Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

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Michael A. Schaffrath
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 09.08.12, 15:54

Cogi hat geschrieben:Das Argument greift deshalb nicht, und sogar wenn man Ihren Punkt 3 anerkennen würde, bräuchte man keinen neuen „Staat“ zu gründen, nur weil die Staatsgewalten im Ursprungsstaat fehlten bzw. zerschlagen worden waren.


Es wurde ja auch kein neuer Staat gegründet. Es gab und gibt immer nur einen deutschen Staat. Die BRD ist staatsrechtlich identisch mit dem Deutschen Reich, genau das hat das BVerfG doch gesagt. Den Passus vergißt Ihre "das Deutsche Reich besteht fort"-Fraktion doch immer wieder nur zu gerne.
Cogi hat geschrieben:Das GG ist einfach keine demokratische Verfassung, wie solche allgemein definiert sind, weil nicht vom Souverän verfasst bzw. genehmigt, sondern... siehe Historie – weshalb sie ja den Art. 146 enthält.
Erstens gibt es eine solche "allgemeine Definition" nur in Ihrem Kopf. Zahlreiche Verfassungen der Weltgeschichte wurden nicht durch eine Volksabstimmung ratifiziert (wobei ich Ihnen in sofern recht gebe, daß es in den USA auch cranks aller Schweregrade gibt, von "das X. Amendment wurde nie korrekt ratifiziert" über "seit ... sind die USA eine Firma" bis zu "die Verfassung selbst kam nicht legitim zustande"). Komischerweise wünschen die sich auch alle nur die Sklaverei/Rassentrennung zurück und Stimmrechte nur für Männer und so Zeug. Ich habe nie gehört, daß ein Vertreter der Reichsspinnerfraktion unser aktuelles Leben gut findet und nur die rechtliche Situation "glattziehen" will. Immer geht es um "zurück in die Steinzeit", ich frage mich, wieso...

Und auch hier wieder der Realitätscheck: Sie glauben also allen Ernstes, die aktuelle Verfassung sei "ungültig" und die ganze Bevölkerung würde nur zu gerne für eine völlig andere Verfassung stimmen, wenn man sie nur lassen würde. Dafür hat sie aber über 60 Jahre lang nichts großartig unternommen, sie war vermutlich komplett "gehirngewaschen" und hat nur auf die Aufklärung durch Leute wie Sie (bei denen es offenbar nicht viel zu waschen gab) gewartet. Alles klar...
Cogi hat geschrieben:wenn ein (ehemaliger) Kriegsgegner Aktionen gegen Dtl unternehmen würde und sich dabei auf die UN-Charta berufen würde, hätte er als Agressor Vorwürfe und Sanktionen von der Völkergmeinschaft zu befürchten, weil die Resolution die entsprechenden Art. als obsolet erklärt hat?
Korrekt.

Ist ja auch irgendwie interessant, daß noch keiner der bösen UN-Staaten die Feindstaatenklausel gezogen hat - weder als Deutschland sich wiederbewaffnet hat, noch als man den Irak-Krieg nicht mitmachen wollte und Militärflugzeugen den Überflug nicht gestattet hat, noch jetzt wo Deutschland das letzte Land mit einer Triple-A-Bewertung der Ratingagenturen ist. ;)
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Cogi » 11.08.12, 17:33

@moro
Für die Bundesrepublik Deutschland hat der Parlamentarische Rat das Grundgesetz ausgearbeitet. Dessen Mitglieder waren gewählte Vertreter der Landtage.
Das klingt, als wäre Dtl. damals frei gewesen; dabei ist ja wohl unbestritten, dass alle diese Aktionen unter Kontrolle und Genehmigungsvorbehalt der Allierten stranden. Bzw.: „Nachdem die Londoner Konferenz vom November und Dezember 1947 erfolglos geblieben war, beschlossen die Westalliierten die Errichtung eines westdeutschen Teilstaates“, wie es in Wikipedia steht.

