der Kunde schon nachweisen, dass der Angestellte die Mail an den Chef weitergeleitet hat. Der Angestellte kann sie aber auch ignorieren oder ungelesen löschen, er muss sich in seiner Freizeit nicht um Geschäftskorrespondenz kümmern.

Sinnvoll ist es, zumindest eine Höchstgrenze für die Kosten zu vereinbaren, ggf. auch für Teilleistungen. Aber eben richtig in den Vertrag aufnehmen, nicht irgendjemand privat mitteilen.

SusanneBerlin
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.19, 09:08

Das mit dem privaten mailverkehr kommt noch ein weiteres Mal vor, hab ich grad erst gesehen:
Es hätte nicht zwnagsläufig das komplette Frontblech getausch werden müssen, worauf der Mitarbeiter des Betriebes in dem o.g. Mailverkehr hingewiesen wurde.
Ja und? Woher weiß der Kunde, dass der Mitarbeiter sein privates Postfach überhaupt abruft? Es gibt überhaupt keine Verpflichtung, private Mails regelmäßig zu lesen und/oder an jemand anders weiterzuleiten.

Wieso kommt der Kunde auf die Idee, der Werkstattinhaber oder die Werkstattmitarbeiter müssen sich an irgendetwas halten, was der Kunde an private Mailadressen der Mitarbeiter verschickt?

Des weitern ist auch die Idee an sich absurd, dass ein Fachbetrieb ein Flickwerk aus 2 (alt + neu) aneinandergeschweißten Blechen einbauen soll wenn ein vollständiges Frontblech erhältlich ist.
Das Fahrwerk, die Lenkung und die Hinterachse werden demontiert, damit die Karosserie vollständig nackt ist. (Hierfür müssen insgesamt ca. 12 Schraubane gelöst werden, was kein Hexenwerk ist.)
Also hat das Fahrwerk 4 (!) Schrauben, die Lenkung hat 4 Schrauben, und auf die Hinterachse kommen auch 4 Schrauben. :lol:
Kein Hexenwerk, bei einem Oldtimer? :lol:
Schraubverbindungen gelten als lösbare Verbindungen, die man zerstörungfrei trennen kann. Bei Auftreten von Korrision kann eine solche "lösbare Verbindung" zu einer unlösbaren mutieren.
Grüße, Susanne

smsch
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von smsch » 19.06.19, 18:25

Besten Dank für die bisherigen Einschätzungen. Ansonsten:
FelixSt hat geschrieben:
19.06.19, 07:04
Es kann wohl kaum Aufgabe dieses Forums sein, einseitig wiedergegebene Gesprächs- und Mailverläufe auf Missverständnispotentiale hin zu analysieren und dem Fragesteller zu bescheinigen, wer dort was falsch ausgedrückt oder verstanden hat und wer nach all dem Hin und Her nun für den Schlamassel verantwortlich ist.
Darauf zielten meine Fragen auch nicht wirklich ab.
FelixSt hat geschrieben:
19.06.19, 07:04
Die Frage nach der Verwendbarkeit von Messengerchats mit Unbeteiligten kann man beim besten Willen nicht ernstnehmen.
Also einfach "Nein".
FelixSt hat geschrieben:
19.06.19, 07:04
Und noch etwas an die Adresse des Fragestellers: Verlangen kann man viel, bestehen kann man auf allem möglichen.
Danke für die Weisheit. Ist leider keine Antwort auf die Frage.
SusanneBerlin hat geschrieben:
19.06.19, 07:29
Der Inhaber des Betriebes nennt einen Auftragswert von 3500 Euro. Für beide Gesprächspartner ist klar, dass es bei einem alten Fahrzeug auch zu unvorhersehbaren "Komplikationen" kommen kann, man ist sich aber einig. Der Kunde hat sicherheitshalber mehrmals nachgefragt, ob alles Besprochene in dem Preis enthalten ist. Schriftlich wird nichts vereinbart, da sich kein Betrieb zu einem solchen Angebot bei einem Oldtimer hinreißen lässt.
Will man als Kunde verbindlich vorher wissen, wieviel es kostet, dann verlangt man einen schriftlichen Kostenvoranschlag. Weigert sich der Auftragnehmer, irgendwas schriftlich zu geben, dann muss man den Auftrag nicht erteilen. Sie sind sich da ganz sicher, dass "Oldtimer" und "schriftlicher Kostenvoranschlag" sich gegenseitig ausschließt? Bei wievielen Werkstätten haben Sie angefragt?

Da unvorhergesehene Komlikationen, die nicht im Kostenvoranschlag enthalten sind, natürlich zusätzlich bezahlt werden müssen, geht eine Werkstatt doch kein unkalkulierbares Risiko ein, wenn Sie dem Kunden was schriftliches in die Hand gibt. Der Kunde muss trotzdem jede angefallene Arbeitsstunde bezahlen, auch wenn es am Ende doppelt und dreimal so viel kostet. Der Kunde muss lediglich bei Überschreiten des Kostenvoranschlags informiert werden, und hat dann die Wahl, ob er den Auftrag abbricht oder den Mehrpreis bezahlt. Ein Kostenvoranschlag ist kein Pauschalpreis.

