Muss Optiker kostenlos nachbessern

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culluc
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Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von culluc »

Hallo,

ich habe mir eine neue Brille gekauft. Mein neuer (junger) Optiker hat pro Auge 0,5 Dioptrien weniger gemessen, im Vergleich zum vorherigen Optiker vor 1,5 Jahren. Die damaligen Werte vom Optiker und Augenarzt stimmten überein.

Die aktuelle Brille hat

R 1,75 -0,5 160
L 1,50 -1,0   20

Der neue Optiker hat gemessen:

R 1,25 -0,5 80
L 1,00 -1,0 30

Mit den ermittelten Werten, habe ich die Buchstaben zum Ablesen in ca. 4,5 m Entfernung sehr gut lesen können. Sogar fast komplett die kleinsten Buchstaben und Zahlen in der untersten Reihe auf der zweiten Tafel. Zum Vergleich: mit den Werten der aktuellen Brille, habe ich auf die Entfernung schlechter gesehen. Auch beim Blick auf den Flur und aus dem Fenster, fühlte ich mich den neuen Werten auf die Ferne besser eingestellt.

Ich bekam etwas zum Lesen. Ich sollte das Buch in die für mich angenehmste Position halten. Das war dann so vielleicht 35 - 40 cm entfernt. Ich konnte zwar die kleinsten Buchstaben lesen, es war aber schon anstrengend und ich fühlte besonders mein schielendes Auge, wie es arbeitet und von fast mittig nach weiter innen wandert, was schon unangenehm war. Mit der alten Brille, konnte ich allerdings auf diese nahe Entfernung besser lesen.

Lt. Optiker wären seine Werte der beste Kompromiss. Also neue Brille mit diesen Werten bestellt.

Bis vorgestern neun Tage am Stück ununterbrochen getragen. Lt. Optiker benötigt die Umstellung max. eine Woche. Täglich Kopfschmerzen gehabt.

Von einer Umstellung oder Eingewöhnung meiner Augen an die neuen Brille, kann ich leider nicht sprechen. Besonders das Anspannen auf kurze Distanz fällt mir dauerhaft sehr schwer und dann noch der Wechsel z. B. vom TV auf Smartphone oder Buch oder vom PC auf Smartphone. Beim Auto fahren fiel es mir dann doch leider auch auf. Ich kann zwar mit den neuen Werten die Verkehrsschilder ein paar m früher deutlich(er) lesen, aber das hat mich mit den vorherigen Werten nie gestört. Und beim Autofahren gucke ich nicht nur durch die Winschutzscheibe, sondern gucke auch mal auf den Tacho oder das Navi und da fällt mir die Umstellung mit den neuen Werten auch merklich schwieriger, als mit den alten.

Gestern habe ich quadi alle alltägliche Situationen durchgespielt und immer erst einmal die neue und dann die alte Brille bei derselben Situation, also beim selben Wechsel von nah zu fern, von fern zu nah .... aufgezogen. In allen Situationen "gewinnt" die alte Brille.

Heute kurzfristig einen Termin beim Augenarzt bekommen. Der hat i. R. d. Brillenglasbestimmung, für die er sich viel Zeit genommen hat, die alten Werte bestätigt.

Muss der Optiker jetzt eigentlich die neuen Gläser in der neuen Brille zu eigenen Kosten umtauschen oder muss ich neue Gläser mit den alten Werten auch bezahlen? Ich fühle mich mit der neuen Brille abschließend leider nicht korrekt eingestellt.

Was meint ihr?

Danke Euch.

Viele Grüße

 

 

Ghastwriter
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von Ghastwriter »

Ich bin kein Hobbyoptiker, daher kann ich nur sagen, wenn die Brille mangelhaft ist, besteht freilich Anspruch darauf, dass der behoben wird. Ob die nun aber wirklich mangelhaft ist, ob also die abweichenden Zahlen ebenfalls im Rahmen des State of the Art sind, kann dir eher vielleicht ein Optiker beantworten. Vielleicht sagt der auch einfach, der neue Optiker hat sich ganz einfach vermessen und redet sich nun raus. Oder man stellt sich auf den Standpunkt, dass die Brille einfach ungeeignet ist, aber auch darüber wird man vielleicht streiten können.
Hobbyjurist

FM
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von FM »

Haben Optiker oder Augenarzt das Thema Gleitsichtbrille angesprochen? Wegen:
Ich kann zwar mit den neuen Werten die Verkehrsschilder ein paar m früher deutlich(er) lesen, aber das hat mich mit den vorherigen Werten nie gestört. Und beim Autofahren gucke ich nicht nur durch die Winschutzscheibe, sondern gucke auch mal auf den Tacho oder das Navi und da fällt mir die Umstellung mit den neuen Werten auch merklich schwieriger, als mit den alten.

Celestro
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von Celestro »

eine "mangelhafte Brille" kann ich in der Fallbeschreibung nicht erkennen. Der Kunde hat sich von anderen Werten "überzeugen" lassen. Selbst Schuld würde ich sagen, zumal laut Beschreibung der Kunde schon hätte merken müssen, dass das nicht so passend ist.

Evariste
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von Evariste »

culluc hat geschrieben:
23.01.20, 12:44
ich habe mir eine neue Brille gekauft.
Eigentlich handelt es sich hier gar nicht um einen Kaufvertrag, sondern um einen Werkvertrag. Der Kunde bezahlt dafür, dass der Optiker ihm eine Brille anfertigt, die seinen Sehfehler bestmöglich ausgleicht. Anders als beim Dienstvertrag wird nicht nur eine bestimmte Leistung geschuldet, sondern auch der Erfolg dieser Leistung. Wenn der Optiker die Refraktion (Brillenglasbestimmung) selbst durchführt, dann gehört auch das zur vertraglichen Leistung und der Optiker haftet für etwaige Fehler.

