Rechnung Heilpraktiker

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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MarieL
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Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von MarieL »

Guten Tag,
von März bis Oktober 2019 war ich in Behandlung : bei einem HP. Es wurde ein Honorar pro Stunde zwischen 80 und 120 € ausgemacht, je nach Zeitaufwand. Dieses Honorar habe ich jedesmal bar bezahlt, ohne dafür je eine Quittung erhalten zu haben. In 2 Telefonaten, bat ich um eine Rechnung, da ich diese Rechnung beim Finanzamt einreichen möchte. Bis heute habe ich keine Rechnung erhalten.
Wie ist die Rechtslage?
Vielen Dank im Voraus.

ExDevil67
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von ExDevil67 »

Lassen Sie mich raten, für die Barzahlungen gibt es keine Zeugen? Könnten Sie die Termine ggf anderweitig belegen? Grundsätzlich würde ich einen Anspruch auf eine Rechnung bejahen, aber so ohne Nachweise könnte die Durchsetzung kompliziert werden.

webmaster76
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von webmaster76 »

Und noch ein Gedanke. Bei der Absetzbarkeit von Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen gibt es einkommensabhängige Grenzen. Bleibt ein Patient unter dieser Grenze, kann er sich die Rennerei wegen Rechnungen direkt sparen. Hier mal ein Link dazu

https://www.finanztip.de/krankheitskosten/

FM
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von FM »

§ 368 BGB - auf Verlangen ist eine Quittung zu erteilen.
§ 369 BGB - die Kosten dafür trägt der Schuldner (also der Kunde) wenn nicht anders vereinbart.

Zur Rechnung siehe:
https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__14.html

Elektrikör
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,
OT:
MarieL hat geschrieben:
11.02.20, 14:04
... pro Stunde zwischen 80 und 120 € ausgemacht, je nach Zeitaufwand.

Das ist ein Widerspruch


MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet

FM
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von FM »

Elektrikör hat geschrieben:
11.02.20, 16:44
MarieL hat geschrieben:
11.02.20, 14:04
... pro Stunde zwischen 80 und 120 € ausgemacht, je nach Zeitaufwand.
Das ist ein Widerspruch
Der Begriff Stunde ist unterschiedlich definiert. Oft sind es 60 Minuten, bei Lehrern 45 Minuten, bei Elektrikern und anderen Handwerkern diffiziler (z.B. 30 Minuten Arbeitsleistung bei 60 Minuten Berechnung), bei Ärzten kann die (Sprech-)Stunde auch mal den halben Tag dauern. Ich vermute, hier ist "Sitzung" oder "Behandlungstermin" gemeint.

Eine rechtsverbindliche Gebührenordnung für Heilpraktiker gibt es nicht (nur Erfahrungswerte der Verbände), da kann man Vergütungssysteme und -höhen vereinbaren wie man will. Deshalb erscheint mir auch fraglich, ob eine bloße Quittung mit der Information "X Euro gezahlt an Heilpraktiker Y" dem Finanzamt ausreicht. Der Umstand dass der Heilpraktiker überhaupt nichts schriftlich herausgeben will, wird allerdings eine andere Abteilung des Finanzamtes (nicht der Sachbearbeiter für die ESt des Patienten sondern die Betriebsprüfung) schon sehr interessieren.

ktown
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von ktown »

Wann wurde eine Rechnung angefordert und wie lange wartet man nun schon drauf?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

webmaster76
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von webmaster76 »

FM hat geschrieben:
11.02.20, 19:33
Der Umstand dass der Heilpraktiker überhaupt nichts schriftlich herausgeben will, wird allerdings eine andere Abteilung des Finanzamtes (nicht der Sachbearbeiter für die ESt des Patienten sondern die Betriebsprüfung) schon sehr interessieren.
Richtig, aber nur, wenn sich schlüssig darlegen lässt, dass dieser Patient tatsächlich von diesem Heilprakatiker behandelt wurde.

Wenn sich der Aufwand tatsächlich für den Patienten lohnt (d.h. er in Summe über die steuerliche Grenze kommt) könnte er im ersten Schritt den Heilpraktiker per Einwurfeinschreiben um eine Rechnung über alle Behandlungen in dem Zeitraum bitten. Reagiert er darauf nicht, könnte man ein weiteres Schreiben per Gerichtsvollzieherverteilerdienst hinterher schicken. Der Vorteil davon ist, dass viele Laien denken, dass damit bereits ein Gericht eingeschaltet wurde. Das hilft aus meinen Erfahrungen, um Schwung in eine Sache zu bringen :wink:

ktown
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von ktown »

Warten wir mal die Antworten des TE ab. :wink:
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winterspaziergang
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von winterspaziergang »

ktown hat geschrieben:
11.02.20, 19:56
Wann wurde eine Rechnung angefordert und wie lange wartet man nun schon drauf?
gute Frage, leider lässt die Antwort auf sich warten.
Ungeachtet dessen, liegt die letzte Behandlung ja ein paar Monate, die erste fast ein Jahr zurück. Wie viel Zeit muss dem HP also gelassen werden, damit er sich rührt?
MarieL hat geschrieben:
11.02.20, 14:04
...
von März bis Oktober 2019 war ich in Behandlung : bei einem HP. ...Dieses Honorar habe ich jedesmal bar bezahlt, ohne dafür je eine Quittung erhalten zu haben. ...
Wie ist die Rechtslage?
Die Rechtslage ist, dass man ohne Rechnung nichts zahlen muss. Und, dass der HP eine erstellen muss.

