Streit um beschädigte Ware

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

Moderator: FDR-Team

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lowmax
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Streit um beschädigte Ware

Beitrag von lowmax »

Mal angenommen jemand bestellt sich eine Ware (z.B. Fahrrad) bei einem Internethändler. Wegen nicht gefallen, schickt er es innerhalb 14 Tage wieder zurück und verlangt entsprechend auch sein Geld zurück. Der Händler möchte aber nicht das volle Geld zurück zahlen, da er der Ansicht ist, die Ware ist nun in einem schlechteren Zustand als ausgeliefert. Der Käufer beteuert allerdings, dass er die Ware nicht beschädigt hat, und sofern Schäden dran sind, dann sind sie nicht von ihm. Da sich die beiden Parteien nicht einigen können, behält der Händler ganz einfach das gesamte Geld. Da das der Käufer natürlich nicht akzeptieren würde, nimmt er sich einen Anwalt und klagt vor Gericht. Er möchte den vollen Kaufpreis zurück erhalten (+ Verzugszinsen). Jetzt mal angenommen das Gericht teilt die Ansicht des Verkäufers, nämlich dass der Käufer beim Auspacken und testen Beschädigungen verursacht hat. Was würde das für den Käufer bedeuten? Kriegt er kein Geld zurück, aber dafür gehört ihm die Ware? Wie ist das, wenn der Verkäufer gar nicht mehr die damals ausgelieferte Ware hat, er hat es inzwischen verkauft?

Ghastwriter
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von Ghastwriter »

Man würde dem Käufer dann wohl nur zum Teil Recht geben. Man stellt also fest, dass er also einen Teil des Geldes zurückverlangen kann. Die Ware bekommt er nicht, er hat doch schließlich widerrufen?
Hobbyjurist

ExDevil67
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von ExDevil67 »

Und, da das ganze vor Gericht geklärt wird, die Kosten der Verfahrens für Anwälte und Gericht werden entsprechend verteilt. Als Kläger dem z.B. nur 90% der eingeklagten Summe zugesprochen werden, zahlt man dann 10% der Anwalts- und Gerichtskosten selber.

FM
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von FM »

lowmax hat geschrieben:
22.01.20, 19:45
Jetzt mal angenommen das Gericht teilt die Ansicht des Verkäufers, nämlich dass der Käufer beim Auspacken und testen Beschädigungen verursacht hat. Was würde das für den Käufer bedeuten? Kriegt er kein Geld zurück, aber dafür gehört ihm die Ware?
Das sollte doch dann im Urteil des Gerichts festgelegt sein. Und wenn man den Text nicht ganz versteht, wird der Anwalt, den man ja hatte, es erläutern. Ebenso wird man im Urteil, meist ganz am Ende, einen Hinweis darauf finden ob ein Rechtsmittel dagegen möglich ist.

Celestro
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von Celestro »

lowmax hat geschrieben:
22.01.20, 19:45
Wie ist das, wenn der Verkäufer gar nicht mehr die damals ausgelieferte Ware hat, er hat es inzwischen verkauft?
Dann hätte der Verkäufer mMn eine ziemlich schlechte Position. Denn er kann ja das Fahrrad nicht mehr "vorzeigen" und damit den Beweis antreten, dass die Ware beschädigt wurde.

lowmax
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von lowmax »

Dann hätte der Verkäufer mMn eine ziemlich schlechte Position. Denn er kann ja das Fahrrad nicht mehr "vorzeigen" und damit den Beweis antreten, dass die Ware beschädigt wurde.
Das mit der schlechten Position sehe ich genauso. Insbesondere wenn dann auch noch rauskommt, dass die Ware zum regulären Preis (ohne Abschläge) an einen Dritten veräußert wurde. Dann zieht doch gar nicht mehr das Argument: Ware hat an Wert verloren, und war somit nicht mehr oder zumindest nur reduziert zu verkaufen.

lowmax
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von lowmax »

Man würde dem Käufer dann wohl nur zum Teil Recht geben. Man stellt also fest, dass er also einen Teil des Geldes zurückverlangen kann. Die Ware bekommt er nicht, er hat doch schließlich widerrufen?
Mal angenommen, die Ware wäre ein Radio (150EUR). Das Radio ist kaputt und das Gericht sieht es auch so, dass der Käufer das Radio kaputt gemacht hat. Dann behält der Verkäufer seine 150EUR, aber der Käufer hat doch dann trotzdem Anrecht auf das (kaputte) Radio?!