Dem Kunden war also bewußt, dass die 3.500 € nur eine unverbindliche Schätzung sind.
Sechs Betriebe, alle anderen waren nicht in der Lage die Karosserie zu begutachten oder überhaupt eine Preistendenz zu nennen.

Dass das kein Pauschalpreis war ist klar. Aber eine Abweichung von über 50% nach ca. 10% der Karosseriearbeiten und ohne, dass irgendwas für die Lackierung getan wurde…
SusanneBerlin hat geschrieben:
19.06.19, 07:29
Der Kunde einem Mitarbeiter des Betriebes an seine private Mailadresse zur Sicherheit nochmal eine Auflistung aller besprochenen ToDos.
Und wieso kommuniziert der Kunde an eine private Mailadresse eines Werkstattmitarbeiters und nicht an die Mailadresse der Werkstatt? Wurde ihm diese Kontaktadresse vom Inhaber genannt? Wenn der Inhaber keine Kenntnis von dem privaten Mail-Austausch zwischen Kunde und Mitarbeiter hat, können auf diesem Weg erfolgte Absprachen wohl kaum dem Inhaber zugerechnet werden.
Da der Mitarbeiter sagte, dass der Inhaber sowieso wenig schreibt, kaum auf Mails antwortet und der ausführende letztendlich der Mitarbeiter ist.
SusanneBerlin hat geschrieben:
19.06.19, 07:29
Kann der Kunde eine Aussage zu dem zu zahlenden Betrag verlangen, ohne dass sich der Inhaber auf 40 Stunden à 70 Euro = 2800 Euro beruft?
Wie ist das denn gemeint?
Gesetzlich ist das so vorgesehen: Der Kunde zahlt, sobald die Rechnung vorliegt (schriftlich). Ohne schriftliche Rechnung (mit Einberechnung der MWSt) muss der Kunde nicht zahlen.

Mündliche "Aussage über den zu zahlenden Betrag" hört sich irgendwie nach Schwarzarbeitabsprache an.
Die 40 Stunden liegen ca 50% über Einschätzungen anderer Karosseriebauer, was für die bisherigen Arbeiten angefallen sein könnte (bei großzügiger Rechnung), und können zu dem veranschlagten Gesamtpreis für alle Arbeiten nicht korrekt sein. Des Weiteren werden solche Projekte meist nicht stundenweise abgerechnet.
SusanneBerlin hat geschrieben:
19.06.19, 07:29
Kann oder muss der Betrieb die angefallenen 40 Stunden nachweisen? Oder muss der Kunde nachweisen, dass diese 40 Stunden unverhältnismäßig viel sind?
Solange es nicht vor Gericht geht, kann jeder irgendwas behaupten ohne Nachweis.
Der Kunde hat selber ausgerechnet, dass gut 20 Stunden angefallen sein könnten. Und 70€ sind ein üblicher Preis für eine Werkstattstunde. Da kann man schon irgendwie nachvollziehen, dass dem Inhaber 500€ zu wenig sind.
Mag sein. Wenn der Inhaber handeln will, funktioniert dies aber nicht einseitig. Ansonsten siehe vorheriger Kommentar.
SusanneBerlin hat geschrieben:
19.06.19, 09:08
Das mit dem privaten mailverkehr kommt noch ein weiteres Mal vor, hab ich grad erst gesehen:
Es hätte nicht zwnagsläufig das komplette Frontblech getausch werden müssen, worauf der Mitarbeiter des Betriebes in dem o.g. Mailverkehr hingewiesen wurde.
Ja und? Woher weiß der Kunde, dass der Mitarbeiter sein privates Postfach überhaupt abruft? Es gibt überhaupt keine Verpflichtung, private Mails regelmäßig zu lesen und/oder an jemand anders weiterzuleiten.

Wieso kommt der Kunde auf die Idee, der Werkstattinhaber oder die Werkstattmitarbeiter müssen sich an irgendetwas halten, was der Kunde an private Mailadressen der Mitarbeiter verschickt?

Des weitern ist auch die Idee an sich absurd, dass ein Fachbetrieb ein Flickwerk aus 2 (alt + neu) aneinandergeschweißten Blechen einbauen soll wenn ein vollständiges Frontblech erhältlich ist.
Der Kunde hat das Lesen der Mail vermutet, da sie beantwortet wurde, und weil er es wohl nicht besser wusste.
Und grundsätzlich versucht man bei einer Restauration so viel originales Blech zu erhalten, wie möglich. Dass man nur so viel von einem Reparaturblech verwendet, wie es auch wirklich erforderlich ist, ist absolut üblich.
SusanneBerlin hat geschrieben:
19.06.19, 09:08
Das Fahrwerk, die Lenkung und die Hinterachse werden demontiert, damit die Karosserie vollständig nackt ist. (Hierfür müssen insgesamt ca. 12 Schraubane gelöst werden, was kein Hexenwerk ist.)
Also hat das Fahrwerk 4 (!) Schrauben, die Lenkung hat 4 Schrauben, und auf die Hinterachse kommen auch 4 Schrauben. :lol:
Kein Hexenwerk, bei einem Oldtimer? :lol:
Schraubverbindungen gelten als lösbare Verbindungen, die man zerstörungfrei trennen kann. Bei Auftreten von Korrision kann eine solche "lösbare Verbindung" zu einer unlösbaren mutieren.
Jeweils zwei Muttern an den Domlagern vorne links und rechts, jeweils zwei Schrauben an beiden Haltern der Lenkung, eine Schraube an der Lenkstange…dann ist vorne alles demontiert.
Jeweils eine Mutter an den Domen hinten links und rechts und jeweils zwei Muttern an den Hinterachsaufnahmen links und rechts…dann ist die Hinterachse demontiert.
Das sind zugegebener Maßen 15 Verschraubungen, was aber bei 15 bis 30 Minuten Aufwand keinen großen Unterschied macht.