Zu suggerieren BRD und GG wären demokratisch, also als Ausdruck des Volkswillen zustande gekommen, entspricht dem gleichen Mythos, der den Schülern jenseits der Mauer im Staatsbürgerkunde-Unterricht (wie das damals hieß) gelehrt wurde.

Eben deshalb gibt es ja den Art. 146.

Dass Ex-Verfassungsrichter Di Fabio erklärte, der Artikel habe „rein deklaratorische Bedeutung, er regelt etwas Selbstverständliches", mag zwar seine Meinung sein, doch ist das schon allein deshalb Unsinn, weil man etwas Selbstverständliches ja wohl nicht in eine Verfassung schreiben muss. Insbesondere dann nicht, wenn, wie es im dazugehörigen Wiki-Artikel heißt, die Rechtslage völkerrechtlich komplex ist.

Zum Grundgesetz:

Was soll der Hinweis zum Niederländischen und Dänischen GG? Ob eine Verfassung „Grundgesetz“, „Verfassung“ oder „Volksdeklaration“ genannt wird, ist doch völlig wurscht. Es muss nur eine sein; und ob es eine ist, bestimmt sich (u.a.) daran, wie sie zustande gekommen ist.



@ Mount'N'Update
Sind Sie nicht derjenige, der die Existenz der Bundesrepublik infrage stellt...?
Hab ich das? Wo?

Wie schrieben Sie oben?: „Mein Tipp: Langzeitgedächtnis trainieren, im Zweifel ... noch mal nachlesen...“

...UN-Charta

Ob die besagten Artikel nicht mehr gelten, wie Sie meinen, wäre sicherlich eine erläuternswerte Frage - zu der dann gehört, warum diese in dem Fall nicht einfach gestrichen werden, wenn das so klar ist.
Haben Sie auch eine halbwegs schlüssige Begründigung, wie und warum eine UN-Resolution die Charta aushebelt?
Deutschland ist ein verlässlicher Partner der Weltgemeinschaft geworden. Ihn dann noch als Feindstaat zu titulieren, wäre sicher nicht angemessen, gelinde ausgedrückt.
Meine Rede! Warum tut man das dann jedoch implizit in der Charta, und ändert die Artikel nicht?
In dem Zusammenhang sei noch kurz auf die subtilen Manipulationsversuche eines Diskutanten hier verwiesen, der als Großmeister der Englischen Sprache „considering“ mit "unter Berücksichtigung der Tatsache (!)" als korrekt übersetzt ansieht und quasi im Gegenzug Schulnoten für Englischkenntnisse verteilt.
Mitnichten: im Begriff „considering“ ist sicherlich keine „Tatsache“ versteckt, sondern wenn, dann eher eine Art Gegenteil. Allerdings bestätigt das Posting den volkstümlichen Ausdruck „Rechtsverdreher“ für Angehörige seiner Profession.

Worauf ich hinaus will: Die Resolution heilt das Problem sicherlich ein Stück; doch verweist sie gleichzeitig auf das Nichtgeheilte. Das ist übrigens auch im Wiki-Artikel angedeutet, auf den die KRR-FAQ-Seite verlinkt:
Völkerrechtlich ist die Rechtslage insoweit komplex, als die Besetzung und Übernahme der Regierungsverantwortung nicht nach den Maßgaben der Haager Landkriegsordnung verlief oder an der klassischen Drei-Elemente-Lehre von Georg Jellinek zu messen war.
Die Formel „nicht nach den Maßgaben der Haager Landkriegsordnung“ kann man auch anders und klarer ausdrücken: völkerrechtswidrig.
Doch ist die Rechtslage nicht wegen der „Besetzung und Übernahme der Regierungsverantwortung“ komplex (die ja in gewisser Hinsicht legitim bzw. folgerichtig waren), sondern vielmehr, weil die Gründung der BRD und die Gebietsabtrennungen gegen geltendes Völkerrecht verstoßen haben.

