Kinderautositze Ersatz

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Celcite
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Kinderautositze Ersatz

Beitrag von Celcite » 22.02.19, 13:12

Guten Tag..
mal wieder ganz fiktiv...

A fährt, mit über 3 Promille Alkohol im Blut, in das, ordnungsgemäß geparkte Auto, von B
fährt weiter und fährt dann noch in das Auto von C das entgegen kommt.

B hat in seinem Fahrzeug 3 Hochwertige Kinderautositze (Wiederbeschaffungswert Neukauf absolut identischer Sitze ~1350€)

Hersteller der Autositze sagt "Ab 10km/h kann die unversehrtheit nicht mehr gewährleistet werden, die Sitze MÜSSEN getauscht werden und dürfen nicht weiter verwendet werden"

Hersteller sagt "Versicherung muss Neuwert zahlen"
Autositzhändler sagt das gleiche.
Herstellerschreiben an Versicherung weiter geleitet

Versicherung (im nachfolgenden möchte nur Zeitwert bezahlen

Vom Zeitwert bekommt B aber keine sicheren, garantiert unversehrten, Kinderautositze.

Der Anwalt der B über die Rechtschutz zur kostenlosen Auskunft vermittelt wird sagt "nein die Versicherung hat Recht"
Ein anderer Anwalt wiederum sagt "nein die Versicherung hat nicht Recht" (Verwirrspiel komplett)

Sollte sich, gglfs auf dem Klageweg, herausstellen dass die Versicherung wirklich im Recht ist. Könnte B gegen A zivielrechtlich vorgehen und die Summe einfordern da A ja unter starken Alkoholeinfluss stand?
Ist es nicht so dass man als Geschädigter nach einem Unfall nicht schlechter gestellt werden darf? Ist es nicht eine Schlechterstellung wenn man nach einem Unfall nur gebrauchte Sitze kaufen kann von welchen man NIE weiß ob diese nicht doch in einem Unfall verwickelt waren?

SusanneBerlin
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von SusanneBerlin » 22.02.19, 13:39

Hersteller der Autositze sagt "Ab 10km/h kann die unversehrtheit nicht mehr gewährleistet werden, die Sitze MÜSSEN getauscht werden und dürfen nicht weiter verwendet werden"
Wenn man mit Kindern im Kindersitz eine Vollbremsung macht bzw. mit 10 km/h gegen ein Hindernis fährt ist es nachvollziehbar, dass man die Kindersitze anschließend auswechselt, da sie durch die Zugkräfte auf das Rückhaltesystem beansprucht wurden.

Aber gilt das auch auch wenn ein anderes Auto gegen das stehende, unbesetzte Auto fährt und die Kindersitze (leer, ohne Kinder drin) dabei unbeschädigt blieben? Dabei werden die Sitze m.E. doch gar nicht beansprucht.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von FM » 22.02.19, 13:55

Celcite hat geschrieben: Sollte sich, gglfs auf dem Klageweg, herausstellen dass die Versicherung wirklich im Recht ist. Könnte B gegen A zivielrechtlich vorgehen und die Summe einfordern da A ja unter starken Alkoholeinfluss stand?
Nein, es geht ja um die Feststellung der Schadenshöhe. Und die ist in beiden Fällen gleich, egal ob gegen die Versicherung oder den Schädiger selbst geklagt wird. Dafür ist es auch ohne Bedeutung, in welchem Ausmaß der Schädiger schuldhaft gehandelt hat, Hauptsache eben dass überhaupt. Aber das ist ja gar nicht bestritten.

flokon
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von flokon » 22.02.19, 13:55

in Anlehnung an Susanne: Müsste die Versicherung nicht den Gutachter zahlen um zu überprüfen ob die Sitze Schaden genommen haben?

hambre
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von hambre » 22.02.19, 15:42

Müsste die Versicherung nicht den Gutachter zahlen um zu überprüfen ob die Sitze Schaden genommen haben?
Die Versicherung bestreitet den Schaden doch gar nicht. Es geht darum, ob sie den Neuwert oder den Zeitwert ersetzen muss.
Hersteller sagt "Versicherung muss Neuwert zahlen"
Autositzhändler sagt das gleiche.
OLG Koblenz, Urteil vom 12.12.2011 (Az.: 12 U 1059/10) => 10€ Abzug bei einem 3 Monate alten Kindersitz
AG Ansbach, Urteil vom 19.10.2016 (Az.: 5 C 721/16) => Voller Neuwertersatz

Evariste
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von Evariste » 22.02.19, 17:27

hambre hat geschrieben: OLG Koblenz, Urteil vom 12.12.2011 (Az.: 12 U 1059/10) => 10€ Abzug bei einem 3 Monate alten Kindersitz
AG Ansbach, Urteil vom 19.10.2016 (Az.: 5 C 721/16) => Voller Neuwertersatz
Man sollte darauf hinweisen, dass die 10 € Abzug nicht vom OLG, sondern vom Geschädigten festgesetzt wurden, das OLG hat das nur bestätigt:
Da der Nutzungsdauer eines Kindersitzes durch das Kindesalter und -gewicht eine absolute Grenze gesetzt ist, erwächst dem Kläger durch den Neuerwerb des Sitzes kein merklicher wirtschaftlicher Vorteil, so dass allenfalls ein geringfügiger Abzug anzusetzen wäre. Der von dem Kläger zugestandene Selbstbehalt von 9,99 € trägt diesem Umstand jedenfalls in hinreichender Weise Rechnung.
Im Ergebnis haben wir also 2 Urteile, die dem Abzug "Neu für alt" widersprechen.

