Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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malwiederich
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Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von malwiederich »

Hallo liebe Forengemeinde, ich hätte da mal wieder eine Frage und vielen Dank fürs Lesen.

A bestellt im Internet bei einem Reifenhändler 2 Sommerreifen. Umgehend im Anschluss an den Vorkasse-Bezahlprozess merkt A dass er die falsche Reifengröße bestellt hat und schreibt 3 Mails an den Kundenservice, versucht ebenso telefonisch Jemanden zu erreichen. Leider ohne Erfolg.
Tage später liefert ein Paketdienstleister diese falsch bestellten Reifen und A verweigert die Annahme.
Zwischendurch wird immer versucht Kontakt mit dem Händler aufzunehmen.
Per Post sendet A einen Widerruf per Einschreiben und erklärt warum er die Annahme verweigert hat.
Verkäufer schreibt eine Mail in der er 10 € pro Reifen für die Rücksendung abziehen will und will das Geld nach 14 Tagen zurück überweisen. Diese sind aber schon um. Wieder ist der Händler nicht zu erreichen. Es gibt 4 verschiedene Telefonnummern.

Meine Frage lautet: Muss A sich das gefallen lassen? Immerhin hätte man gewußt das man die Reifen nicht erst losschicken braucht wenn man die Mails gelesen hätte.

Vielen Dank für's Antworten.

lottchen
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von lottchen »

Die Hauptfrage ist doch, was man mit Abschicken der Bestellung für AGB akzeptiert hat. Was steht da drinnen bei diesem Händler?
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

Tastenspitz
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Tastenspitz »

malwiederich hat geschrieben:
15.09.20, 10:13
Immerhin hätte man gewußt das man die Reifen nicht erst losschicken braucht wenn man die Mails gelesen hätte.
Ja. Schuld ist damit also der Händler. Klar. :roll:
BTT:
Sie haben die Ware nicht angenommen und den Widerruf erklärt. Soweit - sogut.
Die AGB des Händlers geben hier Auskunft über die Rücksendekosten bzw. diese Pauschale, die hier wohl angegeben wurde.
Wenn bei Vertragsschluß darauf hingewiesen wurde, dürfte dies statthaft sein.
Die Rückzahlung hat unverzüglich, spätestens aber nach 14 Tagen zu erfolgen. Hier ist der Händler also wohl im Verzug und kann somit angemahnt werden.
Voraussetzung ist aber hier, dass die Ware wieder beim Händler ist.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Evariste
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Evariste »

Es ist zwar üblich, ich würde aber bezweifeln, dass das Widerrufsrecht bedeutet, dass der Käufer das Recht hat, die Annahme zu verweigern. Wenn das zu Mehrkosten beim Versender führt, dann muss der Käufer diese tragen.

Und wie schon gesagt, der Händler muss den Preis, ungeachtet der 14-Tagesfrist, erst zurückzahlen, wenn er die Ware erhalten hat. So eine Rücksendung nach Annahmeverweigerung kann schon mal dauern.

Celestro
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Celestro »

Tastenspitz hat geschrieben:
15.09.20, 12:16
Ja. Schuld ist damit also der Händler. Klar. :roll:
Etwa nicht? Welche Firma schaut denn tagelang nicht in die Mails rein? Hatte vor kurzem selbst so einen Fall. Habe eine alternative Lieferadresse angegeben. Bekomme irgendwann die Bestellbestätigung und dort ist meine "Heimatadresse" als Lieferadresse drin. Schreibe denen, das die das bitte korrigieren mögen. Bevor ich Antwort erhalte, ist schon eine Paketankündigung (vom Dienstleister) eingetroffen. Ich leite das Paket um und nachdem ich das Paket schon zu Hause habe kommt eine Nachricht: "an Shops der Dienstleister liefern wir generell nicht, Sie können das Paket ja umleiten". Wäre vielleicht sinnvoll, eine solche Einschränkung im Bestellprozess deutlich zu machen.

ktown
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von ktown »