Demzufolge müsste meine Eingangsfrage umgewandelt werden in die Frage: kann ein rechtswidrig entstandenes Rechtssubjekt Legitimität beanspruchen?

....

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 11.08.12, 18:24

Cogi hat geschrieben:...
Eben deshalb gibt es ja den Art. 146.
....
und es gab den Artikel 23 a.F. GG
Artikel 23 GG a.F. [24. Mai 1949-29. September 1990] hat geschrieben:Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen, Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.
Es gab nach dem GG zwei Wege, um die Einheit Deutschlands wieder herzustellen, und zwar:

1. den Beitritt nach Artikel 23 GG oder

2. über Artikel 146 GG ( siehe auch vorherige Fassung).

Gewählt wurde die Selbstauflösung der DDR und den Beitritt der neuen Bundesländer zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Dies ist doch nun wirklich nicht so schwer zu verstehen - oder?

Wie wäre's mal mit was neuem?

Mount'N'Update

Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Mount'N'Update » 11.08.12, 22:18

Cogi hat geschrieben: Zu suggerieren BRD und GG wären demokratisch, also als Ausdruck des Volkswillen zustande gekommen, entspricht dem gleichen Mythos, der den Schülern jenseits der Mauer im Staatsbürgerkunde-Unterricht (wie das damals hieß) gelehrt wurde.

Eben deshalb gibt es ja den Art. 146.
Das ist das was ich sagte. Wenn Sie sagen, das GG sei nicht demokratisch und deshalb illegitim, so ist es auch der Art. 146.
Dass Ex-Verfassungsrichter Di Fabio erklärte, der Artikel habe „rein deklaratorische Bedeutung, er regelt etwas Selbstverständliches", mag zwar seine Meinung sein, doch ist das schon allein deshalb Unsinn, weil man etwas Selbstverständliches ja wohl nicht in eine Verfassung schreiben muss. Insbesondere dann nicht, wenn, wie es im dazugehörigen Wiki-Artikel heißt, die Rechtslage völkerrechtlich komplex ist.
Das ist nicht nur eine Meinung, der ist ein Fachmann. Was Wikipedia schreibt, muss nicht immer als Maßstab gelten; es enthält - wie jedes andere Lexikon auch - zahlreiche Fehler. Ob dies auch einer ist, weiß ich nicht, aber im Zweifel würde ich dem Verfassungsrichter glauben.

Zum Grundgesetz:

Was soll der Hinweis zum Niederländischen und Dänischen GG? Ob eine Verfassung „Grundgesetz“, „Verfassung“ oder „Volksdeklaration“ genannt wird, ist doch völlig wurscht. Es muss nur eine sein; und ob es eine ist, bestimmt sich (u.a.) daran, wie sie zustande gekommen ist.
Das hatten Sie weiter oben aber auch vom Namen abhängig gemacht. Wie die Bezeichnung "Grundgesetz" zustande kam, wissen Sie nicht, aber vermutlich interessiert es Sie auch nicht.
@ Mount'N'Update
Sind Sie nicht derjenige, der die Existenz der Bundesrepublik infrage stellt...?
Hab ich das? Wo?
Ebenfalls weiter oben. :roll:
Wie schrieben Sie oben?: „Mein Tipp: Langzeitgedächtnis trainieren, im Zweifel ... noch mal nachlesen...“
Na, etwas ist dann doch haften geblieben... :wink:
...UN-Charta

