Rückgabe Elektroartikel - Geld zurück?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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CarpeDiem
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Rückgabe Elektroartikel - Geld zurück?

Beitrag von CarpeDiem »

Hallo,

Herr Mustermann hat neulich einen Drucker bei einem namenhaften Elektrogeräteanbieter erworben.
er hat über den Onlineshop ein Angebot gefunden und die Bestellung abgewickelt, zur Lieferart jedoch die Abholung in einer Filiale gewählt. Dort wurde das Gerät sodann auch bezahlt.

Nun konnte Herr Mustermann den Drucker endlich in sein neues Arbeitszimmer stellen und ausprobieren und ist leider nicht gänzlich zufrieden mit dem Gerät.
Es weist einen Mangel auf, dass ein Blatt auf dem Scanner gerne unter den rahmen rutschen kann und auch mit dem gesamteindruck ist Herr Mustermann nicht glücklich.

Aus diesem Grund würde Herr Mustermann gerne den Drucker zurück geben. Hier stellen sich nun jedoch ein paar Fragen:

1. Durch die Art des Erwerbs der Ware, ist hier ein typisches Onlinegeschäft zustande gekommen oder ein normaler Kaufvertrag, da die Ware persönlich abgeholt und bezahlt wurde? Muss eine mögliche Reklamation also über den Onlineshop oder die Filiale erfolgen?

2. Durch eine Verzögerung seines Umzuges konnte Herr Mustermann den Drucker leider erst jetzt ausprobieren. Der Kauf liegt nun jedoch bereits 30 Tage zurück. Selbst bei einem Fernabsatz-Kaufvertrag wäre die 14-Tage Frist somit schon leider überschritten. Kann der Drucker trotzdem zurück gegeben werden aufgrund des Mangels oder besteht der Anspruch auf zweimalige Nachbesserung seitens des Verkäufers?

3. Sollte der Verkäufer den Drucker zurücknehmen kann Herr Mustermann das Geld zurückverlangen oder darf der Verkäufer auch dies verweigern und anstelle eine Gutschrift ausstellen?

Natürlich hätte Herr Mustermann den Drucker bereits früher ausprobieren sollen um auf der sicheren Seite zu sein etc. aufgrund eines anstrengenden Umzuges ist er allerdings nicht dazu gekommen, also bitte ich Antworten über das "hätte" zu lassen.

Vielen, vielen Dank euch im Voraus!

Froggel
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Re: Rückgabe Elektroartikel - Geld zurück?

Beitrag von Froggel »

1. Die Reklamation muss über die Filiale stattfinden, da ein normaler Kaufvertrag zustande gekommen ist. Selbst wenn das Gerät online bestellt wurde - bei Abholung hätte der Kunde die Ware prüfen können. Damit ist das kein Onlinegeschäft mehr.

2. Wenn es sich um einen Sachmangel handelt, der bereits bei Abholung bestand, kann das Gerät auch noch innerhalb zwei Jahren reklamiert werden. Wenn man sich erst nach sechs Monaten meldet, müsste man selbst nachweisen, dass der Mangel bereits bei Abholung bestanden hat, davor ist es Sache des Händlers zu beweisen, dass ein Kunde den Mangel verursacht hat. Bei einem schlecht befestigten Rahmen dürfte ihm das schwerfallen, also sind die 30 Tage kein Problem. Der Verkäufer hat die Möglichkeit der Nachbesserung, dabei kann der Kunde die Art der Nachbesserung (Umtausch oder Reparatur) bestimmen. Nur wenn die gewählte Option unverhältnismäßig teurer wäre als die andere, darf der Verkäufer eine andere als die gewünschte Nachbesserung wählen. Zwei Versuche muss ihm der Kunde dafür einräumen.
Schwieriger wäre es, wenn ein schlecht befestigter Rahmen Stand der Technik wäre und bei einem solchen Gerät nach Art und Umfang zu erwarten wäre. Dann wäre es kein Sachmangel und eine Rücknahme wäre reine Kulanz des Verkäufers.

3. Verweigert der Händler die Nachbesserung des Sachmangels oder schlagen die zwei Nachbesserungsversuche fehl, kann der Kunde eine Rückabwicklung des Geschäfts verlangen, d.h. Gerät gegen Bargeld zurück. Das ist gesetzlich so festgelegt, sodass sich der Kunde sich nicht mit einem Gutschein zufrieden geben muss. Beharrt der Kunde jedoch von Anfang an auf eine Rückgabe, ohne dem Händler die Möglichkeit einer Nachbesserung einzuräumen, kann der Händler den Gutschein zur Bedingung machen.
Will der Kunde ein Gerät zurückgeben, ohne dass ein Sachmangel vorhanden ist, wäre die Rücknahme Kulanz des Verkäufers und er kann ebenfalls die Rücknahmebedingungen diktieren, d.h. auf einem Gutschein beharren.