Nebenbei OT: Würde man in der Werkstatt oder im Supermarkt selbst für Beträge unter 10 Euro nicht machen, wieso drückt man den Heilpraktiker teils 120 Euro ohne jeden Beleg in die Hand?

ktown
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von ktown »

winterspaziergang hat geschrieben:
12.02.20, 13:50
Ungeachtet dessen, liegt die letzte Behandlung ja ein paar Monate, die erste fast ein Jahr zurück. Wie viel Zeit muss dem HP also gelassen werden, damit er sich rührt?
Es ist nicht unüblich, dass man bei medizinischen Behandlungen, gerade wenn sie sich im kleinen dreistelligen Bereich oder sogar darunter befinden und man mehrere Termine nutzt, final am Ende des Jahres eine Gesamtrechnung erstellt. Wogegen, bei gegenseitigem Vertrauen, ja auch nichts spricht.
Oder?
winterspaziergang hat geschrieben:
12.02.20, 13:50
ie Rechtslage ist, dass man ohne Rechnung nichts zahlen muss.
Wieso? Ich weiß. Seit 1.1.2020 gibt es die Bonpflicht. Aber bis dahin habe ich meine Brötchen auch immer ohne Rechnung bezahlt.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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winterspaziergang
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von winterspaziergang »

ktown hat geschrieben:
12.02.20, 14:59
winterspaziergang hat geschrieben:
12.02.20, 13:50
Ungeachtet dessen, liegt die letzte Behandlung ja ein paar Monate, die erste fast ein Jahr zurück. Wie viel Zeit muss dem HP also gelassen werden, damit er sich rührt?
Es ist nicht unüblich, dass man bei medizinischen Behandlungen, gerade wenn sie sich im kleinen dreistelligen Bereich oder sogar darunter befinden und man mehrere Termine nutzt, final am Ende des Jahres eine Gesamtrechnung erstellt. Wogegen, bei gegenseitigem Vertrauen, ja auch nichts spricht.
Oder?
ob man den HP nun dem medizinischen Bereich zuordnen mag oder nicht, es ist absolut unüblich erst zum Jahresende eine Rechnung für alle Behandlungen zu erstellen, sich aber zwischendrin bar das Honorar auszahlen zu lassen.
ktown hat geschrieben:
12.02.20, 14:59
winterspaziergang hat geschrieben:
12.02.20, 13:50
ie Rechtslage ist, dass man ohne Rechnung nichts zahlen muss.
Wieso? Ich weiß. Seit 1.1.2020 gibt es die Bonpflicht. Aber bis dahin habe ich meine Brötchen auch immer ohne Rechnung bezahlt.
Man beachte den Unterschied: Man muss nicht zahlen, wenn man keine Rechnung bekommt. Man kann es.
Dass man das bei den Brötchen bislang anders gehandhabt hat, ändert nicht die Rechtslage. Zumal es hier um 0.90 cent für ein Brötchen, sondern 80-120 Euro je "Behandlung" geht.

ktown
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von ktown »

winterspaziergang hat geschrieben:
12.02.20, 16:05
ob man den HP nun dem medizinischen Bereich zuordnen mag oder nicht, es ist absolut unüblich erst zum Jahresende eine Rechnung für alle Behandlungen zu erstellen, sich aber zwischendrin bar das Honorar auszahlen zu lassen
Dann haben sie wohl wenig mit Behandlungen zutun die nicht von den Kassen bezahlt werden. Nehmen sie Osteopathen, oder Chiropraktikern, Krankengymnastik, Heilpraktiker....usw. Alle diese verlangen direkt nach Behandlung ihr Honorar und alle teilen einem mit, dass sie am Ende der Behandlung bzw. am Ende des Jahres eine Gesamtrechnung erstellen. Was natürlich erwähnt werden muss, worüber sich der TE noch nicht ausgelassen hat, ist die Tatsache, dass bei diesem Hinweis bei allen auch erwähnt wird, dass man diese Rechnung auch direkt erstellt werden könnte.
winterspaziergang hat geschrieben:
12.02.20, 16:05
Man muss nicht zahlen, wenn man keine Rechnung bekommt. Man kann es.
Wo im BGB ist es geregelt, dass die Gegenleistung in Geld für eine erbrachte Leistung auf Papier dokumentiert werden muss?
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Tastenspitz
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Re: Rechnung Heilpraktiker

Beitrag von Tastenspitz »

MarieL hat geschrieben:
11.02.20, 14:04
Dieses Honorar habe ich jedesmal bar bezahlt, ohne dafür je eine Quittung erhalten zu haben. In 2 Telefonaten, bat ich um eine Rechnung, da ich diese Rechnung beim Finanzamt einreichen möchte. Bis heute habe ich keine Rechnung erhalten.
Wie ist die Rechtslage?
Vielen Dank im Voraus.
Wenn sie keinen Nachweis der Zahlung haben und sie die Rechnung bekommen, werden sie, wenn es blöd ausgeht, das Ganze nochmal zahlen.
Ansonsten haben sie Anspruch auf eine Quittung für die Zahlungen.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
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