Schadenersatz Onlinehandel

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

Moderator: FDR-Team

Tito1008
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Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Tito1008 »

Hallo,

ein für 1,- Startpreis eingestellter Artikel läuft ohne Gebote ab.
Danach wird der Artikel an eine gemeinnützige Einrichtung kostenfrei abgegeben.

Durch die automatische Wiedereinstellung beim Portal, welches unabsichtlich/unwissentlich nicht deaktiviert wurde, ersteigerte ein Interessent diesen nun nicht mehr vorhandenen Artikel für einen Euro.

Der Versuch, das Missgeschick sachlich zu klären, scheiterte.
Der Käufer beharrt auf seinen Artikel, den geschlossenen Vertrag über das Auktionshaus und droht mit Anzeige.

Der ursprüngliche Artikel war ein Gebrauchsgegenstand, Alter 5 Jahre, als Privatauktion.

Wie ist die rechtliche Situation zu verstehen, welche Konsequenz kann daraus in Bezug auf Schadenersatz oder strafrechtliche Tatbestände erwachsen?

BG

Tito1108

SusanneBerlin
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von SusanneBerlin »

Es ist nicht strafbar, einen Artikel, den man nicht mehr hat, versehentlich in ein Onlineauktionsportal einzustellen.
Der Käufer beharrt auf seinen Artikel, den geschlossenen Vertrag über das Auktionshaus und droht mit Anzeige
Einer Anzeige kann der Verkäufer gelassen entgegensehen weil er keine Straftat begangen hat, bei der Anzeige kommt NICHTS bei raus.
Der Versuch, das Missgeschick sachlich zu klären, scheiterte.
Das Zauberwort heißt Anfechtung, § 119 BGB
https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__119.html
Grüße, Susanne

Tito1008
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Tito1008 »

Anfechtung?

Bei wem?
Dem Auktionshaus oder dem Käufer?

BG

Tito1008

SusanneBerlin
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von SusanneBerlin »

Der Verkäufer soll den Kaufvertrag gegenüber dem Käufer anfechten.
Grüße, Susanne

Tito1008
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Tito1008 »

Danke.
Dann wird der Verkäufer dies dem Käufer so mitteilen.
Was dieser dann damit mit macht, ob er es versteht, muss dem Verkäufer letztlich egal sein.

BG

Tito1008

ExDevil67
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von ExDevil67 »

Tito1008 hat geschrieben:
21.10.19, 13:27
Was dieser dann damit mit macht, ob er es versteht, muss dem Verkäufer letztlich egal sein.
Naja, nicht ganz. Nur weil der Verkäufer, ggf sogar berechtigt, eine Anfechtung nach §119 BGB erklärt, ist der Käufer nicht daran gehindert weiter auf Vertragserfüllung zu pochen und zur Durchsetzung sich einen Anwalt zu nehmen und mit dessen Hilfe oder auch ohne zu klagen. Sollte es dazu kommen, ist das als Verkäufer ernst zu nehmen. Nicht das man durch Untätigkeit sich ein negatives Urteil einfängt.

Tito1008
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Tito1008 »

Danke für den Hinweis.
Der Verkäufer hat den Käufer Restauflagen hingewiesen und von Beginn an erklärt, dass der Artikel versehentlich wieder eingestellt wurde.
Käufer beharrt auf den Artikel.
Der Verkäufer muss nun warten, was kommt?

BG

Tito1008

Celestro
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Celestro »

Tito1008 hat geschrieben:
21.10.19, 13:42
Der Verkäufer muss nun warten, was kommt?
Nein, muss er nicht. Aber er sollte .... :wink:

FM
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von FM »

Ganz beendet ist die Sache mit einer ggf. wirksamen Anfechtung aber auch nicht immer, man beachte noch:
https://dejure.org/gesetze/BGB/122.html

Tito1008
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Tito1008 »

“Den Schaden zu ersetzen...”

Ersatzbeschaffung dieses Artikels?
Finanzieller Ausgleich in Höhe des Gegenstandes?

Wie darf der Verkäufer das verstehen?

Tito1008

FM
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von FM »

Das kommt auf den konkreten Fall an. Ein Schaden könnte entstehen, wenn der Käufer sich den Artikel anderweitig erst später besorgen konnte oder der Preis inzwischen gestiegen ist.

Tito1008
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Tito1008 »

Verstehe.
Zu den Fakten;
Es war ein rund 6 Jahre altes Kinderzimmer.
Bett, Schrank, Sideboard.
Dieses Produkt gibt es nicht mehr neu.

BG
Tito 1008

Pünktchen
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Pünktchen »

FM hat geschrieben:
21.10.19, 14:26
Das kommt auf den konkreten Fall an. Ein Schaden könnte entstehen, wenn der Käufer sich den Artikel anderweitig erst später besorgen konnte oder der Preis inzwischen gestiegen ist.
Was sollte eine Anfechtung dann bringen?

Das ist bei einer WIRKSAMEN Anfechtung kein ersatzfähiger Schaden. Durch die Anfechtung wird der Vertrag ja eben ex nunc (von Anfang an) nichtig. Das heißt, beide werden so gestellt, als hätte es den Vertrag nicht gegeben. Der sich im Irrtum Befindende muss nur einen tatsächlichen Schaden ersetzten. Als Bsp. wären Portokosten zu nennen, wenn die Ware bereits versandt worden wäre.

der Irrende müsste nur einen Deckungskauf finanzieren, wenn er nicht wirksam angefechtet hat und die Ware nicht liefern müsste.

Celestro
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von Celestro »

Pünktchen hat geschrieben:
21.10.19, 16:17
Was sollte eine Anfechtung dann bringen?
Erm ... schreiben Sie doch selbst:
Pünktchen hat geschrieben:
21.10.19, 16:17
Das ist bei einer WIRKSAMEN Anfechtung kein ersatzfähiger Schaden. Durch die Anfechtung wird der Vertrag ja eben ex nunc (von Anfang an) nichtig. Das heißt, beide werden so gestellt, als hätte es den Vertrag nicht gegeben.
und genau DAS soll die Anfechtung bringen.

FM
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Re: Schadenersatz Onlinehandel

Beitrag von FM »

Pünktchen hat geschrieben:
21.10.19, 16:17
Was sollte eine Anfechtung dann bringen?

Das ist bei einer WIRKSAMEN Anfechtung kein ersatzfähiger Schaden. Durch die Anfechtung wird der Vertrag ja eben ex nunc (von Anfang an) nichtig. Das heißt, beide werden so gestellt, als hätte es den Vertrag nicht gegeben.
Der Schadensersatz aus § 122 kommt überhaupt nur in Betracht, wenn der Vertrag wegen wirksamer Anfechtung nichtig ist.

Der Anfechtende muss dann eben nicht mehr erfüllen, also beim Kaufvertrag liefern, sondern nur noch Schadensersatz leisten.

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