Unfall : fahrlässige Körperverletztung

Moderator: FDR-Team

nunca
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 22.05.09, 13:48

Unfall : fahrlässige Körperverletztung

Beitrag von nunca » 22.05.09, 14:03

Sehr geehrte Community,

ich hatte vergangenen Samstag einen Verkehrsunfall. Mir ist das Auto ausgebrochen und gegen einen Baum. Lt. einem Zeugen ist es wegen überhöher geschwindigkeit ausgebrochen was aber nicht der Fall ist.

Erstmal zum Unfall: Wir sind mit etwa 60-65 km/h gefahren, alle hatten gute laune da wir gerade unterwegs zu einer Disco waren. Dann hat mich ein insasse abgelenkt, ich hab kurz zu ihm geguckt und als ich wieder zustraße blickte war vor uns eine verkehrsinsel die ein stück in die straße reingeragt hat, was ich vorher nicht gesehen hab. Ich habe probiert auszuweichen, allerdings hatte das auto heckantrieb, kein esp und ich bin das erste mal mit dem auto gefahren, deswegen ist es mir direkt ausgebrochen. Wir sind ins schleudern gekommen und etwa 200-300meter weiter gegen einen Baum geknallt. Ich erinner mich nur noch daran, dass ich probiert hab der verkehrsinsel auszuweichen.
Bei dem Unfall haben sich 4 insassen leicht verletzt und der beifahrer hat einen Gebrochenen Fuß.

Jetzt habe ich eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletztung in 4 fällen wegen überhöher geschwindigkeit.
Ich bin schuld, dass ist klar. Gibt es eine möglichkeit das meine Probezeit nicht verlängert wird?

Mit freundlichen Grüßen,
nunca

Herzog, Jörg
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1245
Registriert: 30.09.08, 16:04

Beitrag von Herzog, Jörg » 22.05.09, 15:38

Die Fahrerlaubnis auf Probe ist geregelt in § 2 a StVG. Wenn während der Probezeit eine rechtskräftig festgestellte Tat begangen wird, die in den Katalog der §§ 2 a, 28 III Nr. 1-3 StVG fällt, so wird wohl eine Aufbauseminar angeordnet werden und darüber hinaus nach § 2 a Absatz 2a StVG die Probezeit um zwei Jahre verlängert werden. Die fahrlässige Körperverletzung nach § 229 StGB ist eine solche Katalogtat.

Lässt sich ein junger Fahrer in einem vollbesetzten Fahrzeug, das er nicht kennt, von einem Insassen ablenken, indem er mehr auf den Insassen achtet als auf den Straßenverkehr, ist wohl sogar von grober Fahrlässigkeit auszugehen, möglicherweise wird der Schuldvorwurf sogar auf § 315 c StGB erweitert, wenn im Bereich der Verkehrsinsel in Anbetracht der eingeengten Verkehrssituation tatsächlich zu schnell gefahren wurde. Ist der Täter uneinsichtig, wirkt sich das in der Regel strafschärfend aus. Der Fahrer F sollte sich meines Erachtens schleunigst an einen Strafverteidiger seiner Wahl wenden, der im Verkehrsrecht "firm" ist. Ist der Fahrer verkehrs-rechtsschutz-versichert, so trägt die Rechtsschutz-Versicherung die Kosten des Verfahrens und des Rechtsanwaltes, wenn lediglich wegen Fahrlässigkeit verurteilt oder das Verfahren eingestellt wird.

Kormoran
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6544
Registriert: 01.06.06, 23:41

Beitrag von Kormoran » 22.05.09, 17:37

Herzog, Jörg hat geschrieben:Ist der Täter uneinsichtig, wirkt sich das in der Regel strafschärfend aus
Und ohne jemandem zu nahe treten zu wollen - ich äußere nur einmal ein paar Gedanken - Uneinsichtigkeit kann man auch dadurch dokumentieren, dass man eine zu hohe Geschwindigkeit - wenn sie denn gefahren wurde - nicht zur Kenntnis nimmt und die Schuld bei Heckantrieb und fehlendem ESP sucht.

Ich verweise einmal auf die Faustformel zur Berechnung des Anhalteweges: Faustformel

Bei 65 km/h ergäben sich ein Reaktionsweg von 19,5 m und ein Bremsweg von 42,25 m. Bei einer Gefahrbremsung ein Bremsweg von 21,125 m.

Das führt zu einem Anhalteweg von 61,75 m, bzw. 40,625 m im Fall einer Gefahrbremsung.

Dieser Rechnerermöglicht auch noch schön das Einbeziehen der Straßenverhältnisse und Technik.

Natürlich ist dies nur ein grober Anhalt aus der Ferne, aber diese Überlegungen bieten natürlich Raum für Zweifel an der Geschwindigkeitsangabe, wenn man bedenkt, dass das Fahrzeug laut Sachverhalt nicht einmal nach 200 – 300 m stand, sondern durch einen Baum gestoppt wurde – und zwar so stark, dass es 4 Verletzte gab.

