Seite 1 von 2

Radweg am Kreisverkehr - Vorfahrt

Verfasst: 18.03.09, 09:35
von Benjummin
Hallo zusammen,

eine hypothetische (!) Frage zu Kreisverkehren:

Ein Kreisverkehr ist ausserhalb der Fahrbahn von einem Radweg umgeben. Abstand Radweg - Fahrbahn ist ca. 1 Meter. Der Radweg ist zur Befahrung in beiden Richtungen freigegeben, an jeder Überquerung einer Aus- bzw. Einfahrt sind dazu auf dem Radweg in beiden Richtungen "Vorfahrt achten" Schilder aufgestellt.

Frage: Autofahrer haben beim Verlassen des Kreisverkehrs zu blinken. Wenn ein Autofahrer nun ohne zu blinken aus dem Kreisverkehr fährt, und es dadurch zu einem Unfall mit einem die Ausfahrt überquerenden Fahrradfahrer kommt, wer hat dann Schuld?
Der Verkehr im Kreisverkehr ist relativ dicht, der Fahrradfahrer kann nur dann die Straße überqueren, wenn er keine Autos sieht, die durch Blinkzeichen angeben, die vor ihm liegende Ausfahrt durchfahren zu wollen.

Freundliche Grüße,
Ben

Verfasst: 18.03.09, 11:57
von Hans Ulg
M.E. liegt auch dann, wenn der Autofahrer geblinkt hat keine Vorfahrtverletzung durch den Radfahrer vor, wenn der Radfahrer vor dem Autofahrer auf die Straße eingefahren ist.

Hier haben die Verkehrplaner eine Gefahrenstelle geschaffen, um Radfahrer möglichst in die Rolle der Schuldigen drängen zu können, wenn sie von einem abbiegenden Autofahrer angefahren werden.

Verfasst: 18.03.09, 12:26
von Kobayashi Maru
Ist es nicht so, daß beim Befahren bzw. Verlassen des Kreisverkehrs "rechts vor links" gilt? Demnach hätte der Radfahrer immer Vorfahrt. Hat das "Vorfahrtsschild" auf dem Radweg dann tätsächlich eine Bedeutung? Müßte dann nicht im Kreisverkehr auch ein "Hauptstraßenschild" stehen?

Ich habe jedenfalls während der Fahrschule gelernt (schon wieder.... :D ), daß Radfahrer und auch Fußgänger (!), wenn sie eine Ausfahrt des Kreisverkehrs überqueren wollen, immer Vorrang haben und sogar gewartet werden muß (was bei einem Kreisverkehr ziemlich dämlich ist), wenn erkennbar ist, daß Radfahrer oder Fußgänger die Ausfahrt überqueren wollen.

Verfasst: 18.03.09, 12:41
von Hans Ulg
Natürlich haben normalerweise Fußgänger und Radfahrer gegenüber Abbiegern Vorrang. Hier wollte man durch "Vorfahrt achten" den Radfahrern diesen Vorrang nehmen, damit sie bei einem Unfall selbst Schuld haben.
"Dämlich" finde ich es übrigens nicht, dass die StVO von abbiegenden Autofahrern Rücksichtnahme gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern fordert. Ein Nebeneffekt der obigen Regelung ist es auch, dass Autofahrern diese Rücksichtnahme endgültig aberzogen wird - auch gegenüber Fußgängern (und ihr Fahrrad schiebende) für die das "Vorfahrt achten" nicht gilt.

Verfasst: 18.03.09, 12:58
von Ivanhoe
Kobayashi Maru hat geschrieben: Ich habe jedenfalls während der Fahrschule gelernt (schon wieder.... :D ), daß Radfahrer und auch Fußgänger (!), wenn sie eine Ausfahrt des Kreisverkehrs überqueren wollen, immer Vorrang haben und sogar gewartet werden muß (was bei einem Kreisverkehr ziemlich dämlich ist), wenn erkennbar ist, daß Radfahrer oder Fußgänger die Ausfahrt überqueren wollen.
Fußgänger und Radfahrer haben immer Vorrang vor abbiegenden Fahrzeugen. Außer der Verkehr wird durch Ampeln geregelt.

Re: Radweg am Kreisverkehr - Vorfahrt

Verfasst: 18.03.09, 13:12
von karli
Benjummin hat geschrieben: "Vorfahrt achten" Schilder
Gibts laut StVO nicht.

Re: Radweg am Kreisverkehr - Vorfahrt

Verfasst: 18.03.09, 13:30
von Hans Ulg
karli hat geschrieben:
Benjummin hat geschrieben: "Vorfahrt achten" Schilder
Gibts laut StVO nicht.
Dann drücke ich mich mal verständlicher aus und ersetze es durch "Zeichen 205" .