Ob die besagten Artikel nicht mehr gelten, wie Sie meinen, wäre sicherlich eine erläuternswerte Frage - zu der dann gehört, warum diese in dem Fall nicht einfach gestrichen werden, wenn das so klar ist.
Weil Selbstverständlichkeiten ja eigentlich nicht müssten, wie Sie meinen - siehe oben. :roll:
Haben Sie auch eine halbwegs schlüssige Begründigung, wie und warum eine UN-Resolution die Charta aushebelt?
Sagen Sie's doch: Sie hebelt die Charta nicht aus. Und was erwarten Sie jetzt? Dass Deutschland gleich morgen angegriffen wird, wenn jemand feststellt, dass Resolutionen der Generalversammlung völkerrechtlich nicht bindend sind? Das heißt doch nicht, dass sich nicht trotzdem jeder daran hält, oder?
In dem Zusammenhang sei noch kurz auf die subtilen Manipulationsversuche eines Diskutanten hier verwiesen, der als Großmeister der Englischen Sprache „considering“ mit "unter Berücksichtigung der Tatsache (!)" als korrekt übersetzt ansieht und quasi im Gegenzug Schulnoten für Englischkenntnisse verteilt.
Mitnichten: im Begriff „considering“ ist sicherlich keine „Tatsache“ versteckt, sondern wenn, dann eher eine Art Gegenteil. Allerdings bestätigt das Posting den volkstümlichen Ausdruck „Rechtsverdreher“ für Angehörige seiner Profession.
Ich habe nochmal nachgeschlagen: Considering bedeutet:

Präposition: In Anbetracht
Verb: betrachten, überlegen, nachdenken, erwägen.

"In Anbetracht" klappt eigentlich nur auf Tatsachen, etwas anderes kann ich nicht anbetrachten. :!:
Worauf ich hinaus will: Die Resolution heilt das Problem sicherlich ein Stück; doch verweist sie gleichzeitig auf das Nichtgeheilte. Das ist übrigens auch im Wiki-Artikel angedeutet, auf den die KRR-FAQ-Seite verlinkt:
Mein Papa sagte immer: "Steck' deine dumme Nase in schlaue Bücher." Ohne Ihnen jetzt ein nichtintellektuelles Riechorgan vorwerfen zu wollen, gebe ich diesen guten Rat seit jeher weiter. In dem Falle würde ich mich nicht auf die Wikipedia zurück ziehen, sondern mal zur echten Fachliteratur greifen.
Demzufolge müsste meine Eingangsfrage umgewandelt werden in die Frage: kann ein rechtswidrig entstandenes Rechtssubjekt Legitimität beanspruchen?
Widerspruch! Das wäre eine neue Frage, die hier nicht hingehört.

Michael A. Schaffrath
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 15.08.12, 14:07

