Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Ghastwriter
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Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

Hallo :)

Mir ist im anderen Thread ein Punkt aufgefallen, über den ich gern sprechen würde. Allerdings mache ich mir Sorgen, ob das dort unerwünscht ist, weil es vielleicht nicht exakt passt. Da hier so wenig los ist, wundert es mich eigentlich, wenn man da so streng ist. Immerhin ist mir der Punkt ja nunmal dort aufgefallen. Aber ich mache gern sicherheitshalber ein neues Thema dafür auf:

Habe ich es richtig verstanden, wenn mir der Verkäufer eine mangelhafte Sache liefert, dass ich dann meine Verbraucherrechte verliere, nur weil ich zuerst erfolglos versuche, sie selbst zu reparieren? Hab ich dann keinen Nacherfüllungsanspruch mehr?

Danke und nehmt mir den anderen Thread, wenn ich den durcheinandergebracht haben sollte, bitte nicht mehr übel.

ktown
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von ktown »

Der BGH sieht – unter Berufung auf die Gesetzesmaterialien – in § 437 BGB eine abschließende Aufzählung der Rechtsbehelfe des Käufers. Die tragenden Argumente dafür sind, daß andernfalls dem Käufer im Ergebnis ein Selbstvornahmerecht auf Kosten des Verkäufers zugebilligt und der § 437 BGB zugrundeliegende Vorrang des Nacherfüllungsanspruchs unterlaufen würde.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
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Ghastwriter
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

Danke :) Also wenn ich Nacherfüllung möchte, will ich ja keinen anderen Rechtsbehelf als den, der in 437 steht. Die Nacherfüllung, die Gelegenheit soll der Verkäufer gern bekommen.

ktown
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von ktown »

Jep.
Verstehen sie jetzt meine Aussage aus dem anderen Thread?

Wobei man erlicherweise zugeben muss, dass hier die Literatur noch nicht so 100% einig ist. :wink:
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FM
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von FM »

Es ging beim anderen Thema darum, ob man durch den Reparaturversuch noch mehr kaputt gemacht hat. Also: eigentlich war am PKW-Scheinwerfer nur die Glühbirne zu wechseln, aber der Laie zerdepperte beim Versuch das Scheinwerferglas.

Ghastwriter
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

Nein, vielleicht haben wir wieder aneinander vorbeigeredet. Nach dem, was wir bis jetzt gesagt haben, habe ich immer noch Anspruch auf Nacherfüllung, weil die ja in der abschließenden Aufzählung enthalten ist, selbst wenn ich erfolglos versuche zu reparieren. Das kann der Verkäufer ja immer noch machne.
ktown hat geschrieben:
05.01.20, 15:24
Wobei man erlicherweise zugeben muss, dass hier die Literatur noch nicht so 100% einig ist. :wink:
Vielen Dank für die Ehrlichkeit :) Allerdings nehme ich jetzt an, dass hier tatsächlich ein Missverständnis vorliegt: Du sprichst von den Kosten der Selbstvornahme. Das ist ja etwas anderes als der Anspruch auf Nacherfüllung.
Zuletzt geändert von Ghastwriter am 05.01.20, 15:38, insgesamt 2-mal geändert.

Ghastwriter
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

@FM: Stimmt, wenn ich was dabei kaputt mache, kann man das wahrscheinlich so nicht mehr reparieren, weil das nicht mehr möglich ist. Aber die Lieferung eines neuen Scheinwerfers wäre immer noch möglich. Das meinte ich im anderen Thread mit "Umtausch". Und falls auch die Reparatur nicht unmöglich sein sollte, hab ich auch immer noch Anspruch auf Reparatur.

FM
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von FM »

Ghastwriter hat geschrieben:
05.01.20, 15:30
@FM: Stimmt, wenn ich was dabei kaputt mache, kann man das wahrscheinlich so nicht mehr reparieren, weil das nicht mehr möglich ist. Aber die Lieferung eines neuen Scheinwerfers wäre immer noch möglich. Das meinte ich im anderen Thread mit "Umtausch". Und falls auch die Reparatur nicht unmöglich sein sollte, hab ich auch immer noch Anspruch auf Reparatur.
Der Anspruch beschränkt sich dann aber weiterhin auf eine neue Glühbirne und deren Einbau, das kaputte Scheinwerferglas fällt nicht unter die Gewährleistung.