Jens L
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3528
Registriert: 10.11.05, 19:13

Beitrag von Jens L » 22.05.09, 18:08

Herzog, Jörg hat geschrieben:Wenn während der Probezeit eine rechtskräftig festgestellte Tat begangen wird, die in den Katalog der §§ 2 a, 28 III Nr. 1-3 StVG fällt, so wird wohl eine Aufbauseminar angeordnet werden
Das ist so nicht korrekt. §2a Abs. 2 StVG lautet
Ist gegen den Inhaber einer Fahrerlaubnis wegen einer innerhalb der Probezeit begangenen Straftat oder Ordnungswidrigkeit eine rechtskräftige Entscheidung ergangen, die nach § 28 Abs. 3 Nr. 1 bis 3 in das Verkehrszentralregister einzutragen ist, so hat, auch wenn die Probezeit zwischenzeitlich abgelaufen ist, die Fahrerlaubnisbehörde
1. seine Teilnahme an einem Aufbauseminar anzuordnen und hierfür eine Frist zu setzen, wenn er eine schwerwiegende oder zwei weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen begangen hat, …
Für die Frage, ob im vorliegenden Fall tatsächlich ein Aufbauseminar angeordnet wird, welches dann zur Verlängerung der Probezeit führt, muß man einen Blick in Anlage 12 FeV (Bewertung der Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Rahmen der Fahrerlaubnis auf Probe) werfen. Dort findet sich folgender Passus
Für die Einordnung einer fahrlässigen Tötung oder fahrlässigen Körperverletzung in Abschnitt A oder B ist die Einordnung des der Tat zugrundeliegenden Verkehrsverstoßes maßgebend
Im vorliegenden Fall wird dem Fahrer vermutlich wohl eher eine nichtangepasste Geschwindigkeit (überhöhte Geschwindigkeit dürfte kaum nachweisbar sein) vorgeworfen. Dies wäre eine schwerwiegende Zuwiderhandlung im Sinne des §2a StVG, welche somit tatsächlich die von Ihnen beschriebenen Folgen hätte.

Wenn es gelingen würde, diesen Vorwurf zu entkräften und als Unfallursache lediglich eine Unaufmerksamkeit des Fahrers (also einen Verstoß gegen §1 StVO) glaubhaft darzulegen, würde die Fahrerlaubnisbehörde selbst im Fall einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung keine Maßnahmen ergreifen.
Denn Verstöße gegen §1 StVO sind lediglich weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen im Sinne des §2a StVG.

Tastenspitz
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 19489
Registriert: 05.07.07, 07:27
Wohnort: Daheim

Re: Unfall : fahrlässige Körperverletztung

Beitrag von Tastenspitz » 22.05.09, 18:21

Das da
nunca hat geschrieben: Wir sind mit etwa 60-65 km/h gefahren
und das da
nunca hat geschrieben:Wir sind ins schleudern gekommen und etwa 200-300meter weiter gegen einen Baum geknallt.
soll zusammenpassen? :shock:
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Mr.X
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 371
Registriert: 08.06.08, 18:41

Beitrag von Mr.X » 22.05.09, 21:00

@Jens L hat doch nur die Aussage von @Herzog, Jörg "spezifiziert". Was war denn jetzt daran falsch? :?

nunca
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 22.05.09, 13:48

Beitrag von nunca » 22.05.09, 21:02

Jetzt im ernst. Ich habe mein bewusstsein verloren es sind nach etwa 100 Metern bremsspuren vorhanden davor und danach gar keine. Ich kann mich daran nicht erinnern. Ich gebe zu, dass ich mit meinem Auto gerne auch schneller fahre als 60-70 aber mit Fremden Autos bin ich echt nicht schnell unterwegs. Gerade weil ich sie nicht kenne und jeder der im Auto sitzenden sagt auch das wir nicht schnell waren. Deswegen verwundert mich das auch.Übrigends haben wir 2 Kantsteine mitgenommen(ohne Achsenbruch) die eig. auch nochmal Bremsen. Vielleicht bin ich ja wirklich nochmal aufs Gas gekommen vor schreck, weil sonst ist es echt unerklärlich. Wie gesagt ich hab ne schwere Amnesie und den Unfall hergang kenne ich nur von den Kreidespuren der Polizei. Ich weiß aber das ich mit Fremden Autos nicht schnell fahre

nordlicht02
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 13877
Registriert: 14.12.06, 18:18

Beitrag von nordlicht02 » 22.05.09, 21:28

Mr.X hat geschrieben:@Jens L hat doch nur die Aussage von @Herzog, Jörg "spezifiziert". Was war denn jetzt daran falsch? :?
Wer sagt denn, dass daran etwas falsch ist?
Sollten Sie Tastenspitz meinen: der hat sich m. E. nicht auf den Beitrag von Jens L bezogen sondern lediglich die 60 bis 65 km/h im ET auf Grund der 200 bis 300 m bis zum Baum in Frage gestellt.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