Cogi hat geschrieben:Das klingt, als wäre Dtl. damals frei gewesen; dabei ist ja wohl unbestritten, dass alle diese Aktionen unter Kontrolle und Genehmigungsvorbehalt der Allierten stranden.
Das ist doch eine eher philosophische Frage - ist eine freie Entscheidung unfrei, weil sie theoretisch hätte unterdrückt werden können?
Wenn sich der damalige Bundestag/Bundesrat für die Verfassung entschieden hat und niemand von den Alliierten hat gesagt "enä, dat da dürf ihr net!", was ist der Unterschied zu einem Szenario, in dem es die Alliierten nicht gegeben hat?
Falls Sie religiös sind, abgewandelt: Hat der Mensch keinen freien Willen, nur weil Gottes Allmacht ihm jederzeit alles verbieten kann?
Cogi hat geschrieben:Was soll der Hinweis zum Niederländischen und Dänischen GG? Ob eine Verfassung „Grundgesetz“, „Verfassung“ oder „Volksdeklaration“ genannt wird, ist doch völlig wurscht. Es muss nur eine sein; und ob es eine ist, bestimmt sich (u.a.) daran, wie sie zustande gekommen ist.
Nein; da es kein "Weltverfassungsgesetz" gibt, bestimmt sich die Verfassungseigenschaft überhaupt nicht an irgendwelchen konkreten Regeln. Auch eine vom Gottkönig per Dekret verordnete Verfassung ist eine Verfassung. Oder hat z.B. das Königreich Tonga keine Verfassung, nur weil es keine Demokratie ist?
Cogi hat geschrieben:In dem Zusammenhang sei noch kurz auf die subtilen Manipulationsversuche eines Diskutanten hier verwiesen, der als Großmeister der Englischen Sprache „considering“ mit "unter Berücksichtigung der Tatsache (!)" als korrekt übersetzt ansieht und quasi im Gegenzug Schulnoten für Englischkenntnisse verteilt.
Ach, Sie fanden das subtil? Ich fand meine Ausdrucksweise ziemlich eindeutig. Ich habe zweisprachiges Aufwachsen, 7 Jahre Englisch in der Schule, mehrere Jahre Studium incl. Abschluß in den USA und tägliche Konversation mit letzteren anzubieten. Wohlgemerkt, juristisches Fachenglisch und nicht "yo dude how's the weather". Was ist Ihr claim to fame bzgl. Englischkenntnissen?
Wer von uns beiden kann also besser beurteilen, wie ein Term im fachlichen Kontext zu übersetzen ist?
Cogi hat geschrieben:Mitnichten: im Begriff „considering“ ist sicherlich keine „Tatsache“ versteckt, sondern wenn, dann eher eine Art Gegenteil. Allerdings bestätigt das Posting den volkstümlichen Ausdruck „Rechtsverdreher“ für Angehörige seiner Profession.
Und wovon träumen Sie nachts? Mein Profil besagt doch "Unternehmensberater". Die sind doch eigentlich eher nicht als "Rechtsverdreher" bekannt. Oder haben Sie meinen Namen auf der geheimen Illuminatenrolle unter "Anwalt" gefunden? :roll:
Cogi hat geschrieben:Die Formel „nicht nach den Maßgaben der Haager Landkriegsordnung“ kann man auch anders und klarer ausdrücken: völkerrechtswidrig.
Selbst wenn dem so sein sollte, hat die normative Kraft des Faktischen das alles geregelt, s.u.
Cogi hat geschrieben:Doch ist die Rechtslage nicht wegen der „Besetzung und Übernahme der Regierungsverantwortung“ komplex (die ja in gewisser Hinsicht legitim bzw. folgerichtig waren), sondern vielmehr, weil die Gründung der BRD und die Gebietsabtrennungen gegen geltendes Völkerrecht verstoßen haben.
Ihr geliebtes '73er-Urteil des BVerfG besagt doch gerade, daß kein neuer Staat gegründet, sondern der eine deutsche Staat neu organisiert wurde.
Und Ihre "Gebietsabtrennungen" sind - egal wie herum man den '45er-Status interpretieren will - längst legalisiert. Im Völkerrecht läuft es nun mal nicht nach dem Motto "1775 hat Prinz Poldi völkerrechtswidrig Tokio an die Spaselacken gegeben, deswegen ist jetzt alles aus den letzten 250 Jahren ungültig und eigentlich gehört Japan komplett uns".
Und da kann man auch zu keinem Weltgerichtshof laufen, den Rechtsnachfolger der Spaselacken verklagen und bekommt dann Tokio wieder zugesprochen. Völkerrecht arbeitet nicht so wie das Amtsgericht Popenhausen.
Cogi hat geschrieben:Demzufolge müsste meine Eingangsfrage umgewandelt werden in die Frage: kann ein rechtswidrig entstandenes Rechtssubjekt Legitimität beanspruchen?
Unter Berücksichtigung Ihrer verqueren Termini: klar.
Die USA haben sich nicht legal von England abgespalten.
Taiwan hat sich nicht legal von China abgespalten.
Kuwait hat sich nicht legal vom Irak abgespalten.

Und für Ihr precious German Reich findet sich sicherlich auch irgendwas, das seine Legitimität mit dem gleichen Argument torpediert. Oder meinen Sie, in den Jahrhunderten vor 1945 sei immer alles "nach Völkerrecht" abgelaufen?