lowmax
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von lowmax »

Man würde dem Käufer dann wohl nur zum Teil Recht geben. Man stellt also fest, dass er also einen Teil des Geldes zurückverlangen kann. Die Ware bekommt er nicht, er hat doch schließlich widerrufen?
Angenommen es geht um ein Fahrrad, das der Käufer ausgepackt hat (--> Verpackung kaputt) und ein paar Kilometer testweise gefahren ist (--> Reifen leichte Gebrauchsspuren).
Wäre es nicht auch sehr gut möglich, dass der Käufer 100% Recht bekommt?

https://shopbetreiber-blog.de/2010/11/1 ... -volltext/

Ghastwriter
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von Ghastwriter »

Wenn du sagst, das Gericht glaubt dem Verkäufer, und du nur wissen willst, was das Gericht dann tut, wenn es dem Verkäufer glaubt, dann diskutiere ich doch nicht noch herum, ob der Käufer nicht doch Recht bekommen könnte :o ^^

Wenn der Käufer widerruft, erhält der Verkäuer das wertgeminderte Radio und möglicherweise Ersatz für die Wertminderung. Damit hat er grundsätzlich nicht mehr als vorher. Was ist daran unfair?

Klar gibt es auch Verschlechterungen, für die ein Käufer nicht einstehen muss. Aber wenn du eine umfassende Abhandlung dazu lesen willst, dann mach das doch einfach. Hier wird einfach nur deine Frage beantwortet^^ Da steht nichts, was einen solchen Ausnahmefall darlegt.

Nur nebenbei noch zwei Cent zur Anmerkung von anderer Stelle:

Selbst wenn die Sache zwischenzeitlich erfolgreich zum ursprünglichen Preis erneut verkauft wurde, heißt das, meine ich, nicht, dass es keine Wertminderung gegeben hätte. Es kann sicher ein Indiz sein, aber zwingend ist es wohl kaum. Es handelt sich schließlich nicht um den Ersatz eines Schadens, der weggefallen wäre, sondern um Ersatz für die Wertminderung. Wenn der Verkäufer das dann trotzdem teurer weiterverkaufen kann, ist das sein wirtschaftlicher Erfolg, den nicht der Widerrufende für sich in Anspruch nehmen kann.
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lowmax
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von lowmax »

Selbst wenn die Sache zwischenzeitlich erfolgreich zum ursprünglichen Preis erneut verkauft wurde, heißt das, meine ich, nicht, dass es keine Wertminderung gegeben hätte. Es kann sicher ein Indiz sein, aber zwingend ist es wohl kaum. Es handelt sich schließlich nicht um den Ersatz eines Schadens, der weggefallen wäre, sondern um Ersatz für die Wertminderung. Wenn der Verkäufer das dann trotzdem teurer weiterverkaufen kann, ist das sein wirtschaftlicher Erfolg, den nicht der Widerrufende für sich in Anspruch nehmen kann.
Ich denke, das wäre dann ein Indiz dafür, dass der Verkäufer öfter (leicht) beschädigte Ware als Neuware verkauft, und somit auch der Käufer evtl. solche Ware erhalten hat, und dann wahrscheinlich auch gar nicht die gerügten Mängel verursacht hat.

Ghastwriter
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Re: Streit um beschädigte Ware

Beitrag von Ghastwriter »

Und auch das wäre dann wieder ein neuer Sachverhalt. Was genau möchtest du denn nun eigentlich wissen? Oder willst du dich nur ein bisschen von einem Fall zum nächsten hangeln?^^

Das ist irgendwie nicht befriedigend. Man antwortet auf eine bestimmte Beschreibung hin und zurück kommt von dir keine echte Reaktion, sondern nur "und was, wenn dann soundso?". Dann sag doch wenigstens, was du dann in dieser neuen Konstellation wissen möchtest :3 :)

Alte Beschreibung: Gericht glaubt dem Verkäufer.
-- Antwort: Käufer bekommt allenfalls zum Teil Recht.
Neue Beschreibung: Käufer hat Recht.
-- Antwort: Käufer bekommt Recht, wenn und soweit Gericht ihm glaubt.
Hobbyjurist

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