Verfasst: 18.03.09, 15:30
von Biber
Hans Ulg hat geschrieben:Hier wollte man durch "Vorfahrt achten" den Radfahrern diesen Vorrang nehmen, damit sie bei einem Unfall selbst Schuld haben.
Haben Sie für diese abstruse Behauptung auch sowas wie einen Beleg?

Verfasst: 18.03.09, 15:56
von Hans Ulg
Biber hat geschrieben:
Hans Ulg hat geschrieben:Hier wollte man durch "Vorfahrt achten" den Radfahrern diesen Vorrang nehmen, damit sie bei einem Unfall selbst Schuld haben.
Haben Sie für diese abstruse Behauptung auch sowas wie einen Beleg?
Ohne Schild wäre die Rechtslage eindeutig geregelt. Man bräuchte also keine Beschilderung - außer man will das erreichen, was ich geschrieben habe.

Verfasst: 18.03.09, 15:58
von Versicherungsmensch
Das ist doch reine Spekulation. Ich könnte ja auch sagen, dass die Stadt Köln in Ehrenfeld keine Halteverbotsschilder in einer Straße anbringt um den Kfz-Werkstätten durch die Gefahrenquelle der parkenden Autos am Straßenrand (fehlende Übersichtlichkeit) mehr Kunden zu beschaffen. :roll:

Verfasst: 18.03.09, 16:12
von Hans Ulg
der_drebber hat geschrieben:Ich könnte ja auch sagen, dass die Stadt Köln in Ehrenfeld keine Halteverbotsschilder in einer Straße anbringt um den Kfz-Werkstätten durch die Gefahrenquelle der parkenden Autos am Straßenrand (fehlende Übersichtlichkeit) mehr Kunden zu beschaffen. :roll:
Das geparkt werden kann, hat ja einen nachvollziebaren Grund. Eine nachvollziehbaren Grund der Beschilderung - außer die Verschiebung der Schuldfrage - sehe ich aber nicht.

Verfasst: 18.03.09, 16:43
von Oberlehrer Lempel
Hallo,
dazu aus der Verwaltungsvorschrift zur StVO:
Zu § 9a Kreisverkehr

1 I. Die Zeichen 205 und 215 sind an allen einmündenden Straßen
anzuordnen (vgl. zu Zeichen 215).

2 II. Der Fahrradverkehr ist entweder wie der Kraftfahrzeugverkehr
auf der Kreisfahrbahn zu führen oder auf einem baulich
angelegten Radweg (Zeichen 237, 240, 241). Ist dieser baulich
angelegte Radweg eng an der Kreisfahrbahn geführt (Absatzmaß
max. 4-5 m), so sind in den Zufahrten die Zeichen 215
(Kreisverkehr) und 205 (Vorfahrt gewähren!) vor der
Radfahrerfurt anzuordnen. Ist der baulich angelegte Radweg
von der Kreisfahrbahn abgesetzt oder liegt der Kreisverkehr
außerhalb bebauter Gebiete, so ist in der Regel für den
Radverkehr Zeichen 205 anzuordnen.
Daraus ergibt sich:
Es kann sehr wohl Zeichen 205 ("Vorfahrt gewähren") auch für den Radweg angeordnet werden. Bei derart enger Führung des Radweges an der der Kreisfahrbahn (der TE schrieb von etwa 1 Meter) wäre es allerdings aufgrund der Verwaltungsvorschrift korrekt gewesen, die Zeichen 205 in den Zufahrten zum Kreisverkehr VOR dem Radweg anzuordnen, sodass Radfahrer die Vorfahrt vor den in den Kreisverkehr einfahrenden Fahrzeugen hätten.

Erst wenn der Abstand des Radweges von der Kreisfahrbahn mehr als etwa 4-5 Meter beträgt, soll in der Regel Zeichen 205 für den Radverkehr angeordnet werden, sodass dann also die Radfahrer sowohl den ein- als auch den ausfahrenden Fahrzeugen die Vorfahrt gewähren müssen.

Wie dem auch sei: Die VwV StVO ist für den Verkehrsteilnehmer nicht bindend. Er hat sich nach den Anordnungen durch Verkehrszeichen zu richten.
Im Beispiel des TE muss also der Radfahrer allen Fahrzeugen auf der Fahrbahn die Vorfahrt gewähren, auch den aus dem Kreisverkehr ausfahrenden Fahrzeugen, die entgegen der Vorschrift ihre Absicht nicht durch Blinken anzeigen.
Der Radfahrer darf erst dann fahren, wenn er sicher davon ausgehen kann, dass er keinem der Vorfahrtberechtigten die Vorfahrt nehmen wird.