Aber genau Ihre Denke ist für mindestens die Hälfte aller Kriege der Weltgeschichte verantwortlich - "die Provinz Kasuppien hat vor 290 Jahren mal uns gehört und der damalige Prinz hat die rechtswidrig hergegeben, die holen wir uns jetzt zurück, und zwar mit Gewalt!".
Pfui Deibel!
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von juggernaut » 24.08.12, 08:39

frisch aus´m urlaub zurück und gleich mal den kaffee verschüttet:
Michael A. Schaffrath hat geschrieben:Dafür hat sie aber über 60 Jahre lang nichts großartig unternommen, sie war vermutlich komplett "gehirngewaschen" und hat nur auf die Aufklärung durch Leute wie Sie (bei denen es offenbar nicht viel zu waschen gab) gewartet. Alles klar...
:lachen: :lachen: :lachen:



unser cogi ist wahrscheinlich eh ´n waschechter italiener.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 28.08.12, 14:08

juggernaut hat geschrieben:unser cogi ist wahrscheinlich eh ´n waschechter italiener.
Ich habe solchen Unsinn wie von ihm bisher noch in keinem europäischen Ausland gehört, da muß ich meine Gastgeber hier mal in Schutz nehmen. In den USA finden sich allerdings zuhauf vergleichbare Leutchen (da kommt dann die Religion noch mit in die Suppe, das macht es besonders haarig).
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von juggernaut » 28.08.12, 14:53

oh - ich habe offenbar um mehr ecken gedacht als du nachvollzogen hast:

mithilfe cogi´s argumentation habe ich einfach unterstellt, dass er aus südbayern, südhessen oder süd-bawü, jedenfalls südlich des limes stammt und deshalb eben noch römer, heutzutage also italiener, ist. denn westrom hat nie aufgehört zu existieren, also jedenfalls nicht, dass mir bekannt wäre, denn ostrom hat fortexistiert und die ansprüche auf die ehemaligen gebiete nie - weder de facto noch gar de jure - aufgegeben; und benito hat ausdrücklich erklärt, dass italien direkter nachfahre der römer sei (na gut, im erobern jetzt nicht wirklich auch nur halbwegs so erfolgreich ...). die bundesrepublik deutschland existiert also nicht, da könnte ja jede ehemalige römische provinz auf die idee kommen, sich selbständig zu machen ... wenn ostrom (also wahlweise die türken, die syrer, die griechen oder die ägypter) erst wieder stark genug ist ...


ergo: cogi = italiener.


(es sei denn, meine prämisse wäre falsch und cogi würde tatsächlich doch aus dem freien teil germaniens stammen. aber dann könnte er auch däne, österreicher, sowie je nach genauer datierung und wohnort aber auch engländer sein. bei der einordnung als römer habe ich selbstverständlich verallgemeinert, denn nur einigen germanischen provinzen wurde das römische bürgerrecht zugesprochen, während andere es nicht bekamen. man konnte also auch auf dem gebiet des römischen reiches geboren sein und trotzdem kein römer. aber diese details interessieren hier ja nicht, ebensowenig wie das winzige detail, das ich - kraft sachverstandes, also willkürlich - das jahr 117 n.C. als "nullpunkt" zugrundegelegt habe. aber da cogi sich diese freiheit bei seinem nullpunkt 1945 [oder doch 1949?] ebenfalls genommen hat, kann das ja nicht falsch sein).


keinesfalls wollte ich den geehrten meistern des durchwurschtelns [(c) german mirror] auf dem stiefel zu nahe treten.