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winterspaziergang
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Re: Rückgabe Elektroartikel - Geld zurück?

Beitrag von winterspaziergang »

Froggel hat geschrieben:
22.07.19, 00:09
1. Die Reklamation muss über die Filiale stattfinden, da ein normaler Kaufvertrag zustande gekommen ist. Selbst wenn das Gerät online bestellt wurde - bei Abholung hätte der Kunde die Ware prüfen können. Damit ist das kein Onlinegeschäft mehr.
Nicht zwingend. Hier sollte man in den AGB/Rückgabeoption nachschauen, dort dürfte sich das leicht finden.
Der Kunde bestellt online und nutzt nur das Angebot, die Filiale als Lieferort zu nutzen. Oftmals entfällt hierdurch ein Porto.
Dort bezahlt er die Ware und nimmt den ungeöffneten Karton mit.
Damit verbleibt das eine Online-Bestellung.

In der Regel kann er die Ware bei Rückgabe dennoch über die üblichen Versandwege für Pakete zurücksenden und muss dies nicht in der Filiale tun.

Tastenspitz
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Re: Rückgabe Elektroartikel - Geld zurück?

Beitrag von Tastenspitz »

Der 312c sagt:
Fernabsatzverträge sind Verträge, bei denen der Unternehmer oder eine in seinem Namen oder Auftrag handelnde Person und der Verbraucher für die Vertragsverhandlungen und den Vertragsschluss ausschließlich Fernkommunikationsmittel verwenden, es sei denn, dass der Vertragsschluss nicht im Rahmen eines für den Fernabsatz organisierten Vertriebs- oder Dienstleistungssystems erfolgt.
Zahlung und Abholung sind hier nicht genannt. Insofern sehe ich auch ein Widerrufsrecht.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

SusanneBerlin
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Re: Rückgabe Elektroartikel - Geld zurück?

Beitrag von SusanneBerlin »

Tastenspitz hat geschrieben:Zahlung und Abholung sind hier nicht genannt. Insofern sehe ich auch ein Widerrufsrecht.
Schon, aber wenn man die Frist verpasst nützt einem nichts, dass man ein Widerrufsrecht gehabt hätte.
CaroeDiem hat geschrieben:Der Kauf liegt nun jedoch bereits 30 Tage zurück. Selbst bei einem Fernabsatz-Kaufvertrag wäre die 14-Tage Frist somit schon leider überschritten. Kann der Drucker trotzdem zurück gegeben werden aufgrund des Mangels oder besteht der Anspruch auf zweimalige Nachbesserung seitens des Verkäufers?
Nun konnte Herr Mustermann den Drucker endlich in sein neues Arbeitszimmer stellen und ausprobieren und ist leider nicht gänzlich zufrieden mit dem Gerät.
Es weist einen Mangel auf, dass ein Blatt auf dem Scanner gerne unter den rahmen rutschen kann und auch mit dem gesamteindruck ist Herr Mustermann nicht glücklich.
Das Problem, dass das einzuscannende Blatt auf dem Scanner gerne verrutscht in dem Moment wenn man den Deckel schließt hat man bei jedem Scanner und die Druckqualität ist bei dem gekauften Exemplar vermutlich genauso wie bei anderen Exemplaren dieses Modells. Insofern sehe ich eher keinen Mangel verwirklicht.

Oder was meinen Sie mit "Gesamteindruck"? Der optische Anblick des Geräts?

Tastenspitz
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Re: Rückgabe Elektroartikel - Geld zurück?

Beitrag von Tastenspitz »

CarpeDiem hat geschrieben:
21.07.19, 21:52
also bitte ich Antworten über das "hätte" zu lassen.
:mrgreen:
CarpeDiem hat geschrieben:
21.07.19, 21:52
dass ein Blatt auf dem Scanner gerne unter den rahmen rutschen kann
Könnte (könnte) ein Mangel sein, wenn der Rahmen mit der Glasoberfläche nicht sauber abschließt. Das ist aber eine Nachbesserungssache. Einen Tausch gegen ein baugleiches oder gar ein komplett anderes Gerät sehe ich hier nicht.
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