Im anderen thread war es übrigens so formuliert, dass durch den Reparaturversuch (weiterer) Schaden entstand:
Und selbst wenn es beim Reparaturversuch kaputtgeht, kann man immer noch umtauschen.
... dann eben unter Ersatz des Wertverlustes bzw. der weiteren Reparaturkosten, die man selbst verschuldet hat.

Ghastwriter
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

Diese Formulierung war nur ein zusätzlicher Fall - "selbst wenn, dann". In meiner vorherigen, allgemeinen Aussage war nichts kaputtgegangen.

Dass Anspruch auf Wertersatz in Frage kommen kann, ist völlig richtig. Das hätte ich nie in Frage gestellt. Seinen Anspruch auf Nacherfüllung behält man also doch.

ktown
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von ktown »

Wenn man die Glühbirne austauscht..... eigentlich ein schlechtes Beispiel, weil der Austausch einer Glühbirne sicherlich nicht unter die gewährleistungsrechtliche Thematik fällt.
Wenn sie aber einen defekten Scheinwerfer selbst austauschen und er funktioniert immer noch nicht, dann können sie nicht über den 437 den Verkäufer zum handeln zwingen. Sie haben ihm ja schon seine Rechte eingeschränkt. Wenn aber zeitgleich der Schalter des Scheinwerfers den Geist aufgibt, dann können sie diesen über die Gewährleistung noch in Anspruch nehmen (aber nur für den Schalter).
Ghastwriter hat geschrieben:
05.01.20, 15:27
Du sprichst von den Kosten der Selbstvornahme.
Nein ich spreche von, dass das Selbstvornahmerecht die Rechte des Verkäufers aus 437 einschränkt und der BGH dies nicht gut heißt.
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

Ja, ich denke auch, die Glühbirne wäre nicht das beste Beispiel. Aber was er damit sagen wollte, ist ja klar geworden.

Wenn ich einen defekten Scheinwerfer selbst austausche und er funktioniert immer noch nicht, warum soll dann der Verkäufer nicht weiterhin zum Austausch gezwungen sein, wenn das noch immer möglich ist? Der BGH will ja nur nicht, dass man selbst (erfolgreich) vornimmt und dann Kosten dafür geltend macht, sei es durch ersparte Aufwendungen oder in Form von Schadensersatz, weil wenn ich erfolgreich selbst vornehme, dann habe ich die Nacherfüllung vereitelt. Das ist richtig. Aber wenn ich ohne Erfolg bleibe, dann habe ich die Nacherfüllung nicht zwingend vereitelt. Dann kann der Verkäufer also immer noch nacherfüllen.

FM
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von FM »

Wenn die Glübirne von Anfang an kaputt ist, passt es schon - ein neues Auto muss natürlich auch funktionierende Glühbirnen haben. Aber man kann auch ein anderes Teil nehmen, wofür man z.B. das Armaturenbrett abmontieren will und dabei zerbricht.

Ghastwriter
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

Auch wieder richtig.

ktown
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von ktown »

Ghastwriter hat geschrieben:
05.01.20, 16:53
Wenn ich einen defekten Scheinwerfer selbst austausche und er funktioniert immer noch nicht, warum soll dann der Verkäufer nicht weiterhin zum Austausch gezwungen sein, wenn das noch immer möglich ist?
Wer ist dann für den Beweis zuständig, dass der Zustand bei Übergabe an den Verkäufer dann auch dem Zustand vor der Selbstvornahme entspricht und wie will derjenige das dann beweisen?
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Ghastwriter
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Re: Erfolglos versuchen, selbst zu reparieren

Beitrag von Ghastwriter »

Das ist ja eine eigenständige Frage. Ich nehme an, du meinst, wie will ich beweisen, dass die Sache von Anfang an mangelhaft war?

Falls ich es beweisen müsste und mir das nicht gelingt, hab ich natürlich Pech.

In den Fällen, in denen das nicht unmöglich ist, und wenn mir vielleicht die Beweislastumkehr zugute kommt, hab ich dann aber kein Pech^^

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