Haftung aus Reparatur

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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drei
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Haftung aus Reparatur

Beitrag von drei » 28.10.19, 14:47

Person A hat ein Smartphone mit defektem Display durch Sturz bei einer Werkstatt zur Reparatur gegeben.
Eine weitere Prüfung, ob durch den Sturz weitere Schäden aufgetreten sind, wurde nicht durchgeführt.
Im Nachhinein ist ein weiteres Problem mit dem Mikrofon aufgetreten. Für diese Reparatur hat A nochmal gezahlt.
Seit dem treten (als Folge der „Reparaturen“) nach und nach immer mehr Fehler auf:
- Lautsprecher geht nicht mehr (gleiches Modul wie Mikrofon)
- Dann soll der Fehler plötzlich an einem überhitzen anderen Chip liegen, dessen Austausch einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich kommt
- WLAN geht auch nicht mehr am Telefon (A hat gelesen, dass dies durch kalte Lötstellen kommen kann; niemand anders hatte das Telefon je geöffnet außer diese Werkstatt)
- das Gerät stürzt seit letzter Reparatur öfter ab und startet neu
- es wurden Daten gelöscht, obwohl dort damit geworben wird, dass dies nicht gemacht wird

Da A nun schon zum 10-20 Mal zu der Werkstatt fahren muss (jedes mal 30 min), wäre interessant, welche Möglichkeiten A hat?
Wie ist die Rechtslage?
Sollte A weiterhin zur gleichen Werkstatt gehen, die es jedes Mal schlimmer macht? Nur eine andere Werkstatt würde dann der Nachweisbarkeit entgegenwirken...?

Wieviele Reparatur-Versuche muss A denn akzeptieren?
Und wenn diese ausgeschöpft sind, was kann A dann verlangen? Geld zurück? Neues Telefon?

ktown
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von ktown » 28.10.19, 15:02

Alle Mängel die mit der Reparatur zutun haben sind vom Vertragspartner zu beheben. Wichtig dabei ist jedoch, welchen Auftragsumfang die Werkstatt hatte.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

drei
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von drei » 28.10.19, 15:06

ktown hat geschrieben:
28.10.19, 15:02
Alle Mängel die mit der Reparatur zutun haben sind vom Vertragspartner zu beheben. Wichtig dabei ist jedoch, welchen Auftragsumfang die Werkstatt hatte.
Beim Display war sicherlich noch nicht von den weiteren Schäden auszugehen.
Bei der Reparatur des Mikrofons würde ich jetzt aber mal von immer weiter gehenden Folgeschäden ausgehen.
Wie lange / Wie oft darf denn aber der Vertragspartner versuchen die Folgeschäden zu beheben?
Kosten entstehen A bisher nicht, die Zeit ist jedoch sehr ärgerlich.
Wenn immer neue Fehler auftreten, darf die Werkstatt sich dann immer wieder neu daran „versuchen“?

ktown
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von ktown » 28.10.19, 15:44

Nach welcher Auftragslage sollte die Werkstatt nach weiteren Schäden suchen?
drei hat geschrieben:
28.10.19, 15:06
Wie lange / Wie oft darf denn aber der Vertragspartner versuchen die Folgeschäden zu beheben?
Grundsätzlich sagt das BGB, dass dem Vertragspartner 3 Nachbesserungen zustehen. Nur was haben sie davon. Er kann ihnen max den Zustand vor der ersten Reparatur wieder herstellen und das ist wohl eher nicht das was der Kunde will. :lachen:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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drei
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von drei » 28.10.19, 15:49

ktown hat geschrieben:
28.10.19, 15:44
Grundsätzlich sagt das BGB, dass dem Vertragspartner 3 Nachbesserungen zustehen. Nur was haben sie davon. Er kann ihnen max den Zustand vor der ersten Reparatur wieder herstellen und das ist wohl eher nicht das was der Kunde will. :lachen:
Und dann?
Also 3 Nachbesserungen hatte A. Was muss A dann jetzt der Werkstatt mitteilen, und was verlangen?

Pünktchen
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von Pünktchen » 29.10.19, 16:42

ktown hat geschrieben:
28.10.19, 15:44
Grundsätzlich sagt das BGB, dass dem Vertragspartner 3 Nachbesserungen zustehen. Nur was haben sie davon.
An welcher Stelle ist sagt das BGB, dass dem Vertragspartner 3 Nachbesserung zustehen?

