Handwerkerleistung - alles vom Kunden zu zahlen?

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neunhundertdreizehn
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Handwerkerleistung - alles vom Kunden zu zahlen?

Beitrag von neunhundertdreizehn »

Guten Abend,

wie verhält es sich bei diesem fiktiven Fall:

Kunde läßt eine Wartung der Heiztherme durchführen, nach 1 Stunde war der Handwerker fertig, ist dann los, weil seiner Meinung nach eine Pumpe ersetzte werden müßte. (Heizung läuft nun nicht mehr) Er sagt zum Kunden, ich fahre mal zum Großhandel, um das Teil zu holen. Nach 1 Stunde ist er wieder da, Großhändler haben das Teil nicht vorrätig (es gibt 2 Großhändler im Umkreis 3 Kilomer)wird beim Hersteller bestellt. Läßt sich auf dem Stundenzettel dann auch tatsächlich 2 Arbeisstunden unterschreiben.

Nach 2 Wochen ist das Teil dann nun endlich da, wird eingebaut, dauert ne knappe halbe Stunde.Heizung läuft dann trotzdem nicht, durch abgelassenes Wasser aus der Therme ist nun eine Riesenpfütze im Keller. Er sucht nun nochmal eine halbe Stunde nach dem Fehler. Findet nichts. Fängt dann an, zu telefonieren mit der Hotline des Herstellers, erreicht nur die Hotline mit Warteschlange. Legt dann immer wieder auf und ruft etliche Male neu die Hotline an.

Kunde wundert das Prozedere, wird aber abgerüffelt, Handwerker wolle ja dem Kunden nur Tausende Euro sparen. Nach 45 Minuten Telefonzeit, während denen der Handwerker neben der Therme die Hotlinemusik abdudelt, fängt er nun an, mit einem 2. Handy im Internet zu googeln, Kunde schätzt, er hat auch dort wegen Fehlerbehebung Recherchen betrieben. Nach weiteren 5 Minuten beendet er dann den Hotline-Musik-Kanal und sagt dem Kunden, er könne ja mal einen Test machen, ob eventuell ein anderes Teil defekt sein könnte. Bingo.

Diesmal ruft er beim Großhändler an, ob das Teil vorrätig ist (hätte Kunde sich beim 1. Mal auch gewünscht), holt es dort und baut es ein. -Keine 20 Minuten-

Kunde ist absolut unzufrieden wegen der fast 1 Stunde erfolgloser Versuche, die Hotline zu kontaktieren, möchte das auch nicht bezahlen, da dies auch keinesfalls zielführend war, da der Handwerker dort niemanden erreichte und aufgrund seiner Google-Recherche den Fehler fand.

Nachdem die Therme dann lief, bemerkt Kunde, das aus dieser regelmäßig Wasser tropft. Angesprochen hieß es dann, es wäre Restwasser vom Pumpenwechsel. Tropft aber nun schon seit 2 Tagen.

Fazit -seine Aussage "zu Ihnen als Kunden werden wir nicht mehr kommen."

Müßte man solche Minderleistungen zum vollen Stundensatz zahlen? Und muss dann von dieser Firma der noch vorhandene Mangel -Wasser tropft- kostenfrei behoben werden?

Danke für Meinungen dazu.
FM
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Re: Handwerkerleistung - alles vom Kunden zu zahlen?

Beitrag von FM »

Naja, Suchen dauert auch seine Zeit und wenn es Arbeitszeit ist, kostet sie.

Anders wäre es, wenn der Handwerker auch ohne Suchen sofort erkennen hätte müssen, was machbar ist.
fodeure
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Re: Handwerkerleistung - alles vom Kunden zu zahlen?

Beitrag von fodeure »

neunhundertdreizehn hat geschrieben: 12.11.21, 20:48Müßte man solche Minderleistungen
Welche Minderleistungen? Was beschrieben wurde ist ein normaler Vorgang bei einer Fehleranalyse. Das geht mal schneller oder dauert eben auch mal länger. Und um hier falschen Vorstellungen entgegenzuwirken: Nein, der Handwerker muß nicht durch Ansehen oder Handauflegen den Fehler sofort erkennen.
neunhundertdreizehn hat geschrieben: 12.11.21, 20:48zum vollen Stundensatz zahlen?
Ja.
neunhundertdreizehn hat geschrieben: 12.11.21, 20:48Und muss dann von dieser Firma der noch vorhandene Mangel -Wasser tropft- kostenfrei behoben werden?
Wenn die Reparatur mangelhaft durchgeführt wurde und der Mangel mit dieser zusammehnängt, ja.
ktown
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Re: Handwerkerleistung - alles vom Kunden zu zahlen?

Beitrag von ktown »

Wenn man mit der Leistung eines Handwerkers unzufrieden ist und eine mangelhafte Leistung vermutet, dann kürzt man den Rechnungsbetrag. Letztendlich wird ein Richter den Sachverhalt prüfen und spätestens dann muss man seine Meinung mit Fakten untermauern.

Oder aber man kontaktiert die Schiedsstelle der Handwerkskammer und akzeptiert deren Urteil.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
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Re: Handwerkerleistung - alles vom Kunden zu zahlen?

Beitrag von Zafilutsche »

neunhundertdreizehn hat geschrieben: 12.11.21, 20:48
Kunde lässt eine Wartung der Heiztherme durchführen, ...
Hm dieser Sachverhalt unterscheidet sich von:

Eine Therme mit einem (noch unbekannten) defekt, soll von einem Handwerksbetrieb instand gesetzt werden
und anschließend gem. Wartungsplan gewartet werden.

Die Frage wäre also, welcher Zeitaufwand und welche Prüfungen (mit welchen Prüf und oder Meßmittel) werden voraussichtlich notwendig,
um das "defekte" Bauteil bzw den Fehler identifizieren zu können?
Manche Handwerker sind je Qualifikation effizienter in der "Suche" als andere. (Erfahrungswerte, Produkt- Funktionskenntnisse, Ressourcenverfügbarkeit, ... )

Zu dem "Tropfen"
ist die "undichte" Stelle im Zusammenhang des geöffneten Systems zu stellen (z.B. neue Quetsch, Press, Lötstelle) die der Handwerker z.B. für die neue Pumpe, Wärmetauscher, Ventil ...) errichtet hat,
wird würde für gewöhnlich der Kunde eine (schriftliche) Reklamation starten.
Bei manchen Staaten gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat. [Freiheit f. Assange]
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