Tastenspitz
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 19489
Registriert: 05.07.07, 07:27
Wohnort: Daheim

Beitrag von Tastenspitz » 22.05.09, 21:32

nordlicht02 hat geschrieben:Sollten Sie Tastenspitz meinen: der hat sich m. E. nicht auf den Beitrag von Jens L bezogen sondern lediglich die 60 bis 65 km/h im ET auf Grund der 200 bis 300 m bis zum Baum in Frage gestellt.
Jep. So isses. Da muß man ganz schön Gas geben um mit 65 km/h so weit zu schleudern.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Jens L
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3528
Registriert: 10.11.05, 19:13

Beitrag von Jens L » 22.05.09, 21:44

Tastenspitz hat geschrieben:
nordlicht02 hat geschrieben:Sollten Sie Tastenspitz meinen: der hat sich m. E. nicht auf den Beitrag von Jens L bezogen…
Jep. So isses.
Das ist auch besser so. Sonst wär ich jetzt beleidigt :wink:

rockbender
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 924
Registriert: 18.09.08, 16:29

Beitrag von rockbender » 22.05.09, 21:52

nunca hat geschrieben:Jetzt im ernst. Ich habe mein bewusstsein verloren es sind nach etwa 100 Metern bremsspuren vorhanden davor und danach gar keine. Ich kann mich daran nicht erinnern. Ich gebe zu, dass ich mit meinem Auto gerne auch schneller fahre als 60-70 aber mit Fremden Autos bin ich echt nicht schnell unterwegs. Gerade weil ich sie nicht kenne und jeder der im Auto sitzenden sagt auch das wir nicht schnell waren. Deswegen verwundert mich das auch.Übrigends haben wir 2 Kantsteine mitgenommen(ohne Achsenbruch) die eig. auch nochmal Bremsen. Vielleicht bin ich ja wirklich nochmal aufs Gas gekommen vor schreck, weil sonst ist es echt unerklärlich. Wie gesagt ich hab ne schwere Amnesie und den Unfall hergang kenne ich nur von den Kreidespuren der Polizei. Ich weiß aber das ich mit Fremden Autos nicht schnell fahre
Sollte es vor Gerict gehen, telen Sie es bitte mit. Beweise für Ihre schuld gibt es hier genug.

Jens L
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3528
Registriert: 10.11.05, 19:13

Re: Unfall : fahrlässige Körperverletztung

Beitrag von Jens L » 22.05.09, 22:04

rockbender hat geschrieben: Beweise für Ihre schuld gibt es hier genug.
Es ist manchmal durchaus ratsam das Eröffnungsposting aufmerksam zu lesen, bevor man antwortet. Dort schreibt der TE nämlich
nunca hat geschrieben:Ich bin schuld, dass ist klar.
Somit braucht darüber wohl kaum diskutiert zu werden.

Die Frage, um die es hier geht lautet
nunca hat geschrieben:Gibt es eine möglichkeit das meine Probezeit nicht verlängert wird?

rockbender
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 924
Registriert: 18.09.08, 16:29

Re: Unfall : fahrlässige Körperverletztung

Beitrag von rockbender » 22.05.09, 22:50

Jens L hat geschrieben:
rockbender hat geschrieben: Beweise für Ihre schuld gibt es hier genug.
Es ist manchmal durchaus ratsam das Eröffnungsposting aufmerksam zu lesen, bevor man antwortet. Dort schreibt der TE nämlich
nunca hat geschrieben:Ich bin schuld, dass ist klar.
Somit braucht darüber wohl kaum diskutiert zu werden.

Die Frage, um die es hier geht lautet
nunca hat geschrieben:Gibt es eine möglichkeit das meine Probezeit nicht verlängert wird?
Ja das habe ich gelesen, aber auch den Rest danach.

nunca
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 3
Registriert: 22.05.09, 13:48

Beitrag von nunca » 24.05.09, 14:52

Hey Leute,

nochmal ne Frage: Bei mir wurde am Freitag eine Bindehautentzündung diagnostiziert. Mir wurdne Augentropfen verschrieben, die ich auch genommen habe. In der Anleitung steht, dass man Autofahren kann wenn man die Tropfen nimmt. Wenn ich jetzt Sage das für 2 Sekunden durch Eiter oder so meine sicht eingeschränkt war. Wie ist da die Rechtslage? Ist das fahrlässiger als überhöhte geschwindigkeit oder ist das minderschwer?

mfg

Wächter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5517
Registriert: 07.12.08, 11:56

Beitrag von Wächter » 24.05.09, 15:01

nunca hat geschrieben:.. Ich gebe zu, dass ich mit meinem Auto gerne auch schneller fahre als 60-70 (..). Ich weiß aber das ich mit Fremden Autos nicht schnell fahre
Ich hoffe Sie meinen jetzt aber nicht das Fahren innerhalb geschlossener Ortschaften, wo 50 km/h gelten ?!

Antworten