Zur Schuldfrage:
Ist für den Radfahrer Zeichen 205 angeordnet, so würde ihn in der Regel die alleinige Schuld treffen (Vorfahrtsverletzung). Sollte der ausfahrende (und vorfahrtberechtigte) Fahrzeugführer seine Absicht nicht durch Blinken angezeigt haben, wird diesen eine eher geringe Teilschuld treffen.

gez. Lempel

Verfasst: 18.03.09, 16:57
von Kormoran
Kobayashi Maru hat geschrieben:Ist es nicht so, daß beim Befahren bzw. Verlassen des Kreisverkehrs "rechts vor links" gilt?
Nein, so ist es nicht. Zunächst einmal wäre zu klären, ob es denn tatsächlich ein Kreisverkehr ist. Ein solcher ist es dann, wenn er durch das Zeichen 215 als solcher ausgewiesen ist. Dann gilt für Vorfahrt und Fahrtrichtungsanzeigen § 9a StVO.

Wenn ein baugleiches Gebilde nicht mit Zeichen 215 ausgewiesen ist, sieht das Ganze zwar immer noch aus, wie ein Kreisverkehr, ist aber keiner. Üblicherweise ist die „Kreisbahn“ in diesen Fällen eine normale Einbahnstraße. Dann gilt an den Ein- und Ausfahrten zur „Kreisbahn“ die Verkehrsregelung, die dort ausgeschildert ist. Wenn nichts ausgeschildert ist, gilt rechts vor links. Außerdem muss hier beim Einfahren in die „Kreisbahn“ geblinkt werden.

Den Rest meines Beitrages habe ich an dieser Stelle weitgehend wieder in die Tonne getreten, weil mir OL zuvorgekommen ist *grummel*.

Ergänzend wäre nur anzuführen, dass laut VwV – StVO Zeichen 205 für den Radweg nicht nur dann angeordnet werden kann, wenn dieser abgesetzt ist, sondern auch dann, wenn sich der Kreisverkehr außerhalb bebauter Gebiete befindet.

Verfasst: 18.03.09, 18:16
von Hans Ulg
Oberlehrer Lempel hat geschrieben:Hallo,
Im Beispiel des TE muss also der Radfahrer allen Fahrzeugen auf der Fahrbahn die Vorfahrt gewähren, auch den aus dem Kreisverkehr ausfahrenden Fahrzeugen, die entgegen der Vorschrift ihre Absicht nicht durch Blinken anzeigen.
Der Radfahrer darf erst dann fahren, wenn er sicher davon ausgehen kann, dass er keinem der Vorfahrtberechtigten die Vorfahrt nehmen wird.
l

Vorfahrtberechtigter ist aber nur, wer sich bereits auf der Fahrbahn befindet, die der Radfahrer queren will. Er muss nicht rückwirkend jemandem die Vorfahrt gewähren, der erst nach ihm auf die Fahrbahn auffährt. Um das praktisch zu gewährleisten müsste er entweder Prophet sein oder sich schlagartig wegbeamen können. Beides ist aber m.W. selbst für Radfahrer bisher noch keine Voraussetzung zur Teilnahme am Straßenverkehr.

Verfasst: 26.03.09, 09:05
von Benjummin
Danke für die vielen Antworten!

Folgende Angaben noch ergänzend zur Frage:

Der "Kreisverkehr" ist nicht mit Zeichen 215 ausgewiesen.
Beim Verlassen der Kreisbahn steht für den Autofahrer ein Zeichen 350.
Der Autofahrer kommt beim Ausfahren aus der Kreisbahn erst über den Radweg, dann über den Zebrastreifen.
Beim Einfahren in die Kreisbahn sieht der Autofahrer ein um 90° nach rechts gedrehtes Zeichen 209-30.
Auf der Kreisbahn steht vor den jeweiligen Einmündungen in die Kreisbahn ein Zeichen 301.
Die Aus- und Einfahrten der Kreisbahn sind mit breiten, weißen, "gestrichelten" nicht durchgezogenen Fahrbahnmarkierungen (Wie die jetzt in ordentlichem Verkehrsdeutsch heißen weiss ich nicht) von der Kreisbahn getrennt. (Ich meine nicht den Zebrastreifen).
Vorfahrtberechtigter ist aber nur, wer sich bereits auf der Fahrbahn befindet, die der Radfahrer queren will. Er muss nicht rückwirkend jemandem die Vorfahrt gewähren, der erst nach ihm auf die Fahrbahn auffährt.
Ist das an dieser Stelle so gültig? Wenn ja, gilt dies auch an einem (bezüglich Fahrbahnmarkierung, Befahrbarkeit für Radfahrer in beide Richtungen mit Vorfahrt gewähren Schild) baugleichen Kreisverkehr, der jedoch mit Zeichen 215 ausgewiesen ist?

Freundliche Grüße,
Ben