Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Backgammon
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Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Backgammon »

Privatperson A bestellt im Internet bei Gewerbetreibendem B einen Artikel im Wert von 100 Euro.
Geliefert wird ein vollkommen anderer Artikel im Wert von 200 Euro.

Welche Rechte und Pflichten hat A?

ktown
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von ktown »

Na. Eine Falschlieferung stellt einen Sachmangel da. A kann also den Händler auffordern diesen Mangel zu beheben. Die Rücksendung muss der Händler tragen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
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Ghastwriter
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Ghastwriter »

So weit zu den Rechten. Man könnte übrigens darüber streiten, ob wirklich eine doppelt so wertvolle Sache ein Minus und nicht etwa ein Plus darstellt und ob wirklich ein Plus einen Mangel darstellt. Aber heute freilich ein müßiger Streit :D

Und was die Pflichten betrifft, ist Käufer, ich denke, das wollte TE wissen, nicht verpflichtet, Verkäufer auf den Missstand hinzuweisen. Natürlich wird man auch darüber streiten können; aber unmittelbar ersichtlich ist dafür nichts. Und weiß der Verkäufer von selbst Bescheid und will seine Sache gegen den Willen des Käufers zurückhaben, wird er dafür zumeist anfechten müssen. Möglicherweise noch am Rande stehende Konstellationen lasse ich mal beiseite.
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Niemand2000
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Niemand2000 »

Ghastwriter hat geschrieben:
21.05.20, 21:03
So weit zu den Rechten. Man könnte übrigens darüber streiten, ob wirklich eine doppelt so wertvolle Sache ein Minus und nicht etwa ein Plus darstellt und ob wirklich ein Plus einen Mangel darstellt. Aber heute freilich ein müßiger Streit :D

Und was die Pflichten betrifft, ist Käufer, ich denke, das wollte TE wissen, nicht verpflichtet, Verkäufer auf den Missstand hinzuweisen. Natürlich wird man auch darüber streiten können; aber unmittelbar ersichtlich ist dafür nichts. Und weiß der Verkäufer von selbst Bescheid und will seine Sache gegen den Willen des Käufers zurückhaben, wird er dafür zumeist anfechten müssen. Möglicherweise noch am Rande stehende Konstellationen lasse ich mal beiseite.
Wir wissen nicht, ob der Händler statt der 100 jetzt 200 haben möchte, wir wissen eigentlich nur

"Geliefert wird ein vollkommen anderer Artikel im Wert von 200 Euro."

Auf die Schnelle fand ich nur Abgrenzung: Schlechtlieferung und Falschlieferung

Ghastwriter
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Ghastwriter »

Ich bin nur auf die doch recht allgemein gehaltene Frage, welche Rechte und welche Pflichten A hat, eingegangen. Und da kann man schon mal sagen: Falls B wirklich nun 200 Euro haben möchte, hat er darauf zumindest nicht ohne Weiteres einen Anspruch, nur weil er etwas im Wert von 200 geliefert hat.

Falls du aber mit der Anmerkung darauf hinweisen wolltest, dass die Frage ein bisschen zu allgemein gehalten ist, hast du damit natürlich Recht. Aber mich soll es nicht stören^^ Input=Output, das passt schon :D
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Backgammon
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Backgammon »

Und jetzt geht die Geschichte weiter:

Käufer A hat den Verkäufer B über die Falschlieferung informiert, um sofortige Zusendung der richtigen Ware gebeten und um einen Freifrankierung für die rückzusendende falsche Ware.

Verkäufer B antwortet: falsche Ware kann unfrankiert zurückgesendet werden. Gut.

Aber: die bestellte Ware ist nicht mehr vorrätig und kostet bei anderen Händlern 30% mehr.

Watt nu ?

Ghastwriter
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Ghastwriter »

ZB:

A ist gern bereit, die wertvollere Ware zurückzugeben, behält sie aber zurück, bis B seinen Gewährleistungspflichten nachkommt.
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FM
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von FM »

Backgammon hat geschrieben:
21.05.20, 19:20
Geliefert wird ein vollkommen anderer Artikel im Wert von 200 Euro.
Was bedeutet "vollkommen anderer Artikel"? Wurde statt eines Autoreifens ein Fahrrad geliefert? Dann war es wohl offensichtlich ein Irrtum und der Verkäufer bleibt Eigentümer der Sache, kann sie also zurück verlangen (auf seine Kosten). Und muss natürlich weiterhin die richtige Sache liefern.
A ist gern bereit, die wertvollere Ware zurückzugeben, behält sie aber zurück, bis B seinen Gewährleistungspflichten nachkommt.
Welche Gewährleistung? Ob die nicht gekaufte Sache fehlerhaft ist, spielt keine Rolle. Das Zurückbehalten kann zu Schadensersatzansprüchen führen.
Aber: die bestellte Ware ist nicht mehr vorrätig und kostet bei anderen Händlern 30% mehr.
Dann ist der Vertrag noch erfüllbar.