Celcite
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von Celcite » 22.02.19, 21:33

SusanneBerlin hat geschrieben:
Hersteller der Autositze sagt "Ab 10km/h kann die unversehrtheit nicht mehr gewährleistet werden, die Sitze MÜSSEN getauscht werden und dürfen nicht weiter verwendet werden"
Wenn man mit Kindern im Kindersitz eine Vollbremsung macht bzw. mit 10 km/h gegen ein Hindernis fährt ist es nachvollziehbar, dass man die Kindersitze anschließend auswechselt, da sie durch die Zugkräfte auf das Rückhaltesystem beansprucht wurden.

Aber gilt das auch auch wenn ein anderes Auto gegen das stehende, unbesetzte Auto fährt und die Kindersitze (leer, ohne Kinder drin) dabei unbeschädigt blieben? Dabei werden die Sitze m.E. doch gar nicht beansprucht.
Laut Hersteller ist der Sitz in jedem Fall aus zu tauschen. (Zitat einer Nachricht: die Aufprallgeschwindigkeit ist entscheidend und hier setzen wir das Limit bei 10 km/h an)
Auch wenn das Auto stehend und unbesetzt war.
flokon hat geschrieben:in Anlehnung an Susanne: Müsste die Versicherung nicht den Gutachter zahlen um zu überprüfen ob die Sitze Schaden genommen haben?
Ein Gutachter kann nicht sagen ob die Sitze beschädigt wurden oder nicht.
Feinste Haarrisse sind mit bloßem Auto nicht zu erkennen. Lediglich ein Chrash Test würde zeigen ob der Sitz noch sicher ist. Danach ist er sicher hinüber.

Das getauscht werden muss ist unstrittig.

Vielen dank für die beiden Urteile.

Etienne777
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von Etienne777 » 23.02.19, 11:23

Die Richtung des Aufpralls des Wagens des A auf den parkenden Wagen des B sollte man auch nicht aus den Augen verlieren. Wenn der Aufprall auf den parkenden Wagen von hinten erfolgte, kann ich zu befürchtende Schäden an den Kindersitzen nicht wirklich nachvollziehen, da Rückhaltesysteme so wohl kaum beansprucht worden sein könnten. Daß der Hersteller einen Neukauf anrät, ist mit Blick auf seinen Absatz naheliegend, wird aber eher nicht genügen, nachzuweisen, daß die Sitze vorsorglich eines Austauschs bedürfen.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

Evariste
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von Evariste » 23.02.19, 15:44

Etienne777 hat geschrieben:Die Richtung des Aufpralls des Wagens des A auf den parkenden Wagen des B sollte man auch nicht aus den Augen verlieren. Wenn der Aufprall auf den parkenden Wagen von hinten erfolgte, kann ich zu befürchtende Schäden an den Kindersitzen nicht wirklich nachvollziehen, da Rückhaltesysteme so wohl kaum beansprucht worden sein könnten. Daß der Hersteller einen Neukauf anrät, ist mit Blick auf seinen Absatz naheliegend, wird aber eher nicht genügen, nachzuweisen, daß die Sitze vorsorglich eines Austauschs bedürfen.
Es ist bei sicherheitsrelevanten Bauteilen üblich, dass sie ausgetauscht werden, auch wenn sie wahrscheinlich (aber eben nicht sicher) noch in Ordnung sind.

Die Aussage des Herstellers dürfte auch eher dem Produkthaftungsgesetz geschuldet sein als seinem Umsatzinteresse, denn wenn er eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erteilt und es kommt dann dennoch zu einem Personenschaden, haftet er, ganz zu schweigen von dem Imageverlust. Solange die Aufprallgeschwindigkeit unter 10 km/h liegt, ist der Sitz noch in Ordnung, darüber kann und will der Hersteller für nichts mehr garantieren. Man könnte natürlich einen Gutachter beauftragen, das Ganze zu prüfen, die Kosten dafür stehen aber in keinem Verhältnis zum Kaufpreis.

Celcite
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von Celcite » 26.02.19, 11:59

Etienne777 hat geschrieben:Die Richtung des Aufpralls des Wagens des A auf den parkenden Wagen des B sollte man auch nicht aus den Augen verlieren. Wenn der Aufprall auf den parkenden Wagen von hinten erfolgte, kann ich zu befürchtende Schäden an den Kindersitzen nicht wirklich nachvollziehen, da Rückhaltesysteme so wohl kaum beansprucht worden sein könnten. Daß der Hersteller einen Neukauf anrät, ist mit Blick auf seinen Absatz naheliegend, wird aber eher nicht genügen, nachzuweisen, daß die Sitze vorsorglich eines Austauschs bedürfen.
Der Aufprall war von vorne.

Die ganze Angelegenheit liegt aber nun auch beim Anwalt.

Bei interesse berichte ich gerne die weitere Entwicklung. Wenn das gestattet ist?

Etienne777
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Re: Kinderautositze Ersatz

Beitrag von Etienne777 » 26.02.19, 16:22

Celcite hat geschrieben:Bei interesse berichte ich gerne die weitere Entwicklung. Wenn das gestattet ist?
Aber ja, sowas ist immer interessant. Danke.
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auf der Rückseite dieses Beitrags.

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