EDITH hat noch links eingefügt.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 29.08.12, 17:16

juggernaut hat geschrieben:oh - ich habe offenbar um mehr ecken gedacht als du nachvollzogen hast
Ja, der Sprung war mir zu weit. Ich könnte jetzt sagen, ich lese hier im Forum nur mit 50% meiner vollen Aufmerksamkeit, aber das wäre wohl etwas peinlich für mich... :oops: :lol: 8)

Aber danke für die ausführliche Erklärung. 8) Ich würde trotzdem nur so weit gehen, daß cogi dann möglicherweise Römer ist. Ob "Italien" als Staat überhaupt so legitim ist, damit wird er sich vermutlich als nächstes befassen müssen. :twisted:
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von aks » 12.10.12, 16:42

Also, ich habe nun viele Seiten gelesen,
genau wollte ich nur wissen, was die Anregungen vom Verfassungsgericht zu bedeuten hatten, zur Wiedervereinigung, und sicher auch die Aussage von unseren Politikern zu Deutschen Reich.

Ob man dann Rechts ist, links wenn nicht oder was auch immer sollte doch nicht die Frage sein! Was wäre den negativ am Deutschen Reich jetzt? Die Grenzen wären sicher jetzt nicht zu verändern?
Ist Frankreich negativ, wäre dann Frankland besser?

Also ich verstehe nicht was da genau oder nur hier, besser was hier abgeht, aber wäre es keine legitime Regierung, dann gäbe es für mich keinen legitimen Euro oder Steuern das wäre für mich wichtiger nur um der Sache auf den Grund zu gehen, ohne Rechts, ohne Links, ohne NS oder so einen Schmarn.

Was viele Länder von uns halten sieht jeder in den Nachrichten.

Ob nun besetzt oder nicht, wir haben ihn angefangen diesen Krieg und nicht gewonnen! Das ist schon mal Fakt! Ob Stalin besser war, Atombomben auf Japan na ja?

Aber was ist besser, Deutschland oder das Deutsches Reich, oder ist beides das Gleiche nur andere Wörter? das wäre wichtig. Hat die Regierung dann bestand? Gelten die Gesetze noch?

Danke,
Links ist immer der, der in einer Rechten Regierung am falsche Ende sitzt.

Michael A. Schaffrath
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 15.10.12, 16:13

aks hat geschrieben:Also, ich habe nun viele Seiten gelesen,
... und dann einen sinnfreien stream of consciousness abgelassen. Wozu?
aks hat geschrieben:genau wollte ich nur wissen, was die Anregungen vom Verfassungsgericht zu bedeuten hatten, zur Wiedervereinigung, und sicher auch die Aussage von unseren Politikern zu Deutschen Reich
Das hat man Ihnen und anderen doch nun ausgiebigst erklärt. Was für Fragen haben Sie denn nun konkret noch? Oder müssen wir das auf das Niveau heruntertragen, auf dem sich Ihre Sprachkenntnis ausweislich Ihres Geschreibsels offenbar bewegt?
aks hat geschrieben:Was wäre den negativ am Deutschen Reich jetzt? Die Grenzen wären sicher jetzt nicht zu verändern?
Die Grenzfrage ist einer der Gründe, weswegen das Pseudo-Thema immer wieder aus der rechten Ecke hervorgeholt wird - der verzweifelte Versuch, irgendwie zu verargumentieren, wieso eindeutige bindende völkerrechtliche Verträge (Oder-Neiße-Grenze) nun doch nicht bindend sein sollen.

