Verkauf Handel an Privat unter EK

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Der Hilfesuchende
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Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von Der Hilfesuchende »

Hallo

mal angenommen Herr K Privatmann kauft in einem Onlineshop Gerät A für 40 €. Der Reguläre Strassenpreis liegt bei 140 €.

K bezahlt und bekommt Gerät A auch geliefert.

Hat der Verkäufer das Recht auf Erstattung der 100 € Differenz ?

Danke
FM
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von FM »

Wieso sollte er das überhaupt wollen?
Der Hilfesuchende
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von Der Hilfesuchende »

Vieleicht weil es ihm zu spät aufgefallen ist das der Verkaufspreis zu niedrig war
FM
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von FM »

Wenn er nicht nur in der Werbung sondern auch bei der Abwicklung des Kaufvertrages bei den 40 Euro bleibt, dürfte ein Irrtum kaum noch anzunehmen sein.

Aber selbst wenn es zuträfe, folgt daraus nicht, dass der höhere Preis zu zahlen ist, sondern dass das Geschäft anfechtbar ist.
Der Hilfesuchende
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von Der Hilfesuchende »

Was würde anfechtbar bedeuten ?? und wie sehen die Chancen auf Erfolg für den Verkäufer aus ?

Vielen Dank
ktown
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von ktown »

Je später der Verkäufer damit kommt umso schwieriger ist eine Anfechtung durchsetzbar.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
FM
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von FM »

Anfechtung führt (wenn erfolgreich) zur Nichtigkeit: also Geld zurück, Ware zurück. Kosten trägt der Händler.

Lohnt sich fast nicht bei nur 100 Euro - er hat dann gebrauchte Ware zurück die weniger wert ist, plus die Versandkosten, plus Arbeitsaufwand.
Der Hilfesuchende
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von Der Hilfesuchende »

OK, danke bis hier hin.

Eine Ergänzungsfrage, bitte mal einfach fiktiv durchspielen (auch wenn sehr unrealistsisch)

Angenommen der Käufer würde vorm Kauf beim Verkäufer die Richtigkeit des Preises erfragen, ein Mitarbeiter des Händlers bestätigt die Richtigkeit des Preises, der Käufer bestellt bezahlt und bekommt 50x besagten Artikel (zu 40 € das Stück anstelle von 140 € das Stück als üblichen Strassenpreis) und nach dem Kauf fällt dem Inhaber des Handels auf da ist was falsch gelaufen, der Preis stimmt doch garnicht und der Mitarbeiter hat eine falsche Information rausgegeben.

Wie wahrscheinlich wäre dann noch die Aussicht auf Erfolg bei einer Anfechtung ??????????
Froggel
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von Froggel »

Der Hilfesuchende hat geschrieben: 19.04.22, 13:03 Angenommen der Käufer würde vorm Kauf beim Verkäufer die Richtigkeit des Preises erfragen, ein Mitarbeiter des Händlers bestätigt die Richtigkeit des Preises, der Käufer bestellt bezahlt und bekommt 50x besagten Artikel (zu 40 € das Stück anstelle von 140 € das Stück als üblichen Strassenpreis) und nach dem Kauf fällt dem Inhaber des Handels auf da ist was falsch gelaufen, der Preis stimmt doch garnicht und der Mitarbeiter hat eine falsche Information rausgegeben.

Wie wahrscheinlich wäre dann noch die Aussicht auf Erfolg bei einer Anfechtung ??????????
Kommt drauf an :lol: Sagen wir es mal so: Hat der Händler, nachdem ihm der Fehler aufgefallen ist, den Preis im Webshop korrigiert, um damit weitere Bestellungen zum Minderpreis zu verhindern, dürfte die Chance für den Händler gut sein. Tut er es dagegen nicht und der Artikel bleibt weiter zu diesem Preis bestellbar, wird der Händler keinen Erfolg bei einer Klage wegen Irrtums haben.
Erklärung: Der Mitarbeiter wird den Preis lediglich von einer vorhandenen Liste abgelesen haben, auf der der Preis fehlerhaft verzeichnet ist. Damit fällt der Irrtumsgrund noch nicht weg, weil der MA von einer falschen Grundlage ausgegangen ist. Der Chef selbst weiß allerdings um den Preis. Sobald er feststellt, dass dieser irrtümlich viel zu niedrig angesetzt ist, muss er den Fehler in der Liste korrigieren. Fällt es ihm erst nach einer erfolgten Bestellung auf, besteht für ihn noch ein Grund, den Kauf wegen Irrtums anzufechten. Folgen allerdings weitere Bestellungen und der Händler unternimmt nichts dagegen, nachdem es ihm aufgefallen ist, liegt kein Irrtum mehr vor, da der Händler bereits von dem zu niedrigen Preis wusste.
Ich bin kein Jurist.
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von FM »

Froggel hat geschrieben: 19.04.22, 13:50 Erklärung: Der Mitarbeiter wird den Preis lediglich von einer vorhandenen Liste abgelesen haben, auf der der Preis fehlerhaft verzeichnet ist. Damit fällt der Irrtumsgrund noch nicht weg, weil der MA von einer falschen Grundlage ausgegangen ist. Der Chef selbst weiß allerdings um den Preis.
Die Anfechtung wegen Irrtums ist schon deutlich schwieriger. Natürlich sind die Aussagen eines mit Kundenkontakt beauftragtem Mitarbeiters Aussagen des Unternehmens. Ab wann ist der Mittarbeiter nur ein solcher, ab wann ist er Chef? Der Abteilungsleiter, der Standortleiter, der Eigentümer des Unternehmens? Bei vielen Unternehmen ist "der Eigentümer" eine Aktiengesellschaft, die sagt selbst gar nichts.

Ein Irrtum könnte sein, 1,40 Euro statt 1.400 Euro, das wäre nachvollziehbar als Schreibfehler. Aber wenn es auf Nachfrage vom Unternehmen noch einmal bestätigt wird, muss der Kunde nicht noch recherchieren, welche Stellung der Mitarbeiter im Unternehmen hat, welche Ausbildung, wie genau er über den konkreten Fall informiert ist. Höchstens wenn er am Telefon selbst sagt "Ich bin nur der Azubis, aber wenn es da so steht ..." müsste man noch Zweifel haben.

Ich habe noch keinen Fall der Anfechtung wegen Irrtums in der Praxis erlebt, ein auf allgemeines Zivilrecht spezialisierter Anwalt sagte mir bei ihm vielleicht 3 oder 4 in 20 Jahren und nur einer erfolgreich. Da braucht es schon viel, dass man damit durchkommt. In den Kommentaren wird immer gerne das Beispiel mit Geschäften zwischen Deutschland und der Schweiz mit Verwendung der Maßeinheit "Zentner" genommen - eben weil man sonst nicht viel findet.
Froggel
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Re: Verkauf Handel an Privat unter EK

Beitrag von Froggel »

FM hat geschrieben: 19.04.22, 19:53Aber wenn es auf Nachfrage vom Unternehmen noch einmal bestätigt wird, muss der Kunde nicht noch recherchieren, welche Stellung der Mitarbeiter im Unternehmen hat, welche Ausbildung, wie genau er über den konkreten Fall informiert ist.
Das ist richtig, das muss der Kunde nicht. Das ist Aufgabe desjenigen, der sich auf den Irrtum beruft, der muss beweisen, dass dieser tatsächlich vorlag.
Ich finde diesbezüglich diese Seite interessant. Dort sind als Beispiele Urteile genannt, bei denen das Gericht den Irrtum anerkannt hat, sowie Urteile, bei denen der Unternehmer unterlag.
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