Urlaub ein Menschenrecht?

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carn
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Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von carn » 20.04.10, 09:20

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/w ... 100943.ece
Leider nur englische Quelle gefunden, knapp auf Deutsch:
EU-Kommisar Tajani soll den Plan haben, alte und junge Menschen und Famlien in schwierigen Lagen einen Zuschuss bei den Urlaubskosten zu gewaehren, weil in Urlaub fahren ein Menschenrecht sei.

(Es geht hier nicht um ein Anrecht auf Urlaub im Sinne von "Wochen in denen man nicht arbeiten muss", sondern scheinbar tatsaechlich um ein Recht darauf in Malle am Strand zu liegen.)

"Tajani, who unveiled his plan last week at a ministerial conference in Madrid, believes the days when holidays were a luxury have gone. “Travelling for tourism today is a right. The way we spend our holidays is a formidable indicator of our quality of life,” he said.

Tajani, who used to be transport commissioner, said he had been able to “affirm the rights of passengers” in his previous office and the next step was to ensure people’s “right to be tourists”."

Weis jemand wieso sich das aus den Menschenrechten ergeben sollte?

Besteht aus Sicht des GGs ein Recht auf Urlaub?

Und kann (richtet sich an die, die meine Meinung teilen, dass das voellig gaga ist) dieser Missbrauch und Laecherlichmachung der Menschenrechte irgendwie gestoppt werden?

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 20.04.10, 10:40

Das Wort Urlaub kommt nur in Art. 48 GG vor.

carn
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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von carn » 20.04.10, 10:45

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:Das Wort Urlaub kommt nur in Art. 48 GG vor.
Natuerlich steht es nicht direkt drin, genausowenig wie in der EU-Charta. Es ist wenn dann eine indirekte Herleitung, die Tajani versucht.

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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 20.04.10, 11:14

carn hat geschrieben: Natuerlich steht es nicht direkt drin, genausowenig wie in der EU-Charta. Es ist wenn dann eine indirekte Herleitung, die Tajani versucht.
Nun, in den Urlaub - auch mit Hartz IV ist möglich. Dies gilt auch für Arbeitslosengeld 1 - Empfänger. Ferner gibt es das Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz).

Ob Rentner, Kranke oder "nur Hausfrauen/Hausmänner" einen Urlaubsanspruch haben, werden Sie sicher im Internet erforschen können. Zu Tajani habe ich keinen Kontakt, von daher kann ich nicht schreiben, was er meint oder denkt.

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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Tastenspitz » 20.04.10, 11:53

:shock:
Da versucht mal wieder jemand mit abstrusen Ideen in die Presse zu kommen und schafft es auch noch.
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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 20.04.10, 16:32

carn hat geschrieben:...
Leider nur englische Quelle gefunden, knapp auf Deutsch:
...
EU-Strategie für Tourismus - EU-Urlaubsgeld für Geringverdiener?

Hafish
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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Hafish » 21.04.10, 07:45

Vorschläge wie dieser sind es, die dazu führen, dass in der heutigen Zeit der Begriff "Menschenrecht" zu einer bloßen hohlen Phrase verkommen ist. Von der ursprünglichen Idee der Menschenrechte ist nichts mehr übrig. Urlaub soll also ein Recht sein, das einem Menschen nur aufgrund seines Menschseins zusteht? Ah ja...

Philosophisch hochinteressant wird es dadurch, dass dieser Vorschlag eine Diskriminierung von Arbeitslosen beinhaltet: Denn diesen wird ja dann schon aus der Natur der Sache heraus ein Menschenrecht entzogen. :lol:
Kritik kann subjektiv als verletzend empfunden werden und ist daher generell zu unterlassen. - jaeckel
;)

carn
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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von carn » 21.04.10, 08:56

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:
carn hat geschrieben:...
Leider nur englische Quelle gefunden, knapp auf Deutsch:
...
EU-Strategie für Tourismus - EU-Urlaubsgeld für Geringverdiener?

Dieser Artikel vermeidet es fein saeuberlich, die Begruendung der Politik mit "Urlaub ist ein Recht" zu erwaehnen.
Gegen die Politik als eine Art Subvention fuer die Tourismusindustrie in der Nebensaison spricht aus Verfassungssicht nichts, da unser Staat sowieso nach Belieben in die Wirtschaft hineinstupern darf, wenn er sich selbst beluegt es wuerde helfen.