Die Haftung des Optikers ist allerdings dadurch eingeschränkt, dass der Kunde selbst an der Refraktion mitwirkt. Wenn der Kunde also bei der Refraktion schlecht mitwirkt und es dadurch zu falschen Werten kommt, ist das nicht das Problem des Optikers. Hier im Sachverhalt hat der Kunde aber wohl seine konkreten Wahrnehmungen richtig geäußert, nur der Optiker hat falsch beraten (wenn nicht ein paar Informationen fehlen).

In der Praxis landen solche Fälle aber fast nie vor Gericht, da die meisten Optiker Wert auf zufriedene Kunden legen. Also einfach hingehen und fragen.

culluc
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von culluc »

FM hat geschrieben:
23.01.20, 13:58
Haben Optiker oder Augenarzt das Thema Gleitsichtbrille angesprochen?
Mal eine vor 1,5 Jahren testweise über ein paar Wochen getragen. Ich kam damit überhaupt nicht klar. Ständig hat etwas nicht mit dem Sehbereich gepasst. Der Kopf musste ständig den Augen folgen. Besonders im Bereich zwischen 40 cm und 4 m, also beim Wechsel auf der Couch oder im Bett von Buch zu TV war richtig bescheiden. Optiker und Augenarzt meinten aber, wie aus einem Mund, dass Gleitsichtgläser Vieles können, aber eben auch nichts richtig.

FM
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von FM »

Dann ist eben die Frage ob eine Einstärkenbrille das kann, also sowohl den Blick auf den Tacho als auch den auf die Straße optimal einstellen. Die neue Brille scheint der Schilderung nach für die Ferne besser zu sein, was beim Autofahren vielleicht sogar wichtiger ist. Es geht dabei ja nicht nur um den Text von Wegweisern.

Ich bin da auch nur betroffener Laie, die Messwerte sagen mir jetzt auch nichts, aber es kann schon sein, dass für ein und dieselbe Person verschiedene Brillen "richtig" sind, eben je nach Situation. Vielleicht ist es am besten, beide zu verwenden, je nachdem was man macht (gerade beim Autofahren natürlich blöd, da kann man nicht wechseln). Das sollte man mit dem Optiker mal besprechen. Wenn man ausschließlich eine Brille hat die im Nahbereich sehr gut funktioniert, reicht das ja auch nicht aus.

Evariste
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von Evariste »

OK, nun verstehe ich besser, was los ist. Sie leiden also an Altersweitsichtigkeit, wollten aber unbedingt eine Fernbrille. Naja, die haben Sie bekommen. Dafür, dass die Fernbrille in der Nähe nicht gut funktioniert, kann der Optiker nichts.

Ich gehe dann davon aus, dass die Refraktion korrekt war. Was Ihr Augenarzt gemacht hat (hat meiner auch eine Zeitlang gemacht), er hat eine halbe Dioptrie auf den korrekten Wert aufgeschlagen. Dadurch sieht man in der Ferne nicht mehr ganz so gut, ist aber immer noch fahrtüchtig entsprechend den einschlägigen Vorschriften, solange man noch einen Visus von 0,7 oder besser hat (was der Augenarzt anhand der Buchstabentafel überprüft). Gleichzeitig sieht man in der Nähe etwas besser.

Das kann man so handhaben, aber es funktioniert nur eine Zeitlang, irgendwann holt einen die Altersweitsichtigkeit ein und diese halbe Dioptrie reicht dann nicht mehr. Und mit der Fahrtüchtigkeit ist das auch so eine Sache, am Tag kann man die verminderte Sehschärfe noch gut kompensieren, bei Nachtfahrten ist man dann u. U. schon in einem Bereich, wo man eigentlich nicht mehr fahrtüchtig ist.

Froggel
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Re: Muss Optiker kostenlos nachbessern

Beitrag von Froggel »

culluc hat geschrieben:
23.01.20, 12:44
Muss der Optiker jetzt eigentlich die neuen Gläser in der neuen Brille zu eigenen Kosten umtauschen oder muss ich neue Gläser mit den alten Werten auch bezahlen? Ich fühle mich mit der neuen Brille abschließend leider nicht korrekt eingestellt.
Müssen muss der Optiker eigentlich nur, wenn er einen Fehler gemacht hat. Sich nicht korrekt eingestellt zu fühlen ist nicht mit einem gemachten Fehler gleichzusetzen, es sei denn, man fühlt sich nicht korrekt eingestellt, weil der Optiker einen Fehler gemacht hat. Das kann man als Laie allerdings nur schlecht überprüfen. Letztendlich wird nur ein Gespräch mit dem Optiker helfen und möglicherweise die Androhung, sich ansonsten das nächste Mal an eine der großen Optikerketten zu wenden, denn dass die kostenlos und ohne zu murren tauschen, wenn der Kunde sich nicht gut beraten fühlt, ist bei denen Geschäftspolitik.

Im Übrigen kommt auch nicht jeder mit jeder Gleitsichtbrille klar. Sinnvoll ist eine Fassung mit möglichst großflächigen Gläsern, damit eine vernünftige Einteilung möglich ist. Und wenn man gar nicht mit Gleitsicht klarkommt, könnte man sich zum Autofahren auch eine reine Zweistärkenbrille mit eingeschliffenen Gläsern anfertigen lassen. Insgesamt wird man sich aber daran gewöhnen müssen, dass man sich entweder mit einem Kompromiss abgeben muss oder aber einen Teil wie z.B. das Cockpit beim Autofahren eben nicht mehr richtig lesen kann, weil es wichtiger ist, dem Straßenverkehr uneingeschränkt folgen zu können.
Ich bin kein Jurist.
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