Kleiner Tipp:
Mit Hitze- und Kälteeinwirkung, gutem Rostlöser, gutem Werkzeug und dem richtigen Ansetzen des Werkzeuges lassen nicht nahezu alle Verschraubungen lösen, wenn keine minderwertigen Schrauben/Muttern verwendet wurden und die richtigen Anzugsdrehmomente eingehalten wurden. Des Weiteren war bereits alles demontiert und wurde lediglich für den Transport wieder montiert.

SusanneBerlin
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.19, 19:29

Des Weiteren werden solche Projekte meist nicht stundenweise abgerechnet.
Sie sagen, stundenweise Abrechnung ist nicht üblich, Kostenvoranschlag gibts generell nicht und auf Pauschalpreis lässt sich erst recht niemand ein. Welche Abrechnungsart gibt es dann noch?

Sechs Betriebe, alle anderen waren nicht in der Lage die Karosserie zu begutachten oder überhaupt eine Preistendenz zu nennen.
Was heißt das "waren nicht in der Lage die Karosserie zu begutachten"? Die haben den Wagen nicht gesehen und wollten keine Ferndiagnose abgeben?

Oder die haben die Karosserie gesehen, wollten aber keine Schätzung abgeben was das kosten wird?

Wenn letzteres, dann vermute ich, dass die Karosserie in einem Zustand war, den sich wieder herzurichten nur für jemanden lohnt der sehr viel selber machen kann und den angefragten Betrieben klar war, dass der Auftrag weder den Betrieb noch den Kunden glücklich macht, weil der Arbeitsaufwand entweder nicht zum Budget des Kunden oder nicht zum Wert des Wagens (im restaurierten Zustand) passt. Das sprichwörtliche "Fass ohne Boden".
Grüße, Susanne

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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von WHKD2000 » 29.06.19, 17:29

SusanneBerlin hat geschrieben:
19.06.19, 19:29
Sie sagen, stundenweise Abrechnung ist nicht üblich, Kostenvoranschlag gibts generell nicht und auf Pauschalpreis lässt sich erst recht niemand ein. Welche Abrechnungsart gibt es dann noch?

Sechs Betriebe, alle anderen waren nicht in der Lage die Karosserie zu begutachten oder überhaupt eine Preistendenz zu nennen.
Was heißt das "waren nicht in der Lage die Karosserie zu begutachten"? Die haben den Wagen nicht gesehen und wollten keine Ferndiagnose abgeben?

Oder die haben die Karosserie gesehen, wollten aber keine Schätzung abgeben was das kosten wird?
Gesehen haben die anderen Betriebe wohl nur,daß der vom Mitbewerber gewollte Preis "zu hoch" sei.
Diese Sichtweise ist unter Mitbewerbern nicht ungewöhnlich.
Aber den Auftrag wollten sie selber nicht.

Es scheint sich also um eine unkalkulierbare Arbeit,oder das von Susanne erwähnte "Fass ohne Boden" zu handeln.

lerchenzunge
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Re: Abgebrochene Oldtimer-Restauration

Beitrag von lerchenzunge » 30.06.19, 00:59

smsch hat geschrieben:
19.06.19, 18:25

Sechs Betriebe, alle anderen waren nicht in der Lage die Karosserie zu begutachten oder überhaupt eine Preistendenz zu nennen.
...
Die 40 Stunden liegen ca 50% über Einschätzungen anderer Karosseriebauer,
Das widerspricht sich!
Entweder konnten die anderen Karosseriebauer keine Einschätzung abgeben und können daher auch den Wert der bereits erbrachten Leistung nicht schätzen.
Oder die anderen Karosseriebauer haben mehr Ahnung als der beauftragte Betrieb, was zur Frage führt, warum gerade der unfähige Betrieb beauftragt wurde...

PS: wie wollen die anderen Karosseriebauer überhaupt den Wert der bislang erbrachten Arbeit einschätzen, wenn sie nicht in der Lage waren, den Originalzustand zu begutachten UND insbesondere, wenn der Wagen noch in der Werkstatt des beauftragten Betriebes steht, sie also auch den aktuellen Zustand nicht begutachten können? Wenn ich weder Zustand vorher noch Zustand nachher kenne, wie kann ich dann eine Aussage über den Wert der zwischenzeitlich geleisteten Arbeit abgeben?

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