Bezueglich der Begruendung dafuer, dass es ein Recht waere, kommt ich aus dem GG heraus soweit:

Durch GG1 hat jeder Mensch Anspruch auf ein soziokulturelles Existenzminimum.
Das soziokuluturelle Existenzminimum beinhaltet folgendes(von http://de.wikipedia.org/wiki/Existenzminimum):
"Das soziokulturelle Existenzminimum garantiert über das physische Existenzminimum hinaus ein Recht auf Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft."

Wuerde die ueberwiegende Mehrheit der Geselschaft regelmaessig in Urlaub fahren, dann koennte man versuchen zu argumentieren, dass die die sich das nicht leisten koennen nicht am Leben der Gemeinschaft ausreichend teilhaben.

Da scheitert es aber an drei Stellen:
1. kann man in Malle am Strand liegen kaum als Teil des Lebens der deutschen Gesellschaft bezeichnen, da Malle zu Spanien gehoert und da auch Angehoerige vieler anderer Nationen am Strand liegen.
2. faehrt ein erheblicher Teil der Deutschen gar nicht regelmaessig in Urlaub (http://de.wikipedia.org/wiki/Tourismus#Deutschland) :
"48,1 Millionen Deutsche über 14 Jahre haben an mindestens einer Urlaubsreise teilgenommen, was einer Reiseintensität von 74,4 % entspricht."
Im Umkehrschluss haben 26.6% an keiner Urlaubsreise teilgenommen. Da das erheblich mehr als die von Armut betroffenen sind (um die 14%), geht also auch ein Teil derer die es sich leisten koennen nicht regelmaessig in Urlaub. Somit scheint es kein essentieller Bestandteil dessen zu sein, was Leben der Gemeinschaft ausmacht.
3. Ist ja die gemeinschaft in der man nicht sozial ausgegrenzt sein darf, das Umfeld in dem man lebt, was nichts oder wenig mit dem Umfeld zu tun hat, dass man in Malle hat.

@Hafish
Ideen, wie man verhindern kann, dass das Menschenrecht zur hohlen Phrase wird?

Meine einzige Idee ist EU-Austritt, da in der EU das mit einer Leidenschaft geschehen kann, die nationalen Politikern deswegen teilweise verwehrt ist, weil sie gelegentlich auch fuer die Wohltaten die sie zahlen auch die Steuererhoehung beschliessen muessen - wobei ein so ein kleiner Schwachsinn natuerlich noch keinen Austritt rechtfertigt.

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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Tastenspitz » 21.04.10, 09:18

carn hat geschrieben: @Hafish
Ideen, wie man verhindern kann, dass das Menschenrecht zur hohlen Phrase wird?
Indem man solche blödsinnige Vorschläge von Politikern besteuert. Wenn die erst mal für Ihre nutzlosen Ergüsse bezahlen müssen, dann könnte es passieren, dass die erst denken und dann reden. :mrgreen:
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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Ronny1958 » 21.04.10, 10:10

Wenn es ein justiziables Menschenrecht/ Grundrecht auf Urlaub gäbe, wäre mE auch die Voraussetzung erfüllt, eine Verfassungsklage zur Einforderung des Grundrechts auf Arbeit (zu menschenwürdigen Bedingungen selbstverständlich) einzureichen.

Ansonsten schließe ich mich dem Besteuerungsvorschlag an, schwachsinnige Politikervorschläge sollten besteuert werden.

Mein Gott was hätte der schöne Guido dann für einen Grenzsteuersatz :devil:
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 21.04.10, 12:07

Hafish hat geschrieben:...
Philosophisch hochinteressant wird es dadurch, dass dieser Vorschlag eine Diskriminierung von Arbeitslosen beinhaltet: Denn diesen wird ja dann schon aus der Natur der Sache heraus ein Menschenrecht entzogen. :lol:
Nun ja, wenn in Art. 12 GG das "Recht auf Arbeit" verankert würde, dann könnte die Diskussion über "Recht auf Urlaub" sicher interessant sein. ;-)

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Re: Urlaub ein Menschenrecht?

Beitrag von Tastenspitz » 21.04.10, 12:25

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben: Nun ja, wenn in Art. 12 GG das "Recht auf Arbeit" verankert würde, dann könnte die Diskussion über "Recht auf Urlaub" sicher interessant sein. ;-)
Ich meine mich zu erinnern, dass das im Großversuch auf einem Teil der heutigen BRD schon mal probiert wurde. Soll aber angeblich gescheitert sein... 8)
Insofern stimme ich zu, dass erst ein Recht auf Arbeit umzusetzten sein dürfte und daraus über die geltende Gesetzgebung in D das Recht auf Urlaub automatisch gegeben wäre.
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