Pauschale Arbeitspreise

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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ststiefel
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Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von ststiefel »

Hallo,
in einem Projektangebot stand neben dem Material auch ein Arbeits-(Einbau-)preis, der offenbar pauschal gemeint war, ohne dass explizit darauf hingewiesen wurde. Muss der Pauschalpreis auch gezahlt werden, wenn der tatsächliche Zeitaufwand höchstend ein Viertel des Pauschalpreises rechtfertigt? Der Kunde hat wahrscheinlich angenommen, dass der Aufwand wesentlich höher sein wird.

Gruß und schon mal danke.
Elektrikör
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

... offenbar ...
... gemeint war ...
... wahrscheinlich ...


Das sind eher Begriffe, die zu Psychologie, Kirche oder sonstige hingehören.

Was wurde denn HIER konkret vereinbart?
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet
ktown
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von ktown »

Eine Pauschale impliziert keinen festen offensichtlichen Zeitwert. Daher kann hier nichts abgezogen werden.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
ststiefel
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von ststiefel »

Wenn ich den Fall definitiv ohne wenn und aber schildern könnte, hätte ich die Frage auch lassen können, weil dann ja alles klar sein muss. - Im Ernst, ich wollte nur wissen, ob ein derart irrer Pauschalpreis rechtens sein kann, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die benötigte Zeit mit etwa einem Zehntel des Preises bezahlt wäre. Wenn das so ist, dürfte man m. E. keine Pauschalpreise abnicken. Als Laie kann man ja oft nicht wissen, wie groß der zu erwartende Aufwand ist.
Danke.
Beste Grüße,
ststiefel.
ktown
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von ktown »

ststiefel hat geschrieben: 04.05.22, 22:30 Muss der Pauschalpreis auch gezahlt werden, wenn der tatsächliche Zeitaufwand höchstend ein Viertel des Pauschalpreises rechtfertigt?
Die Frage wurde, im Rahmen dessen was hier möglich ist, beantwortet.
Gegenfrage: Wenn der Arbeitsaufwand höher wäre als die kalkulierte Pauschale. Würden sie dann auch den Mehrpreis übernehmen?

Es ist nicht unüblich, dass es Montagepauschalen gibt. Solche Pauschalen beinhalten vielfach nicht nur die reine Arbeitszeit die beim Kunden entsteht. Viele Betriebe machen sowas um solchen Diskussionen, wie hier z.B., um die abrechenbare Zeit mit dem Kunden zu entgehen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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FM
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von FM »

ststiefel hat geschrieben: 04.05.22, 22:30 in einem Projektangebot stand neben dem Material auch ein Arbeits-(Einbau-)preis, der offenbar pauschal gemeint war, ohne dass explizit darauf hingewiesen wurde.
Wenn da nur ein Betrag in Euro steht, ist auch nicht anzunehmen, dass er pro Stunde gemeint ist. Also ich sehe da nichts Irreführendes.

Und um an Wucher zu denken, müsste schon mehr dazu kommen wie z.B. eine Notlage.
Tastenspitz
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von Tastenspitz »

Bei solchen Pauschalpreisen ist oft der Zeitaufwand für An- und Abfahrt mit enthalten.
Und wie die Vorrredner schon anmerkten - Pauschal bedeutet pauschal und eben nicht nach Aufwand.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
Elektrikör
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von Elektrikör »

ststiefel hat geschrieben: 05.05.22, 13:40Als Laie kann man ja oft nicht wissen, wie groß der zu erwartende Aufwand ist.
Danke.
Wenn man nicht weiss, was man eigentlich beauftragt, dann muss man:
Es lassen
Sich schlau machen
Sich Hilfe holen

Aber als mündigen Verbraucher HINTERHER jammern ......


MfG
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FM
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von FM »

Preise müssen auch nicht dem Aufwand entsprechen. Auch nicht "prozentual".

Mal ein bekanntes Beispiel für Pauschalen: ein großes deutsches Postunternehmen verlangt für die Beförderung eines Päckchens 3,79 Euro. Dabei ist es egal, ob das von München-Schwabing nach München-Pasing geht oder von Berchtesgaden zur Insel Norderney. Dabei ist der Aufwand im zweiten Fall ziemlich sicher deutlich höher, nicht nur wegen der weiteren Strecke per LKW plus Schiff, auch wegen mehrfacher Verladung.

