Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

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Glak
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Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von Glak » 08.07.19, 12:15

Hallo zusammen,

angenommen, ein Parkhausunternehmen betreibt in einer deutschen Großstadt ein sehr großes Objekt unter einem Standort mit sehr vielen Büros und einigen Wohngebäuden. An diesem Standort könnte man von einem Monopol sprechen, da es in der Nähe keine weiteren Parkmöglichkeiten gibt.

Seit einigen Tagen wären die Parktarife wie folgt geändert worden:

Je angefangene Stunde: 3,00 €
Tagesmax. (ab 7.Stunde): 45,00 €

Das bedeutet, dass man bis zu 6:00 Stunden maximal 18,00 € bezahlt, also 6 x 3,00 €. Nur eine Minute später, bei Beginn der 7. Stunde bei 6:01, betragen die Parkkosten dann aber sprunghaft 45,00 €.

Wäre der Parkhausbetreiber in seiner Preisgestaltung wirklich so frei? Ist es zulässig, einen Tarif festzulegen, bei dem sich die Kosten ab der 7. Stunde von einer Minute auf die andere in dieser Form vervielfachen, zumal dem Betreiber ja klar wäre, dass sehr viele Parkvorgänge einen Büroarbeitstag, also 8 Stunden und mehr dauern?

Danke für Eure Einschätzung und viele Grüße :D

Glak

SusanneBerlin
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von SusanneBerlin » 08.07.19, 12:27

Hallo,

ich kenne kein Gesetz, das diese Preispolitik verbietet. Man könnte bei der Stadtverwaltung eine Anfrage stellen, aber der Stadt geht es höchstwahrscheinlich lediglich um diejenigen Benutzer des Parkhauses, die Parken um Einkäufe zu tätigen, und das ist mit dem geringeren Preis bis zu 6 Stunden gegeben.

Der Parkhausbetreiber möchte mit der Preiserhöhung für diejenigen, die während ihrer Arbeitszeit das Auto im Parkhaus abstellen, vermutlich einen Anreiz schaffen um einen Dauerparkplatz monatsweise zu mieten. Was kostet ein Dauerparkplatz pro Monat?
Grüße, Susanne

Glak
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von Glak » 08.07.19, 12:29

Hallo Susanne, danke für die schnelle Antwort. Die Dauerparkplätze sind in diesem Objekt sehr reduziert und aktuell bis auf Weiteres ausgebucht. :?

Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Reichweite des Parkhauses keine, von den Besuchern ganz weniger Restaurants abgesehen parken dort tatsächlich nur Mitarbeiter und Besucher der Büros oder der wenigen Wohnungen.

SusanneBerlin
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von SusanneBerlin » 08.07.19, 12:37

Dann in der Mittagspause einmal raus- und reinfahren. :wink:

Ansonsten muss man das Problem politisch angehen, über Stadtverwaltung/Stadtrat.
Grüße, Susanne

lottchen
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von lottchen » 08.07.19, 12:41

SusanneBerlin hat geschrieben:
08.07.19, 12:37
Dann in der Mittagspause einmal raus- und reinfahren. :wink:
Ist mir auch als einzige Lösungsmöglichkeit in den Sinn gekommen :D. Da dürfte es aber in der Mittagspause (wenn die zeitgleich in allen Büros ist) ein ziemliches Gedrängel an den Ein- und Ausfahrten geben :mrgreen:
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Tastenspitz
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von Tastenspitz » 08.07.19, 13:23

Mal ein ganz gewagter Vorschlag: Man könnte auch mit dem Betreiber direkt reden und die Situation beschreiben. Vllt. ist es sich des Problems vieler Parker gar nicht bewusst.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

ExDevil67
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von ExDevil67 » 08.07.19, 13:27

SusanneBerlin hat geschrieben:
08.07.19, 12:27
Der Parkhausbetreiber möchte mit der Preiserhöhung für diejenigen, die während ihrer Arbeitszeit das Auto im Parkhaus abstellen, vermutlich einen Anreiz schaffen um einen Dauerparkplatz monatsweise zu mieten.
Entweder das. Oder will diese gezielt aus seinem Parkhaus fernhalten um die Plätze für andere Nutzer freizuhalten.
Wobei ich mir von politischer Seite nicht unbedingt Hilfe erwarten würde. Ggf ist es ja in deren Sinne wenn Autofahrer über die Parkpreise davon abgehalten werden mit dem Auto in die Stadt zu fahren.

lottchen
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von lottchen » 08.07.19, 13:29

Tastenspitz hat geschrieben:
08.07.19, 13:23
Vllt. ist es sich des Problems vieler Parker gar nicht bewusst.
Vielleicht ist sich der Betreiber dessen auch völlig bewußt und die geänderte Preispolitik berücksichtigt genau diese Situation (Stichwort Gewinnoptimierung)...
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FM
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von FM » 08.07.19, 14:16

Die Gemeinde kann einem Privatunternehmen nicht vorschreiben wie es die Preise zu gestalten hat (Ausnahme vielleicht, wenn dies bei der Baugenehmigung Auflage war).

Politische Reaktion könnte sein, dass die Gemeinde selbst in der Nähe Parkplätze schafft oder eine Bushaltestelle einrichtet.