Die einzige andere Motivation kommt aus der Ecke der (unpolitischen) Sturköppe, die nicht einsehen wollen, wieso sie einen Prozeß verloren oder einen Strafzettel bekommen oder ein Unternehmen in die Pleite geritten haben und nun nach den abenteuerlichsten Gründen suchen, wieso sie eine staatliche Handlung (Urteil, Strafzettel, Insolvenz) nicht akzeptieren zu brauchen.
aks hat geschrieben:aber wäre es keine legitime Regierung, dann gäbe es für mich keinen legitimen Euro oder Steuern das wäre für mich wichtiger nur um der Sache auf den Grund zu gehen
Da können Sie auch gleich versuchen zu beweisen, daß die wahre Realität so aussieht wie in "The Matrix". Glauben Sie etwa im Ernst, es gäbe eine weltweite Verschwörung gegen Deutschland, um zu vertuschen, daß es "keine legitime Regierung wäre", wie Sie faseln? Was muß ich eigentlich rauchen oder trinken und in welcher Menge, um auf solche Ideen zu kommen?
aks hat geschrieben:Aber was ist besser, Deutschland oder das Deutsches Reich, oder ist beides das Gleiche nur andere Wörter? das wäre wichtig.
Wie schon gesagt, das ist das Gleiche, jedenfalls in der echten Welt. Ein Deutschland, ein deutscher Staat, der über die Jahrhunderte immer mal anders hieß und auch andere Grenzen hatte. Haben Sie in Geschichte eigentlich komplett gefehlt oder war Ihre Schullaufbahn schon nach der 4. Klasse zuende?
aks hat geschrieben:Hat die Regierung dann bestand? Gelten die Gesetze noch?
Wenn sich herausstellt, daß wir doch in der Matrix leben, gelten selbstverständlich nur die Gesetze unserer Geliebten Außerirdischen Herrscher.
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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Ronny1958 » 15.10.12, 16:30

Wenn sich herausstellt, daß wir doch in der Matrix leben,
Ich dachte wir leben in einer Murmel?

Men in Black 1, Schlußszene...
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 15.10.12, 17:14

aks hat geschrieben:Also, ich habe nun viele Seiten gelesen,
genau wollte ich nur wissen, was die Anregungen vom Verfassungsgericht zu bedeuten hatten, zur Wiedervereinigung, ...
Das Grundgesetz sah zwei Möglichkeiten vor, um die Einheit Deutschlands wieder herstellen. Diese waren:

1. die Wiedervereinigung oder

2. der Beitritt eines Teils Deutschland zum Geltungsbereich des Grundgesetzes.

Gewählt wurde die Variante 2, in dem sich die DDR als eigenständiger Staat aufgelöst hat und die Länder Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt dem Geltungsbereich des Grundgesetzes beigetreten ist. (vgl. Art. 23 GG a.F.)
Art. 23 GG a.F. hat geschrieben:[29. September 1990-25. Dezember 1992]
Artikel 23. (weggefallen)

[24. Mai 1949-29. September 1990]

Artikel 23: Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen, Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.
Damit ist alles, was das Bundesverfassungsgericht oder Politiker vor dem Beitritt der ehemaligen DDR gesagt haben inzwischen Gegenstandslos geworden.

Flächenmäßig mag das Deutsche Reich im Laufe der Geschichte zwar größer (und auch kleiner) gewesen sein, aber dies ist nun wirklich Schnee von gestern.

Wie Sie dem Art. 146 GG (mit allen Änderungen) entnehmen können, gilt das Grundgesetz jetzt für das gesamte Deutsche Volk im jetzigen Bundesgebiet.

Mount'N'Update

Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Mount'N'Update » 15.10.12, 20:12

Ich glaube, der Artikel 146 bezieht sich weniger auf das Ziel der Deutschen Einheit, sondern hat zum Ziel, das Außerkraftsetzen durch Einzelne zu verhindern. Dieses Grundgesetz kann nur seine Gültigkeit verlieren, wenn das Deutsche Volk in freier Entscheidung (Wichtig!) eine neue Verfassung beschließt.

Für mich ist der Artikel also eher Schutzmechanismus als Option.

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Re: Wo ist das Deutsche Reich geblieben?

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 16.10.12, 12:23

Ronny1958 hat geschrieben:Ich dachte wir leben in einer Murmel?
Aber innerhalb der Murmel (die das ganze Universum umfaßt) in einer Matrix (die nur die Erde umfaßt), während sich die eigentlich "realen" Entitäten außerhalb dieser Matrix bewegen. ;)

Wer weiß, vielleicht besteht außerhalb der Matrix das Deutsche Reich ja noch und alle leben auf der Innenseite der Hohlen Erde und auf den Mond ist auch keiner gereist - so hätten alle Verschwörungstheoretiker gleichzeitig recht. :lol:
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