Ghastwriter
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Ghastwriter »

FM hat geschrieben:
22.05.20, 18:49
Das Zurückbehalten kann zu Schadensersatzansprüchen führen.
Oh, dann hat die Gesetzgeberin da aber ganz schön gemurkst, als sie sich das Zurückbehaltungsrecht ausgedacht hat :3
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Caesar
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Caesar »

FM hat geschrieben:
22.05.20, 18:49
Welche Gewährleistung? Ob die nicht gekaufte Sache fehlerhaft ist, spielt keine Rolle. Das Zurückbehalten kann zu Schadensersatzansprüchen führen.
Ich finde die Fragestellung interessant.
Was wäre denn, wenn der Kunde bspw. eine SSD bestellt, aber eine SSD Pro bekommt und aufgrund seiner Unwissenheit einbaut und benutzt, es also gar nicht merkt, dass der Händler die falsche und in dem Fall bessere SSD geschickt hat?
Wenn der Händler nun seinen Fehler ein paar Tage später merkt und die Ware zurückfordert, muss dann der Kunde ihm den Schaden erstatten, da man eine gebrauchte SSD Pro nicht mehr als Neuware verkaufen kann oder ist der Kunde hier aus dem Schneider, weil er dachte, dass er die richtige SSD erhalten hätte?

Ghastwriter
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Ghastwriter »

Ich sehe zwar nicht, wie die Fragestellung mit dem Zitat zusammenhängt, aber:

Die Fragestellung ist für sich genommen in der Tat spannend; doch die Antwort relativ einfach: Nein, den Schaden müsste der Kunde nicht erstatten.
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ktown
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von ktown »

Ghastwriter hat geschrieben:
25.05.20, 23:00
Die Fragestellung ist für sich genommen in der Tat spannend; doch die Antwort relativ einfach: Nein, den Schaden müsste der Kunde nicht erstatten.
und diese pauschale Antwort finde ich sehr spannend. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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FaustAlpen
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von FaustAlpen »

Ghastwriter hat geschrieben:
21.05.20, 21:03
Man könnte übrigens darüber streiten, ob wirklich eine doppelt so wertvolle Sache ein Minus und nicht etwa ein Plus darstellt und ob wirklich ein Plus einen Mangel darstellt.
Beispiel - Sie bestellen 50 Kubikmeter Mutterboden zur Anlage eines neuen Gartens. Auf den Hof gekippt werden dann 100 Kubikmeter, die Sie auf dem Grundstück gar nicht unterbringen können. Der große Erdhaufen vor der Garage stellt in meinen Augen schon einen Mangel dar... :-)

Ghastwriter
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Re: Ware im Wert von 100 Euro bestellt und Wert 200 erhalten

Beitrag von Ghastwriter »

@FaustAlpen: Das wäre natürlich ein Fall, in dem die Möglichkeit zu streiten praktisch entfällt :D Mir ging es natürlich um den Fall, in dem man einfach eine wertvollere Sache erhalten hat und sich auch darüber freut :D Ansonsten steht es einem ja grundsätzlich frei, wenn man zu viel oder sonstwie nicht erfüllungstaugliche Ware erhält, das gar nicht erst als Erfüllung anzunehmen.

@ktwon: Es stimmt, klingt ein wenig pauschal, aber ich hatte auch noch auf Erhellung bezüglich der Frage gehofft, inwiefern nun Fragestellung und Zitat zusammenhingen :D Natürlich kann sich immer aus anderen Umständen noch etwas anderes ergeben, aber so wie beschrieben und allein aufgrund des Umstandes, dass die Sache bestimmungsgemäß in Gebrauch genommen wurde - genau darauf läuft die Frage ja hinaus, Wertverlust wegen Ingebrauchnahme - schuldet man keinen Wertersatz. Das ergibt sich zum einen wörtlich aus 346 II 1 Nr. 3, falls man den zur Anwendung gelangen lässt, und zum anderen, wenn man von der Anfechtungssituation ausgeht und nach Bereicherungsrecht rückabwickeln muss, daraus, dass eine Verschlechterung schon einfach beim Umfang der Bereicherung nicht mitumfasst ist. Da könnte man höchstens noch über allgemeines Deliktsrecht sprechen; aber für die Fallfrage ist das zu weit weg.
Hobbyjurist

Backgammon
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Zurückbehaltungsrecht nicht akzeptiert

Beitrag von Backgammon »

Privatperson A kauft bei Händler B einen Artikel.

Es erfolgte Vorausbezahlung.

B liefert falschen Artikel.

A tritt vom Vertrag zurück und fordert Rückerstattung.

B verweigert sofortige Rückerstattung und fordert zuerst die Rücksendung des falschen Artikels.

Kann A bis zum Erhalt der Rückerstattung den falschen Artikel zurückbehalten?
Paragraph 273 BGB?

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