Ggf. ist es wirtschaftlicher, die eigene Arbeitszeit um 2,x Stunden am Tag zu reduzieren. Darauf hat man u.U. einen Rechtsanspruch: https://dejure.org/gesetze/TzBfG/8.html

Tastenspitz
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von Tastenspitz » 08.07.19, 14:46

lottchen hat geschrieben:
08.07.19, 13:29
Tastenspitz hat geschrieben:
08.07.19, 13:23
Vllt. ist es sich des Problems vieler Parker gar nicht bewusst.
Vielleicht ist sich der Betreiber dessen auch völlig bewußt und die geänderte Preispolitik berücksichtigt genau diese Situation (Stichwort Gewinnoptimierung)...
Man wird kaum erwarten können, dass die Beschäftigten bei ~220 Arbeitstagen im Jahr dann knapp 10.000 € Euro für´s parken dalassen.
Das würde es dem einen oder anderen unmöglich machen, dort weiter zu arbeiten.
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von lottchen » 08.07.19, 16:20

Tastenspitz hat geschrieben:
08.07.19, 14:46
Man wird kaum erwarten können, dass die Beschäftigten bei ~220 Arbeitstagen im Jahr dann knapp 10.000 € Euro für´s parken dalassen.
Wer ist "man"? Der Parkhausbetreiber? Dem wird das herzlich egal sein. Da sollte man vielleicht eher mal an den Arbeitgeber rantreten und fragen wie er sich das vorstellt. Was machen denn die Kollegen? Kommen alle mit dem Fahrrad?
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Froggel
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von Froggel » 08.07.19, 21:26

lottchen hat geschrieben:
08.07.19, 13:29
Vielleicht ist sich der Betreiber dessen auch völlig bewußt und die geänderte Preispolitik berücksichtigt genau diese Situation (Stichwort Gewinnoptimierung)...
Vielleicht will der Parkhausbetreiber auch nur Anreize schaffen, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen - ist ja schließlich Klimaschonender. Niemand weiß Genaues, über seine Motive können wir nur spekulieren, sofern er nicht dazu gefragt wird. Wahrscheinlich ist aber, dass er diese Preisgestaltung sehr bewusst eingeführt hat.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von WHKD2000 » 08.07.19, 21:40

Froggel hat geschrieben:
08.07.19, 21:26
[]Vielleicht will der Parkhausbetreiber auch nur Anreize schaffen, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen -

:shock: :shock:
unwahrscheinlich,da hierbei sein Parkhaus deutlich leerer bliebe.

Tastenspitz
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von Tastenspitz » 09.07.19, 05:47

lottchen hat geschrieben:
08.07.19, 16:20
Wer ist "man"? Der Parkhausbetreiber? Dem wird das herzlich egal sein. Da sollte man vielleicht eher mal an den Arbeitgeber rantreten und fragen wie er sich das vorstellt.
Man ist jeder, der rechnen kann. Dazu zähle ich bis zum Beweis des Gegenteils auch den Parkhausbetreiber und dem wird es auch nicht egal sein, wenn seine mutmaßliche Haupteinnahmequelle - die Mitarbeiter der Firmen - wie auch immer dann dort nicht mehr parken. Da das Ganze in einer Großstadt spielt, gibt es ÖPNV. Man hat als AN also Alternativen bis hin zum Taxi/Sammeltaxi wenn halt gar nichts anderes geht. Für 18 €-20 €/Tag ist da einiges machbar. Und wenn sich 2-4 zusammentun noch leichter.
Zuletzt geändert von Tastenspitz am 09.07.19, 05:55, insgesamt 1-mal geändert.
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winterspaziergang
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Re: Parkhausbetreiber mit Quasimonopol frei in der Preisgestaltung?

Beitrag von winterspaziergang » 09.07.19, 05:50

Glak hat geschrieben:
08.07.19, 12:29

....einer deutschen Großstadt ein sehr großes Objekt unter einem Standort mit sehr vielen Büros und einigen Wohngebäuden. An diesem Standort könnte man von einem Monopol sprechen, da es in der Nähe keine weiteren Parkmöglichkeiten gibt.
.....

...Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Reichweite des Parkhauses keine, von den Besuchern ganz weniger Restaurants abgesehen parken dort tatsächlich nur Mitarbeiter und Besucher der Büros oder der wenigen Wohnungen.
Vielleicht etwas OT, aber wie kann man sich das vorstellen?
Eine Großstadt, ein Bürokomplex, nur wenige Wohngebäude, keine Geschäfte, nur ein paar Restaurants. Also keine Innenstadt. Kein Stadtrand, an dem sich gut parken lässt.
Wie liegt der Standort? Wie groß ist dieser Bürokomplex? hat der trotz der riesigen Fläche keine eigenen Parkflächen? was ist drum herum? gibt es die Möglichkeit einen Bus zu nutzen?
Seit einigen Tagen wären die Parktarife wie folgt geändert worden:

Je angefangene Stunde: 3,00 €
Tagesmax. (ab 7.Stunde): 45,00 €

Das bedeutet, dass man bis zu 6:00 Stunden maximal 18,00 € bezahlt, also 6 x 3,00 €. Nur eine Minute später, bei Beginn der 7. Stunde bei 6:01, betragen die Parkkosten dann aber sprunghaft 45,00 €.
Abseits des rechtlichen und dass hier kein Monopol erkennbar ist: Hat man den Betreiber mal angeschrieben? Mit dem sachlichen Hinweis und der Frage, wieso...

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