Also wäre wahrscheinlich gemessen an den Kosten entweder das eine zu teuer oder das andere zu billig. Aber es ist eben eine Pauschale.

Und bei Lieferung und Anschluss einer Waschmaschine kann es ähnlich sein. Im einen Fall muss man 50 km weit fahren, das Ding in den 6. Stock tragen, erst mal den passenden Anschluss montieren - im anderen Fall nur 5 Minuten fahren, im Erdgeschoss hinstellen und in 5 Minuten an vorhandenen Anschlüssen anschließen - Stecker rein, Schlauch anschrauben, fertig.

War der Kunde denn gezwungen, die Arbeitsleistung auch mit zu buchen? Oder hätte er ebensogut nur die Ware kaufen können und sich dann selbst jemand suchen können, der es anschließt? Wobei selbst das nur relevant sein könnte, wenn er die Ware nur bei diesem einen Anbieter kaufen konnte und aufgrund einer Zwangslage unbedingt benötigte.
hawethie
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von hawethie »

Muss der Pauschalpreis auch gezahlt werden, wenn der tatsächliche Zeitaufwand höchstend ein Viertel des Pauschalpreises rechtfertigt?
hätte der Anbieter mehr verlangen dürfen, wenn der tatsächliche Zeitaufwand das dreifache des üblichen Zeitaufwandes betragen hätte?
Merkst du die Vor- und Nachteile einer Pauschale???
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.
Aus Erfahrung: Krebsvorsorge schadet nicht.
Evariste
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von Evariste »

FM hat geschrieben: 05.05.22, 20:11 War der Kunde denn gezwungen, die Arbeitsleistung auch mit zu buchen? Oder hätte er ebensogut nur die Ware kaufen können und sich dann selbst jemand suchen können, der es anschließt? Wobei selbst das nur relevant sein könnte, wenn er die Ware nur bei diesem einen Anbieter kaufen konnte und aufgrund einer Zwangslage unbedingt benötigte.
Man muss nicht unbedingt mit Wucher argumentieren. Da die Pauschale vermutlich nicht individuell verhandelt wurde, unterliegt sie der AGB-Kontrolle, § 307 Abs. 1 BGB:
Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Eine unangemessene Benachteiligung kann sich auch daraus ergeben, dass die Bestimmung nicht klar und verständlich ist.
Wenn also eine Pauschale generell viel zu hoch angesetzt wurde und dadurch Kunden systematisch übervorteilt wurden, ist sie unwirksam, auch wenn keine Zwangslage ausgenutzt wurde. Beachte aber "generell viel zu hoch". Ist hier nicht unbedingt zu erkennen. Weiß der TE denn überhaupt, welche Stundensätze etc. zugrundeliegen?
Tastenspitz
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von Tastenspitz »

Evariste hat geschrieben: 06.05.22, 12:31 AGB-Kontrolle, § 307 Abs. 1 BGB:
Schwierig. Man greift eine vereinbarte Pauschale über den Umweg an, diese sei generell zu hoch.
Wie will ich als Kunde denn den Nachweis führen, wie der Aufwand anderswo war? Bei Pauschalabrechnung wird mglw. noch nicht mal der Unternehmer selber hier Aufzeichnungen haben.
Evariste hat geschrieben: 06.05.22, 12:31 Weiß der TE denn überhaupt, welche Stundensätze etc. zugrundeliegen?
Da könnte auch ein Fehler sein. Manche nehmen ihr eigenes Brutto oder Stundenlohn, rechnen damit und landen natürlich völlig daneben.
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FM
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Re: Pauschale Arbeitspreise

Beitrag von FM »

Bei § 307 muss man auch den Abs. 3 S. 1 beachten:
Die Absätze 1 und 2 sowie die §§ 308 und 309 gelten nur für Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, durch die von Rechtsvorschriften abweichende oder diese ergänzende Regelungen vereinbart werden.
Hier ist nicht ersichtlich, dass es zur Preisgestaltung eine Rechtsvorschrift gäbe, von der abgewichen werden könnte.
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