Froggel
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von Froggel » 29.10.19, 22:11

Zum Einen sind es nur zwei Nachbesserungsversuche, aber auch da kommt es darauf an, wie der Auftrag gelautet hat. Wurde gesagt: Es ist runtergefallen, bitte alles prüfen und dann reparieren, was kaputt ist, dann ist es klar, da eine vollumfängliche Reparatur verlangt wird. Kommt der Kunde jedoch zur Werkstatt und sagt: Display kaputt, bitte reparieren, hat die Werkstatt genau das gemacht, was der Kunde verlangt hat. Dann gäbe es eine Nachbesserungsmöglichkeit nur für eine misslungene Displayreparatur. Alles andere ist wieder ein neuer Auftrag und hat somit nichts mit einer Nachbesserung zu tun. Wovon der Kunde selbst ausgeht, ist insgesamt unerheblich, wenn er nicht konkret sagt, dass eventuell noch weitere Schäden vorhanden sind und die Werkstatt danach suchen soll. Die Frage ist also immer noch: Was hat der Kunde beauftragt?
Ich bin kein Jurist.
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von Pünktchen » 30.10.19, 03:15

Froggel hat geschrieben:
29.10.19, 22:11
Zum Einen sind es nur zwei Nachbesserungsversuche
Der § 440 BGB ist schon mal falsch. Dieser gilt für einen Kaufvertrag. Dort steht im Übrigen auch, dass das nur für den Regelfall gilt.

ktown
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von ktown » 30.10.19, 07:24

Pünktchen hat geschrieben:
29.10.19, 16:42
ktown hat geschrieben:
28.10.19, 15:44
Grundsätzlich sagt das BGB, dass dem Vertragspartner 3 Nachbesserungen zustehen. Nur was haben sie davon.
An welcher Stelle ist sagt das BGB, dass dem Vertragspartner 3 Nachbesserung zustehen?
ups wie kam die 3 da rein :oops: Da sollte eigentlich ein 2 stehen.
Egal ob Kauf- Werk- oder Dienstvertrag. Die Rechtsprechung zieht vielfach den 440 hierfür heran und gerade im Werkvertragsrecht werden noch mehr Nachbesserungen zugelassen.
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von drei » 02.11.19, 14:16

ktown hat geschrieben:
30.10.19, 07:24
Egal ob Kauf- Werk- oder Dienstvertrag. Die Rechtsprechung zieht vielfach den 440 hierfür heran und gerade im Werkvertragsrecht werden noch mehr Nachbesserungen zugelassen.
Und gibt es da genauere Obergrenze, die man aus Urteilen oder §§ ableiten könnte?

Weiterhin die Frage, was sollte A nun von der Werkstatt verlangen, wenn die Nachbesserungsversuche ausgeschöpft sind und
a) vereinbart wurde, alles zu prüfen?
b) nicht konkret vereinbart wurde, nach dem Sturz auf sämtliche möglichen weiteren Probleme zu prüfen?

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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von Froggel » 02.11.19, 16:36

Wenn nicht konkret vereinbart wurde, nach dem Sturz auf sämtliche mögliche weitere Probleme zu prüfen, sind die Nachbesserungsversuche auch noch nicht ausgeschöpft, da jeder Schaden für sich eine eigene Reparatur darstellt. Nur wenn dieser reparierte Schaden ohne Erfolg war, sodass das gleiche Problem erneut auftaucht, kann man die Folgereparatur als Nachbesserung bezeichnen.
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von ktown » 02.11.19, 16:38

Grundsätzlich kann der Kunde von Glück reden, dass dem Vertragspartner es wert ist, dies als Service zu machen.
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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von drei » 06.11.19, 16:52

Froggel hat geschrieben:
02.11.19, 16:36
Wenn nicht konkret vereinbart wurde, nach dem Sturz auf sämtliche mögliche weitere Probleme zu prüfen, sind die Nachbesserungsversuche auch noch nicht ausgeschöpft, da jeder Schaden für sich eine eigene Reparatur darstellt. Nur wenn dieser reparierte Schaden ohne Erfolg war, sodass das gleiche Problem erneut auftaucht, kann man die Folgereparatur als Nachbesserung bezeichnen.
Und wenn aber aus der einen "Reparatur" (es funktioniert danach immer noch nicht), ein weiterer Neuer Schaden entsteht, der vorher nicht da war.
Wie verhält es sich damit?
Bei "jeder" (zweiten) Reparatur ist bisher ein neuer Schaden entstanden... Wie lange muss A das denn über sich ergehen lassen? Ist das dann jedes Mal eine neue (erste) Nachbesserung?

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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von ktown » 06.11.19, 17:38

Woher weiß man, dass die Reparatur ursächlich für den neuen Mangel ist?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Haftung aus Reparatur

Beitrag von drei » 06.11.19, 17:47

ktown hat geschrieben:
06.11.19, 17:38
Woher weiß man, dass die Reparatur ursächlich für den neuen Mangel ist?
Da das Mikrofon und Lautsprecher im gleichen Modul/Bauteil sitzen.
Der Zusammenhang zu WLAN/Bluetooth-Defekt ergibt sich nur aus dem zeitlichen Zusammenhang. Defekt seit dem Tag der Reparatur (danach)!
Reicht nicht aus?

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