Was hat ihre Erfahrung mit dem hier beschriebenen Sachverhalt zutun?
Nennen sie mir den entsprechenden Paragraphen des BGB der den Verkäufer dazu verpflichtet solchen nachträglichen Einwendungen nachzugehen. Er hat einen rechtsgültigen Bestellprozess der über die offiziell programmierten Kanäle rein kam. Wie soll er wissen, dass die Mails die im Nachgang rein kamen auch vom Besteller sind?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Celestro
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Celestro »

ktown hat geschrieben:
15.09.20, 13:11
Was hat ihre Erfahrung mit dem hier beschriebenen Sachverhalt zutun?
Auch bei mir meldete sich der Verkäufer trotz Nachricht von mir nicht.
ktown hat geschrieben:
15.09.20, 13:11
Nennen sie mir den entsprechenden Paragraphen des BGB der den Verkäufer dazu verpflichtet solchen nachträglichen Einwendungen nachzugehen. Er hat einen rechtsgültigen Bestellprozess der über die offiziell programmierten Kanäle rein kam.
Mag sein, dass es da keinen gibt. Ein Verkäufer sollte aber ein Interesse daran haben, guten Service zu liefern. Sonst kauft der Käufer dort nicht noch einmal.
ktown hat geschrieben:
15.09.20, 13:11
Wie soll er wissen, dass die Mails die im Nachgang rein kamen auch vom Besteller sind?
Weil in so einer Mail im Allgemeinen Bezug auf die Bestellung genommen wird. Zusätzlich schreibt man normalerweise seinen Namen rein und außerdem kann man in Mailprogrammen auf "antworten" drücken. Dann wird (in allen mir bekannten Fällen) die komplette vorherige Korrespondenz mit zurückgeschickt. :roll:

ktown
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von ktown »

Celestro hat geschrieben:
15.09.20, 13:23
Dann wird (in allen mir bekannten Fällen) die komplette vorherige Korrespondenz mit zurückgeschickt.
Welche Korrespondenz?
Celestro hat geschrieben:
15.09.20, 13:23
Weil in so einer Mail im Allgemeinen Bezug auf die Bestellung genommen wird.
Aha und das soll ausreichend sein als Beleg, das man derjenige auch ist. Wie kann der Verkäufer bei allen etablierten Manipulationsmöglichkeiten von Mails definitiv prüfen, ob hier wirklich der Besteller schreibt und hier nicht eine Bestellung umgeleitet werden soll und letztlich der Rechnungsempfänger nichts von seiner Bestellung weiß.
Celestro hat geschrieben:
15.09.20, 13:23
Zusätzlich schreibt man normalerweise seinen Namen rein und außerdem kann man in Mailprogrammen auf "antworten" drücken.
Aha. Ich finde diesen Einwand schon interessant und möchte meinen Beitrag mit Donald Trump unterzeichnen.
So nun wisst ihr es. Ich laufe mit Orangenhaut und Fönfrisur rum. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Celestro
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Celestro »

ktown hat geschrieben:
15.09.20, 13:45
Welche Korrespondenz?
Haben Sie schon einmal im Internet etwas bestellt? Da bekommt man je nach Händler eine Menge automatisierter Mails zugeschickt.
ktown hat geschrieben:
15.09.20, 13:45
Aha und das soll ausreichend sein als Beleg, das man derjenige auch ist. Wie kann der Verkäufer bei allen etablierten Manipulationsmöglichkeiten von Mails definitiv prüfen, ob hier wirklich der Besteller schreibt und hier nicht eine Bestellung umgeleitet werden soll und letztlich der Rechnungsempfänger nichts von seiner Bestellung weiß.
Hier im Thread gibt es 2 Möglichkeiten:

1.) der TE hat bestellt und will eine Absendung verhindern (weil falsche Größe bestellt).

oder

2.) mein Fall, bei dem ICH bei der Bestellung eine Lieferadresse angegeben habe, die von meiner Wohnadresse abweicht. Dies konnte ich während des Bestellvorgangs eingeben, es fehlte aber der Hinweis, was für Adressen man nicht verwenden "darf". Hinzu kommt, dass beim Versand in den Shop der Dienstleister ja der Personalausweis vorgezeigt werden muss. Ein Versand in den Shop ist für den Verkäufer also wesentlich sicherer.

Sie sehen also ... lesen und verstehen sind 2 verschiedene Paar Schuhe. Sie haben gelesen, aber nicht verstanden. Es gibt in beiden Fällen kein Risiko, das ein Betrüger sich einklinkt. Denn das ich eine alternative Adresse angegeben habe, kann der Verkäufer in seinem System ja sehr einfach nachvollziehen.
Celestro hat geschrieben:
15.09.20, 13:23
Aha. Ich finde diesen Einwand schon interessant und möchte meinen Beitrag mit Donald Trump unterzeichnen.
So nun wisst ihr es. Ich laufe mit Orangenhaut und Fönfrisur rum. :wink:
Sie sind nicht witzig ....

ktown
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von ktown »

