Betrug / Wucher durch Rohrreinigungsservice

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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kleinundgemein
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Betrug / Wucher durch Rohrreinigungsservice

Beitrag von kleinundgemein »

Hallo, ich hätte gerne mal Eure Einschätzung zum folgenden Fall:

Im Eigenheim eines alten Mannes sind die Rohre gestopft, so dass er spontan einen Rohrreinigungsservice anruft. Dieser rückt zu zweit an und knöpft dem Mann einen völlig überzogenden vierstelligen Betrag ab. Der Mann zahlt bar und wendet sich leider erst im Anschluss an seine Verwandten.

Die Recherche im Netz ergibt, dass die Firma (bzw. Vorgängerfirmen, der Ort der Firma ist identisch der im Netz erwähnten Firma und der Firmenname weicht nur geringfügig ab) für die Macheschaften bekannt ist, es bereits 2018 zu Gerichtsverhandlungen kam, die Beschuldigten jedoch wieder auf freien Fuß gekommen sind. Es handelt sich laut Einschätzung des Staatsanwaltes um ca. 7 Firmen, die bundesweit als angebliche Vermittlerfirmen agieren. Und vor Ort dann vermutlich bundesweit Komplizen haben, welche zu den Opfern fahren.

Der Mann erhält von den Klempnern einen A4-Ausdruck mit völlig abwägigen und unlogischen per Hand ergänzten Aufschlüssungen. Oben drüber steht zwar Rechnung, eine Rechnungsnummer steht jedoch nicht drauf. Dazu sagten die Klempner, er erhalte noch eine Rechnung per Post.

Die auf der "Rechnung" stehende Firma ist eine Vermittelerfirma, aber nicht die, die angerufen wurde. Auch diese ist laut Homepage eine Vermittlerfirma. Das Impressum der angerufenen findet man nur, wenn man die Firma mit dem Zusatz "Impressum" in die Suchmaschine eingibt. Sprich ein Link zum Impressum fehlt.

Das Netz wimmelt von diesen Fällen und es ist immer wieder ersichtlich, dass rechtliches Vorgehen aus verschiedenen Gründen nicht zum Erfolg führt. Es ist auch von Gegenklagen wegen Verleumnung die Rede, vermutlich auch, um geprellte Kunden abzuschrecken.

Der alte Herr hat keine Rechtschutzversicherung und uns stellt sich jetzt die Frage, ob wir das als "daraus hat er gelernt" abharken oder rechtliche Schritte einleiten. Die negative Folgen, die ich dabei seh, sind:

- nervliche Belastung, wenn das alles weiter in die Länge gezogen wird.
- ggf. Anwaltskosten, auf die er hängen bleibt.
- geringe Aussicht auf Erfolg.
- Risiko einer Gegenklage wegen Verleumnung o.ä.
- die Gefahr, dass die bundesweit agierende Bande Druck auf ihn ausübt. Durch eine Anzeige werden die ja vermutlich erfahren, wer da die Anzeige gestellt hat.

Für eine Anzeige könnte sprechen, dass je mehr Leute die Firma anzeigt, dass umso größer die Chancen für die Staatsanwaltschaft ist. So könnten folgende Opfer evtl. verhindert werden.

Wir schätzt Ihr das ein?

Vielen Dank!

FM
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Re: Betrug / Wucher durch Rohrreinigungsservice

Beitrag von FM »

Er kann den Betrag der überhöht war zurückfordern, also z.B. erst mal per Brief und wenn das nichts hilft per zivilrechtlicher Klage. Dazu muss festgestellt, was der korrekte Betrag wäre, z.B. durch einen Sachverständigen.

Wenn man eine strafbare Handlung vermutet, teilt man das am einfachsten der Polizei mit. Und natürlich erfährt der Beschuldigte, vom wem die Anzeige kommt, er muss ja wissen um welchen Fall es überhaupt geht.

Ghastwriter
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Re: Betrug / Wucher durch Rohrreinigungsservice

Beitrag von Ghastwriter »

Im Prinzip kann er auch einfach alles zurückfordern. Wenn der Dienstleister Wertersatz für seine Leistung will, steht es ihm natürlich frei, diesen geltend zu machen und dabei diesmal zu versuchen, auf die richtige Höhe zu kommen.
Hobbyjurist

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