Celestro hat geschrieben:
15.09.20, 14:01
Haben Sie schon einmal im Internet etwas bestellt? Da bekommt man je nach Händler eine Menge automatisierter Mails zugeschickt.
Ja habe ich. Diese haben in fast allen Fällen folgenden Hinweis:
Dies ist eine automatisierte Mail, bitte nicht darauf antworten.
Da, wie sie ja schon bestätigt hatten, es keine rechtliche handhabe gibt, kann man den Verkäufer nur damit strafen, dass man bei ihm nicht wieder bestellt. Ich denke aber, dass er es verkraften kann. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Niemand2000
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Niemand2000 »

malwiederich hat geschrieben:
15.09.20, 10:13
Muss A sich das gefallen lassen?
Sollte A Verbraucher sein, könnte https://dejure.org/gesetze/BGB/312g.html greifen

Froggel
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Froggel »

malwiederich hat geschrieben:
15.09.20, 10:13
A bestellt im Internet bei einem Reifenhändler 2 Sommerreifen. Umgehend im Anschluss an den Vorkasse-Bezahlprozess merkt A dass er die falsche Reifengröße bestellt hat und schreibt 3 Mails an den Kundenservice, versucht ebenso telefonisch Jemanden zu erreichen. Leider ohne Erfolg.
Ich würde sagen: Es kommt darauf an. War es eine gültige E-Mailadresse beim Händler, die dieser zur Korrespondenz angegeben hat, muss der Widerruf den Händler bereits vor Versand erreicht haben. Dann liegt es in seinem eigenen Verschulden, wenn er seine Mails nicht liest und eine Ware losschickt, denn in diesem Fall ist es ein Versand ohne Auftrag. Die Kosten dafür und für den Rückversand trägt der Händler. Hat sich der Kunde dagegen mit seinem Widerruf an eine ungültige Mailadresse gewendet, liegt es im Verschulden des Kunden, wenn der Händler diesen nicht erhalten hat.
Problematisch wird es dann, wenn der Händler trotz eines Widerrufes des Kunden vor Warenversand trotzdem die Ware versendet. Diesen Fall hat das OLG Koblenz mit Urteil vom 17.06.2009, Az.: 9 U 120/09 entschieden. Der Verbraucher hatte – aus welchen Gründen auch immer – den Kaufvertrag dreimal (!) widerrufen, am Tag nach dem letzten Widerruf, der durch den Händler im Übrigen ausdrücklich bestätigt wurde, wurde dann die Ware versandt. Letztlich handelte es sich dann zu diesem Zeitpunkt um die Zusendung unbestellter Ware bzw. die Erbringung unbestellter Dienstleistungen. Diese ist gemäß §§ 3, 7 Abs. 1 und § 2 Nr. 1 UWG a.F. wettbewerbswidrig, nichts anderes gilt für das neue Wettbewerbsrecht.
Quelle
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

ktown
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von ktown »

Niemand2000 hat geschrieben:
15.09.20, 15:16
malwiederich hat geschrieben:
15.09.20, 10:13
Muss A sich das gefallen lassen?
Sollte A Verbraucher sein, könnte https://dejure.org/gesetze/BGB/312g.html greifen
Inwieweit ändert das was am Sachverhalt?
1. Der Käufer hat die Annahme verweigert. Dies ist schon mal der erste Fehler. Die Annahmeverweigerung ist kein Widerruf.
2. Der Verkäufer weigert sich ja nicht die Ware zurück zu nehmen.

@Froggel: Wo lag im beschriebenen Sachverhalt der Widerruf vor? Wenn sie schon Urteile vorbringen, dann sollten sie auch schauen, ob sie passen.
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Celestro
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von Celestro »

Niemand2000 hat geschrieben:
15.09.20, 15:16
Sollte A Verbraucher sein, könnte https://dejure.org/gesetze/BGB/312g.html greifen
Das weiß der TE allerdings bereits, denn:
malwiederich hat geschrieben:
15.09.20, 10:13
Per Post sendet A einen Widerruf per Einschreiben und erklärt warum er die Annahme verweigert hat.

malwiederich
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Re: Muss ich Rückversand von Reifen tragen?

Beitrag von malwiederich »

lottchen hat geschrieben:
15.09.20, 11:04
Die Hauptfrage ist doch, was man mit Abschicken der Bestellung für AGB akzeptiert hat. Was steht da drinnen bei diesem Händler?
Es ist dort aufgeführt dass der Kunde die Kosten der Rücksendung trägt. Nach wie vor bin ich der Meinung dass man ja auch einfach die richtigen hätte schicken können sofern man seine Mails lesen würde.
Aber gut, ist mein Fehler
Tja, ist wohl dumm gelaufen. Kundenservice sieht anders aus.

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